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  Forschergruppe Kommunikatives Verstehen
  Abstracts Projekt 3: Sprechhandlung und Interpretation
   

Allgemeine Informationen

DEEP IMPACT

Die Projekte und ihre Mitarbeiter

Projektübergreifende Aktivitäten

Bisherige Aktivitäten

Projektbeschreibung

Projekt 1: Rekonstruktion der Sprechakttheorie

Projekt 2: Pragmatische Implikationen

Projekt 3: Sprechhandlung und Interpretation

Projekt 4: Erklärungskohärenz

Projekt 5: Computationale Dialektik

Gäste der Forschergruppe

Texte

Kunst-Kommunikation

Folgende Texte sind im Rahmen der Forschergruppe bisher entstanden:

Übersicht Projekt 1 Projekt 1 Projekt 3 Projekt 4 Projekt 5


Kannetzky 1999a
Methode und Systematik der Philosophie

In: R. Raatzsch (Hrsg.), Philosophieren über Philosophie, Leipzig

Gegenstand des Artikels sind grundsätzliche methodische Überlegungen. Gegen die naturalistische Auffassung von der Auflösung der Philosophie in die Formal- und Naturwissenschaften wird die Autonomie der Philosophie sowohl hinsichtlich ihres Gegenstandes, ihrer Methoden als auch ihrer Systematik hervorgehoben. Eine zentrale Frage ist dabei die nach der Bedeutung eines bestimmten Exaktheitsideals, d.h. nach der Rolle und dem explanatorischen Potential von (Halb-)Formalismen entsprechenden Methoden für die philosophische Theoriebildung. Die Orientierung an diesen Methoden gleicht die Philosophie nicht nur im methodischen Ideal, sondern auch hinsichtlich ihres Gegenstandes den "exakten Wissenschaften" an. Damit geht jedoch das philosophische Anliegen - prinzipielle Handlungsorientierungen vermittels der Reflexion auf unsere Praxisformen einschließlich der Wissenschaften zu geben - verloren.
Als Alternative zum ‚definitorischen' Vorgehen wird die realbegriffliche Analyse vorgeschlagen und auf die Rolle der, oft als bloße Illustrationen missverstandenen, konstitutiven Beispiele für die Begriffs- und Theoriebildung verwiesen. Mittels konstitutiver Beispiele werden, meist implizit, theoretische Standards etabliert und kategoriale Entscheidungen getroffen. Insbesondere legen sie per analogischer oder metaphorischer Übertragung bekannter Strukturen fest, welche Fälle als problematisch, welche als unproblematisch gelten, und schaffen damit erst einen Gegenstandsbereich, über dem dann auch formale Methoden Anwendung finden können. Deshalb ist ein Verständnis der ‚gegenstandskonstitutiven' Rolle solcher Projektionen eine Voraussetzung des ‚vernünftigen' Einsatzes formaler Mittel und der Vermeidung ihrer Überdehnung. (Ein Beispiel aus der Kommunikationstheorie wäre die Orientierung am Modell der individuellen, rationalen Handlung und dessen Übertragung auf kommunikatives Handeln, wobei der Begriff der Intention als unproblematisch und den üblichen Wahrheitsbewertungen unterliegend vorausgesetzt wird. Kommunizieren erscheint dann als eine besondere Art, außerkommunikative Zwecke zu erreichen; Verstehen wird zu einer Frage ‚richtigen' Interpretierens der Äußerungen im Blick auf die vorgängigen Intentionen des Sprechers, womit die Frage nach der kommunikativen Konstitution von Intentionen nicht mehr thematisch ist, ebenso wie der ‚kollektivistische' Zugang zu Kommunikationsphänomenen.)


