"Als Musiker akzeptiert - als Zigeuner diskriminiert".
Zur Sozial- und Kulturgeschichte von Musikern einer Minderheit
Nina Stoffers - Diplomarbeitsprojekt
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Minderheit und Mehrheit und geht dabei einem Widerspruch nach: Zigeunermusiker haben innerhalb der Mehrheitsgesellschaft seit jeher diverse musikalische Positionen inne, wie zum Beispiel in der Militärmusik, am Hofe, als wandernde Dienstleister, bei Hochzeiten und anderen rituellen Festen. Darüber hinaus haben sie die musikalische Tradition eines Landes wie beispielsweise in der so genannten Ungarischen Zigeunermusik, im spanischen Flamenco der Gitanos, im Sinti-Swing und - als eine der jüngsten Entwicklungen - auch in der Disco- und World-Music Szene der Balkanländer und ihrem "Import" nach Westeuropa geprägt. Diese Bedeutung findet jedoch keinen vergleichbaren Niederschlag in der sozialen Stellung ihrer Protagonisten bzw. der ethnischen Gruppe, welcher diese angehören. Im Gegenteil: häufig waren und sind Einzelpersonen, vor allem aber ganz allgemein "die Zigeuner" Opfer von Diskriminierungen, von Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung.
Meine kritische Literaturanalyse untersucht zeitlich und räumlich, wo sich Belege für Akzeptanz bzw. für Diskriminierung von Zigeunermusikern finden lassen. Diese Belege werden unter bestimmten gesellschaftlichen Aspekten wie beispielsweise Exotik und Mode oder der diskriminierenden Gesetzgebung betrachtet. Dabei lässt sich feststellen, dass die Diskriminierung der Minderheitsgesellschaft durch die Mehrheitsgesellschaft sowohl mit positiven als auch mit negativen Stereotypen und Klischees fortgeführt wird, wobei nicht zwischen der einzelnen Person des Musikers und der ethnischen Gruppe unterschieden wird.
Die positive wie negative Diskriminierung der Minderheit, die trotz der Akzeptanz der Zigeuner als Musiker stattfindet, lässt das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheit paradox erscheinen.
Kontakt: Nina Stoffers [nina.stoffers@web.de]