| Graduiertenkolleg
"Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse" |
| Workshops, Kolloquien, Arbeitsgruppen: Workshops SS 2000: Ereignissemantik: Ereignissemantik und Ereignisontologie. |
Ereignissemantik und Ereignisontologie - Immunisierungsstrategien und der empirische Gehalt von Theorien in der lexikalischen Ereignissemantik
Die Satzsemantik hat im Rahmen von relativ wohlverstanden Formalismen im Bereich von Aussagenlogik, Prädikatenlogik, Mengenlehre, etc. erklärungsstarke, empirisch anspruchsvolle Theorien hervorgebracht. Je weiter wir uns dagegen im Satz nach unten auf die Wortebene zubewegen, um so häufiger haben wir es mit Theorien zu tun, die mit einem Inventar relativ schwer zu fassender Begrifflichkeiten arbeiten (müssen), wie z.B. 'Agens', 'Patiens', 'volition', 'sentience', 'Ereignis', 'causation', die sich im Rahmen formaler Semantiken nicht unbedingt leicht explizieren lassen.
Ich werde in dem Vortrag an verschiedenen Beispielen zeigen, welche Bedingungen einfache und verbreitete lexikalische Verbrepräsentationen erfüllen müssen, um nicht ihren empirischen Gehalt zu verlieren. Diese (z.T. trivial erscheinenden) Bedingungen sind die folgenden; dabei sei angenommen, daß die meisten verbsemantischen Bedeutungsexplikationen für ein verbales Prädikat V sich in einem ereignissemantischen Rahmen als Folgerungen verschiedener Typen aus der offenen Proposition, die V bildet, formulieren lassen, z.B. KÜSSEN(e,x,y) ==> AGENS(e,x):
Nicht immer erfüllen lexikalische Repräsentationen in ereignis-/verb-semantischen Theorien diese Forderungen (noch nörgeliger, aber präziser könnte man sagen, sie tun dies nie) und verfolgen dabei verschiedene Strategien zur Immunisierung gegen empirische Widerlegung, die ich ausführlich an Beispielen illustrieren werde, die auch zeigen, wie schwer der Verlust an empirischem Gehalt in den einzelnen Theorien sein kann:
Der Vortrag ist im Wesentlichen destruktiver Natur. Er zeigt, wo verbsemantische Theorien in gutem Glauben oder aus bößem Willen in die Fallen empirischer Gehaltlosigkeit stolpern. Wie man sich meiner Ansicht nach aus diesen Fallen befreien sollte, ist dagegen eine andere Frage, auf die ich nur kursorisch am Ende des Vortrags eingehen werde. Dabei werde ich versuchen, ohne allzu explizit zu werden, den Eindruck zu erwecken, daß ich eigentlich alle zentralen Probleme der Semantik und Philosophie schon gelöst habe.