Kannetzky 1999b
Sagen und Meinen. Bemerkungen zum Prinzip der Ausdrückbarkeit und zur Sprechakttheorie

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Verschiedene Deutungen von Searles Prinzip der Ausdrückbarkeit (PA) werden untersucht und Konsequenzen für eine Theorie des Kommunikativen Verstehens und der Bedeutung gezogen. Es wird gezeigt, dass und in welchem Sinne das PA als methodisches Prinzip nicht nur für die Sprechakttheorie, sondern auch für jede Theorie der Kommunikation, des Verstehens und der Bedeutung konstitutiv ist: Es legt uns auf bestimmte (paradigmatische) ‚Standardfälle' des Verhältnisses von Sagen und Meinen fest. Darüber hinaus betrifft es auch den Umgang mit ‚intentionaler Rede' und insofern das Verhältnis von Semantik und Theorie des Geistes.
Das PA zwingt dazu, die Möglichkeiten der Erweiterung von Sprachen und das Privatsprachenproblem zu diskutieren. Es wird gezeigt, dass Searles Deutung des Prinzips, die sich die intentionalistische Option offen hält, in Widersprüche führt: Man kann das PA nicht akzeptieren und sich zugleich die Hintertür der Annahme einer Privatsprache offenhalten. Aufgrund bestimmter Inkohärenzen und Inkonsequenzen in ihren Grundannahmen kann die Sprechakttheorie, so wie sie von Searle vorgetragen wird, nicht als Modell und/oder Verallgemeinerungsbasis einer ‚pragmatischen Semantik' dienen. Diese Schwierigkeiten können vermieden werden, wenn man sich bei der Deutung des Prinzips die Unterscheidung zwischen fixierten und offenen Sprachen zu Eigen macht (v.a. hinsichtlich des Sagens, der Exaktheit und möglicher Spracherweiterungen).
Am Beispiel von Searles Taxonomie illokutionärer Akte wird gezeigt, dass der Rückzug auf normierte Sprachen und die damit einhergehende Verengung des PA auf ein Postulat der eindimensionalen Transformierbarkeit normalsprachlicher (primärer) Äußerungen bzw. ihrer illokutionären Rolle in eine standardisierte und deshalb verständliche Notation, etwa per Einordnung in ein Klassifikationsschema möglicher Sprechhandlungen, nicht zur Lösung des Problems des kommunikativen Verstehens taugt. Im Gegenzug wird auf der Basis des Begriffs der ‚dialogischen Konvergenz' ein pragmatischer Begriff des Verstehens und der Äußerungsbedeutung eingeführt. Dabei ist entscheidend, dass nicht nur vorab nicht geregelte Projektionen paradigmatischer Beispielfälle, sondern auch formale Übergänge und standardisierte Repräsentationen von der Gemeinschaft der Sprecher anerkannt sein müssen, ehe sie als Berufungsinstanzen, etwa zur Klärung von Missverständnissen, dienen können. Ihre normative Dimension ist in erster Linie eine Frage der kollektiven Akzeptanz. Deshalb ist Verstehen prinzipiell keine monologische Erkenntnis der ‚eigentlichen' Bedeutung einer Äußerung (oder von Sprecherintentionen), sondern entsteht im Hinblick auf (mögliche) Dialog- bzw. Verständigungssituationen, in denen eine gemeinsame Perspektive hergestellt wird. Fragen sprachlicher Bedeutung werden so strikt an Fragen des Verstehens gekoppelt; die nähere Bestimmung der Äußerungsbedeutung wird als kontextuell-dialogische Einengung der Möglichkeiten sinnvoller Substitutionen und Fortsetzungen des kommunikativen Handelns gedeutet. (Teile des Textes liegen in englischer Bearbeitung vor (Kannetzky 2000b, 2000c), wie umgekehrt der deutsche Text auf Basis der Entwürfe der englischen Versionen überarbeitet wurde.)


Kannetzky 2000a
Dilemmata der Kommunikationstheorie

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Ausgehend von der kritischen Diskussion des "Sender-Empfänger-Modells" werden Bedingungen für einen philosophischen Kommunikationsbegriff expliziert. Insbesondere muss dieser die Wechselbeziehungen von Kommunikation und Gemeinschaft im Auge behalten. In diesem Rahmen werden die konkurrierenden Paradigmen der Kommunikationstheorie, Intentionalismus und Konventionalismus, diskutiert. Diese weisen jeweils Defizite auf (Verstehen/Handeln), welche von der je konkurrierenden Position abgedeckt werden können. Eine solche zirkuläre Struktur ist in der Philosophie nichts Ungewöhnliches; sie wird aber zum Dilemma, wenn es, wie im Falle der Kommunikationstheorie, Streitfälle (etwa um die Rolle von Intentionen) gibt. Dann bedingen und negieren sich die Ansätze zugleich. Dilemmata lassen sich gewöhnlich durch Veränderung des Bezugsrahmens lösen, womit die ‚Ismen' als Vereinseitigungen kenntlich werden. Als Bezugsrahmen philosophischer Kommunikationstheorien wird die "kommunikative Konstitution von Gemeinschaften" vorgeschlagen. Dann stellen Intentionalismus und Konventionalismus in gewissem Sinne komplementäre Ansätze dar, die, mit Blick auf das kommunikative Verstehen, jeweils wichtige Intuitionen abdecken, indem sie verschiedene, aber für ein Verständnis von Kommunikation gleichermaßen notwendige Perspektiven einnehmen (Sprecher und Hörer, Individuum und Gemeinschaft) und entsprechend unterschiedliche Strukturmerkmale und Musterbeispiele von Kommunikation hervorheben.


