Einführung in die Tsiganologie
(Leitung: Bernhard Streck)
Die Tsiganologie (Zigeunerkunde) hat sich im Lauf der Jahre an unserem Institut zu einer Ethnologie des Verhältnisses zwischen Minderheit und Mehrheit entwickelt. In vielen Teilen der Welt und wahrscheinlich seit Entstehung geschichteter Gesellschaften leben mobile Minderheiten zwischen den etablierten Blöcken in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis.
Schon früh haben sich dafür regionale Sammelnamen wie Zigeuner, Gypsies, Tsiganes oder Gitanos durchgesetzt, in jüngerer Zeit wurden Bezeichnungen wie „Peripatetiker“ oder Dienstleistungsnomadenausprobiert, neuerdings wird die Bezeichnung Roma, die sicher für die Romani sprechenden Gruppen Sinn macht, als politisches Einigungsprogramm propagiert. Die Vorlesung beleuchtet verschiedene Facetten des komplexen Themas, führt in die Vielfalt von Zigeunergruppen in den unterschiedlichsten Ländern ein und erläutert die Stellen, wo die Minderheiten sich von der Mehrheit bewusst absetzen und wo sie sie umgekehrt in ihr aufgehen möchten.
Literatur:
Jacobs, Fabian/Ries Johannes (eds.) (2008) "Roma-/Zigeunerkulturen in neuen Perspektiven Romani/Gypsy Cultures in New Perspectives." Leipzig. LeipzigerUniversitätsverlag.