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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
VIERTELFINALE :: BERICHT

Portugal - England

Dramatik pur – Portugal siegt nach Elfmeterkrimi

Erstellt am 25. Juni, 10:45 Uhr

Mitreißend, dramatisch und spannend bis zum Schluss - das erste Viertelfinale bei zwischen Gastgeber Portugal und England ist ein Spiel für die Geschichtsbücher gewesen. Erst im Elfmeterschießen wird die Elf von Luiz Felipe Scolari für ihr offensives Spiel und ihren Kampfgeist belohnt. Mit 8:7 (2:2/1:1) behält der Gastgeber am Ende die Nase vorn und sichert sich damit das erste Ticket fürs Halbfinale.

In einer Partie, die überwiegend von den Südeuropäern dominiert wird, steht es nach 90 Minuten 1:1. Nach einem Traumtor von Michael Owen in der 3. Minute machen die Portugiesen zwar permanent Druck, beißen sich aber an der englischen Defensive lange Zeit die Zähne aus.

:: England nach 27 Minuten ohne Wayne Rooney

Für Englands Wunderstürmer Wayne Rooney ist das Spiel bereits nach 27 Minuten beendet. Aufgrund einer Knöchelverletzung macht der bis dahin engagiert und lauffreudig auftretende Jungstar für Darius Vassell Platz.

In der zweiten Hälfte ziehen sich die Briten immer mehr zurück und lauern fast ausschließlich auf Konter. Beckham kann dem Spiel zwar ab und zu Impulse geben, doch England lässt sich zunehmend hinten einschnüren. Die Portugiesen spielen weiter offensiv, drängen förmlich auf den Ausgleich. Als in der 75. Minute Kapitän Luis Figo, bis dahin einer der Besten im portugiesischen Team, das Feld verlässt, stehen mit Stürmer Helder Postiga vier Offensivkräfte auf dem Feld.


Michael Owens Kunstschuss führte zum 1:0 für England

:: Scolaris Joker Postiga sticht

Die Taktik von Scolari geht in der 83. Minute auf: Nach einem Abstimmungsfehler in der englischen Hintermannschaft nickt der eingewechselte Postiga per Kopf ein und bringt sein Team damit wieder ins Spiel. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit haben die Engländer noch die Entscheidung in der Hand. Owens Kopfball trifft jedoch nur die Querlatte. Schiedsrichter Urs Maier bittet zur Verlängerung.

Auch wenn die Engländer jetzt mehr für das Spiel tun und David Beckham in der 101. Minute sogar die Chance zur Führung hat, steht das Eriksson-Team meist hinten drin. Ein Hammer-Schuss von Rui Costa bringt in der 110. Minute die Gastgeber verdient in Führung – grenzenloser Jubel bei den Anhängern des portugiesischen Teams im „Estadio da Luz“ von Lissabon. Doch das Spiel ist noch nicht zuende. Nur fünf Minuten später ist es Frank Lampard, der nach einem Drehschuss im Strafraum den 2:2-Ausgleichstreffer markiert. Terry hatte seinen Teamkollegen nach einer Ecke von Beckham perfekt in Szene gesetzt. Das Spiel geht ins Elfmeterschießen.

:: Beckham wird erneut zur tragischen Figur

Rui Costa bringt Portugal in der Verlängerung erstmals in Führung.

Die Engländer dürfen das „Shoot-Out“ beginnen - David Beckham schnappt sich als erster den Ball und geht zum Elfmeterpunkt. Er läuft an, rutscht am Punkt leicht aus und schießt die Kugel über das Tor von Ricardo. Deco, Owen, Lampard und Simao treffen jeweils für ihr Team – es steht 4:4. Der dritte portugiesische Schütze heißt Rui Costa. Im Spiel noch erfolgreich, versucht auch er sein Glück im Elfmeterschießen und scheitert – sein Schuss verfehlt das englische Tor.

Nach sechs Versuchen auf jeder Seite ist noch immer keine Entscheidung gefallen. Darius Vassell, in der ersten Hälfte für Wayne Rooney ins Spiel gekommen, ist Englands Nummer sieben – Ricardo pariert. Als Portugals Schlussmann den letzten Elfmeter schließlich für seine Farben verwandelt steht Portugal nach einer denkenswerten Partie als erster Halbfinalist fest.

:: Spielstatistik:

Portugal (Trainer: Luiz Felipe Scolari): Ricardo – Miguel (79. Rui Costa), Andrade, Carvalho, Nuno Valente - Maniche, Costinha (63. Simao), Figo (75. Postiga), Deco, Ronaldo - Nuno Gomes

England (Trainer: Sven Göran Eriksson): James - G.Neville, Terry, Campell, Cole –Gerrard (81. Hargreaves), Lampard, Beckham, Scholes (57. P.Neville) - Owen, Rooney (27. Vassell)

Schiedsrichter: Urs Meier (Schweiz)

Tore: 0:1 Michael Owen (3.); 1:1 Helder Postiga (83.); 2:1 Rui Costa (110.); 2:2 Frank Lampard (115.)

Elfmeterschießen: 3:2 Deco, 3:3, Michael Owen, 4:3 Simao, 4:4 Frank Lampard, 4:5 John Terry, 5:5 Christiano Ronaldo, 5:6 Owen Hargreaves, 6:6 Maniche, 6:7 Ashley Cole, 7:7 Helder Postiga, 8:7 Ricardo

Gelbe Karten: Costinha (56.), Deco (85.), Ricardo Carvalho (119.) – Steven Gerrard (37.), Gary Neville (44.), Phil Neville (92.)

Zuschauer: 62 275

Robert Nößler


 

 
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