Kannetzky 2000b
The Principle of Expressibility and Private Language

Erscheint in: Acta philosophica fennica

Searles Prinzip der Ausdrückbarkeit besagt: Was man meinen kann, das kann man auch sagen. Das Ziel dieses Textes ist eher zu zeigen, in welchem Sinne das Prinzip der Ausdrückbarkeit als sinnvoll betrachtet werden kann, als zu interpretieren, was Searle damit ‚eigentlich' meint. Folgende Thesen werden begründet: Das Prinzip der Ausdrückbarkeit artikuliert die methodische Grundlage der (Sprach-)Philosophie nach dem linguistic turn. Es widerspricht der Annahme einer Privatsprache. Es sollte auf ‚offene' Sprachen bezogen werden, die auch für das Raum lassen, was Searle als ‚inexakten Sprachgebrauch' bezeichnet. (Dieser Text ist die englische Bearbeitung eines Abschnitts von Kannetzky (1999b).)


Kannetzky 2000c
Expressibility, Explicability and Taxonomy

Erscheint in: G. Meggle & G. Grewendorf (Hrsg.): Speech Acts, Mind, and Social Reality. Discussions with John R. Searle, Paderborn

Im Text wird das Verhältnis impliziter (primärer) und expliziter Äußerungen anhand einer Deutung von Searles Prinzip der Ausdrückbarkeit als Postulat der Explizierbarkeit primärer Sprachakte diskutiert. Es wird dabei als eine Art Transformationsprinzip aufgefasst, welches mittels der Zuordnung bestimmter syntaktisch charakterisierbarer Formen, bei Searle etwa einer taxonomischen Kategorie und der entsprechenden Regeln der Verwendung performativer Verben, die illokutionäre Rolle von Äußerungen eindeutig festlegt. Eine Äußerung ist implizit, wenn sie ihrer sprachlichen Form nach eine gewisse Bandbreite an Deutungsmöglichkeiten und damit auch Missverständnissen zulässt. Durch Bezug auf eine Taxonomie illokutionärer Rollen soll sie expliziert, d.h. unmissverständlich gemacht, werden. Im Text wird der Frage nachgegangen, wie tragfähig dieser Ansatz ist, der exemplarisch für formalpragmatische Ansätze steht, welche Voraussetzungen gemacht werden müssen und welche Schwierigkeiten sich aus ihm ergeben. (Dieser Text ist die englische Bearbeitung eines Abschnitts von Kannetzky (1999b).)


Kannetzky 2000d
paradoxes denken. Theoretische und praktische Irritationen des Denkens

