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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
 SPIELE VIERTELFINALE :: BERICHT

Frankreich - Griechenland

Quelle blamage! Adieu, les bleus!

Erstellt am 26. Juni, 10:00 Uhr

Es bleibt dabei. Ein amtierender Europameister kann seinen Titel nicht verteidigen. Für Frankreich ist sensationell schon im Viertelfinale Schluss. Und das ausgerechnet gegen den krassen Außenseiter Griechenland. Dank einer kämpferisch überzeugenden Leistung bezwangen die Hellenen die „Equipe tricolore“ verdient mit 1:0. Der Titelverteidiger enttäuschte auf der ganzen Linie und bot eine katastrophale Vorstellung.

45.000 Zuschauer dachten, sie sind im falschen Film. Schon mitten in der ersten Halbzeit mussten sich die Franzosen ein gellendes Pfeifkonzert anhören. Es war überhaupt das erste Mal in diesem Turnier, dass es für eine Mannschaft Pfiffe von den eigenen Fans gab. Das, was man von den Blauen zu sehen bekam, war erst brotlos, dann ratlos und schließlich hilflos. ARD-Kommentator Steffen Simon brachte es auf den Punkt: „Liebe Zuschauer. Sie kennen unsere EM-Hotline. Wenn Sie einen Franzosen sehen, der sich bewegt, geben Sie mir Bescheid!“

:: Griechen kompakt und kontrolliert offensiv

Otto Rehhagel ist eine taktische Meisterleistung gelungen. Seine Griechen standen kompakt und wagten sich auch mehrfach nach vorne. Ihr zerstörerisches Spiel war effektiv. Frankreichs Stürmer Trezeguet und Henry waren bei Kapsis und Seitaridis weitestgehend abgemeldet. Außer einer Kopfballchance durch Henry (25., rechts vorbei) war in Hälfte 1 nichts drin. Auch Mittelfeldstar Zidane verlor einen Ball nach dem anderen.

Ganz anders die Griechen. In der 14. Minute prüft Demis Nikolaidis Frankreichs Torwart Barthez erstmals mit einem Distanzschuss. Eine Minute später drehen die Griechen nach einem Karagounis-Freistoß schon jubelnd ab. Doch Barthez verhindert im letzten Moment, dass der Ball die Torlinie in vollem Umfang überschreitet. In der 37. Minute hält Fissas einfach mal aus 35 Metern drauf. Der Ball senkt sich gefährlich. Frankreichs Torsteher rettet mit der Faust.

15. Minute: Nicht komplett hinter der Linie: Frankreichs Schlussmann verhindert von Beginn an Schlimmeres

:: Frankreich nach der Pause bemühter

Nach der Pause bemühte sich Frankreich mehr, ohne aber besser zu werden. Zwar erarbeitete sich die „Equipe tricolore“ jetzt wesentlich mehr Spielanteile, ernsthafte Großchancen sprangen jedoch weiterhin nicht raus. Mehr als ein abgefälschter 15-Meter-Seitfallzieher von Henry (49.) und ein Solo von Lizarazu (57.) waren nicht drin. Griechenlands Abwehrrecken um den Libero Traianos Dellas waren weiterhin zur Stelle.

:: „Harrys“ zweites Euro-Tor

Das goldene Tor: Barthez hat gegen Charisteas keine Chance.

Das goldene Tor dann in Minute 65: Kapitän Zagorakis setzt sich auf der rechten Seite gegen Lizarazu durch und flankt in die Mitte. Dort steht Thuram zu weit weg, um Charisteas am Köpfen zu hindern. Aus sechs Metern fliegt der Ball oben rechts in den Kasten. Keeper Barthez ist machtlos.

:: Offensive Einwechslungen

Frankreichs Coach Santini reagierte und brachte mit Wiltord und Saha für Dacourt und Trezeguet sowie später Rothen für Pires neue Offensivkräfte. Zwingende Gelegenheiten sprangen bis zur Schlussphase jedoch weiterhin nicht raus.

:: Aufbäumen der Blauen kurz vor Schluss

Frankreichs Aufbäumen kommt zu spät. Drei Minuten vor Schluss scheitert Henry mit einem Kopfball aufs lange Eck. Der Ball geht um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. In der Nachspielzeit hat Lizarazu eine Doppelchance. Zunächst schießt er mit rechts Seitaridis an, den Abpraller jagt er dann mit links in die Wolken.

:: Rehhagel sechster deutscher Trainer im EM-Halbfinale

Letzten Endes hat sich mannschaftliche Geschlossenheit gegen individuelle Klasse durchgesetzt. Die Griechen haben ihr erstes K.-O.-Spiel in einem großen Turnier gewonnen und stehen zum ersten Male in einem Halbfinale. Otto Rehhagel ist nach Helmut Schön, Jupp Derwall, Sepp Piontek (mit Dänemark), Franz Beckenbauer und Berti Vogts der sechste deutsche Trainer, der es mit einer Mannschaft unter die letzten vier geschafft hat.

:: Spielstatistik:

Frankreich (Trainer: Jacques Santini): Barthez - Gallas, Thuram, Silvestre, Lizarazu - Makelele, Dacourt (72. Wiltord), Zidane, Pires (79. Rothen) - Henry, Trezeguet (72. Saha).

Griechenland (Trainer: Otto Rehhagel): Nikopolidis - Seitaridis, Kapsis, Dellas, Fissas - Karagounis, Zagorakis, Katsuranis, Basinas (85. Tsiartas) - Charisteas, Nikolaidis (61. Lakis).

Schiedsrichter: Anders Frisk (SWE)

Tore: 0:1 Angelos Charisteas (65.)

Gelbe Karten: Zinedine Zidane (45.), Louis Saha (86.) – Georgios Karagounis (6.), Theodoros Zagorakis (50.)

Zuschauer: 45.390

Christoph Dziedo

 
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