Stammtisch
Die nächsten Stammtischtreffen der Fachschaft Soziologie:
31.10.11 mit Dr. Ivar Krumpal (Uni Leipzig)
10.11.11 mit M.A. Tom Kaden (Uni Leipzig)
28.11.11 mit Prof. Dr. Tania Singer (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften)
05.12.11 mit Dr. Monika Eigmüller (Uni Leipzig)
Ort und Zeit:
Der Stammtisch beginnt immer 19:00 Uhr und findet in der
Moritzbastei: Ratstonne statt.
Themenbeschreibung:
31.10.11 Heikle Fragen und soziale Erwünschtheit in Umfragen mit
Dr. Krumpal
Umfragen stellen in den Sozialwissenschaften häufig die wichtigste
Datenquelle zur Theorieprüfung dar. Allerdings kann die Qualität von
Umfragedaten aufgrund zahlreicher Fehlerquellen beeinträchtigt sein.
Eine bedeutsame Fehlerquelle sind systematische Antwortverzerrungen,
die aus dem sozialen Anerkennungsbedürfnis der Befragten resultieren.
Interviewte Personen geben auf heikle Fragen, wie z.B. Fragen zu
Drogenkonsum, Schwarzarbeit, Plagiaten sowie zu antisemitischen oder
ausländerfeindlichen Einstellungen, häufig bewusst falsche Antworten
um Peinlichkeitsgefühle oder Sanktionen zu vermeiden (systematisches
?Underreporting? von negativ bewerteten Verhaltensweisen und
Einstellungen).
Vor diesem Hintergrund gibt der Vortrag einen kurzen
Überblick über ausgewählte experimentelle Studien zu speziellen
Datenerhebungsmethoden, die Messfehler aufgrund sozial erwünschten
Antwortverhaltens reduzieren und die Validität der Messung bei heiklen
Themen erhöhen sollen.
10.11.11 Die Entwicklung des amerikanischen Kreationismus seit 1960 bis in die Gegenwart. mit
Kaden
Die zentrale Frage des Projekts lautet, warum der amerikanische Kreationismus der Gegenwart so und nicht anders geworden ist. Nicht nur gibt es ein ganzes Spektrum von verschiedenen Kreationismen, die sich teilweise stark unterscheiden.
Es gibt auch einen institutionalisierten Antikreationismus, der sich in ständigem Dialog mit den Kreationisten befindet und sie dadurch verändert.
Aus einer soziologischen Vogelperspektive, die mithilfe von Bourdieu eingenommen wird,
wird klar, dass der Kreationismusdiskurs ein Spiel um Legitimität ist, in dem die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Objektivität und religiöser Subjektivität oftmals verschwimmen.
28.11.11 Soziale Neurowissenschaft mit Prof. Dr. Singer
Seit der Entstehung des Forschungsfeldes Soziale Neurowissenschaft untersuchen Forscher die Grundlagen unserer Fähigkeit sich in jemanden einzufühlen, das heißt die Gefühle anderer zu teilen und zu verstehen. Im Anschluss an Definitionen bezüglich wichtiger Konzepte wie kognitive Perspektivenübernahme, Emotionsansteckung, Empathie, und Mitgefühl, werde ich kurz die einschlägigen Ergebnisse der neurowissenschaftlichen Studien zur Empathie sowie deren Modulation und Trainierbarkeit darlegen.
05.12.11 Projekt Sozialraum Europa mit Dr. Eigmüller
Im Zentrum des Projekts steht die Frage nach den Bedingungen der Entwicklung eines territorialen Rahmens sozialpolitisch relevanter Solidarität. Ausgehend von der gemeinsamen These, dass die Festschreibung gesellschaftlicher Kategorien in einen territorialen Rahmen das Ergebnis eines Prozesses ist, auf den neben den strukturellen Bedingungen vor allem bestimmte gesellschaftliche und politische Akteure sowie geschaffene Institutionen Einfluss haben, werden in einem interdisziplinären Zugang drei Fragestellungen untersucht:
Das Teilprojekt ?Die Territorialisierung von Wohlfahrt? beschäftigt sich aus einer historischen Perspektive mit der Territorialisierung sozialer Sicherung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Anhand der Positionen politischer und gesellschaftlicher Akteure werden Entstehung und Etablierung sozialpolitischer Institutionen im nationalen Raum untersucht.
Das Teilprojekt ?Entwicklungsperspektiven europäischer Sozialpolitik? stellt die Frage, ob und unter welchen Bedingungen sich die Europäische Union als postnationale Alternative wohlfahrtsstaatlicher Politik entwickeln kann. Die Analyse umfasst neben dem Entstehungskontext und dem Entwicklungsverlauf der bereits etablierten sozialpolitischen Institutionen der EU die Wahrnehmung der politischen Akteure bezüglich eines Bedarfs an europäischer Sozialpolitik.
Die beiden Teilprojekte werden anschließend in einer Synthese (Die Entwicklung des territorialen Rahmens sozialpolitisch relevanter Solidarität. Der Nationalstaat und die Europäische Union) zusammengeführt. Mitttels einer vergleichenden Analyse der Deutungen relevanter Akteure sowie eines Vergleichs der Institutionenbildungsprozesse sollen empirisch gesicherte Erkenntnisse über die theoretische Frage nach den Voraussetzungen der Einrichtung von Sozialpolitik in einem weiteren territorialen Rahmen erzielt werden.
