Forum Tsiganologische Forschung

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Über die kulturelle Souveränität siebenbürgischer Zigeuner und den Einfluß der Pfingstmission

Johannes Ries - Dissertation

Mitten in Siebenbürgen teilen sich Rumänen ein Dorf mit zwei Zigeunergruppen, die sich sehr stark voneinander unterscheiden. Die Corturari (Zeltzigeuner) wurden als ehemalige Nomaden erst in den 1960ern seßhaft und üben noch heute ihr Handwerk des Kupferschmiedens aus. Im Gegensatz zu ihnen leben die Tsigani (Zigeuner) seit Jahrhunderten seßhaft in enger Verbindung mit der bäuerlichen Welt. Seit der politischen Wende bekommt die lokale Pfingstgemeinde regen Zulauf von Rumänen und Tsigani, jedoch nicht von den Corturari.

Ausgehend vom ethnologischen Paradigma der Tsiganologie betrachte ich Zigeuner als eine Minderheit, die in steter Interaktion mit der Mehrheit (den Gadje) ihre ethnischen Grenzen immer wieder neu definiert. Dieser stetige Prozeß ist eingebettet in ein Spannungsfeld, das zwischen den Polen Abgrenzung und Anpassung oszilliert. Jede konkrete Zigeunergruppe erhält dabei ein spezifisches Profil der Divergenz und Konvergenz.

Zigeuner und Gadje nehmen sich gegenseitig kategoriell wahr und alle Perzeptionsprozesse unterliegen dabei mitunter widerstreitenden Diskursen. In meiner Studie lege ich translokale Diskurse frei, die einerseits das Zigeunerbild der Gadje und andererseits die Selbstrepräsentation der Zigeuner bestimmen, und lokalisiere sie im Dorf. Mit der Pfingstbewegung brechen neue Diskurse in die alten Ordnungen ein und dienen als Hauptmotor für soziale, kulturelle und ökonomische Dynamik im Dorf.

Mit meiner Studie hoffe ich, sowohl zu einer aktuellen und problembezogenen Diskussion der multiethnischen Gesellschaft, als auch zu einer differenzierten Untersuchung der Zigeunerkultur(en) beitragen zu können.

http://www.ergon-verlag.de/en/start.htm?d_978_389913_547_3_8393.htm

Kontakt: Johannes Ries [johries@gmx.de]