Eozän in
Mitteldeutschland
Paläogeographie
und Sedimentologie der eozänen Fluß- und Küstenlandschaft
in Mitteldeutschland
Dipl.-Geol. Antje Böhnke,
Prof. Dr. Werner Ehrmann
Hintergrund:
Der jahrzehntelangen Ausbeutung
der Braunkohlevorkommen des Ballungsgebietes Halle-Leipzig in zahlreichen
Tagebauen verdanken wir die Entstehung einmaliger geologischer Großaufschlüsse.
Hinzu kommt eine enorme Anzahl an Daten in Form von Bohrungen, Berichten
und Analysenergebnissen, die in den verschiedenen Ämtern, Behörden
oder Archiven vorliegen. Diese einmalige Aufschlußsituation, ebenso
wie die große Datenfülle prädestiniert das mitteldeutsche
Braunkohlerevier geradezu für wissenschaftliche Forschungen. Jedoch
steht bis heute einem hohen Erkundungsgrad des braunkohleführenden
Gebietes ein relativ geringer Erforschungsgrad gegenüber. Hinzu kommen
Komplikationen durch zahlreiche stratigraphische Lokalbezeichnungen, die
parallel benutzt werden und so für Verwirrung sorgen und zu Ungenauigkeiten
führen. Flächendeckende, regionalgeologische und sedimentologische
Dokumentationen fehlen weitestgehend. Oft liegen nur Einzelbeobachtungen
oder Spezialarbeiten vor. Dies betrifft vor allem die unter bzw. zwischen
den Braunkohleflözen abgelagerten Sedimente, deren lagerstättenkundliche
Bedeutung bei der Kohlegewinnung gering war.
Auf diese Sedimente, speziell aus
dem Eozän, will sich unsere Arbeit konzentrieren. Dabei ist in manchen
Gebieten des mitteldeutschen Braunkohlereviers Eile geboten, da aufgrund
der Stillegung und Sanierung zahlreicher Tagebaue geologische Aufschlüsse
unwiederbringbar verloren gehen und z.T. auch schon verloren gegangen sind.
Untersuchungen:
Basierend auf einer detaillierten
Kenntnisstandsanalyse werden Profile eozänen Alters in ausgewählten
Tagebauen des Weißelsterbeckens (=Inlet der Norddeutsch-Polnischen
Senke mit deltaartiger oder ästuariner, fluviatiler und mariner Sedimentation)
systematisch hinsichtlich Sedimentologie und Petrografie untersucht. Besonderes
Augenmerk liegt dabei auf den klastischen Zwischenmitteln der Braunkohleflöze.
In die Untersuchungen werden auch die als Materialzubringer fungierenden
tertiären Flußläufe südlich des Weißelsterbeckens
einbezogen, die in Kiesgruben relativ gut aufgeschlossen sind.
Daraus resultieren folgende
Ziele:
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Systematische und flächendeckende
Erfassung der eozänen Ablagerungen
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Interpretation des Sedimentationsgeschehens
während des Eozäns
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Erkenntnisse über die Verteilung
Land-Meer während des Eozäns, Reichweite des Weißelsterbeckens
nach Süden/Geometrie des Weißelsterbeckens
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Entwirrung des paläogeographischen
Puzzles, das durch ein differenziertes und dynamisches Nebeneinander von
terrestrischen (fluviatilen), lagunären und marinen Ablagerungen gekennzeichnet
ist
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Aussagen zu Sedimentationsdynamik
und zum tektonischen Rahme
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Abb.
1: Ausschnitt aus einem Profil mit eozänen Sedimenten im Tagebau
Zwenkau. Die untere, graue bis graubraune Schicht besteht aus fluviatilen
(?) Sanden mit kiesigen Beimengungen. Die Sande weisen einen sehr monotonen
Mineralbestand auf, der überwiegend aus Quarz sowie aus Hellglimmern
besteht. Über dieser relativ grobsandigen Schicht folgt eine Wechsellagerung
aus dunklen, kohlig-schluffigen Lagen und weißen bis weißbraunen,
feinsandigen Lagen. Die Schichtung ist eben bis wellig, z.T. auch flasrig
bis linsig ausgebildet. Diese Flaser- und Linsenschichtung ist an der Basis
der Wechsellagerung besonders ausgeprägt. Die Ausbildung dieser Sedimente
wie auch das Sedimentationsgefüge weisen auf eine Enstehung in einem
Watt hin. Somit könnte der dargestellte Profilausschnitt einen sowohl
fluviatilen als auch marinen Einfluß in diesem Raum dokumentieren,
wobei die fluviatile Entstehung der Sande und Kiese nicht sicher geklärt
ist. (Foto: V. Wennrich)

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Abb.
2: Ausschnitt aus einer Rinnenstruktur im Tagebau Zwenkau. Die Rinne
schneidet sich in das Braunkohleflöz II (Bornaer Hauptflöz) ein,
daß in der linken unteren Bildhälfte an den dunklen Farben erkennbar
ist. An der Basis der Rinne ist das Kohleflöz aufgearbeitet und bildet
hier ein sogenanntes Sohlenpflaster aus unterschiedlich großen Kohlebröckchen
und Kohleschollen. Dieser Aufarbeitungshorizont ist im Foto andeutungsweise
im Top des Kohleflözes zu sehen und wird durch die schwarze Farbe
markiert. Die Rinne selbst ist mit klastischen, z.T. schräggeschichteten
(im Bereich des Hammerkopfes) Sedimenten gefüllt, wobei man zwischen
einer grauen, sandig-kiesigen Lage (unterer Bildrand bis ca. Mitte des
Hammerstiels) und einer darüber folgenden, bräunlichen bis braungrauen,
sandig-schluffigen Abfolge unterscheiden kann. Für die untere Lage
wird eine fluviatile Entstehung angenommen. Für die obere scheint
ein Bildung unter marinem Einfluß sicher, da sie von zahlreichen
Ichnofossilien durchzogen wird. Dabei handelt es sich um röhrenförmige
und wurzelartig verzweigte Grabspuren, die sich aufgrund ihrer weißgrauen
Farbe deutlich von den Sedimenten abheben, in denen sie vorkommen (mittlerer
Bildbereich). (Foto: V. Wennrich)

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Abb.
3: Übergangsbereich zwischen einer sandig-kiesigen Lage (untere
Bildhälfte) und einer Abfolge aus sandigen und schluffigen Lagen (obere
Bildhälfte) im Tagebau Zwenkau.
Bemerkenswert
ist die Auskolkung im Topbereich der grobklastischen Lage, die mit feinerklastischem,
geschichtetem Material ausgefüllt ist. Das Füllmaterial ähnelt
dem der darüber liegenden Sedimentschicht. Bei dieser Auskolkung könnte
es sich um eine Grabspur handeln, was auf eine marine Entstehung zumindest
der oberen Sedimentabfolge hinweist.
Links
neben dem Maßstab ist ein Brankohlebröckchen zu beobachten,
daß vermutlich durch starke Strömungen aus dem unterlagernden
Flöz gerissen und mit dem Sediment verfrachtet und abgelagert worden
ist. (Foto: V. Wennrich)

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