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Schwermineralverteilung
in känozoischen Sedimenten des McMurdo-Sunds, Antarktis: Rekonstruktion
von Liefergebieten und Eisschildfluktuationen
Dipl.-Geol. Kerstin Polozek, Prof. Dr. Werner
Ehrmann
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Hintergrund:
| Auf dem Schelf des McMurdo-Sunds im Rossmeer
der Antarktis (pazifischer Sektor des Südpolarmeeres) wurden mehrere
Bohrungen entlang des Randes des Transantarktischen Gebirges abgeteuft.
Die Bohrkerne erschließen unteroligozäne bis quartäre Sedimente.
Über die Liefergebiete der Sedimente, die Ablagerungsbedingungen und
die Eisdynamik zur Zeit der Ablagerung ist bisher relativ wenig bekannt. |
Untersuchungen:
| Die räumliche und zeitliche Verteilung
der Schwerminerale in den Bohrungen CIROS-2, MSSTS-1, CRP-1, CRP-2/2A im
McMurdo-Sund und DVDP-12 im Taylor-Tal des Transantarktischen Gebirges
wurde untersucht. Mit Hilfe der Datensätze wurden die Liefergebiete
der känozoischen und heutigen Gletscher rekonstruiert und damit Rückschlüsse
auf die Dynamik der Eismassen, auf die Ausdehnung des Eises zu verschiedenen
Zeiten und auf die Aufstiegsgeschichte des Transantarktischen Gebirges
gezogen. |

Abb. 1:Übersichtskarte
des Untersuchungsgebietes im McMurdo-Sund des Rossmeeres mit der Lage der
untersuchten Bohrungen. Alle Bohrungen außer DVDP-12 wurden vom Meereis
aus abgeteuft. Die Geologie des Hinterlandes wurde stark vereinfacht nach
Warren (1969). |
Ergebnisse:
| Anhand der in den Sedimentabfolgen der Bohrkerne
abgelagerten Schwermineralvergesellschaftungen konnten zwei verschiedene
Liefergebiete identifiziert werden. Ein Liefergebiet im Süd-Victoria-Land
des Transantarktischen Gebirges, welches aus Gesteinen der Skelton-Gruppe,
des Granite-Harbour-Intrusiv-Komplexes, der Beacon-Supergruppe und der
Ferrar-Gruppe besteht, wird als Quelle eines Großteils der oligozänen
bis pliozänen Sedimente abgenommen. Signifikante Häufigkeitsfluktuationen
der Schwerminerale innerhalb dieser Vergesellschaftung können in den
meisten Fällen auf Vorstöße bzw. Rückzüge der
Gletscher des Transantarktischen Gebirges zurückgeführt werden.
Das zweite Liefergebiet setzt sich aus Gesteinen der McMurdo-Vulkanit-Gruppe
zusammen, die in der Region des heutigen Ross-Schelfeises anstehen. Dieses
Herkunftsgebiet trägt entscheidend zur Schwermineralzusammensetzung
der pliozänen bis quartären Sedimente bei.
Die Schwermineralverteilungen in den Sedimentabfolgen
der Bohrungen lassen Rückschlüsse auf die Erosionsintensität
der Gletscher im jeweiligen Hinterland zu und zeigen, dass sich das Einzugsgebiet
der Gletscher seit dem Oligozän nicht wesentlich verändert haben
kann. Der Gesteinsdetritus, der durch Taylor-, Ferrar- und Mackay-Gletscher
erodiert und meerwärts transportiert wurde, zeigt für das Einzugsgebiet
des jeweiligen Gletschers typische Schwermineralkonzentrationen. Die Gletscher
schoben sich seit dem unteren Oligozän in mehreren Phasen in Richtung
McMurdo-Sund des Ross-Meeres vor. Seit spätestens dem Pliozän
stießen aufliegende Eismassen aus der Region des heutigen Ross-Schelfeises
bis in die Fjorde des Transantarktischen Gebirges vor.
Die Schwermineralanalysen an den untersuchten
Sedimentkernen weisen darauf hin, dass der känozoische Vulkanismus
im McMurdo-Sund (McMurdo-Vulkanit-Gruppe) mit 27 Ma vermutlich älter
ist als bisher angenommen. Die ältesten bekannten Gesteine der MVG
des Victoria Landes sind 25 Ma alt. Als Quelle des vulkanogenen Detritus
werden Vulkanbauten im McMurdo-Sund angenommen, auf die auch magnetische
Anomalien hindeuten.
Die Sedimente der Bohrkerne DVDP-12 (Taylor-Tal)
und CIROS-2 (Fjord des Ferrar-Tales) können mittels ihrer Schwermineralspektren
und ?häufigkeitsfluktuationen gut miteinander korreliert werden. In
beiden Bohrkernen weisen die Schwermineralvergesellschaftungen in den älteren
pliozänen Sedimenten auf den Eintrag von durch Gletscher erodierten
Gesteinsdetritus aus dem Transantarktischen Gebirge hin. Die Zusammensetzung
des Schwermineralspektrums in den jüngeren oberpliozänen bis
pleistozänen Abfolgen wird in beiden Bohrungen zusätzlich durch
den Terrigeneintrag von aus der Westantarktis in das Ross-Meer vordringenden
Eismassen beeinflusst. Die Korrelation der Bohrkerne DVDP-12 und CIROS-2
anhand ihrer Schwermineralspektren und ?häufigkeitsfluktuationen ermöglichte
eine neue stratigraphische Einordnung des bislang nur unzulänglich
datierten Sedimentkerns DVDP-12. |
Abb. 2:Verteilung der
wichtigsten Schwermineralgruppen im Bohrkern CIROS-2 (Ehrmann & Polozek,
1999). Die Schwerminerale weisen auf unterschiedliche Liefergebiete und
damit auf Änderungen in der Eisdynamik hin. Während Subunit 1.1
und 1.2 kam das Eis aus dem Transantarktischen Gebirge und brachte vor
allem Apatit, Zirkon, Titanit, Granat, Epidot und grüne Hornblende.
Während Subunit 1.1 wurden zusätzlich subglazial geförderte
vulkanische Gesteine abgetragen, was durch die Gehalte an brauner Hornblende
und Palagonit belegt wird. Im Quartär verlagerte sich das Liefergebiet
nach Süden, in die Gegend des heutigen Ross-Schelfeises. Typische
Schwerminerale sind nun Pyroxen, Titanaugit, alterierte Minerale und opake
Minerale. |
| Publikationen:
Ehrmann, W. & Polozek, K. (1999): The heavy
mineral record in the Pliocene to Quaternary sediments of the CIROS-2 drill
core, McMurdo Sound, Antarctica. - Sedimentary Geology, 128: 223-244.
Polozek, K. (2000): Distribution of heavy minerals
in CRP-2/2A, Victoria Land Basin, Antarctica. - Terra Antartica, 7 (4):
567-573.
Polozek, K. (2002): Die Schwermineralverteilung
känozoischer Sedimente des McMurdo-Sunds, Ross-Meer, Antarktis: Rekonstruktion
von Liefergebieten und Eisschildfluktuationen. ? Dissertation, Universität
Leipzig, 120 S.
Polozek, K. & Ehrmann, W. (1998): Distribution
of heavy minerals in CRP-1. - Terra Antartica, 5 (3): 633-638. |
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