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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
VIERTELFINALE :: KOMMENTAR

Schweden - Niederlande

Zumindest der Elfmeter-Fluch ist besiegt

Erstellt am 27. Juni, 13:00 Uhr

Es ist vollbracht. Holland hat den Fluch besiegt. Einen Fluch, der seit zwölf langen Jahren die Gemüter der Ball tretende niederländische Elite belastete. Bei den vergangenen drei Europameisterschaften wurde den Titelträumen der Oranjes jeweils durch die bitterste Art, mit der man ein Fußballspiel verlieren kann, ein jähes Ende bereitet: das Elfmeterschießen.

:: Trauma überwunden

Prinzipiell eine recht einfache Prozedur. Der Schütze postiert sich in elf Metern Entfernung in zentraler Position vor dem Gehäuse und versucht durch kunstvolle Ballbehandlung, diesen ins Netz zu befördern. Ungemein erschwert wird diese Aufgabe durch den gegnerischen Torhüter, der natürlich bestrebt ist, dem Schützen den Tag durch das Halten des Spielgerätes zu vermiesen.

Bislang war es bei den kontinentalen Wettkämpfen stets so, dass eine Mannschaft siegreich und die andere mit orangefarbenen Trikots bekleidet war. Gegen Schweden lief Holland jedoch in weißer Spielbekleidung auf. Naheliegend, dass man nun den äußeren Umständen entscheidende Bedeutung zugestehen könnte (zum Beispiel sandiger Elfermeterpunkt oder Farbe der Trikots eben); doch ganz so einfach ist die Sache indes nicht.

:: Erfolgsrezept: Gehirn ausschalten

Arjen Robben, einer der siegreichen Kanoniere, verriet nach dem just eingefahrenen Triumph sein Erfolgsgeheimnis: "Es ist fantastisch, unglaublich. Wir können tatsächlich Elfmeter schießen. Wir durften selbst entscheiden, wer schießt. Ich habe gesagt, ich mache das, und den Verstand auf Null gestellt."

Aha. Einfach mal im Oberstübchen das Licht ausmachen und draufballern - im Nachhinein eine gute Entscheidung. Die Kritiker, die für Bondscoach Dick Advocaat während der Vorrunde schon ein Heimflugticket gebucht hatten, dürften nun in der Heimat am lautesten jubeln.

:: Friede, Freude, Eierkuchen

Momentan ist ja eh alles Butter im deichgesäumten Nachbarland: Rudi Carrell ist nach wie vor im teutonischen Ausland, die Fans können weiter dezent schadenfroh "Schade, Deutschland, alles ist vorbei" skandieren und für Ex-Rebell Clarence Seedorf war Advocaat plötzlich schon immer "der beste Trainer der Welt". Dem nicht genug, so mancher Holländer trägt seit dem erfolgreichen Abschluss der Vorrunde mit stolzgeschwellter Brust sein T-Shirt mit der hübschen Aufschrift "I love my Dick".

Sei es ihnen allen die Freude für ein paar Tage gegönnt. Denn am Ziel sind sie noch lange nicht. Mit Portugal wartet im Halbfinale ein großer Gegner. Und ob man nun im Halbfinale oder in der Vorrunde scheitert - Europameister ist man in beiden Fällen nicht.

Michael Urbach

 

 

 

 
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