| Graduiertenkolleg
"Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse" |
| Workshops, Kolloquien, Arbeitsgruppen: Workshops SS 2000: Ereignissemantik: Aktionsarten: Perspektivierung in Situationskonzepten und Verblexik. |
Aktionsarten: Perspektivierung in Situationskonzepten und Verblexik
Natürliche Situationen (als Konzeptualisierungen der realen Welt) weisen eine komplexe Binnenstruktur auf. Aus der Korrelation zwischen den semantischen Merkmalen der eventualities und den Eigenschaften der natürlichen Situationen ergibt sich ein Problem: Konkrete und detaillierte Konzepte sind nicht Verb- oder Satzbedeutungen, sondern höchstens, wenn überhaupt, Äußerungsbedeutungen. Der lexical content von Verben und Satzradikalen fixiert nur bestimmte Struktureigenschaften, vernachlässigt dabei bestimmte andere und gibt letztlich nur Hinweise auf die denotierte Struktur, welche ausschließlich innerhalb kompositionaler und kontextueller Einbettung interpretiert werden können.
Diese Perspektivität der lexikalisierten Konzepte werde ich in einem ersten Schritt anhand der zeitlichen Interpretation verdeutlichen. Eventualities markieren nur eine bestimmte Phase des Situationsverlaufs als faktisch. Unterschiedliche Typen fokussieren unterschiedliche Phasen, während sie die anderen un(ter)spezifiert lassen. Versteht man die einzelnen Phasen eines Situationsverlaufs und ihre Sequenz als Merkmale bzw. deren Konstellation auf einer semantic map, so können die Typen auf dieser lokalisiert werden:

In einem zweiten Schritt werden ich zeigen, dass die Perspektivität der Konzepte sogar grundlegende Eigenschaften der natürlichen Situationen, wie auch die (Nicht-)Dynamizität selbst, ignorieren bzw. überschreiben kann. Die den achievements zugrundeliegenden Konzepte z.B. betrachten aus einer dynamisch interpretierenden Perspektive einen statischen Situationshintergrund, charakterisiert durch eine non-skalare Eigenschaft q mit privativer Opposition. Auch wenn während des Übergangs von Øq zu q bestimmte Unschärfen auftreten, so impliziert doch das Eintreten von q nicht das Vorangehen einer dynamischen Entwicklung. Den Konzepten der achievements inhäriert jedoch durch die Präsupposition eines Vorzustands Øq eine dynamische Interpretation, welche sie eng mit den accomplishments verbindet. Prozesse zeigen das entgegengesetzte Phänomen: Die dynamische ‚Natur' wird durch eine statische Perspektivierung ausgeblendet, wodurch die Verwandtschaft von Prozessen und Zuständen konstituiert wird.
Es sind noch in weiteren Schichten der Situationskonzeptualisierung dynamisch/statisch-Distinktionen aufzeigbar, wie auch in der Unterscheidung inhärenter und temporärer Eigenschaften, welche z.B. die Unterscheidung von proc-acco und accomplishment motiviert.