Schnelle Fakten

Forschung

Die Latdorf-Fauna ist eine Schlüsselfauna in der Phase des oberpaläogenen Klima- und Faunenumbruchs.
Pteropoden (Flügelschnecken) stellen sich immer mehr als Schlüsselgruppe in der Biostratigraphie heraus - insbesondere die kurzen Phasen von Massenvorkommen ("Blüten"). Forschung in Zusammenarbeit mit Arie Janssen, Malta/Goso.
Neue Fundorte - neue Möglichkeiten: Diversitätsvergleiche verschiedener Horizonte im Mammendorfer Felslitoral.
Ein Heer von Kleinmollusken, Brachiopoden und anderen Fossilgruppen enthält noch viele Neuigkeiten. Erst die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung bringt verlässlich Licht in manche Geschichte. Zusammenarbeit mit Dr. Jan Michael Lange, SNS Dresden.

 

 

 

 

 

 

Unsere Forschung ist seit einigen Jahren vor allem auf Paläontologie, Paläobiologie und Biostratigraphie im Paläogen Mitteldeutschlands fokussiert. Neue und außerordentlich fossilreiche Aufschlüsse lieferten so einzigartiges Fossilmaterial, dass man damit vielen interessanten Fragestellungen nachgehen kann:

1. Faunenentwicklung und Faunenwechsel um die Eozän-Oligozän-Grenze:
Dramatische klimatische Umbrüche prägen das späte Paläogen, ein Zeitintervall zwischen etwa 40 - 25 Millionen Jahren vor heute. Man assoziiert diese Klimaveränderungen mit der plattentektonischen Entwicklung der Südhemisphäre, welche die Voraussetzungen für eine erste flächenhafte Vereisung der Antarktis und eine globale Abkühlung abgeben. Höhepunkt war das sogenannte "Oi1-Event" an der Eozän-Oligozän-Grenze. Es markiert einen großen Sprung im Übergang vom eozänen "Treibhausklima" zum neogenen "Eishausklima". Unsere Fossilaufsammlungen betreffen exakt diesen spannenden Abschnitt der Erdgeschichte.

2. Biodiversität und fazielle Vielfalt:
Unsere fossilreichen Profile erfassen ein breites Spektrum fazieller Räume. Es reicht von Felslitoralen mit Hartsubstraten über küstennahe Sande bis zu küstenferneren Tonablagerungen des tieferen Wassers. Wie an heutigen küstennahen Meeresabschnitten auch, beherbergte vor 35-25 Millionen Jahren jeder Lebensraum eine spezielle Lebensgemeinschaft. Erst die Summe aus diesen Faunulen ergibt einen wirklich fundierten Einblick.

3. Biostratigraphie und stratigraphische Korrelation:
Man könnte meinen, inzwischen sei bezüglich der Biostratigraphie und stratigraphischen Korrelation alles gesagt und getan. Dem ist aber nicht so. In vielen Fällen existieren noch immer größere Probleme. Sie resultieren einerseits aus Fossilmangel, andererseits aus unzureichender Bearbeitungsmethodik. Fossilmangel haben wir mit unseren Grabungen in den vergangenen Jahren "abgeschafft". Moderne Methoden erlauben heute ganz andere Untersuchungen, als sie noch vor wenigen Jahrzehnten möglich waren.

4. Am Anfang steht das Gelände:
Was man in der paläontologischen Forschung braucht, muss man in der Regel draußen beschaffen. Viel Energie geht also in Grabungen und Aufschlussdokumentationen. Die Sorgfalt bei der Geländearbeit entscheidet über das wissenschaftliche Potential des gewonnenen Materials. Deshalb hat das einen so hohen Stellenwert bei uns.

Ausstattung:

Für die paläontologische Arbeit sind alle notwendigen Bordmittel vorhanden:

  1. Labor zur Aufbereitung und Präparation großer Probenmengen und Fossilien,
  2. moderne Mikroskope für verschiedene Untersuchungen,
  3. leistungsfähige Rechentechnik für diverse Aspekte wissenschaftlicher Arbeit, Dokumentation und Archivierung,
  4. Gut ausgestattete Vergleichssammlungen mit viel Material aus allen möglichen Ecken der Welt.


Schwerpunkte:

Kein Mensch kann die ganze Vielfalt der Organismen allein bearbeiten. Palänotologie ist heute, wie jede andere Disziplin auch, hochgradig spezialisiert. Manches erledigen wir selbst, anderes geht an auswärtige Spezialisten. Wir sind vor allem für die Abteilung fossile Fische (Otolithen und Haizähne) zuständig sowie für einige Aspekte der fossilen Mollusken.

Wenn Sie sich weitere Details informieren wollen, bietet sich hier die Gelegenheit.

 

 

 

Mit Hilfe der Gehörsteinchen (Otolithen) lassen sich fossile Fischfaunen rekonstruieren. Hier Otolithen aus dem Unteroligozän des Mainzer Beckens.

Die Münsterländer Oberkreide lieferte eine neue Selachierfauna mit den mikromorphen Zähnen kleiner Tiefwasser-Dornhaie.

Manganknollen des pazifischen Ozeanbodens mit Haizähnen werden altersmäßig verschieden eingestuft. Die enthaltenen Haizähne helfen vielleicht weiter. Zusammenarbeit mit Prof. Ulf Linnemann, SNS Dresden.  
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