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GESCHICHTE
DES OSTANTARKTISCHEN EISSCHILDES: KÄNOZOISCHE
SEDIMENTE DER PAGODROMA-GRUPPE
Prof. Dr. Werner
Ehrmann
Prof. Dr.
Michael J. Hambrey,
Centre
for Glaciology, Institute of Geography and Earth Sciences,
University of Wales, Aberystwyth,
Ceredigion SY23 3DB, UK
Dr. Barrie McKelvey,
Division
of Earth Sciences, School of Physical Sciences, University of
New England, Armidale, New South Wales
2351, Australia
Dr. Jason Whitehead,
Institute of Antarctic and Southern Ocean Studies, University of Tasmania, Private Bag 77,
Hobart, Tasmania 7001, Australia
Dr. Jan Bloemendal,
Department
of Geography, University of Liverpool,
Roxby Building, Liverpool
L69 3BX, UK
Hintergrund:
Der ostantarktische Eisschild
besteht seit mehr als 33 Millionen Jahren und beeinflußt seither
den globalen Meeresspiegelstand und das Klima der Erde. Unter den Wissenschaftlern
gibt es aber eine heftige Debatte über seine Stabilität. Sie
dreht sich vor allem darum, ob der Eisschild seit dem Miozän (15 Ma)
stabil war, oder ob er große Schwankungen in Ausdehnung und Volumen
erfahren hat, möglicherweise ganz abgebaut wurde, und erst seit etwa
3 Ma in seiner heutigen Form stabil ist. Die Lösung dieses Problems
ist für das Verständnis des Zusammenspiels von Eisdynamik, Klima
und Meeresspiegelstand sehr wichtig. Die unterschiedlichen Ansichten entspringen
Untersuchungen im Transantarktischen Gebirge. Um die Hypothesen zu testen,
wurden nun, auf der anderen Seite der Ostantarktis, entsprechende Sedimentabfolgen
im Gebiet des Lambert-Gletschers - Amery-Schelfeises untersucht. |
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| Abb. 1: Lageplan
des Arbeitsgebietes innerhalb der Antarktis (A) und innerhalb des Lambert-Gletscher
Systems (B). Die Mount Johnston Formation und die Fisher Bench Formation
wurden am Fisher Massif beprobt, die Battye Glacier Formation und die Bardin
Bluffs Formation in der Amery-Oase. |
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Geländearbeit:
Von Hambrey und McKelvey
wurden 1994/95 alle vier Formationen der Pagodroma-Gruppe in den
Prince Charles Mountains auf der westlichen Schulter des Lambertgrabens
beprobt, und zwar im Bereich des Fisher Massif (Mount Johnston
Formation, Fisher Bench Formation) und der Amery Oase (Battye
Glacier Formation, Bardin Bluffs Formation). Eine Detailbeprobung der Battye Glacier Formation (4 Profile) erfolgte 2000/2001 durch Whitehead.
Untersuchungen:
Die Faziesuntersuchungen
von Hambrey und McKelvey zeigten, daß alle vier Formationen
der Pagodroma-Gruppe in einem fjordähnlichen Ablagerungsraum
sedimentiert wurden. Das Klima war kühl, aber wesentlich
wärmer als heute. Mögliche Analoge dafür finden
sich heute in Ostgrönland und Spitzbergen.
An der Universität Leipzig
wurden Sedimentproben auf die Zusammensetzung der Tonmineralfraktion hin
untersucht. Die Daten sollten helfen, die einzelnen Profile miteinander
zu korrelieren. Außerdem hofften wir, aus der Verteilung der einzelnen
Tonminerale Rückschlüsse auf die Herkunftsgebiete der Sedimente
und auf die kontinentalen Verwitterungsbedingungen während des Känozoikums
ziehen zu können.
An der Universität
Liverpool wurden geochemische und gesteinsmagnetische Untersuchungen
durchgeführt, ebenfalls mit der Absicht, klimatische Trends
und Änderungen im Liefergebiet zu erfassen. Die paläontologischen Arbeiten wurden von J. Whitehead koordiniert.
Einige Ergebnisse:
(1) Die vier räumlich getrennten
und unterschiedlich alten Formationen der Pagodroma-Gruppe besitzen
unterschiedliche Tonmineralsignaturen. Die Tonmineralvergesellschaftungen
der Mount Johnston Formation und der Fisher Bench Formation ähneln
sich und werden von Illit und Chlorit dominiert. Im Gegensatz
dazu enthalten die Sedimente der Battye Glacier Formation zusätzlich
größere Mengen an Kaolinit und Smektit. Die Bardin
Bluffs Formation weist die höchsten Kaolinitgehalte auf,
aber nur relativ geringe Konzentrationen an Illit und Chlorit.
Sie führt keinen Smektit.
(2) Der größte Teil der Tonmineralvergesellschaftungen
der Mount Johnston Formation, der Fisher Bench Formation und der Bardin
Bluffs Formation der Pagodroma-Gruppe kann von einem Liefergebiet in der
unmittelbaren Nachbarschaft hergeleitet werden. Die metavulkanischen Gesteine
und die Gneise des Fisher Massifs sind für die Illit- und Chloritgehalte
der Sedimente der Mount Johnston Formation und der Fisher Bench Formation
verantwortlich. Die permotriassischen Sedimentgesteine der Amery-Gruppe
lieferten den Kaolinit der Bardin Bluffs Formation.
(3) Der größte Teil der Tonminerale
in der Pagodroma-Gruppe weist auf physikalische Verwitterung unter glazialen
Bedingungen hin. Nur der Smektit und der Kaolinit der Battye Glacier Formation
könnten auf ein Intervall mit wärmeren und feuchteren Bedingungen
hinweisen, die in chemischen Verwitterungsbedingungen resultierten. Die
wahrscheinlichere Alternative ist jedoch, daß die Smektite und Kaolinite
detritischen Ursprungs sind und von einem weit entfernten Liefergebiet
stammen, das wahrscheinlich unter dem Eis liegt.
(4) Auch die Faktorenanalysen an den geochemischen
Daten (XRF) zeigen zwei unterschiedliche Hauptvergesellschaftungen, was
durch das Vorhandensein von Detritus aus der Amery-Gruppe in der Battye
Glacier Formation und der Bardin Bluffs Formation erklärt wird.
(5) Die Battye Glacier Formation (10,7 - 9,0 Ma) besteht aus zwei Einheiten. Die Untere Einheit belegt eine Erosion des präkambrischen Grundgebirges. Obwohl sie heute etwa 250 km weiter südlich als die Eiskante liegt, wurde sie im Ozean abgelagert, und zwar in einiger Entfernung von der damaligen Eiskante. Sie beinhaltet auch die fossilführenden McLeod Beds. Diese führen eine monospezifische Hiatella sp. Molluskenfauna, die - im Gegensatz zu den heutigen Verhältnissen - einen starken Einfluß von Schmelzwasser anzeigt. Die Obere Einheit zeigt eine Erosion der permisch-triassischen Amerygruppe an und wurde im Ozean, nahe an der damaligen Eiskante abgelagert. |
| Abb. 2: Vereinfachte
Darstellung der Tonmineralvergesellschaftungen in den verschiedenen Formationen
der Pagodroma-Gruppe. Die unterschiedlichen Zusammensetzungen weisen auf
unterschiedliche Liefergebiete hin. |
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Publikationen:
Bloemendal, J., Ehrmann, W., Hambrey,
M.J., McKelvey, B.C. Matthews, R. & Whitehead, J.M. (2003):
Geochemical and rock magnetic records from sediments of the
Cenozoic Pagodroma Group, Prince Charles Mountains, East Antarctica:
implications for provenance and weathering.- Antarctic Science,
15 (3): 365-378.
Ehrmann, W., Bloemendal, J.,
Hambrey, M.J., McKelvey, B. & Whitehead, J. (2003): Variations
in the composition of the clay fraction of the Cenozoic Pagodroma
Group: implications for determining provenance.- Sedimentary Geology,
161: 131-152.
Whitehead, J., Ehrmann, W., Harwood, D.M., Hillenbrand, C.-D., Quilty, P.G., Hart, C., Taviani, M., Thorn, V., McMinn (2006): Late Miocene paleoenvironment of the Lambert Graben embayment, East Antarctica, evident from: Mollusc paleontology, sedimentology and geochemistry.- Global and Planetary Change, 50: 127-147.
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