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  Forschergruppe Kommunikatives Verstehen
   DEEP IMPACT
   

Allgemeine Informationen

DEEP IMPACT

Die Projekte und ihre Mitarbeiter

Projektübergreifende Aktivitäten

Bisherige Aktivitäten

Projektbeschreibung

Projekt 1: Rekonstruktion der Sprechakttheorie

Projekt 2: Pragmatische Implikationen

Projekt 3: Sprechhandlung und Interpretation

Projekt 4: Erklärungskohärenz

Projekt 5: Computationale Dialektik

Gäste der Forschergruppe

Texte

Kunst-Kommunikation

Forschergruppe Kommunikatives Verstehen
Einweihungsveranstaltung / Geschwister Scholl Haus / Universität Leipzig


14. Mai 1998


Vorstellung der Forschergruppe durch deren Sprecher
Georg Meggle


(Hinter dem Sprecher: das Plakat von DEEP IMPACT)


Sehr geehrte Damen und Herren,

gestatten Sie mir, daß ich unter den unendlich vielen Ereignissen des heutigen Tages zwei herausgreife. Am 14. Mai - so der Werbeslogan für den heute anlaufenden Film DEEP IMPACT - am 14. Mai stürzt der Himmel auf die Erde. Schade. Der Start der FG KOMMUNIKATIVES VERSTEHEN, für die ich jetzt spreche, kommt also zu spät.

Was haben beide Ereignisse miteinander zu tun? Ganz einfach: Das zweite Ereignis hätte, um ein paar Jährchen vorverlegt, vielleicht das erste mit-verhindern helfen können.

Warum? Im Kino erfahren Sie das natürlich erst in DEEP IMPACT Nummero II. Der auf die Erde zurasende Killerkomet ist keine Naturkatastrophe; er wurde von Betageuze aus auf seine für uns alle tödliche Bahn gelenkt. Schuld daran war ein typisches Mißverständnis. Die Betageuze-Intelligenzen hatten die mit der Sonde Voyager 2 ins All geschickte Botschaft schlicht und verheerend in den falschen Hals gekriegt. Was von den USA als Friedenssignal an den Rest des Universums gemeint war, kam auf Betageuze total anders an: Unser so gut gemeintes Leonardo-da-Vinci-Männchen auf der Goldplakette - der Auslöser der größten intergalaktischen Attacke seit Gottes-Gedenken.

Was war von irdischer Seite her schiefgegangen? Technisch hatte doch alles prächtig geklappt. Die Sonde hielt ihre Bahn; die Goldplakette blieb unversehrt; der Sender, die Menschheit, war optimal identifizierbar. Insofern hatten sich also die 250 Milliarden Dollar, die bis dahin in das Extra-terrestrische-Intelligenzen-Such-Projekt hineingesteckt worden waren, voll gerechnet. Trotzdem muß etwas Grundsätzliches schief gelaufen sein. Wo steckte der Fehler? Was hatte man übersehen?

Die Forschergruppe KOMMUNIKATIVES VERSTEHEN glaubt, daß wir die Antwort kennen.

Diese Antwort genauer ausbuchstabiert zu bekommen, das ist der DFG summa summarum ungefähr 3 / 500-Tausendstel der soeben genannten NASA-Kosten wert.

Klar, daß ich unsere Arbeitshypothese jetzt nicht verrate. Schon gar nicht kostenlos. So auf die Schnelle geht das ohnehin nicht. Sonst wäre das Projekt schließlich überflüssig. Nur so viel: Keine noch so ausgefeilte Kommunikationstechnik kann ein KOMMUNIKATIVES VERSTEHEN garantieren. Ein solches Verstehen erfordert nämlich - na was wohl? Genau das ist die Frage hinter allen unseren weiteren Fragen.

Kommunikation ist ein sehr weites Feld. Der Begriff "Kommunikation" wird heutzutage so weit verwendet, daß fast alles unter ihn fällt: nämlich all die Dinge, zwischen denen irgendwie irgendetwas transportiert bzw. übertragen wird. Kommunikation in diesem weiten Sinne findet statt zwischen kommunizierenden Röhren, zwischen Nervenzellen, Sensoren und Gehirnzuständen, Ehe- und sonstigen Partnern, Fernseh-Stationen, Computern, zwischen Mensch und Maschine und zwischen vielen anderen mehr oder weniger komplizierten Systemen. Entsprechend vielfältig ist das, was bei einer Kommunikation zwischen solcherlei Dingen ausgetauscht wird: Aids, Börsenmeldungen, Container, Duftnoten, Energie,... - , X- und Y-Chromosomen und, warum nicht, gelegentlich auch etwas Zyankali.