Paderborn

Es wird ein Begriff von Paradoxien, Antinomien und Dilemmata entwickelt, der diese nicht als Kuriosa oder Randphänomene, sondern als Begleiter jeder Theoriebildung auffasst, sofern diese immer mit Idealisierungen, Abstraktionen, paradigmatischen Beispielen und analogischen Übertragungen verknüpft ist. Für eine Theorie des Kommunikativen Verstehens sind insbesondere die grundsätzlichen Überlegungen zum Umgang mit formalen Modellen relevant: Paradoxien und andere Widersprüche kommen oft durch Abstraktionen zustande, die nicht an den Bereich, den sie begrifflich erfassen sollen, zurückgebunden werden und deshalb ein ‚Eigenleben' zu führen beginnen - Probleme des verwendeten Apparates erscheinen dann als inhaltliche Probleme. (In der Kommunikationstheorie können die Begriffe der Intention sowie der Rationalität als Beispiele dienen. Analoge Probleme betreffen formalisierte Theorien der Kommunikation, die ihren Grundbereich in gewissem Sinne naiv voraussetzen, ohne nach dessen Konstitution zu fragen.)
Aus den Überlegungen zum Umgang mit Vagheiten ergeben sich ebenfalls wichtige Implikationen. Vagheiten sind unvermeidlich, aber zugleich produktiv: Sie erlauben uns trotz eines beschränkten ‚Zeichenvorrats' hinreichende Genauigkeit der sprachlichen Verständigung, trotz der Linearität der Sprache die Erörterung komplexer Sachverhalte und nicht zuletzt die sinnvolle Verwendung empirischer Prädikate. Demnach ist die Orientierung an einem bestimmten Ideal der Exaktheit für eine Theorie des Verstehens wenigstens irreführend.
Aus Überlegungen zu Fragen der Relevanz und zu Kategorienfehlern ergeben sich einschränkende Bedingungen für eine mögliche Theorie der Implikaturen. Kategorienfehler resultieren aus der Unterlassung der Unterscheidung zwischen Wahrheits- und Sinnbewertungen von Prädikationen sowie von syntaktischer und semantischer Wohlgeformtheit. Sie stellen Verletzungen ‚prädikativer Präsuppositionen' dar, d.h. die Verwendung bestimmter Prädikate schließt die gleichzeitige Verwendung bestimmter anderer Prädikate kategorial aus. Diese Präsuppositionen sind nicht in einem System logisch-deduktiver Schlüsse zu erfassen; ihre Erfüllung bildet vielmehr die Voraussetzung für die sinnvolle Anwendung solcher Verfahren und damit auch für die Anwendung von formalen Relevanzkriterien aller Art. Deshalb sind Implikaturen nicht als System deduktiver Schlüsse (eines relevanzlogischen oder anderen nichtklassischen Kalküls) zu rekonstruieren.


Kannetzky 2000e
Rezension von "Mit Sprache spielen. Die Ordnungen und das Offene nach Wittgenstein" (hrsg. v. H.J. Schneider & M. Kroß, Berlin 1999)

Erscheint in: Wittgenstein-Studies

Die Rezension bietet Gelegenheit zur Diskussion einiger aktueller Ansätze einer Theorie des Verstehens und der Problematik des Regelfolgens. In diesem Zusammenhang wird Wellmers Interpretationismus kritisch untersucht. Gegen das Modell des Verstehens als Interpretieren im Sinne einer "Übersetzung in die je eigene Sprache" oder auch in Analogie zu einer Übertragung in eine bestimmte Notation nach kontrollierbaren Regeln wird geltend gemacht, dass hierzu eine "Zielsprache" schon als verstanden unterstellt sein muss. Die "Interpretationsthese" des Verstehens kann das unmittelbare bzw. Primärverstehen nicht erklären; sie setzt vielmehr implizit voraus, was erst erklärt werden soll. Im Blick auf die Probleme der Begriffe des Verstehens und der Regel erweist sich die Vernachlässigung des Aspektes der Gemeinschaft, oder genauer: der gemeinsamen Urteilspraxis sowie der kollektiven Anerkennung von Urteilen, als Schwachpunkt ganz verschiedener Ansätze.


Kannetzky 2000f
Some Problems of a Conventionalist Approach to Communication

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Communication theory in its current form contains a severe dilemma. This dilemma emerges because the two main approaches to communication theory, intentionalism and conventionalism, both depend on each other, and, at the same time, there are disputes between them. I focus on conventionalism here. Some of Davidson's critical arguments against conventionalism are discussed. Subsequently I turn to von Savigny's version of conventionalism which does not fall under Davidson's criticism. Nevertheless, this version also has it flaws, as it is shown. Some consequences for a theory of communicative understanding are drawn.


Stekeler-Weithofer 1998
Strukturprobleme gemeinsamen Handelns. Philosophische Bemerkungen zu Grundproblemen des methodischen Individualismus

In: Comparativ 8

There are two fundamental problems of methodical individualism in philosophy and the social sciences. The first has to do with the conditions that make us persons not only as bearers of an abstract title (which presupposes a society already) but as competent players of roles or social games including language games. The second consists in the impossibility to give a sufficient account for the role of possibly self-fulfilling 'hopes' in free cooperative actions and for the concept of reason in judgements about social institutions.


