Berichte - Stand 21.09.2001
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     Vorbemerkung:
    Zwei Volountäre aus Deutschland sind inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. 
    Susanne Müller von der Aktion Sühnezeichen. 
    Judith Haar, Vikarin der Nordelbischen Landeskirche.
    Ihre Berichte sind hier wiedergegeben. Einschließlich Ihrer Tätigkeit außerhalb von Interfaith.
    Better talk than shoot

    Dies war der erste Slogan, den ich in Israel/Palästina auf einer Demonstration zu sehen bekam. Später dann hörte man ihn leider viel zu wenig. Eine Woche nach meiner Ankunft im „Heiligen Lande", begann Ende September 2000 die AlAqsa-Intifada. Das Nordelbische Missionszentrum Hamburg hatte mich mit einem Stipendium und dem Thema: „Trialog der monotheistischen Religionen und Kulturen in Israel/Palästina" in diese Region geschickt. In diesem Rahmen arbeitete ich in der Israel Interfaith Association (IIA) mit. Durch die Nahost-Krise sah ich mich herausgefordert, dem interreligiösen Dialog auf der Spur zu sein in einer Zeit, in der mehr die Waffen als die Menschen zu sprechen schienen. Anfangs erfasste auch mich - wie viele andere in Israel/Palästina - die allgemeine „confusion". Wie sollte es weitergehen? – Es begleitete mich immer wieder die Frage, in wiefern der Trialog der Religionen krisenbeständig ist. Überlebt er den gegenseitigen Hass? Die verhärteten Fronten? Die Emotionen angesichts der Gewalt?
    Israel/Palästina ist reich an Dialogprojekten unterschiedlichster Art. In meiner Praktikumszeit konnte ich ganz verschiedene Begegnungen erleben: Treffen zwischen arabischen und israelischen Schulklassen (Center for creativity in education and culture heritage, Jerusalem); das israelisch-arabische Friedensdorf NeveShalom/DharesSalam und seine Friedensschule; das „museum on the seam", in dem sich die Besucher mit den unterschiedlichen Identitäten in und um Israel/Palästina auseinandersetzen; gegenseitige Besuche der Teilnehmer eines Hebräisch- und eines Arabischkurses (interkulturelles Zentrum Jerusalem)... V.a. aber lernte ich die Israel Interfaith Association kennen und wurde eine ihrer MitarbeiterInnen, die von Michael Krupp, Yehuda Stolov und Chana Bendcowski in besonderer Weise begleitet wurde. (Hier schließt sich ein herzliches Dankeschön! an) In der Vielfalt des Verständnisses von „Dialog" oder „Trialog" wurde mir schnell klar, dass die kontinuierliche Arbeit bei der IIA großen Wert für mich hatte. Hier konnte ich innerhalb einer Organisation die Veränderungen und Prozesse beobachten, die das Gewaltspiel der Politik mit sich brachte. Wie auch anderswo, löste die politische Krise bei den Engagierten von der IIA eine Neubesinnung aus: Konnte der Dialog weitergeführt werden? Sollte man nun gerade reden oder eher die Sprachlosigkeit auf allen Seiten ernst nehmen? Auf einer Vorstandssitzung reflektierte man erneut die eigene Präambel. Viele sprachen sich dafür aus, Formulierungen wie die „Akzeptanz des Anderen in seiner Andersartigkeit" stärker zu betonen. Aus dem Wunsch heraus, die positive Funktion von Religion den Menschen deutlich zu machen, wurde der Trialog in der IIA weitergeführt: Wir organisierten ein interreligiöses Seminar in Haifa zum Thema: „Jetzt ist die Zeit für Juden, Christen und Moslems miteinander zu reden", das trotz der Situation, oder gerade wegen ihr, von Vertretern aller drei monotheistischen Religionen stark besucht war. In Jerusalem gab es einen Abend „Die Krise und Ich" in Begleitung zweier Psychologen. In Zusammenarbeit mit der jüdischen Hochschulgemeinde der Universität in Jerusalem veranstaltete die IIA ein interreligiöses BeitMidrasch. Über zwei Monate hinweg trafen sich meist junge Leute, um an Quellentexten aus christlicher, muslimischer, buddhistischer und jüdischer Tradition zum Thema: „Die Heiligkeit des Menschen" zu arbeiten. Ich konnte beobachten, dass großes Interesse an grundlegenden Informationen über die anderen Religionen die Diskussionen anregte. Auch bei einem Seminar in Tantur über „Götzendienst" versuchten wir, die Perspektiven von Judentum, Christentum und Islam durch buddhistische Aspekte zu erweitern. