| Graduiertenkolleg
"Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse" |
| Workshops, Kolloquien, Arbeitsgruppen: Workshops SS 2000: Ereignissemantik: Uminterpretationen bei adverbaler Modifikation: Ein generelles Herangehen. |
Uminterpretationen bei adverbaler Modifikation: Ein generelles Herangehen
Erstens soll im Beitrag dafür argumentiert werden, dass Beobachtungen zur Uminterpretation bei adverbiellen Modifikationen nicht bloß singuläre Erscheinungen der Bedeutungsverknüpfung reflektieren. Insbesondere werde ich zeigen, dass die in Moens & Steedman (1988) entwickelte Idee einer durch Temporaladverbiale erzwungenen Anpassung des Situationsbezugs von verbalen Ausdrücken keineswegs alle Fälle abdeckt, wo solche Operationen die Interpretation der beteiligten Komponenten beeinflussen. Zum einen gibt es außerdem zahlreiche Vorkommen von nicht-temporalen Adverbialen, die bei der Untersuchung von Bedeutungsverschiebungen dieses Typs erfasst werden müssen. Darüber hinaus lassen sich unter dem gegebenen Blickwinkel auch so genannte sekundäre Prädikationen als eine besondere Art von adverbaler Modifikation verstehen. Zum anderen kann man einen entsprechenden Bedeutungstransfer nicht nur bei den jeweils modifizierten Konstituenten, sondern gleichfalls bei den als Modifikatoren verwendeten Ausdrücken feststellen.
Zweitens werde ich demonstrieren, wie die hier interessierenden systematischen Uminterpretationen im Rahmen eines mehrstufigen Modells der Bedeutungsrepräsentation analysiert werden können. Dabei wird zwischen Operationen einer kontext-unabhängigen Berechnung der unterspezifizierten Bedeutung und der sich daran anschließenden kontextuellen Bedeutungsspezifizierung unterschieden. Kennzeichnend gegenüber anderen, ansonsten ähnlichen Herangehensweisen ist vor allem, dass sich das Variationspotenzial der Bedeutung durch die obligatorische Anwendung von bestimmten semantischen Operatoren systematisch erweitern lässt. Die mit dem Modell eingeschlagene Analysestrategie hat mehrere Vorzüge. Zunächst einmal bleibt so - entgegen etwa zu den Vorschlägen von Pustejovsky (1995) und Jackendoff (1997) - das Prinzip der semantischen Kompositionalität in seiner Gültigkeit voll gewahrt. Außerdem bietet das Vorgehen die Möglichkeit, Uminterpretationen bei der adverbalen Modifikation nicht einfach nur aus einem Zwang des unmittelbaren sprachlichen Kontextes zu erklären, sondern auch globale Faktoren als Auslöser zu berücksichtigen. Und schließlich stellen sich die betrachteten Erscheinungen im gewählten Modell als Instanzen einer generelleren Art des Transfers von Bedeutung dar, nämlich insofern als die ihnen zugrundeliegenden Operationsschemata auch in anderen Bereichen konzeptueller Strukturbildung die Voraussetzung von Interpretationsvariationen bilden.