Stekeler-Weithofer 1999a
Verkehrte Welt, duale Sprache. Anstöße einer nicht-naturalistischen Philosophie des (Selbst-)Bewußtseins nach Kant.

In: H.J. Sandkühler (Hrsg.), Repräsentation, Denken und Selbstbewußtsein, Bremen

Thema ist das Körper-Geist-Problem (im Unterschied zum zwar verwandten, aber spezielleren Leib-Seele-Problem) als paradigmatisches Beispiel für die Wege und Irrwege der Reflexion auf die Konstitution unserer Wissensansprüche. Es wird gezeigt, dass in dieser Reflexion das Primat des gemeinsamen Handelns und Redens, der gemeinsamen Praxis und Lebensform vor jedem (wissenschaftlichen) Erkenntnisanspruch anzuerkennen ist. Die Gültigkeit unserer Analysen unserer Redeformen über Körper und unserer Reden über uns selbst oder über unsere Handlungsformen lässt sich nur in einem deiktischen Appell an unsere Erfahrung mit der betreffenden Praxis kontrollieren, kritisieren oder bestätigen. Gerade aus diesem Grund gibt es von vornherein eine Art Primat des ‚Geistes', d.h. unserer humanen Kultur im Ganzen, gegenüber der Objektwelt oder Natur qua Bereich des (realen) naturwissenschaftlichen Wissens bzw. der naturwissenschaftlichen Wahrheit.


Stekeler-Weithofer 1999b
Frege's Logicist Platonism

In: D. Anapolitanos, A. Baltas & S. Tsinorema (Hrsg.), Philosophy and the Many Faces of Science, Lanham, Boulder, New York & London

Der Artikel zeigt, dass die Vorwürfe, Frege habe eine unerläuterte Ontologie verschiedener Gegenstandsarten vorausgesetzt, auf einer einseitigen Lesart beruht und ein weit verbreitetes Unverständnis der logischen Methode der abstraktiven Gegenstandskonstitution dokumentiert.


Stekeler-Weithofer 1999c
Wie bestimmen Sprachformen den Horizont einer Wissenschaft? Bemerkungen zur Vagheit und zur Norm der Exaktheit.

In: H.E. Wiegand (Hrsg.), Sprache und Sprachen in den Wissenschaften, Berlin & New York

Die Wissenschaft als Ganzes kann als die systematische Entwicklung von Sprachformen, Begründungsverfahren sowie empirischer Bestätigung angesehen werden. Durch die strengere Fassung allgemeiner Kommunikationsnormen können wird das Reich des explizit artikulierbaren Wissens erweitern und seine Zuverlässigkeit steigern. Jedoch gibt es Spannungen zwischen dem Ziel der Intersubjektivität und der Exaktheit einerseits, dem Versuch, den Phänomenen der beobachtbaren, praktischen und nicht zuletzt experimentellen Realität gerecht zu werden, andererseits. Der Glaube, es ließe sich jedes Thema in einer formalisierten oder mathematisierten Sprachform exakt darstellen, ist nicht nur unbegründet, sondern verengt den Horizont wissenschaftlicher Analysen. Insbesondere die Beziehung von mathematischen Modellen und realer Erfahrung läßt sich nicht selbst exakt darstellen. Hier und im Bereich prototheoretischer Überlegungen kommen wir, wenn wir klar sein wollen, nicht ohne Metaphern, Bilder und den Appell an praktisches Können aus. Daher ist die Identifikation von Klarheit mit Exaktheit ein Grundfehler in einer formalistischen Sprach- und Wissenschaftsphilosophie.


Stekeler-Weithofer 1999d
Formenanalyse und Begriffslogik in Platons "Philebos"

In: Internationale Zeitschrift für Philosophie 1

Der Begriff der platonischen Form ist konstituiert durch eine Methode der analytischen Suche nach Elementen, aus denen sich eine Formbeschreibung rekursiv synthetisieren lässt, und zwar so, dass vorgegebene Phänomene durch die Zuordnung von Formen übersichtlich(er) oder (besser) erklärt oder effektiver behandelbar werden. Damit sind Formen keine hypostasierte Gegenstände eines platonistischen Ideenhimmels, sondern logisch, durch Sprache, konstituierte ideale Gegenstände wissenschaftlicher Erklärungsweisen.


Stekeler-Weithofer 1999e
What is the Matter of Mind?

