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Gruppe
D
Deutschland
Trainer: Rudi Völler
Auf eine eindrucksvolle Bilanz seiner balltretenden Elite
bei Europameisterschaften vermag Deutschland zurückzublicken.
Bereits drei Mal wurde die Mission, die Heimreise vom Turnier
nicht ohne den ruhmreichen Siegespokal anzutreten, von den
teutonischen Kickern mit Bravour gemeistert: 1972, 1980 und
1996 gelang das Meisterstück.
Auch in diesem Jahr ist man bestrebt, möglichst mit
güldenem Reisegepäck zum Frankfurter Rathaus zurückzukehren.
Diesmal freilich ohne aus der Position des (Mit-)Favoriten
zu agieren. Zu durchwachsen waren die Leistungen der Völlerschen
Truppe in den letzten Wochen, Monaten; ja Jahren. Der einstige
Weltklassestürmer Völler hatte das Amt des Teamchefs
im Juli 2000 nach dem desaströsen Auftritt der Elf bei
der EM von Erich Ribbeck übernommen.
Nicht mehr unumstritten, doch vom Teamchef mit Nibelungentreue
zur Nummer Eins erklärt, hütet Spielführer
Oliver Kahn das deutsche Tor. Einige folgenschwere Patzer
hatte sich der mehrfache Welttorhüter zuletzt geleistet;
jedoch vermochte sich Rivale Lehmann, gleichfalls bedingt
durch Fehlgriffe, nicht in den Vordergrund zu spielen. Der
jungen Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart gehört die Zukunft,
momentan muss er sich aber mit der Rolle, als dritter Torhüter
begenügen.
Die Abwehr, einst Prunkstück und nahezu unüberwindbares
Bollwerk für Stürmer, lässt seit geraumer Zeit
Souveränität vermissen. Auf der Suche nach der Idealformation
lässt man sich von den gegnerischen Angriffsbemühungen
inspirieren: Erscheint der Widersache mit drei Sturmspitzen,
so verteidigt man bevorzugt mittels der Viererkette; sind
es nur derer zwei, formiert sich eine Dreierkette. Jedoch
ist dieses System nicht statisch zu verstehen; plötzliche
Wechsel zwischen den Abwehrformationen mögen situationsbedingt
im Spiel erfolgen. Personell gesehen ist der erfahrene Dortmunder
Christian Wörns eine Bank in der Innenverteidigung; erste
Wahl wird wohl zudem der von schwerer Verletzung genesene
Jens Nowotny sein, wobei mit dem Kapitän der Bremer Meistermannschaft
Frank Baumann ein starker Konkurrent lauert.
Für die Außenpositionen einer möglichen Viererkette
stehen mit dem Stuttgarter Shooting-Star Phillip Lahm, der
sich vor rund einem Jahr noch in der Regionalliga bewies,
seinem Teamkollegen Andreas Hinkel und dem Berliner Arne Friedrich
drei junge Spieler zur Verfügung.
Im Mittelfeld, tummeln sich, je nach Abwehrformation, vier
oder fünf deutsche Spieler. Gesetzt ist Michael Ballack.
Der kopfballstarke, torgefährliche Sachse, der seine
Brötchen bei Deutschlands Vorzeigeclub Bayern München
verdient, rief zwar unlängst den Missmut der bajuwarischen
Oberen hervor, die sich, ungeachtet seiner verschleppten Verletzungen,
unzufrieden mit dessen Spielweise äußerten; dennoch
gilt er für das Nationalteam als eminent wichtig. Mit
Bernd Schneider steht ihm ein technisch versierter, dribbelstarker
Partner aus Leverkusener Zeiten zur Seite, der auch auf den
rechten Flügel auszuweichen vermag.
Die Position des aus der Tiefe spieleröffnenden, dennoch
gleichsam des Gegners Angriffsbemühungen unterbindenden
Mittelfeldstrategen fällt wohl dem England-Legionär
Dietmar Hamann zu. Alternativ zum Liverpooler, oder auch mit
diesem im Duett agierend, bietet sich Torsten Frings an, dessen
famose Rückrunde der Dortmunder Borussia manchen Punkt
rettete. Auch verbietet sich die Betätigung der Bremer
Frank Baumann oder Fabian Ernst im defensiven Mittelfeld nicht;
ebenso ist dieses Aktionsfeld Jens Jeremies und Sebastian
Kehl nicht unbekannt.
Quantitativ ungleich weniger gesegnet zeigt sich das linke
Mittelfeld: Einzig Christian Ziege, als erfahrener aber momentan
vereinloser Linksfuß, vermag dort die Seitenlinie flankender
Weise auf und ab zu bearbeiten. Auch auf dem anderen Flügel
fühlt sich niemand so recht heimisch, allenfalls Bernd
Schneider oder der junge Münchner Allrounder Bastian
Schweinsteiger scheinen dafür geeignet. Aus genannten
personellen Gründen und nicht zuletzt zugunsten der Kompaktheit
des Mittelfeldes werden linker und rechter Flügel eher
gen Zentrale rücken.
