Kontakt  |  Gewinnspiel  |  Impressum  
 
  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
VIERTELFINALE :: KOMMENTAR

Viertelfinale Portugal - England

Machtwechsel in Portugal

 

Erstellt am 25. Juni, 11:00 Uhr

Die portugiesische Nationalmannschaft hat während dieser EM etwas geschafft, wofür andere Teams Monate oder Jahre brauchen. Sie haben einen Generationswechsel vollzogen. Weg von
der „Goldenen Generation“ um Luis Figo, Fernando Couto und Rui Costa, die diesen Beinamen bekam, nachdem sie Anfang der 90er Junioren-Weltmeister geworden war. Ihre Plätze nehmen jetzt die jüngeren Spieler wie Deco, Cristiano Ronaldo und Miguel ein.

Bezeichnend für den Generationswechsel war die Auswechslung des größten Fußballers Portugals, Luis Figo, im Viertelfinale. Trainer Scolari rüttelte mit dieser Maßnahme am Denkmal des Volkshelden. Er nahm Figo bei seinem vorrausichtlich letzten großen Turnier vom Platz, zu einem Zeitpunkt, an dem seine Mannschaft in Rückstand lag. Scolari zeigte damit, dass jetzt Deco, nicht mehr Figo, sein Vertrauen hat, doch noch die Wende in solch einem engen Spielen einzuleiten. Was für eine Demütigung für den einzigen aktuellen Weltstar aus dem kleinen Land an der Atlantikküste!

:: Würdiger Abschied noch möglich

Selbst als neutraler Fan muss man sich freuen, dass Portugal im Halbfinale steht. Nicht, weil sie es so sehr verdient hatten zu gewinnen, sondern aus Respekt vor Figo. Nicht auszudenken, wenn die Portugiesen ausgeschieden wäre. Beim letzten großen Auftritt eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt, obwohl die eigene Mannschaft ihn – den Superstar – eigentlich gerade am Dringendsten braucht. Das wäre ein absolut unwürdiges Ende für diesen Großen des Weltfußballs gewesen. So hat Luis Figo wenigstens noch die Chance auf einen angemessenen Abschied.

Figo ist das einzige Mitglied der „Goldenen Generation“, dass noch erste Wahl bei Scolari ist. Der Schnitt wurde nach der Niederlage gegen Griechenland im ersten Vorrundenspiel vollzogen. Fernando Couto durfte im zweiten Spiel noch einmal kurz ins Geschehen eingreifen und ward dann gar nicht mehr gesehen. Eine richtige Entscheidung von Scolari, denn Couto spielte schlecht, zu langsam, zu unbeweglich. Rui Costa konnte als Joker noch ein paar Akzente setzen und traf gegen Russland und England.

Insgesamt ist die Zeit der „Goldenen Generation“ endgültig vorbei. Figo wird noch seine Einsatzzeit bekommen, die beiden anderen können höchstens noch auf Kurzeinsätze hoffen. Die Hoffnung bleibt, dass Figo einen würdigen Abschied aus der Nationalmannschaft bekommt, der unumstrittene Leader seiner Mannschaft wird er aber nicht mehr sein. Die alten Stars Portugals reiten langsam in den Sonnenuntergang. Vielleicht können sie sich doch noch mit dem lang ersehnten Titel verabschieden. Aber die ganz großen Lorbeeren werden andere, jüngere Spieler ernten. Figo und Co sind nach wie vor Vorbilder, Inspiration und Wegbereiter dieser neuen Generation portugiesischer Nationalspieler. Aber der Machtwechsel ist seit diesem Viertelfinale unwiderruflich vollzogen.

Von Adrian Bauer

 

 

 

 
Aktuelle Ergebnisse
Auf EM OLÉ