In: In: G. Meggle (Hrsg.), Actions, Norms, Values. Discussions with Georg Henrik von Wright, Berlin & New York

In explaining actions or behaviour we distinguish reasons and causes and, correspondingly, different forms and levels of explanation. Parts of these distinctions get blurred by the introduction of a rather vague concept of mental events. Von Wright's analysis of the relations between the behavioural, the mental and the neural is designed to lead to a solution of the mind-body-problem similar to Davidson's Anomalous Monism, but the basic problem of an a priori belief in the causal connectedness of physical events is not addressed.


Stekeler-Weithofer 2000a
Bildgestützte Folgerungen. Zur metaphorischen Tiefenstruktur von Sprache und Wissenschaft

In: Dialektik 1/2000

Hinter den Thesen Nietzsches verbirgt sich eine Einsicht in die Funktionsweise von Sprache und Wissenschaft, deren wichtigste Momente wie folgt zu thematisieren sind: 1. Wie funktionieren freie Übertragungen von Bildern, und wie führen Schematisierungen zu ‚normalen' und ‚normierten' begrifflichen Schlussformen? 2. Beispiele zentraler Urbilder und Bildgeschichten zeigen, wie gerade auch die Wissenschaften mit dem Wasser der Modellbildung kochen. 3. Paradoxien erweisen sich als Abweichungen von Normalfolgen im Standardbild. 4. Bildgestützte begriffliche Folgerungen unterscheiden sich von formallogisch gültigen Schlüssen erstens in einer engeren Beschränkung der intendierten Modelle und zweitens darin, dass die projektive Bildübertragung nur metaphorisch durch die mathematisch-ideale Form isomorpher Satzsysteme zu beschreiben ist.


Stekeler-Weithofer 2000b
Zur Pragmatik des Wahrheitsbegriffs

Erscheint im v. G. Figal hrsg. Band zur Tagung des Engeren Kreises der AGPD, Tübingen, September 1998

Der Artikel zeigt, warum die Argumente gegen einen pragmatischen Wahrheitsbegriff, wie sie von Seiten der Anhänger einer Korrespondenztheorie der Wahrheit und auch von ‚Formalisten' vorgebracht werden, deren Kern, nämlich die Einsicht in die interessierte sprachliche Konstitution einer idealen und kontrafaktischen Wahrheitsbewertung als Richtungsangabe für die Wissensentwicklung, nicht trifft.


Stekeler-Weithofer 2000c
Erfahrung als Kultur. Zur Wegbestimmung moderner Philosophie bei John Dewey

Erscheint in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie

Deweys Unterscheidung zwischen generischen und universellen Urteilen wird in ihrer Bedeutung nicht zuletzt aufgrund von Deweys wenig regimentierter Ausdrucksform selten angemessen gewürdigt.


Stekeler-Weithofer 2000d
Kommunikatives Handeln und kooperatives Begreifen. Intentionalismus und sozialer Externalismus in Theorien des Sinnverstehens

In: Wittgenstein-Studies 1/2000

The very possibility to have specific individual intentions and beliefs presupposes linguistic competence. We can interpret the behaviour of somebody as an intentional act or as a communicative act, as a performance of a generic action or of a speech act of a certain type only if we already take part in joint communicative and cooperative actions. Hence, theories of communication and understanding which remain in the framework of methodological individualism, expecially the attempts to take cognitive science as basic in explanation of communicative and linguistic competence, put things upside down. Conscious, explicit, reflected intentions as well as interpretations presuppose a huge realm of direct, i.e. unproblematic, understanding and implicit know-how.


Stekeler-Weithofer 2000e
Schlüsse, Folgen und Begründungen. Eine regellogische Perspektive auf die Grundlagen begrifflicher und empirischer Wahrheit

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Wenn man Sätze als Artikulation von Regeln des erlaubten Schließens versteht, wird die Frage nach der Wahrheit zur Frage nach den Erfüllungen von Güte-Kriterien für Schlüsse gemäß den Regeln.


