Veranstaltungen im Wintersemester 2009/10

28. Oktober 2009

Über das Versagen einer Wissenschaft.
Soziologie im Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus


Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) löste sich 1934 selbst auf, nachdem seit 1933 der Vorstand zunehmend mit dem NS wohlgesinnten Soziologen besetzt wurde und eine Gruppe nationalsozialistischer Soziologen damit drohte, eine Gegengesellschaft zu gründen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Akteuren, die an diesem Prozess der "Selbst-Gleichschaltung" teil hatten und den Diskussionen, die geführt wurden

Vortrag von Dr. Silke van Dyk und Alexandra Schauer (Universität Jena)
19 Uhr, Vortragssaal der Albertina-Bibliothek, Beethovenstr. 6



29. Oktober 2009

Über die vermeintliche »Feindschaft des Hitler und seiner intellektuellen Fronvögte gegen die Soziologie als Wissenschaft« (Th. W. Adorno)

Unmittelbar nach 1945 wurde von verschiedenen (kritischen und konservativen) Sozialwissenschaftlern behauptet, im Deutschland des Nationalsozialismus hätte es nach 1933 keine Soziologie mehr gegeben. Die Wissenschaftler seien entweder zur Emigration gezwungen worden oder hätten "Pseudo-Wissenschaft" zur Legitimation der rassistischen Blut-und-Boden-Ideologie des NS-Regimes betrieben. Im Vortrag wird in Frage gestellt, ob dieses Bild der Soziologie-Geschichte aufrecht erhalten werden kann.

Vortrag von Dr. Carsten Klingemann (Universität Osnabrück)
19 Uhr, Hörsaal des Geisteswissenschaftlichen Zentrums (GWZ), Beethovenstr. 15



3. November 2009

Nationalsozialismus und die Leipziger Schule der Soziologie / Sozialphilosophie

Von 1925 bis Kriegsende (mit Unterbrechungen für Aufenthalte in Budapest) lehrte Hans Freyer an der Universität Leipzig. Zunächst hatte er das erste allein auf den Namen Soziologie laufende Ordinariat in Deutschland inne, später leitete er das 'Institut für Kultur- und Universalgeschichte'. 1934 organisierte er die 'Selbst-Gleichschaltung' der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Auch sonst stand er zumindest in den Anfangsjahren der nationalsozialistischen Diaktatur wohlgesinnt gegenüber. Auch Arnold Gehlen besetzte im NS zeitweilig einen Lerhstuhl in Leipzig (Philosophie) und einer von Freyers Assistenten war Helmut Schelsky, der die deutsche Nachkriegssoziologie wesentlich mitbestimmte. Sie und andere Soziologen firmieren bisweilen unter dem Label 'Leipziger Schule der Soziologie'.
In ihre Anpassung an den NS und Karrieren nach 1945 wird der Vortrag Einblicke geben.

Vortrag von Gerhard Schäfer (Sozialwissenschaftler, Berlin/Bremen)
19 Uhr, Hörsaal 16 des Hörsaalgebäudes, Universitätsstr. 7