Die Bilanz des deutschen Angriffs, betraut mit der nicht
unwichtigen Aufgabe, das runde Spielgerät hinter des
Gegners Torwart zu bugsieren, scheint nicht unbedingt geeignet,
im Vorab Angst und Schrecken in den Abwehrreihen der Kontrahenten
zu verursachen. Weder Bobic, Brdaric, noch Klose, Kuranyi
oder Podolski, allesamt in der einheimischen Bundesliga auf
Torejagd, war es in der abgelaufenen Spielzeit vergönnt,
mehr als 12 zu erzielen.
Allesamt fühlen sich die deutschen Angriffsrecken eher
im Strafraum wohl, nach Oliver Neuvilles Nicht-Nominierung
fehlt ein waschechter Flügelstürmer. Die Lufthoheit
dürfte der größte Trumpf von Kuranyi und Co.
sein, sind sie doch durchweg mit einem überdurchschnittlichen
Kopfballspiel ausgerüstet. Allerdings sind Spieler, die
durch eine geniale Einzelaktion ein Spiel allein entscheiden
können, nicht nur im Angriff rar. Darum gelten Standardsituationen,
in welchen die Kopfballstärke ausgespielt werden kann,
als wichtiger Mosaikstein für die Offensivbemühungen.
:: Prognose
Das Vorhaben einer Prognose über das Abschneiden der
deutschen Mannschaft gleicht dem Versuch, das Rätsel
um das Wembley-Tor vollständig aufzuklären. Zu unterschiedlich
präsentierten sich die deutschen in den vergangenen Jahren.
Einer katastrophalen, im Vorrunden-Aus gipfelnden Europameisterschaft
2000 steht der unerwartete Finaleinzug bei der WM 2002 gegenüber.
Die Qualifikation für Portugal gelang zwar als Gruppenprimus;
Souveränität oder gar spielerischer Glanz wurden
jedoch häufig vermisst. In Testspielen gegen große
Gegner demonstriert die deutsche Elf seit 2002 Konstanz: Ob
Frankreich, Spanien, Italien oder die Niederlande: Alle Begegnungen
gingen verloren. Bei Turnieren zeigte man sich jedoch häufig
von einer ganz anderen Seite.
Darum: Vom Vorrunden-Aus bis zum Finaleinzug ist alles möglich.
Michael Urbach
:: Team-Check: die Spiele der
Deutschen vor der EM
EM-Qualifikation:
|
Datum
|
Gegner
|
Heim / Auswärts
|
Ergebnis
|
|
07.09.2002
|
Litauen
|
Auswärts
|
2:0
|
|
16.10.2002
|
Färöer
|
Heim
|
2:1
|
|
29.03.2003
|
Litauen
|
Heim
|
1:1
|
|
07.06.2003
|
Schottland
|
Auswärts
|
|
|
11.06.2003
|
Färöer
|
Auswärts
|
0:2
|
|
06.09.2003
|
Island
|
Auswärts
|
0:0
|
|
10.09.2003
|
Schottland
|
Heim
|
2:1
|
|
11.10.2003
|
Island
|
Heim
|
3:0
|
Testspiele:
|
Datum
|
Gegner
|
Spielort
|
Ergebnis
|
|
18.02.2004
|
|
Split
|
2:1
|
|
31.03.2004
|
Belgien
|
Köln
|
3:0
|
|
28.04.2004
|
Rumänien
|
Bukarest
|
1:5
|
|
27.05.2004
|
Malta
|
Freiburg
|
7:0
|
|
02.06.2004
|
|
Basel
|
2:0
|
|
06.06.2004
|
Ungarn
|
Kaiserslautern
|
0:2
|
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Kader Deutschland
|
Tor
Oliver Kahn (1)
Jens Lehmann (12)
Timo Hildebrand (23)
Abwehr
Frank Baumann (6)
Arne Friedrich (3)
Andreas Hinkel (2)
Philipp Lahm (21)
Jens Nowotny (5)
Christian Wörns (4)
Christian Ziege (17)
Mittelfeld
Michael Ballack (13)
Fabian Ernst (18)
Torsten Frings (22)
Dietmar Hamann (8)
Jens Jeremies (16)
Sebastian Kehl (15)
Bernd Schneider (19)
Bastian Schweinsteiger (7)
Sturm
Fredi Bobic (9)
Thomas Brdaric (14)
Miroslav Klose (11)
Kevin Kuranyi (10)
Lukas Podolski (20)
|
|
Verbandsinfo Deutschland
|
Name: Deutscher
Fußball-Bund
Gründungsjahr:
1900
Anschrift: Hermann-Neuberger-Haus
Otto-Fleck-Schneise 6
60528 Frankfurt/Main
Präsident:
Gerhard Mayer-Vorfelder
Internet: www.dfb.de
Spielkleidung:
Weißes Hemd, schwarze Hose, weiße Stutzen
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