Romaautorin zeigte Dokumentarfilm „Romatränen“ in Leipzig
Luminita Cioaba ist eine der wenigen Schriftstellerinnen der ca. drei Millionen starken Romaminderheit Rumäniens. Die Tochter des Romakönigs Ion Cioaba aus Sibiu/Hermannstadt veröffentlichte mehrere Gedichtbände und arbeitet zurzeit an einem Roman über ihre Familie. Jetzt hat sie ihren Dokumentarfilm über die Deportation der Roma im Zweiten Weltkrieg nach Transnistrien in Leipzig vorgestellt. Für die Dokumentation „Romatränen“ hat Luminita Cioaba in rumänischen Romasiedlungen über zweihundert Interviews aufgenommen. Realisiert wurde der Film mit Mitteln der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ in Berlin. Am vergangenen Freitag zeigte Luminita Cioaba, ihren knapp einstündigen Dokumentarfilm im Kinosaal des Leipziger Grassimuseums etwa 75 Zuschauern. Viele Fragen kamen darüber, ob das in Rumänien lange verdrängte Thema der Romadeportation dort heute offen diskutiert wird, und ob der Film auch in rumänischen Schulen oder Universitäten gezeigt wird. Denn die bewegenden Erinnerungen der deportierten Roma, so die Meinung einiger Anwesender, sollten unbedingt an ein breiteres Publikum kommen. Am Sonnabend las Luminita Cioaba im Frankreich-Zentrum der Universität Leipzig vor Dozenten und Studenten der romanischen Sprachen ihre Gedichte und beantwortet Fragen zur Romaliteratur und Romakultur. Organisiert wurden die Veranstaltungen vom Forum Tsiganologische Forschung e.V. und dem Fachschaftsrat Romanistik/Klassische Philologie und Komparatistik. Kooperationspartner waren das Kompetenzzentrum Mittel- und Osteuropa Leipzig sowie der Fachschaftsrat Afrikanistik/Orientalistik.
(Grit Friedrich)