Neue Väter
Tagung anlässlich des Welttages des Mannes
Neue Väter
Eine Veranstaltung des FraGes-Verein e.V. Leipzig in Kooperation mit dem Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig
6. November 2008
Villa Tillmanns Wächterstr. 30
Die Tagung wird anlässlich des Welttages des Mannes vom FraGes-Verein e.V. in Kooperation mit dem Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig (FraGes) veranstaltet. Vor dem Hintergrund aktueller familienpolitischer Innovationen wie das Elterngeld und gegenwärtiger Diskussionen um das Betreuungsgeld soll der Anspruch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beurteilt werden. In solchen Debatten ging es bislang vorrangig um die Möglichkeit für Frauen, Berufstätigkeit und Mutterschaft gleichermaßen in ihrer Lebensplanung umzusetzen. Aus gendertheoretischer Sicht jedoch wird damit nur ein Aspekt der Vereinbarkeitsproblematik angesprochen. In der Tagung soll Elternschaft auch und gerade aus der Männerforschungsperspektive beleuchtet werden.
Was bedeutet es beispielsweise für Männer, »Mutti« zu sein und damit die traditionell weibliche Fürsorgerolle zu übernehmen? Wie ist der Wiedereinstieg in den Job nach der Betreuungsphase für beide Elternteile zu planen? Welche Beziehungsprobleme entstehen für die Eltern, wenn sie nicht mehr die traditionelle Rollenverteilung praktizieren? Welchen Wandel erfährt die Identifikation mit dem Beruf? Welche Auswirkungen hat das Vereinbarkeitsmodell, in dem beide Eltern gleichermaßen ihren Berufswunsch ausüben und entwickeln, auf den Nachwuchs? Welche Erziehungskonzepte sind erforderlich, um Pädagogen, Erziehern und Eltern die neue Aufgabe zu erleichtern? Welche Innovationen im Bildungswesen müssen erwogen werden, damit gerade die Jungensozialisation der Vereinbarkeitsidee gerecht werden kann? Welche Vaterkonzepte hemmen eine gleichberechtigte Kindererziehung?
09:00 Begrüßung
durch Prof. Dr. rer. nat. Martin Schlegel (Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Universität Leipzig) und Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt (Direktorin des FraGes)
10:00 Prof. Dr. Wassilios Fthenakis (München / Bozen)
Studium der Pädagogik, Anthropologie und Humangenetik, Molekulargenetik und Psychologie, seit 2002 ordentlicher Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der Freien Universität Bozen/Italien. Lehrtätigkeit an den Universitäten München, Münster, Berlin, Regensburg, Augsburg, Newcastle upon Tyne (UK) und Bozen (Italien) in den Fächern Pädagogik, Psychologie, Anthropologie, Kindheits- und Familienforschung. 1987-2002 Professor für angewandte Entwicklungspsychologie und Familienforschung an der Universität Augsburg, seit 2002 ordentlicher Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der Freien Universität Bozen/Italien.
Männer auf dem Absprung? Vaterschaft eine Lebensoption mit
Die Vaterrolle und die Vater-Kind-Beziehung waren in den zurückliegenden Jahren unter dem Stichwort der »neuen Väter« ein beliebtes Thema populärwissenschaftlicher Veröffentlichungen. Herr Fthenakis hat mit seinen Publikationen zur Psychologie der Vater-Kind-Beziehung und zur engagierten Vaterschaft im deutschsprachigen Raum eine ebenso systematische wie kritische Analyse der in- und ausländischen Vaterforschung unternommen. Der Vortrag lotet Möglichkeiten und Grenzen einer Vereinbarkeit von Vaterschaft und Berufsleben aus, die aber auch vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Elternschaft beleuchtet werden.
11:00 Diskussion
11:45 Prof. Dr. Claudia Born (Bremen)
Professorin im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen. Studium der Psychologie und Soziologie an der Universität Bochum. Anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen. Im Sonderforschungsbereich 186 »Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf“ von 1991-1999 Leitung des Projektzyklus zu Fragen des sozialen Wandels generations- und geschlechtsspezifischer Lebensführungen in Familie und Erwerbsarbeit (zus. mit Helga Krüger) Arbeitsschwerpunkte und Veröffentlichungen in den Bereichen: Geschlechterverhältnisse in der Organisation der gesellschaftlichen Arbeit, Familien- und Bildungssoziologie, Biographie- und Lebenslaufforschung.
