Beim Opferfest der Samaritaner
 
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Der Gedanke, am Passah-Opferfest der Samaritaner selber teilzunehmen war bei einem Besuch der IIA bei den Samaritanern im Jahr davor entstanden. (Vgl. den Bericht in RiI 98-3, S. 43-45) Das Interesse an einem solchen Besuch war in der israelischen Öffentlichkeit überwältigend. Nachdem wir Anfragen für zwei Autobusse hatten, fühlten wir, daß mehr von uns inviduell nicht zu verkraften ist und erteilten über 150 Absagen.

Hohepriester der Samaritaner
Der Hohepriester der Samaritaner im Gespräch mit orthodoxem Juden

Auf dem isolierten Berg Garizim, dem heiligen Berg der Samaritaner und dem Berg, auf dem Josua die zwölf israelitischen Stämme zu einer Gemeinschaft vereinigt hatte, ist es schwer alleine hinzugelangen. Zone B, das heißt, vom israelischen Militär überwacht aber unter palästinensischer Zivilkontrolle in der Nähe der ganz unter palästinensischen Kontrolle stehenden Stadt Nablus, dem biblischen Sichem, beherbergt der Berg heute nicht nur die heiligen Stätten der Samaritaner, sondern auch eine Siedlung, wo die meisten unter palästinensischer Kontrolle lebenden Samaritaner, an die 300, leben. Die ihnen zu unsicher erscheinende Stadt Nablus haben sie praktisch in den letzten Jahren verlassen, obwohl sich dort noch die Läden der Samaritaner befinden.
Zum Opferfest waren aber auch alle in Israel, in Holon, lebenden Samaritaner erschienen, ebenfalls ca. 300. Das ist alles, fünf Familien, was von dem einst so zahlreichen Volk der Samaritaner, im Neuen Testament mehrfach erwähnt, übriggeblieben ist.
Das Opferfest vollzieht sich nach den biblischen Riten. An die vierzig Lämmer wurden auf einen Aufruf hin gleichzeitig gegen Sonnenuntergang geschlachtet, ausreichend, um noch in derselben Nacht von den 600 Samaritanern verzehrt zu werden, wie es die biblischen Vorschriften vorschreiben. Im Judentum ist dieser Brauch mit der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 zu Ende gegangen, da die Lämmer nur auf der heiligen Erde des Tempelvorhofes geschlachtet werden durften. Wer also biblische Geschichte erleben will, muß sich zum Opferfest der Samaritaner aufmachen, die Pessach nach einem eigenen Kalender feiern und dessen Fest dieses Jahr genau einen Vollmond nach dem jüdischen Pessach-Fest lag, am 29. April 1999.
Außer den Besuchern der IIA gab es noch andere Interessierte, so einen Autobus mit Mitgliedern des religiösen Kibbutzes Tirat Tsevi. Während die Lämmer abgezogen wurden, die Innereien, die Felle und alles andere, das nicht gegessen wurde, auf großen Feuern entsprechend der biblischen Vorschrift verbrannt wurde, sah man überall interessierte Gruppen von Samaritanern und orthodoxen Juden, die über die wahre Auslegung der Bibel diskutierten. Es war eine Wiederaufnahme der alten Streitigkeiten zwischen Samaritanern und Juden, wie damals in neutestamentlicher Zeit. Aber diese Diskussionen wurden von einem Geist der Freundschaft, des Verständnisses und der Sympathie für dieses Volk der Antike getragen, das um die Jahrhundertwende nur noch 190 Mitglieder umfaßt hatte. Die Gemeinschaft der Samaritaner hat übrigens die Verheiratung mit jüdischen Frauen erlaubt, auch um der hoffnungslos versippten Gemeinschaft neues Blut zuzuführen. Unter den israelischen Präsidenten war es vor allem der Präsident Jitzhak Ben Zwi, ein wahrer Befürworter und Erforscher der samaritanischen Geschichte und Tradition, der den Juden Mut machte, sich mit den Samaritanern zu verbrüdern. Für die arabische Bevölkerung in Nablus sind die Samaritaner sowieso Juden, die seit Jahrtausenden unter ihnen leben. Es gibt heute keine Auslandsgemeinden der Samaritaner mehr wie im Mittelalter, wo es noch über eine Million Samaritaner auf der Welt gab.
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