| Graduiertenkolleg
"Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse" |
| Workshops, Kolloquien, Arbeitsgruppen: Workshops SS 2000: Ereignissemantik: Pfadstrukturen und Verbsemantik. |
Pfadstrukturen und Verbsemantik
Es ist bekannt, daß viele der deutschen Simplexverben schwierig in die Vendlerschen Aktionsartklassen einzuordnen sind, da oft erst auf der VP-Ebene oder der Satzebene die Möglichkeit besteht, z.B. zu entscheiden, ob es sich um einen telischen oder einen atelischen Sachverhalt handelt. D.h. die Objektinformationen und auch die adverbialen Modifikationen tragen zu einer Spezifizierung des beschriebenen Sachverhaltes bei. Deshalb ist davon auszugehen, daß die deutschen Simplexverben in bezug auf die Sachverhaltsinformation, die sie geben, unterspezifiziert sind.
Es werden im folgenden verschiedene Verbklassen untersucht (Kreations-und Konsumptionsverben, Pro-Acco-Verben, deadjektivische Verben mit inkrementellem Thema und Bewegungsverben), die oft zur Gruppe der Accomplishments gerechnet werden oder zumindest eine Accomplishment-Lesart zulassen. Außerdem haben die selegierten Objekte die Gemeinsamkeit als inkrementelle Themen zu fungieren.
Aus der Betrachtung dieser Verbgruppen heraus, möchte ich eine semantische Repräsentation vorgestellen, die die Gemeinsamkeiten zwischen diesen verschiedenen Verbgruppen herausstellt. Eine wesentliche Gemeinsamkeit besteht eben genau darin, daß alle diese Verben zwischen der Klasse der Prozesse und der der Accomplishments hinundherwandern. Der Unterschied zwischen den Verben liegt darin, ob sie im Defaultfall telisch interpretiert werden oder ob es keine solche Defaultfestlegung auf eine Aktionsart gibt.
Die wesentliche Grundlage für die Repräsentation wird ein Pfadkonzept sein, daß sich auf unterschiedliche Arten und Weisen in den verschiedenen Komponenten und Prädikaten der Repräsentation niederschlägt. So wird eine ganz allgemeine Pfadstruktur durch das Aktivitätsprädikat DO eingeführt, das auch den dynamischen durativen Teil der beschriebenen Ereignisse denotiert. P ist ein unspezifiziertes Prädikat, das als Anker für die idiosynkratische Verbinformation dient, gleichzeitig aber auch den Pfad, der durch DO eingeführt wird, weiter spezifiziert, da es Zugriff auf die spezifischen Informationen der Verbdomäne und Objektdomäne hat. Q dient als Anlaufstelle für mögliche Begrenzungen des Pfades und bietet damit die Möglichkeit, den Nachzustand zu spezifizieren. Auch Q ist unspezifisch, kann aber bei einigen der Verben bereits im Lexikon einen Wert erhalten und dadurch sicherstellen, daß die Interpretation dieser Verben per Default telisch ist.
Es werden für die spezifischen Verbgruppen, Repräsentationen entwickelt, die Modifikationen der obigen Repräsentation darstellen und so die jeweilige Spezifik der einzelnen Verbgruppen aufzeigen können. Der wesentliche Punkt wird aber immer bleiben, daß Pfade spezifiziert werden, die auf unterschiedliche Domänen bezugnehmen.
Desweiteren soll auf die unterschiedlichen Zeitinformationen, die die beiden Teilereignisse s1 und s2 mit sich bringen, eingegangen werden und gezeigt werden, warum, es einerseits möglich ist und andererseits für sinnvoll erachtet wird, auf ein BECOME-Prädikat in der Repräsentation der genannten Verbgruppen zu verzichten.