Stekeler-Weithofer 2000f
Bildungsstufen personaler Kompetenz. Zu den begrifflichen Grundlagen strategischen und kooperativen Handelns

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

The following are three fundamental problems of methodical individualism in philosophy and the social sciences: there is no sufficient individualistic account for conditions that make us persons in the sense of competent players of social games including language games and the solitary 'games of thinking'. There is no sufficient account for the empirical efficacy of self-fulfilling 'hopes' (rather than 'prophecies') in free cooperative actions. And there is no sufficient understanding of the difference between 'moral' concepts of common reason in the sense of Kant and mere 'strategic rationality' as it defines Economic Man, the ideal paradigm of rational choice theory from Hobbes to our times. Maximized fulfilment of individual preferences while taking the actions of others as mere circumstances is under many conditions unreasonable.


Stekeler-Weithofer 2000g
Materialbegriffliche und formale Schlüsse

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Formale Schlüsse artikulieren materiale Folgerungen durch Gebrauch von Standardformulierungen für Regeln oder Implikationen.


Stekeler-Weithofer 2000h
Begierde und Absicht. Eine Desambiguierung der Belief-Desire-Theory der Handlungsgründe

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

Im Unterschied zu einem animalischen Begehren bzw. einem animalisch-dispositionellen Diskriminationsverhalten kann das Beabsichtigen bzw. Glauben als Ausübung personaler Kompetenzen nicht einfach als physischer oder dispositioneller Zustand einer Person aufgefasst werden. Vielmehr setzt die Möglichkeit, Absichten und Überzeugungen zu haben, den Rahmen humaner Tradition und Entwicklung eines Könnens und Wissens, also den Rahmen gemeinsamen Lebens, die (mögliche) Teilnahme an einer normativ kontrollierten Praxis der Explikation der Absicht und an einer ‚vernünftigen', d.h. in ihrer ‚Konsequenz' oder ‚Rationalität' normativ beurteilbaren, Absichtsverfolgung voraus - was für das animalische Begehren und ein reines Diskriminationsverhalten nicht gilt. Zentraler Punkt ist dabei die begriffliche Unterscheidung zwischen einem bloßen teleologischen Verhalten oder Tun und einem vollen instrumentellen Handeln.


Stekeler-Weithofer 2000i
Meaning, intention, and understanding. Formalism and mentalism in theories of communication

Erscheint in: Acta philosophica fennica

There is a fundamental paradox of the relation of individual intention and general meaning as well as of the relation between understanding or mastering types and tokens of behaviour or actions in general. It shows that there are different kinds of complexity that refer to different aspects of social competence in general, linguistic competence in particular. They are related to the difference between implicit and explicit competence and to the difference between generic competence and actual performance.


Stekeler-Weithofer & Meggle 1999
Handlung und Bedeutung. Ein methodenkritischer Diskurs

Als Preprint in: Beiträge der Forschergruppe Kommunikatives Verstehen

In einem Diskurs um Status und Methode einer ‚handlungstheoretischen' Semantik bzw. einer Theorie des kommunikativen Handelns versuchen die beiden Gesprächspartner zwischen verschiedenen Zielsetzungen verschiedener Theorien des kommunikativen Handelns so zu differenzieren, dass z.B. Habermas' Angriff gegen eine intentionalistische Semantik in der Nachfolge von H.P Grice und dessen Lobpreis von Searles Sprechakttheorie als überschwenglich erscheinen. Andererseits bleibt es eine nach wie vor offene Frage, worin der Nutzen und die Anwendbarkeit einer formalen Definition bzw. einer axiomatisch-impliziten Normierung (‚Rekonstruktion') eines (prädikativ aufgefassten) Begriffs des (gelungenen) Kommunikationsversuchs, wie ihn Meggle vorträgt, besteht. Allgemeine Hinweise auf die leichte Kontrollierbarkeit des deduktiven Umgangs mit exakten (mathematisierten) Kriterien reichen als Antwort ebenso wenig aus wie vage Adäquatheitsintuitionen bzw. Erinnerungen an übliche Sprachgebräuche. Vielmehr ist in Bezug auf je konkrete Problemlagen zwischen den je vorgelegten Analyseformen oder ‚Theorien' zu entscheiden. Ein Fortsetzung der inhaltlichen Diskussion um die rechten Begriffe der Intention und des Glaubens in einer wirklich handlungs-theoretischen Semantik und nicht bloß definitorischen Kommunikationstheorie hat deren Einbettung in einer von Habermas eher beschworenen als analysierten kooperativen Praxis zu behandeln.

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Letzte Aktualisierung am 24.10.2000
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