|
Die Bändertone
Mitteldeutschlands -
Zielstellung Die im Randbereich des quartären
Verbreitungsgebietes des skandinavischen Inlandeises auftretenden Eisstauseesedimente
(Bändertone, Bänderschluffe) stellen die einzige Möglichkeit
dar, das Geschehen am unmittelbaren Rand des skandinavischen Inlandeises
zur Zeit seiner Maximalausdehnung zu rekonstruieren. Dabei geben die auf
periglazialer, fluviatiler Unterlage gelegenen und die Basis der Grundmoränen
bildenden rhythmisch geschichteten glazilimnischen Sedimente einerseits
Informationen über die Prozesse während der Aufbau- und Vorstoßphasen
des Inlandeises im Zeitraum des Übergang vom Anaglazial zum Hochglazial.
Andererseits spiegeln die auf dem Top der Grundmoränen gelegenen glazilimnischen
Sedimente das Geschehen während der Abschmelzphasen des Inlandeises
im Zeitraum vom Ende des Hochglazial zum Spätglazial wider. Im Rahmen
des Vorhabens werden sedimentologische (Mikrotexturen, Korngröße)
und geochemisch-mineralogische Befunde (Stabile Isotope, Mineralbestand)
sowie Ergebnisse der Warvenkorrelation dieser in unterschiedlicher geologischer
und stratigraphischer Position innerhalb der Großtagebaue Mitteldeutschlands
weitflächig aufgeschlossenen glazilimnischen Rhythmite gegeben. Am
Beispiel des ältesten quartären Eisstauseesedimentes der Region,
des elsterglazialen Dehlitz-Leipziger Bändertons, werden Aussagen
zur Natur der rhythmischen Schichtung und zur räumlichen und zeitlichen
Entwicklung der Eisstauseen möglich.
Abb.1:Deformationsstrukturen des Elster-I-glazialen Dehlitz-Leipziger Bändertones im Tagebau Espenhain Ergebnisse
Eine regionale Konnektierung der Lagen des Dehlitz-Leipziger Bändertons ist über eine Nord-Süd-Strecke von mindestens 50 Kilometern innerhalb der Leipziger Tieflandsbucht zwischen den Ortschaften Delitzsch - Leipzig - Altenburg/Zeitz möglich. Diese regionale Konnektierung der Lagen dokumentiert eine `kaskadenartige`, daß heißt zeitlich aufeinanderfolgende Stausee-Entwicklung zwischen Talhöhen von ca. +85 mNN und ca. +210 mNN. Mindestens sechs Stadien der elster-I-glazialen Stausee-Entwicklung (Füllungsstadien) sind innerhalb der Leipziger Tieflandsbucht im Vorfeld des herannahenden Inlandeises auszugliedern. Für die einzelnen Stadien sind dabei Abschätzungen zum Gletscherstand, zur Stauseetiefe und Stauseelänge möglich. Die Ergebnisse der regionalen Lagenkonnektierung belegen eine fazielle Differenzierung des Stauseebeckens während der einzelnen Stadien der Stausee-Entwicklung. Zu unterscheiden sind dabei eine nördliche (inlandeisnahe), eine südliche (flußnahe), sowie eine beckenzentrale distale Bändertonfazies. Innerhalb der Bändertonprofile,
die den wenige Jahrzehnte umfassenden Zeitraum zwischen dem Beginn des
Aufstauprozesses und der Überfahrung der Stauseesedimente durch das
Inlandeis dokumentieren, lassen sich verschiedene Phasen der Stausee-Entwicklung
aushalten. Diese unterscheiden sich signifikant bezüglich der Dynamik
des Sedimenteintrages, der Suspensionsdichte im Wasserkörper und im
Auftreten/Fehlen von Stagnationsverhältnissen im Glazialsee, die eine
syngenetische Karbonatbildung unter anoxischen Bedingungen zulassen.
Die mittleren Vorstoßgeschwindigkeiten im Randbereich des elster-I-glazialen Inlandeises, basierend auf den Ergebnissen der regionalen Lagenkonnektierung des Dehlitz-Leipziger Bändertons, können mit 600 m pro Jahr bis 900 m pro Jahr (Mittelwert aller Daten: 766 m pro Jahr) abgeschätzt werden. Die Glazialstausee-Entwicklung im Vorfeld des elster-I-glazialen Inlandeises findet unter typisch glazialklimatischen Bedingungen statt. Im regionalen/lokalen Umfeld des elster-I-glazialen Inlandeises herrschen kaltaride Bedingungen vor. Die Existenz sehr kalter, langer Winterperioden und kurzer kühler Sommerperioden, daß heißt geringer saisonaler Unterschiede, wird durch die Ergebnisse der Detailuntersuchungen am Dehlitz-Leipziger Bänderton belegt. Die Isotopenwerte der Karbonatfraktion (d 13C, d 18O) rhythmisch geschichteter Eisstauseesedimente (Bändertone) werden einerseits durch den klastischen Karbonateintrag und andererseits durch im Wasserkörper und/oder Bodensediment des Glazialsees stattfindende Karbonatneubildungen kontrolliert. Die klastische Sedimentzufuhr über Schmelzwässer führt zum Eintrag mariner Karbonate moränaler Abstammung in den Stausee. Auf die Isotopensignatur der Karbonatfraktion der "Sommer- und Winterlagen" besitzt diese einen weitgehend einheitlichen Einfluß. Eine Karbonatneubildung findet mit unterschiedlicher Intensität sowohl während der Sommerperioden als auch während der Winterperioden statt. Dabei kennzeichnet die Isotopenzusammensetzung dieser Karbonate die spezifischen saisonalen Bedingungen im Glazialsee. Während der Winterperiode stattfindende Eisbildungsprozesse im Glazialsee (d 18O) und bevorzugt während der Sommerperiode ablaufende Prozesse der bakteriell-induzierten Oxidation organischer Substanz im Sediment (d 13C) spiegeln sich in der Isotopenzusammensetzung des neugebildeten Karbonats wider. Sie sind letztendlich verantwortlich für eine isotopische Differenzierung der Karbonatfraktion zwischen den "Sommer- und Winterlagen". Aufgrund dieser Prozesse können
Isotopenuntersuchungen an Karbonaten als zusätzliches Kriterium für
die saisonale Natur (Warvennatur) rhythmisch geschichteter Glazialseeablagerungen
herangezogen werden.
Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind ausführlich publiziert in der monographischen Arbeit: F.
W. Junge (1998): Die Bändertone Mitteldeutschlands und angrenzender
Gebiete - Ein regionaler Beitrag zur quartären Stausee-Entwicklung
im Randbereich des elsterglazialen skandinavischen Inlandeises.- Altenbg.
nat. wiss. Forsch. 9, Mauritianum Altenburg: 210 S. (mit 58 Abbildungen,
40 Bildern, 31 Tabellen; mit 1 Beiheft).
|