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  :: Das Online-Magazin der Leipziger Journalistik zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal
 
  SPIELE GRUPPE A :: BERICHT

Russland – Griechenland

Griechenlands schönste Niederlage aller Zeiten

Erstellt am 21. Juni, 10:15 Uhr

König Ottos Götter gehören zum ersten Mal zu den ersten acht in Europa. An einem hoch dramatischen letzten Spieltag mussten die Griechen jedoch bis zur allerletzten Sekunde zittern. Das Spiel gegen die Russen ging 1:2 verloren, während Portugal gegen Spanien 1:0 gewann.. Ein Gegentor der Russen mehr, und die Rehhagel-Truppe hätte nach Hause fahren können.

Erstmals waren die Griechen Favorit und hatten die beste Ausgangssituation. Rehhagel ließ seine Mannen daher offensiv auflaufen und brachte gleich drei Spitzen, was zunächst nach hinten los ging. Überraschend unsicher agierte nämlich die bisher hochgelobte Defensive.

:: Schnellstes EM-Tor nach 68 Sekunden

Versteinerte Miene nach miserablem Start: Otto Rehhagel.

Schon kurz nach Anpfiff nahm Russlands Stürmer Dimitri Kirichenko einen weiten Abschlag seines Torhüters Viacheslaw Malafeev auf und entwischte der schlafenden griechischen Abwehr. Nach nur einer Minute und acht Sekunden das erste Tor, das schnellste der EM-Geschichte. Für die euphorischen Griechen eine kalte Dusche.

Entsprechend geschockt die Reaktion der Hellenen. Sie fanden ganz und gar keinen Weg ins Spiel und standen hinten weiter unsicher. Nach zwölf Minuten hatten sie Riesen-Glück, dass der Schiedsrichter den Russen einen Foulelfmeter versagte.

:: Russen nicht wieder zu erkennen

Ganz anders die Russen. Alles, was sie in den ersten beiden Spielen vermissen ließen, war plötzlich da. Zum ersten Male boten sie eine beherzte Vorstellung und ließen die Griechen gar nicht zur Entfaltung kommen. Nach 16 Minuten nutzte Stürmer Dimitri Bulykin eine Ecke von Gusev und köpfte zum verdienten 2:0. Acht Minuten später hätte Andrej Karyaka die Griechen endgültig abschießen können, doch sein Schuss ging über den Kasten.

:: Einwechslung bringt Wende

Ein Treffer für die Geschichtsbücher: Kirichenko mit dem schnellsten EM-Tor aller Zeiten.

Noch vor der Halbzeit reagierte Otto Rehhagel und wechselte Spielmacher Vasilios Tsiartas ein. Kurz darauf der erlösende Anschlusstreffer. Zisis Vryzas vom AC Florenz drehte sich im Strafraum um seinen Gegenspieler und hob den Ball über Malafeev hinweg zum 1:2 (42.). Mit diesem Tor zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt ging es in die Kabine.

:: Offener Schlagabtausch in den zweiten 45 Minuten

Nach der Pause spielten die Griechen deutlich besser, standen viel näher an ihren Gegenspielern und hatten auch einige Ausgleichsmöglichkeiten. Die beste vergab der eingewechselte Nikolaidis nach einem Alleingang in der 78. Minute.
Die spielfreudigen Russen blieben mit Kontern jedoch stets gefährlich und waren dem 3:1 näher. Nach der zwischenzeitlichen 1:0-Führung der Portugiesen gegen Spanien wäre das für Ottos Mannen der Knock-out gewesen.

Letzten Endes müssen sich die Griechen bei ihrem Keeper Nikopolidis bedanken, der zweimal glänzend reagierte. Nach einer Stunde rettete er nach einem Volleyschuss von Bulykin, vier Minuten später lenkte der Torwart einen Gusev-Freistoß um den Pfosten.

:: Zumindest ein Deutscher weiter gekommen

Mit dem Triumph von Otto Rehhagels Griechen steht fest: Zumindest ein Deutscher übersteht die Vorrunde und steht im Viertelfinale. Gegner am Freitag ist der Sieger der Gruppe A. Möglicherweise wartet auf Ottos Mannen also Titelverteidiger Frankreich.

:: Spielstatistik

Russland (Trainer: Georgi Jartsew): Malafeev - Anyukov, Sharonov, Bugaev, Evseev - Gusev, Radimov, Karyaka -(46. Semschov), Alenichev – Bulykin (46. Sytshev), Kirichenko.

Griechenland (Trainer: Otto Rehhagel): Nikopolidis - Seitaridis, Kapsis, Dellas, Venetidis (89. Fyssas) - Basinas (42. Tsiartas), Katsouranis, Zagorakis - Charisteas, Papadopoulos (69. Nikolaidis), Vryzas.

Tore: 1:0 Dimitri Kirichenko (2.), 2:0 Dimitri Bulykin (17.), 2:1 Zisis Vryzas (43.)

Schiedsrichter: Gilles Veissière (FRA)

Zuschauer: 24.000

Gelbe Karten: Dimitri Alenichew (2), Vladislaw Radimov (2), Roman Sharonov, Aleksandr Anyukov, Andrej Karyaka, Viacheslaw Malafeev – Zisis Vryzas (2), Traianos Dellas.

Christoph Dziedo

 
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