Das Verhältnis zwischen „offener“ und „geschlossener“ Gesellschaft. Am Beispiel des „Open Society Institute“ (OSI) und dessen Projekt „Decade of Roma Inclusion 2005 2015“
Tobias Marx - Magisterarbeit
Mit der Osterweiterung der EU wurden und werden Millionen von Roma/Zigeunern zu EU-Staatsbürgern. Seit einigen Dekaden zielen die verschiedensten NGO-Programme darauf ab, die Situation der Roma/Zigeuner, die in den meisten gesellschaftlichen Kontexten massiv diskriminiert werden, zu verbessern - mit bisher mäßigem Durchschlag.
Meine Studie dokumentiert, wo einer der Gründe für das Scheiterns der bisherigen Integrationsprogramme zu suchen ist: Die Strategien der NGO-Programme basieren auf einer Philosophie, welche vollkommen anderen Denkmustern folgt als das Weltbild vieler Roma/Zigeunergruppen.
In vielen osteuropäischen Staaten lanciert das OSI die Umsetzung von freien Wahlen, Meinungsfreiheit, unabhängiger Justiz, Minderheitenschutz, Marktwirtschaft, friedlicher Konfliktlösung und des Kampfes gegen Korruption.
Der zweite Teil der Arbeit ist der Gegenüberstellung von offener und geschlossener Gesellschaft als Idealtypen gewidmet. Ich sortiere und diskutiere hier kritisch die Merkmale der „Offenen Gesellschaft".
Ich widme mich hier Karl Poppers Konzept der offenen/geschlossenen Gesellschaft und zeige, dass Georges Soros dieses Konzept übernimmt. Nach einer Kurzbiographie des Philosophen erkläre ich Poppers Utopie: die Transformation der Welt in eine offene Weltgesellschaft.
Im Kap. III wird das OSI-Projekt Soros' und dessen Strategien zur Transformation der osteuropäischen geschlossenen in offene Gesellschaften porträtiert. Nachdem ich Aufbau und Anspruch des OSI skizziert habe, wende ich mich fokussiert dem OSI-Programm Decade of Roma Inclusion 2005-2015 zu. An zwei Beispielen verdeutliche ich den Anspruch des Programms. Anhand der Siedlungsproblematik in Montenegro, Mazedonien, Rumänien und der Slovakei beleuchte ich mögliche Gründe für bisherige Misserfolge.
Desweiteren belege ich, wie wichtig es ist, das Thema Integrationspolitik auch unter ethnologischer Perspektive anzugehen, was bisher völlig unzureichend erfolgt ist.
Ich widme mich ausführlicher dem interessanten Thema der politischen Führerschaft in den Roma/Zigeunergruppen. Ich zeige, dass der leader aufgrund der akephalen Grundorientierung seiner Herkunftsgruppe über keinerlei formelles Mandat und Macht verfügt - was ein Integrationsprogramm, das auf kompetente Ansprechpartner fixiert ist, vor große Herausforderungen stellt. Hier gelange ich auch zu dem Punkt der Repräsentativität, an dem die Widersprüchlichkeit zwischen Stamm und Staat schon häufig aufgebrochen ist und beschrieben wurde.
Im Kap. V. referiere ich die Probleme mit welchen die Decade of Roma Inclusion zu kämpfen hat: strikte Endogamieregeln der Roma/Zigeunergruppen, ungenügende Beteiligung von Roma/Zigeunern am Programm, Wechsel der Entscheidungsträger durch Wahlen und mangelnde Information.
Kontakt: Tobias Marx [saxram@gmx.net]