


Projektgruppe
Rechtskulturelle Prägungen Ostmitteleuropas in der Moderne: Produktionseigentum, Geistiges Eigentum, Bodeneigentum
Finanzierung: BMBF
Leitung: Prof. Dr. Stefan Troebst (GWZO) und Prof. Dr. Hannes Siegrist (Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig)
Koordination: Dr. Dietmar Müller (GWZO)
Laufzeit: 2011–2013
Beteiligte Disziplinen: Geschichte, Kulturgeschichte, Rechtswissenschaften, Sozialanthropologie
Kurzbeschreibung
Am Beispiel der für moderne Gesellschaften zentralen Kategorie "Eigentum" beschäftigt sich die Projektgruppe mit rechtskulturellen Prägungen Ostmitteleuropas vom 18. bis 20. Jhd. In diesem Zeitraum erlebte der Eigentumsbegriff eine Transformation vom Partikularen zum Universellen, indem zunächst langfristige Handlungs- und Verfügungsrechte über gesellschaftliche Ressourcen von traditionellen Begründungszusammenhängen (Stand, Ethnie etc.) abgekoppelt werden. Diese auf Chancengleichheit zielende Bewegungsrichtung wird weder durch national- noch durch kommunistisch-kollektivistische Eigentumsvorstellungen völlig abgebrochen, denn diese führen die mangelnde Chancengleichheit von Angehörigen bestimmter Nationen und Klassen als Grund ihrer Eigentumsalternative an.
Die Rechtskultur Ostmitteleuropas wird zum Einen im Zusammenspiel mit den politischen Regimen und wirtschaftlichen Entwicklungen konzeptionalisiert. Zum Anderen wird sie als fortwährende Adaption externer Rechtsnormen und deren Anverwandlung an autochthone Rechtstraditionen analysiert. Bezüglich der Eigentumsregime kann nicht nur in den genannten Phasen, sondern auch hinsichtlich der Eigentumsfelder von je eigenen, spezifischen Mischungsverhältnissen und Begründungszusammenhängen ausgegangen werden.
In methodischer Hinsicht basiert das Forschungsprojekt auf Transfer und Komparation gleichermaßen. Die Integration der ostmitteleuropäischen Gesellschaften in die genannten politischen und wirtschaftlichen Systeme hatte profunde Auswirkunken auf die Ausprägung der Rechtstraditionen. Zunächst ist es also notwendig, den Transfer von Rechtsfiguren und -regimen als Anverwandlung an autochthone Rechtstraditionen zu analysieren. Sodann kann auf dieser Grundlage sowohl ein interregionaler Vergleich gemacht werden, in dem der Frage nach einer spezifisch ostmitteleuropäischer Rechtstradition in Abgrenzung zu west- und osteuropäischen Begriffen und Systemen nachgegangen wird. Lohnend ist aber auch ein interregionaler Vergleich, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb einer präsumptiven ostmitteleuropäischen Rechtstradition zu erarbeiten.
Projektflyer zum Herunterladen
Mitarbeiter der Projektgruppe
Dr. Dietmar Müller
Eigentum und Nation im östlichen Europa im 20. Jahrhundert. Polen, Rumänien und Jugoslawien im europäischen Vergleich
Dr. Augusta Dimou
Kultur- und Urheberrechte in Bulgarien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei (1918–1989)
Cindy Daase
Zwischen internationalem Transfer und innerstaatlicher Transformation: Der Schutz industriellen Eigentums in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert
Aktivitäten der Projektgruppe
- Workshop "Rechtskultur im östlichen Europa(18.-20 Jhd.). Forschungstendenzen und Desiderata" im GWZO, 27.-28. Januar 2011
Publikationen der Projektgruppe
Monographien / Sammelbände
Aufsätze
Gastwissenschaftler
Kooperationspartner
- Institut für Ostrecht, München
- Max Planck Institut für ethnologische Forschung, Halle/Saale
- Historische Fakultät der Universität Bukarest
- Institut für neuere Geschichte Serbiens, Belgrad
- Philosophische Fakultät der Universität Belgrad
- Institut für Soziologie der Universität Krakau
- Willy-Brandt Zentrum an der Universität Wrocław