So weit gehen unsere Interessen nicht. Unsere Forschergruppe interessiert sich nur für einen bestimmten Bereich von Kommunikation, und zwar für den, der für uns Menschen (als Menschen) - und vielleicht ja auch für alle Betageuzianer (als Betageuzianer) - am wichtigsten und für uns als Erkenntnistheoretiker, Informatiker, Philosophen und menschliche wie unmenschliche Personen am relevantesten ist: den Bereich interpersoneller Kommunikation.

Und auch für diesen Bereich interessieren wir uns nur insofern, als die dort angesiedelten 'Übertragungen' dadurch in Gang kommen, daß wir das als Kommunizierende selber wollen. Das Forschungsvorhaben zielt primär auf ein besseres Verständnis kommunikativen Handelns ab.

Wo fängt man bei der Erklärung dieses Handelns am besten an? Hier gehen unsere Meinungen schon auseinander.

  • Pirmin Stekeler-Weithofer und so wohl auch sein Mitarbeiter Frank Kannetzky von dem Projekt SPRECHHANDLUNG UND INTERPRETATION meinen: bei der einschlägigen Kommunikationsgruppe, also bei mindest zwei.

  • Wir - d.h. die Mitarbeiter meiner Projekte SPRECHAKT-REKONSTRUKTION und PRAGMATISCHE IMPLIKATIONEN, also Christian Plunze, Mark Siebel und ich - wir meinen dagegen: Einer reicht; oder, in Korrekt-Rede gesagt: eine reicht.

Der Streit zwischen diesen beiden Standpunkten ist bekanntlich einer der grundsatztheoretischen Dauerbrenner in allen Sozialwissenschaften. Wir schüren dieses Feuer erneut. Bob Brandom, unser erster Gastprofessor, ist schon hier - und legt bereits kräftig nach. Leider für die falsche Seite - wie nur ich meine, versteht sich.

Die beiden anderen Projekte halten sich hier raus. - Das ist auch gut so. Es gibt noch genügend andere echte Probleme. Verstehensprobleme tauchen zum Beispiel bevorzugt dann auf, wenn unklar ist, wie eine Äußerung zum Rest der Welt passt. Aber was genau heißt es, daß etwas zum Rest, zur Welt, zu unseren übrigen Annahmen etc. paßt bzw. nicht paßt?

  • Das ist die Kernfrage des Projekts ERKLÄRUNGSKOHÄRENZ von Thomas Bartelborth und dessen Mitarbeitern Daniel Schoch und Oliver Scholz. Hinter diesem Projekt steckt natürlich, wie sein Titel verrät, die allgemeinere wissenschaftstheoretische Frage: Was ist überhaupt eine kohärente Erklärung?

Klar, daß es bei solchen Erklärungen um mehr gehen muß als um bloße Widerspruchsfreiheit - aber um genau was mehr? Und wie läßt sich all das, was für kohärente Erklärungen speziell von kommunikativen Handlungen über Widerspruchsfreiheit hinaus noch notwendig sein mag, - wie läßt sich all dies im Rahmen nicht notwendig humanoider, insbesondere also auch im Rahmen sogenannter Künstlicher Intelligenzen behandeln?

  • Das ist, last but not least, die Kernfrage der COMPUTATIONALEN DIALEKTIK, das heißt des Informatik-Projekts von Gerhard Brewka und seinem Mitarbeiter Gerhard Wagner.

Wie alle Forscher wären natürlich auch wir gerne größer. Zwei Mankos tun uns besonders weh: Sprach- und Kommunikationstheorie ohne kognitionstheoretisches Back-Up zu betreiben, das ist heutzutage schlicht anachronistisch. Genau das sind wir aber - besagtes Back-Up fehlt uns. Das andere Manko: Wir sind einseitig abstrakt: Uns fehlt die Reibung mit dem empirischen Material, zum Beispiel mit dem natürlicher Sprachen oder dem des Kommunikationsverhaltens ganz konkreter Gruppen. Schon purer Überlebenswille wird uns daher dazu treiben, auf Kooperationen mit Kognitionswissenschaftlern einerseits und mit Sprachwissenschaftlern, Sozialwissenschaftlern und Ethnologen etc. andererseits mehr als nur erpicht zu sein.

Noch irgendwelche Fragen? Dann achten Sie bitte ab jetzt auf die Farbe Gelb und auf dieses Zeichen:

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Letzte Aktualisierung am 24.10.2000
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