| VIERTELFINALE
:: KOMMENTAR |
Viertelfinale Frankreich - Griechenland
Otto Rehagel im Kreis der Götter
Erstellt am 26. Juni, 14:00 Uhr
Griechenland hat jetzt schon diese Euro gewonnen. Natürlich
hatte Frankreich die bessere Mannschaft, war klarer Favorit.
In ihren Reihen standen bei diesem Spiel noch sieben Welt-
und Europameister. Diese Weltstars verdienen Gehälter,
die sich selbst die Clubs nicht leisten können, die sie
bezahlen. Doch für die Mannschaft von Otto Rehagel hat
es nicht gereicht. Dafür wird er in Griechenland heilig
gesprochen.
:: Der
Mann des Spiels
Es ist klar Otto Rehagels Verdienst, mit dieser Mannschaft
das Halbfinale zu erreichen. Diese Leistung muss man anerkennen.
Sein oberlehrerhafter Stil, er selbst nennt ihn gern diktatorisch,
ist daran nicht unschuldig. Er ist seit knapp drei Jahren
der klare Chef im griechischen Fußball. In dieser Zeit
hat er aus dem Nichts eine Mannschaft geformt, die mit den
„Großen“ mithalten kann.
:: Entzauberte
Franzosen
Die Hellenen zeichneten sich durch großen Kampfgeist
und eine sensationelle läuferische Leistung aus. Sie
ließen den „Blauen“ kaum Platz, um ihr Spiel
aufzuziehen. Thierry Henry, Zinedine Zidane, David Trezeguet
wurden gnadenlos entzaubert, schon weit vor dem Tor sahen
sie sich zumeist gleich zwei Griechen gegenüber. Nebenbei
zogen die Hellenen ein sicheres Kombinationsspiel auf, schnörkellos
arbeiteten sie sich immer wieder vor das gegnerische Tor.
Natürlich fehlte ihnen die spielerische Leichtigkeit,
die die Franzosen in ihren besten Tagen auszeichnete.
:: Auch
Griechen können Fußball spielen
Aber sie können Tore schießen, gegen Frankreich
war es Angelos Charisteas, zweite Wahl bei Werder Bremen.
Er nutzte die einzige echte Chance, als er frei zum Kopfball
kam. Damit schockte er ganz Fußball- Frankreich. Damit
hatte keiner gerechnet und erst jetzt begann der Favorit mit
der überfälligen Offensive, zu spät.
:: Otto,
bleib wo du bist
Otto Rehagel hat mit dem Einzug ins Halbfinale einen seiner
größten Erfolge erzielt. Aber vom vakanten Trainerstuhl
der deutschen Nationalmannschaft muss er die Finger lassen.
Denn nur solange er Mannschaften trainiert, in denen keiner
seine Diktatur antastet, hat er Erfolg. Für Bayern München
oder auch für die deutsche Nationalmannschaft war und
ist er deshalb der falsche Mann, denn dort gibt es zu viele,
die sich nicht unterordnen wollen. Und er weiß es, denn
einmal hat er diesen Fehler schon gemacht. Mit Griechenland
konnte er nur gewinnen, in Deutschland kann er wieder nur
verlieren.
Dann doch lieber ein neues Denkmal für den Diktator
im Ursprungsland der Demokratie.
Von Marian Schmalz
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