CAPE-ROBERTS-BOHRPROJEKT,
ANTARKTIS
Prof. Dr. Werner Ehrmann, Dipl.-Geol. Marco
Neumann, Dipl.-Geol. K. Polozek
Nationale Zusammenarbeit:
Alfred-Wegener-Institut für Polar-
und Meeresforschung, Bremerhaven
Institut für Geowisenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben,
Hannover (BGR)
Internationale Zusammenarbeit:
Das "Cape Roberts Science Team" besteht
aus Wissenschaftler aus USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien,
Italien und Deutschland.
Projektförderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn
Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung,
Bremerhaven
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| Hintergrund des Projektes:
Die Antarktis ist die "Klimamaschine" der
Erde. Die heutigen atmosphärischen und ozeanischen Zirkulationsmuster
der Erde sowie ihre Änderungen im Laufe der Erdgeschichte werden nämlich
maßgeblich vom Eisschild der Antarktis gesteuert. Änderungen
in der Größe und im Volumen des Eisschildes haben damit globale
Auswirkungen auf das Klima und auf den Meeresspiegel. Würde alles
antarktische Eis abschmelzen, so würde der Meeresspiegel um etwa 70
m ansteigen. Um die Prozesse und Ursachen zu verstehen, die für Klimaänderungen
und Meeresspiegelschwankungen verantwortlich sind, ist daher die Rekonstruktion
der Entwicklungsgeschichte des antarktischen Eisschildes vorrangig. Die
Daten aus der Antarktis gewinnen auch zunehmend an Bedeutung, wenn es darum
geht, zukünftige Entwicklungen vorauszusagen.
| Bohrung |
CRP-1 (1997)
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CRP-2 (1998)
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CRP-3 (1999)
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Lage
Wassertiefe
Entfernung zur Küste
Meereisdicke
Teilnehmer
Erster Kern
Letzter Kern
Bohrtiefe
Kerngewinn
Tiefe bis zum 1.
Kern
Quartär + ?Pliozän
Unt. Miozän
+ Oligozän
Grundgebirge (Devon)
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77.008°S; 163.755°E
153 m
16,0 km
1,6 m
Ehrmann
17. Oktober
24. Oktober
148 m
86 %
15 m
28 m
105
0 m
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77.006°S; 163.719°E
178 m
14,2 km
2,0 m
Ehrmann, Polozek
16. Oktober
25. November
624 m
94 %
5 m
22 m
597 m
0 m
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77.011°S; 163.640°E
295 m
11,8 km
2,0 m
Neumann
9. Oktober
19. November
939 m
97 %
2 m
0 m
821 m
116 m
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Ziele des Projektes:
Das Cape-Roberts-Projekt zielte darauf ab, mit
Hilfe sich stratigraphisch überlappender Bohrungen auf dem
Kontinentalschelf des McMurdo-Sunds im Rossmeer der Antarktis
frühtertiäre Sedimente zu beproben. Das Leipziger Vorhaben
sollte sich darauf konzentrieren, neue Erkenntnisse über
die Geschichte der antarktischen Vereisung und des Klimas in den
letzten etwa 34 Millionen Jahren (Ma) zu gewinnen sowie die Aufstiegsgeschichte
der 5000 km langen Bergkette des Transantarktischen Gebirges zu
rekonstruieren. Dazu sollten die Bohrkerne des Cape-Roberts-Projekts
detailliert beschrieben, beprobt und mit mehreren, sich ergänzenden
sedimentologischen Methoden untersucht werden.
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| Der
etwa 50 Tonnen schwere Bohrturm des Cape Roberts-Projektes. Er stand ca.
15 km vor der Küste der Antarktis, auf nur 2 m dickem Meereis. Gebohrt
wurde in bis zu 300 m Wassertiefe. Im Hintergrund ist das Transantarktische
Gebirge zu erkennen. |
Verschiedene
glaziale Sedimente, die in einer Tiefe von etwa 125 m im Bohrkern CRP-2/2A
angetroffen wurden. Oben: relativ feinkörnige Sedimente; Mitte: Sedimente
mit eisbergtransportierten Komponenten; Unten: konglomeratische Sedimente,
die direkt vor einer Eismasse abgelagert wurden. Die Abfolge dokumentiert
einen Eisvorstoß aus dem Transantarktischen Gebirge vor etwa 21,5
Millionen Jahren, bei dem das Eis grobe Erosionsprodukte aus dem Gebirge
ablagerte.
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Die
Beprobung der Bohrkerne fand bereits in McMurdo Station in der Antarktis
statt. Jedes Fähnchen markiert die Position einer Probe. Etwa 1000
Proben gingen zur sedimentologischen Bearbeitung an das Institut für
Geophysik und Geologie der Universität Leipzig.
