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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  SPIELE HALBFINALE :: BERICHT

Portugal - Niederlande

Chancenloses Holland ist raus

Erstellt am 30. Juni, 23:30 Uhr

Grenzenloser Jubel in Portugal: Der Gastgeber hat im Halbfinale die Niederlande verdient mit 2:1 besiegt und steht damit im Finale des Turniers. Die Oranjes hingegen zeigten eine enttäuschende Leistung, schossen kein Tor selbst und fahren verdient nach Hause.

Verhaltener Beginn beider Teams vor 50 300 Zuschauern im ausverkauften Estadio José Alvalade von Lissabon. Die ersten 25 Minuten kann man getrost vergessen. Die Spieler wirkten nervös und waren zunächst vor allem darauf bedacht, keinen entscheidenden Fehler zu produzieren. Die Folge: Ein Mittelfeldgeplänkel mit zahlreichen Fehlpässen.

In der 26. Minute dann Eckball Deco von links. Der Ball fliegt zentral an den Fünf-Meter-Raum, wo Cristiano Ronaldo urplötzlich ganz allein steht und unhaltbar für den niederländischen Torwart Edwin van der Saar zum 1:0 für Portugal einköpft. Jaap Stam und Giovanni van Bronckhorst in der Abwehr haben geschlafen.

Grenzenlose Freude bei den portugiesischen Fans über den Final-Einzug

:: Starker Luis Figo

Von dem Tor nach der Standardsituation geweckt, wurde das Spiel nun lebendiger. Praktisch im Gegenzug verzieht der für Andy van der Meyde ins Spiel gekommene Marc Overmars aus sechs Metern vor dem Tor des Portugiesen Ricardo. Ein paar Minuten später klärt Jorge Andrade gerade noch vor Clarence Seedorf am Fünf-Meter-Raum zur Ecke. In der 39. Minute zappelt der Ball dann im portugiesischen Netz. Doch Schiedsrichter Anders Frisk erkennt den Treffer von Ruud van Nistelrooy zu Recht wegen Abseits nicht an.

Das war allerdings schon alles aus niederländischer Sicht. Portugal dominierte das Spiel nach dem Führungstreffer klar. Vor allem Pauleta aus sieben Metern nach Querpass von Maniche und der starke Figo mit einem Schuss aus 18 Metern an den linken Pfosten hatten das 2:0 auf dem Fuß. Mit der verdienten portugiesischen Führung ging es in die Pause.

:: Weltklassetor von Maniche

Zur Halbzeit stellte der niederländische Trainer Dick Advocaat seine typische Taktik mit einem zentralen Stürmer und zwei Angreifern auf den Flügeln um. Mit Bayerns Roy Makaay, der für Overmars kam, und van Nistelrooy standen nun zwei zentrale Angreifer in der Formation. Zehn Minuten später kam sogar noch der offensive Rafael van der Vaart für Abwehrspieler Wilfred Bouma.

Doch das Tor machte erneut Portugal: Kurze Ecke von links von Deco auf den starken Maniche. Der wird nicht angegriffen und zieht vom Strafraumeck ab. Der Ball senkt sich hinter dem chancenlosen van der Saar in den rechten oberen Winkel. Ein Traumtor. In der 58. Minute schien Holland geschlagen.

Bester Mann auf dem Platz: Luis Figo

:: Andrade mit Eigentor

Doch ausgerechnet ein Eigentor des ansonsten starken Andrade brachte die Männer von Advocaat in der 63. Minute wieder ran. Der Spieler von Deportivo La Coruna fälschte eine Flanke von van Bronckhorst unglücklich in den eigenen Kasten ab. Dahinter hatte bereits van Nistelrooy gelauert.

Portugal wirkte nun geschockt und überlies den Niederländern zunächst das Spiel. Richtig große Torchancen sprangen für die Oranjes jedoch nicht heraus, obwohl Advocaat in der 81. Minute mit Pierre van Hooijdonk den dritten zentralen Stürmer einwechselte. Mit Kontern blieb Portugal stets gefährlich.

Holland drängte, wirkte jedoch langsam, ohne Teamgeist, ohne große Ideen. In der 94. Minute hätte Deco alles klar machen müssen, als er von Figo bedient frei vor van der Saar kläglich vergab. Dennoch reichte es: Schiedsrichter Frisk pfiff ab und der Jubel bei den portugiesischen Fans kannte keine Grenzen.

:: Trainer Advocaat vor dem Aus

Die Niederländer enttäuschten auf ganzer Linie und kamen bis auf eine kurze Druckphase nach dem portugiesischen Führungstor zu keinen großen Chancen. Auch die Einwechslung von zwei weiteren zentralen Stürmern brachte nicht die Wende. Die Amtszeit von Trainer Advocaat dürfte damit beendet sein.

Portugal hingegen steht nach einer guten und engagierten Leistung hochverdient im Finale der Europameisterschaft und wartet nun auf seinen Gegner, den morgen Griechenland und Tschechien ausspielen.

Gregor le Claire

:: Spielstatistik

Portugal (Trainer: Luis Felipe Scolari): Ricardo – Miguel, Andrade, Carvalho, Valente – Costinha, Maniche (87. Couto), Deco, Figo – Ronaldo (67. Petit), Pauleta (75. Gomes)

Niederlande (Trainer: Dick Advocaat): Van der Saar – Reiziger, Stam, Bouma (56. van der Vaart), van Bronckhorst – Davids, Seedorf, Cocu – Robben (81. van Hooijdonk), van Nistelrooy, Overmars (45. Makaay)

Schiedsrichter: Anders Frisk (SWE)

Tore: 1:0 Cristiano Ronaldo (26.), 2:0 Maniche (58.), 2:1 Jorge Andrade (63., ET)

Gelbe Karte(n): Cristiano Ronaldo (26.), Nuno Valente (44.), Luis Figo (90.) – Marc Overmars (39.), Arjen Robben (71.)

Zuschauer: 50 300 (Stadion José Alvalade, Lissabon; ausverkauft)

 
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