Besuch bei den Bahai in Haifa und Akko
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Gartenanlage der Bahai in Haifa

Das akademische Jahr 1998/99 begann mit einer Exkursion der IIA in den Halbfeiertagen des Laubhüttenfestes zu den Bahai-Zentren in Haifa und Akko, zugleich dem Weltzentrum der Bahai. Im Vordergrund stand der Besuch der wichtigsten Stätten der Bahai in Haifa und Akko, eine Filmvorführung über die Religion der Bahai im Besucherzentrum in Haifa und ein Empfang durch die Leitung der Bahai. Das Interessanteste aber waren die Führungen und Erklärungen durch den israelischen Leiter der Exkursion, Dr. Nissim Dana, einem hohen Angestellten des Religionsministerium, zuständig unter anderem für Drusen und Bahai und zugleich der Vertreter des Staates Israel gegenüber der Weltreligion Bahai. Er hatte uns gewarnt, daß viele geschichtliche Details und die Herkunft vieler Glaubenssätze der Bahai den modernen Häuptern dieser verhältnismäßig neuen Weltreligion selber unbekannt sind.Sie sind meistens Amerikaner oder Europäer, die die Quellen der Bahai schon aus Sprachschwierigkeiten nicht kennen, die zum größten Teil in Persisch und Arabisch festgelegt sind.

Kürzlich ist an der Hebräischen Universität in Jerusalem der erste Lehrstuhl zur Erforschung der Bahai eröffnet worden. Über 100.000 Dokumente warten auf eine wissenschaftliche Bearbeitung. Aber den meisten Bahaianhängern, die an einer modernen, synkretistischen Religion interessiert sind, die sich auf das Schöne und Ästhetische aller gegenwärtigen Religionen konzentriert, liegt wenig an der Herkunft dieser Ideen. Dana führte die Entstehung der Bahai-Religion auf den chiliastischen Glauben in Kreisen der islamischen Schia in Persien zurück, ein gewiß nicht uninteressanter Gedanke an der Schwelle eines neuen christlichen Milleniums. Genau 1000 Jahre nach islamischer Zeitrechnung, nach dem mysteriösen Verschwinden des jugendlichen letzten Imans der schiitischen Bewegung, erklärte sich 1844 in Shiraz ein gewisser Mirza Ali Muhammed zum "Bab", zum Tor und Zugang und Ankündiger des wiederkehrenden Mahdi, des islamischen Messias. Da er diese Ankündigung mit einer Anzahl neuer Gebote und Bestimmungen verband, die viele Gesetze der Shia außer Kraft setzten, wurde er von den religiösen Behörden seines Landes zum Ketzer erklärt und 1850 hingerichtet. Unter seinen vielen Schülern erlangte Mirza Hussein Ali, der den Beinamen Bahaullah, der Glanz Gottes, die wichtigste Position. 1863 erklärte er sich als der erwartete Prophet und der Abschluß der Offenbarung. In vielen Teilen des großen osmanischen Reiches interniert, endete er schließlich 1868 in Akko, wo er in einem sehr schönen Haus seinen Lebensabend verbringen konnte unter sehr liberal geführtem Hausarrest, der ihm auch Besuche in Europa gestattete, wo die neue Religion bald die meisten Anhänger fand. Hier in Akko schrieb oder sanktionierte er die wichtigsten heiligen Bücher des neuen Glaubens. 1892 starb er. Sein Grab ist von einem der schönsten Parkanlagen Israels umgeben. Die Bahaireligion, die sich vor allem in der nächsten Generation voll entfaltete, als "perfekte Religion für den modernen Menschen unter der Verkündigung vollkommener Gleichheit zwischen den Rassen und Geschlechtern", wie es in einem Prospekt der Gruppe heißt, zählt heute ca. 6 Millionen Menschen, das ist für eine kaum hundert Jahre alte Religion ein gewisser Erfolg. Verwaltet wird diese Religion von einem Weltgremium, das seinen Sitz in Haifa hat, in der Nähe des Grabs des Bab, dessen Leichnam seine Anhänger hierher überführten. Interessant waren auch die Ausführungen Danas über den Stand und die Anerkennung der Religion in Israel. Die Bahai unterhalten in Israel keine eigene Gemeinde und treiben keine Mission. Dies geht angeblich auf eine persönliche Verfügung des Bahaullahs zurück. Alle dreihundert Angestellten der Religionsgemeinschaft bekommen Pauschalvisen der israelischen Regierung und werden in einem gewissen Tournus ausgewechselt, egal ob Personen des Leitungsgremiums, Verwaltungsbeamte, Chauffeure, Köche oder die vielen Gärtner in den ausgedehnten Parkananlagen in Akko und Haifa. Alle sind Bahai, aber keine israelischen Bürger. In einem Abkommen zwischen der israelischen Regierung, der Stadt Haifa und der Bahaireligion hat man sich geeinigt, den gesamten Bereich vom Hafen, über die ehemalige Templerkolonie, die Abhänge des Karmel hinauf bis zur Spitze des Karmel neu zu sanieren und zu gestalten. Diese Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluß und machen Haifa zu einer der schönsten Hafenstädte des Mittelmeers, besonders für den Betrachter, der vom Meer anreist.
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