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| VIERTELFINALE
:: KOMMENTAR |
Viertelfinale Portugal - England
Machtwechsel in Portugal
Erstellt am 25. Juni, 11:00 Uhr
Die portugiesische Nationalmannschaft hat während
dieser EM etwas geschafft, wofür andere Teams Monate
oder Jahre brauchen. Sie haben einen Generationswechsel vollzogen.
Weg von
der „Goldenen Generation“ um Luis Figo, Fernando
Couto und Rui Costa, die diesen Beinamen bekam, nachdem sie
Anfang der 90er Junioren-Weltmeister geworden war. Ihre Plätze
nehmen jetzt die jüngeren Spieler wie Deco, Cristiano
Ronaldo und Miguel ein.
Bezeichnend für den Generationswechsel war die Auswechslung
des größten Fußballers Portugals, Luis Figo,
im Viertelfinale. Trainer Scolari rüttelte mit dieser
Maßnahme am Denkmal des Volkshelden. Er nahm Figo bei
seinem vorrausichtlich letzten großen Turnier vom Platz,
zu einem Zeitpunkt, an dem seine Mannschaft in Rückstand
lag. Scolari zeigte damit, dass jetzt Deco, nicht mehr Figo,
sein Vertrauen hat, doch noch die Wende in solch einem engen
Spielen einzuleiten. Was für eine Demütigung für
den einzigen aktuellen Weltstar aus dem kleinen Land an der
Atlantikküste!
:: Würdiger
Abschied noch möglich
Selbst als neutraler Fan muss man sich freuen, dass Portugal
im Halbfinale steht. Nicht, weil sie es so sehr verdient hatten
zu gewinnen, sondern aus Respekt vor Figo. Nicht auszudenken,
wenn die Portugiesen ausgeschieden wäre. Beim letzten
großen Auftritt eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt,
obwohl die eigene Mannschaft ihn – den Superstar –
eigentlich gerade am Dringendsten braucht. Das wäre ein
absolut unwürdiges Ende für diesen Großen
des Weltfußballs gewesen. So hat Luis Figo wenigstens
noch die Chance auf einen angemessenen Abschied.
Figo ist das einzige Mitglied der „Goldenen Generation“,
dass noch erste Wahl bei Scolari ist. Der Schnitt wurde nach
der Niederlage gegen Griechenland im ersten Vorrundenspiel
vollzogen. Fernando Couto durfte im zweiten Spiel noch einmal
kurz ins Geschehen eingreifen und ward dann gar nicht mehr
gesehen. Eine richtige Entscheidung von Scolari, denn Couto
spielte schlecht, zu langsam, zu unbeweglich. Rui Costa konnte
als Joker noch ein paar Akzente setzen und traf gegen Russland
und England.
Insgesamt ist die Zeit der „Goldenen Generation“
endgültig vorbei. Figo wird noch seine Einsatzzeit bekommen,
die beiden anderen können höchstens noch auf Kurzeinsätze
hoffen. Die Hoffnung bleibt, dass Figo einen würdigen
Abschied aus der Nationalmannschaft bekommt, der unumstrittene
Leader seiner Mannschaft wird er aber nicht mehr sein. Die
alten Stars Portugals reiten langsam in den Sonnenuntergang.
Vielleicht können sie sich doch noch mit dem lang ersehnten
Titel verabschieden. Aber die ganz großen Lorbeeren
werden andere, jüngere Spieler ernten. Figo und Co sind
nach wie vor Vorbilder, Inspiration und Wegbereiter dieser
neuen Generation portugiesischer Nationalspieler. Aber der
Machtwechsel ist seit diesem Viertelfinale unwiderruflich
vollzogen.
Von Adrian Bauer
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