Vaterschaft und Väterlichkeit im sozialen Wandel Im Zeitraum 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts
In dem Vortrag »Väterlichkeit und Vaterschaft im sozialen Wandel« werden Ergebnisse aus dem im Sonderforschungsbereich durchgeführten Forschungsprojekt referiert und diskutiert. Nachgezeichnet werden die Wandlungsprozesse in den Vaterschaftskonzepten und –vorstellungen vom ›traditionellen‹ zum ›neuen Vater‹, wie sie sich in der alten Bundesrepublik, und hierauf beziehen sich die dargestellten Ergebnisse, in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzogen haben. Aus der Erörterung des bis dahin Erreichten wollen wir dann abschließend ein Blick in die Zukunft werfen.
12:30 Diskussion
14:30 Dr. Cornelia Behnke
Soziologin, Dr. phil., Gestalttherapeutin; Jahrgang 1965; Studium der Soziologie, Pädagogik und Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg; zwischen 1991 und 2002 wiss. Mitarbeiterin an den Universitäten Erl.-Nürnberg, Bremen und Dortmund; Arbeitsschwerpunkte: Soziologie der Geschlechterverhältnisse, Methoden qualitativer Sozialforschung.
Für mich ist das ’ne ganz ganz tolle Zeit gewesen Vereinbarkeitswünsche von Männern
Wie erleben Männer eine Unterbrechung ihrer Vollerwerbstätigkeit aufgrund aktiver Vaterschaft? Auf welche Hindernisse oder Unterstützungsleistungen stoßen sie in den Betrieben? Im Vortrag werden Erfahrungen familienorientierter Männer auf Basis einiger Ergebnisse der Studie »Auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem« dargestellt.
15:15 Dr. Angelika Tölke
Dipl. Soziologin, arbeitet seit 1987 als wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut, München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Partnerschaft, Familie, Erwerbsarbeit. Ihre Arbeiten beziehen sich sowohl auf den allgemeinen Wandel in den jeweiligen Lebensbereichen als auch auf die Beziehungen zwischen diesen Lebensbereichen. Der soziale Wandel, geschlechtsspezifische Unterschiede und soziale Ungleichheiten stehen dabei im Mittelpunkt.
Ältere versus jüngere Väter? Die Vaterrolle aus der Sicht von Vätern und von Müttern.
Ökonomische Theorien zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung postulieren, dass die traditionelle Zuweisung der Erwerbsarbeit an den Mann und die Zuweisung von Haushalt und Familie an die Frau für beide von Vorteil sei. Durch einschneidende Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sind kontinuierliche Erwerbsverläufe und stetige berufliche Entwicklungen jedoch nunmehr auch für Männer nicht mehr gewährleistet, und zum anderen haben sich die Erwartungen an die Ausgestaltung der Vaterrolle verändert. Beide Erwartungen, voller Einsatz im Beruf und als Vater, gleichzeitig erfüllen zu wollen, verschärft die »Rush Hour of Life«. Was sind Auswege aus dem Dilemma konkurrierender Wünsche, Anforderungen und Ziele?
16:00 PD Dr. Barbara Drinck
seit Oktober 2006 an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig als Schulentwicklungsforscherin auf einer Vertretungsprofessur täti. Davor war sie Leiterin des Arbeitsbereichs »Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft« an der Freien Universität Berlin. Sie ist Diplom Psychologin und Magistra mit dem Hauptfach Erziehungswissenschaft. 1987 hat sie über den Vergleich von Bildungssystemen promoviert. 2002 wurde sie für das Fach Erziehungswissenschaft habilitiert mit der Arbeit: »Der verlorene Vater. Analysen erziehungswissenschaftlich bedeutsamer Diskurse seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert«. Schwerpunkte ihrer Forschung sind Studien zur Schulentwicklungsforschung, zur empirischen und qualitativen Gender-Forschung und zu Themen der Philosophie der Erziehung.
Fehlen die Väter? Alarmierende schulpädagogische Diskurse um das fehlende Männervorbild in der Schule
Der Vortrag befasst sich mit der Frage, wie durch die in wissenschaftlichen, aber auch die in journalistisch einseitig geführten Diskursen hergestellten Leitbilder vom Vater das Forschungsinteresse in den Hintergrund rückt, welche alternativen Konzepte von Vaterschaft in der heutigen postmodernen Gesellschaft notwendig geworden sind. Ausgehend von diskurstheoretischen Überlegungen wird angenommen, dass gesellschaftliche Leitbilder, die die Rolle und Funktion des Vaters betreffen, Einfluss auf die Vorstellung von einem Lehrer und die Anforderung an einen männlichen Erzieher haben. Daher ist es von schulpädagogischem Interesse aufzuzeigen, wie sich das Fortschreiben eines negativ konnotierten Diskurses über den Vater und über die »vaterlose Gesellschaft« (Mitscherlich), die nun von männlichen Lehrern in der Schule zu kompensieren sei, in der Schulpädagogik innerhalb des »Feminisierungsdiskurses« auswirkt.