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| Einige Ergebnisse:
Die Bohrkerne sind für die Geologen ein
reichhaltiges Archiv, das die Umweltbedingungen der Vergangenheit gespeichert
hat. Sie enthalten Sedimente, die Veränderungen der Umweltbedingungen
für die Zeit vor 34 bis 17,5 Ma abbilden und Informationen über
Meeresspiegelschwankungen liefern. Erste Untersuchungen zeigen, daß
bereits vor 34 Ma Eis in der Antarktis vorhanden war, daß die Größe
und das Volumen des Eisschildes aber im Laufe der Geschichte zahlreichen
und starken Schwankungen unterlagen. Es wurden jedoch keine Hinweise gefunden,
daß sich das Eis, nachdem die Vereisung entstanden war, zu irgendeiner
Zeit vollständig aus der Antarktis oder auch nur von der Küste
zurückzog. |
Lithologie und Interpretation
der Sedimentabfolge im Bohrkern CRP-1 mit einer Rekonstruktion der Eisrandlage
(Cape Roberts Science Team, 1998). |
| Die Sedimente und ihre organischen Inhalte dokumentieren
einen Wechsel von einem kühl-temperierten Klima vor 34 Ma zu einem
subpolaren Klima vor 25 Ma und schließlich zu einem polaren Klima.
Die von uns untersuchten Vergesellschaftungen von Tonmineralen zeigen für
den antarktischen Kontinent im Zeitraum 34-33 Ma chemische Verwitterung
unter relativ warmen und feuchten Bedingungen an. Zwischen 33 und 32 Ma
alternierten Phasen mit chemischer Verwitterung und Phasen mit physikalischer
Verwitterung. Vor 32 Ma setzte intensive physikalische Verwitterung ein
und weist auf ein kühles, trockeneres Klima auf einem zumindest großteils
eisbedeckten Kontinent hin. Vor ca. 29 Ma fand eine weitere Verschärfung
des Klimas und der Verwitterungbedingungen statt. |
Für das Oligozän
und unterste Miozän wurden zahlreiche Eisvorstöße rekonstruiert,
bei denen das Eis aus der Ostantarktis kommend durch das Transantarktischen
Gebirge floß und bis nahe an die Bohrposition (roter Punkt) heran,
oder über sie hinweg, auf dem Untergrund auflag. Während dieser
Zeiten wurden Diamikte abgelagert. Während der oligozänen und
miozänen Rückzugsphasen hatte sich das Eis in die Täler
des Transantarktischen Gebirges hinein zurückgezogen. Von den Gletschern
kalbten Eisberge und drifteten ins offene Meer hinaus. An der Bohrstelle
kamen distale glazialmarine Sedimente wie Sande, Silte und Tone zur Ablagerung
(Cape Roberts Science Team, 1998).
Bei den Eisvorstößen
des jüngsten Teils des Untermiozäns und des Quartärs kam
der Großteil des Eises aus Süden, aus dem Bereich des heutigen
Ross-Schelfeises. Während der quartären Rückzugsphasen sah
die Situation ähnlich wie während der oligozänen Rückzugsphasen
aus, mit dem Unterschied, daß nun die Eisberge fast alle aus Süden
kamen. |
| Die detritischen Komponenten weisen auf eine
Vielzahl von verschiedenen Liefergesteinen in der Umgebung der Bohrstelle
hin. Detritus aus dem Transantarktischen Gebirge dominiert über Detritus
aus den vulkanischen Gesteinen im Süden des McMurdo-Sunds. Die Analyse
zeigt, daß das Transantarktische Gebirge wahrscheinlich bereits vor
34 Ma annähernd seine heutige Höhe erreicht hatte. Die Erosion
entfernte jedoch zunächst vor allem die höher lagernden Sedimente
der Beacon Supergroup und die Vulkanite der Ferrar Group. Seit etwa 24
Ma dominieren Erosionsprodukte aus den Grundgebirgsarealen. Die Änderung
im Mineralspektrum dokumentiert also, wie sich die Täler immer stärker
in das Transantarktische Gebirge einschnitten.
In einer Tiefe von 790 m stieß CRP-3 auf
über 350 Ma alte Sandsteine (Beacon Sandsteine), wie sie heute auf
den Gipfeln des nur 50 km entfernten Transantarktischen Gebirges zu finden
sind. Der Höhenunterschied von mehr als 3000 m zeigt das Ausmaß
der vertikalen Bewegungen, die die Bildung des heutigen Transantarktischen
Gebirges und des Rossmeeres begleitet haben.
Die Sedimente der Bohrungen dokumentieren auch
die Geschichte der vulkanischen Aktivität im McMurdo-Sund und zeigen,
daß Vulkanismus ähnlich dem der McMurdo Volcanic Group bis 25
Ma zurückreicht, also wesentlich weiter, als Aufschlüsse an Land
belegen (19 Ma).
Publikationen:
Aus dem Projekt sind bereits zahlreiche Publikationen
entstanden, die in der Publikationsliste der Abteilung Geologie aufgelistet
sind.
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