| Graduiertenkolleg
"Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse" |
| Workshops, Kolloquien, Arbeitsgruppen: Workshops SS 2000: Ereignissemantik: Die Kausativ-Alternation in einer Ereignissemantik. |
Die Kausativ-Alternation in einer Ereignissemantik
Es gibt eine Reihe von Verben, die sowohl transitiv als auch intransitiv verwendet werden koennen, wobei die transitive Variante etwa die Bedeutung "cause to V[intrans]" hat. Dieses Phaenomen ist in der Literatur als die _Kausativ-Alternation_ bekannt. Im Deutschen tritt die intransitive Variante oefters (aber nicht immer) mit dem Reflexivpronomen _sich_ auf (vgl. 1. und 2.), waehrend im Englischen die zwei Varianten fast immer morphologisch identisch sind.
Als minimales Kriterium muss jede Analyse der Kausativ-Alternation gewaehrleisten, dass aus der Bedeutung der transitiven Variante auf die Bedeutung der intransitiven Variante geschlossen werden kann (aber natuerlich nicht umgekehrt). Diese minimale Bedingung laesst jedoch offen, welche Variante als Basis fuer die andere dient (die Richtung der Ableitung), und ausserdem wie genau sich die semantischen Repraesentationen der beiden Varianten unterscheiden.
In diesem Vortrag werde ich zwei fuehrende Analysen der Kausativ-Alternation anfechten und eine dritte vorschlagen. Die Analysen, die zu kritisieren sind, stammen aus Parsons (1990) und Levin und Rappaport Hovav (1995). Die Haupteigenschaft, die den Inhalt dieser zwei Analysen unterscheidet, ist die, dass Parsons die transitive Variante von der intransitiven ableitet, waehrend Levin und Rappaport Hovav der Meinung sind, dass die Ableitung genau in die andere Richtung erfolgt. Was die zwei Analysen gemeinsam haben, ist das, dass die semantische Repraesentation der transitiven Variante sich auf zwei Ereignisse bezieht, die in einer CAUSE-Relation stehen. Fuer Levin und Rappaport Hovav unterscheidet sich die _semantische_ Repraesentation der intransitiven Variante von derjenigen der transitiven Variante _nicht_, waehrend fuer Parsons sie wesentlich einfacher ist, indem sie sich auf nur ein Ereignis bezieht und keine CAUSE-Relation enthaelt.
Ich werde dafuer argumentieren, dass Parsons (im Gegensatz zu Levin und Rappaport Hovav) recht hat, dass die transitive Variante semantisch einfacher ist als die intransitive Variante, aber dass er (wie auch Levin und Rappaport Hovav) Unrecht hat, dass die semantische Repraesentation der transitiven Variante unbedingt eine CAUSE-Relation zwischen zwei Ereignissen enthaelt, oder gar dass sie sich immer auf zwei Ereignisse bezieht. In meiner (etwas verfeinerteren) Analyse wird der Begriff _fuer ein Ereignis verantwortlich sein_ eingefuehrt, der sich vom Begriff _Agens eines Ereignisses sein_ unterscheidet. Dabei wird der Begriff _Handlung_ eine prominentere Rolle spielen als bisher.