16:45 Maximiliam Schochow
hat Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig studiert. Seit 2004 promoviert er zu dem Thema »Die Ordnung der Hermaphroditen-Geschlechter. Eine Genealogie des Geschlechtsbegriffs«. Er ist seit 2006 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte. Aktuell beschäftigt er sich mit dem Forschungsschwerpunkt »Deutsche Defizite« und das »Aussterben Europas«. »Von der nationalen zur europäischen Bevölkerung?« im Rahmen der Projektgruppe »Die vergangene Zukunft Europas«.
Der »Familienvater« Die Produktion einer DDR-Männlichkeit im Kontext von demografischem Wissen und sozialpolitischen Praktiken Anfang der 1980er Jahre taucht in mannigfachen Diskursfeldern der DDR ein neues Männerbild auf, von dessen Existenz Dokumentarfilme, Zeitschriftenartikel, Interviewreihen bzw. Männerprotokolle aber auch Romane zeugen. Die Produktion dieser Männlichkeit verläuft vor dem Hintergrund einer demografischen Krise, die darin besteht, dass das einfache Ersatzniveau der DDR-Bevölkerung (2,1 Kinder pro Frau) nicht mehr erreicht wird. Das Problem scheint evident: Aufgrund der Doppelbelastung der Frau – Erwerbsarbeit und Reproduktions- bzw. Erziehungsarbeit – würden viele Frauen auf ein zweites oder drittes Kind verzichten. Um der demografischen Krise entgegenzusteuern, so die BevölkerungswissenschaftlerInnen, müssten einerseits Frauen stärker entlastet und andererseits Familien stimuliert werden, vermehrt 3-Kindfamilien zu gründen. Als Effekt des demografischen Diskurses erscheint die neue Männlichkeit: der »Familienvater«, der in paritätischer Teilung den Elternpflichten nachkommt.
17:30 Diskussion
MännerBildung
Tagung anlässlich des Welttag des Mannes
MännerBildung
Eine Veranstaltung des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig (FraGes) und dem FraGes-Verein e.V. Leipzig.
In Kooperation mit dem Gleichstellungsbeauftragten, der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie und dem Institut für Sportpsychologie und Sportpädagogik der Universität Leipzig.
Mittwoch, 03.11.2010
Zeit: 9.00 bis ca. 19.30 Uhr
Ort: Villa Tillmanns, Wächterstraße 30, 04107 Leipzig
keine Teilnahmegebühr
Die diesmalige Tagung zu "MännerBildung" ist für wissenschaftlich ausgerichtete und praxisorientierte Studierende und Promovierende fachübergreifend organisiert. In diesem Jahr wird die traditionelle Männertagung im Rahmen des Forschungskolloquiums für Doktorand/-innen der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Prof. Dr. Elmar Brähler) und dem Institut für Sportpsychologie und Sportpädagogik (Prof. Dr. Dorothee Alfermann) der Universität Leipzig unter Mitwirkung des Gleichstellungsbeauftragten durchgeführt und öffnet dabei interdisziplinäre Denkräume auch für eine außeruniversitäre Öffentlichkeit.
Als Vortragende sind Expert/-innen sowohl aus Forschung als auch aus praktischen Berufen eingeladen, die zu spezifischen Bereichen der Männerbildung als Wissenschaftstopos und als Frage der Lebensgestaltung Position beziehen wollen und dabei nach Möglichkeiten fahnden, die helfen können Probleme zu lösen, die mit alter Zwangsnormativität oder modifizierten Ansprüchen an den neuen Mann kausal zusammenhängen.
Das vollständige Tagungskonzept sowie den Ablaufplan mit Zeiten und Themen zur Männertagung finden Sie unter "Tagungen: Männertagung 2010 MännerBildung".
Wer schon jetzt seine Teilnahme an der eintägigen Veranstaltung registrieren lassen möchte, kann sich zu jeder Zeit bei uta.beyer@uni-leipzig.de anmelden.
