Forschungsseminar: Ethnogonie und Ethnogenese - Die geglaubte und die tatsächliche Geschichte
(Leitung: Prof. Bernhard Streck/Dr. Olaf Günther)
Jede ethnologisch interessante Menschengruppe hat ihre eigene Vorstellung von Ursprung, Geschichte und Anspruch. Diese zentralen Bestandteile des kollektiven Gedächtnisses sind Glaubenstatsachen und stehen zur objektiven Geschichte häufig in einem Spannungsverhältnis. Im Gegensatz zur Geschichtswissenschaft oder Sozialwissenschaft, die die geglaubte Geschichte gerne mit objektiven Fakten korrigiert, nimmt die Ethnologie diese Einbildungen aber ernst, weil sie wirksam sind und Gemeinschaft stiften. Die von Wilhelm Emil Mühlmann (1904-1988) so benannte Unterscheidung zwischen Ethnogonie und Ethnogenese soll in dem Seminar am Beispiel verschiedener Zigeunergruppen, aber auch anderer Ethnien überprüft und beleuchtet werden.
Literatur:
Mühlmann, Wilhelm Emil (1985) Ethnogonie und Ethnogenese. Theoretisch-ethnologische und ideologiekritische Studie. In: Ders.: Studien zur Ethnogenese. S. 9-27, Opladen: Westdeutscher Verlag.