Spätglaziale
und Holozäne Klima- und Umweltgeschichte des Mansfelder Landes
Martin Melles
Volker Wennrich
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Kooperationspartner
Peter Morgenstern,
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
Tatjana Böttger, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
Burghardt Scharf, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
Katharina Stolz, Universität Bremen
André Lotter, University Utrecht, The Netherlands
Hintergrund
Das Untersuchungsgebiet der Mansfelder Seen befindet sich
im südöstlichen Vorland des Harzes, etwa 25 km westlich von Halle/Saale.
Durch die Abschattung des Harzes herrscht in der Region ein kontinentaleres
Klima, das sich durch geringe Jahresniederschläge und höhere Durchschnittstemperaturen
auszeichnet.
Die ursprünglich drei Mansfelder Seen, der Salzige, der Süße
und der Faule See, füllten große De-pressionen im Bereich der
Mansfelder Mulde aus. Diese Vertiefungen entstanden durch die Subrosion im
Untergrund anstehender Gesteine des Zechsteins. Schon im 12. Jahrhundert
wurde der Faule See durch Siedler trockengelegt, der Salzige See wurde im
Jahr 1895 aus bergbaulichen Erwägungen bis auf wenige Restseen (u.a.
Bindersee, Kernersee) abgepumpt. Allein der Süße See existiert
heute noch annähernd in seiner ursprünglichen Größe.
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Zielstellung
Ziel des Projektes ist die Rekonstruktion der spätglazialen und holozänen
Klima- und Umweltge-schichte der Region des Mansfelder Landes anhand von
Seesedimenten. Dabei soll neben Fragen zu natürlichen Schwankungen in
Klima und Umwelt auch der Einfluss der Besiedlung des Menschen eine Rolle
spielen.
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Untersuchungsmethoden
Im Sommer 2001 wurde
im zentralen Teil des ehemaligen Salzigen Sees mittels
Rammkernsonde ein 8,40 m langer Kern gezogen. Aus dem
Süßen See und dem Bindersee wurden in den Jahren 2001
und 2002 mehrere bis 11 m lange Sedimentsequenzen mit
Schwere- und Kolbenloten gewonnen, die von einer schwimmenden
Arbeitsplattform eingesetzt wurden.
Die gewonnenen Sedimentkerne werden mittels Radiokohlenstoff-Datierungen
an verschiedenen organischen Fraktionen (Pflanzenreste,
Karbonatschalen) und Tephrochronologie (Laacher See
Tephra) zeitlich eingestuft. Zur Rekonstruktion der
Ablagerungsgeschichte werden sedimentologische (Strukturen,
Korngröße, Wassergehalt, Dichte), geochemische (organischer
Kohlenstoff, Karbonat, Stickstoff, Schwefel, Haupt-
und Spurenelemente, O- und C-Isotopen) und biologische
(Ostrakoden, Schnecken) Eigenschaften der Sedimentabfolgen
untersucht.
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Bisherige Ergebnisse
Bereits während der Spätphase des Weichselglazials vor ca. 14000 Jahren begann im Salzigen See eine
limnische Sedimentation, die schon während früherer quartärer Warmphasen große Teile des Beckens erfasst hatte.
In dem zunächst sehr kleinen und flachen Wasserkörper setzte sich vor 12900 Jahren die Laacher See Tephra,
eine Asche aus der Eruption des Laacher See Vulkans in der Eifel, ab. Während der Jüngeren Dryas,
der letzten Kaltphase der Eiszeit, kam die Sedimentation für wenige 100 Jahre fast zum Erliegen.
Sie setzte im Übergang zum Holozän, vor ca. 11500 Jahren, wieder ein und hielt dann über die gesamte Dauer
des Holozäns an. Im Verlauf des Holozäns kam es im Salzigen See wiederholt zu Schwankungen im Salzgehalt
und im Trophiegrad, die in der Vergesellschaftung von Schnecken und Ostrakoden, sowie in der chemischen
Zusammensetzung der Sedimente, dokumentiert sind. Unklar ist noch, ob die Salzgehaltsschwankungen auf
eine unterschiedliche Subrosionsaktivität oder auf Schwankungen der atmosphärischen Niederschläge zurückzuführen
sind. Messungen der stabilen Kohlenstoff- und Sauerstoffisotope in den Kalkschalen der Schnecken und Ostrakoden
deuten zudem auf signifikante Temperaturschwankungen im Verlauf des Holozäns hin.
Der Bindersee als Restsee des ehemaligen Salzigen Sees bildete früher das nördliche Teilbecken, das nur durch
eine schmale Verbindung im Bereich des Kernersees mit dem zentralen Becken verbunden war. Hier setzte die
Seesedimentation erst vor ca. 11000 Jahren im Präboreal ein.
Dagegen ist der Süße See erst vor ca. 7000-8000 Jahren entstanden. Der See wies selbst in historischer Zeit
einen deutlich höheren Seespiegel als heute auf. Das deutet darauf hin, dass eine Verbindung zwischen den Seen
existiert hat und würde erklären, warum die Sedimentabfolgen aus den erbohrten Seen jeweils gemeinsame
Entwicklungstrends zeigen.
Auf Grund des günstigen Klimas, der guten Böden und der reicher Erzfunde setzte in der Region der
Mansfelder Seen schon früh die Besiedlung durch den Menschen ein. So sind beispielsweise in den
Pollenvergesellschaftungen in den Seesedimenten Rodungsphasen dokumentiert, die auf eine ackerbauliche
Nutzung hindeuten. Hohe Konzentrationen an Schwermetallen in den Seesedimenten die vor weniger als 2000 Jahren
abgelagert wurden lassen sich auf einen verstärkten Abbau des unweit anstehenden Kupferschiefers seit
dieser Zeit zurückführen.
Ausblick
Die geologischen Arbeiten an den Mansfelder Seen konzentrierten sich bisher auf den Salzigen See, und die
Auswertungen der Analysedaten beschränkten sich auf qualitative Rekonstruktionen der Klima- und Umweltgeschichte.
In Zukunft sollen vergleichbare Datensätze auch von den vorhandenen Kernen aus dem Süßen See und dem Binder See
erarbeitet werden, und die Daten über zu erarbeitende bzw. anzupassende Transferfunktionen auch quantititav
ausgewertet werden. Für diese Arbeiten wird eine finazielle Unterstützung durch die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) angestrebt.
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