Einführung in die Tsiganologie
(Leitung: Bernhard Streck)
Die Vorlesung ist Bestandteil des BA-Moduls „Regionale Ethnologie“ und ergänzt die beiden anderen Vorlesungen (Naher und Mittlerer Osten sowie Lateinamerika) um die Dimension des Verhältnisses Mehrheit-Minderheit, wie es hauptsächlich in dem Begriff Zigeuner aufgehoben ist. In der Tsiganologie geht es nicht um die Rekonstruktion eines „Volkes“ mit Ursprung und Wanderwegen, sondern um das Verständnis einer oft gespannten Beziehung zwischen städtischen oder ländlichen Kontexten einerseits, und einer Vielzahl unterschiedlicher Kleingruppen andrerseits, die mit lokalem oder fremdem Ursprung bestimmte Nischen und Zwischenräume der Mehrheitsgesellschaft besetzen. Diese in der ganzen Welt anzutreffenden „Paraordnungen“ sind trotz ihres Interesses an Autonomie keine eigenständigen Einheiten, sondern bilden eher Grenzkulturen, Randkulturen, Subkulturen oder Teilkulturen. Die tsiganologische Forschung hat solche Eigenarten von oft mobilen Kleingruppen auf sprachlichem (Romani, Rotwelsch, etc.), ökonomischem (Nischenökonomien wie Wanderhandwerk, Netzwerkhandel oder Recycling), vor allem auch musikalischem Gebiet herausarbeiten können, auch wenn grosse Teile der Welt (z.B. Vorderer Orient und Lateinamerika) in dieser Hinsicht noch als weitgehend unerforscht gelten müssen.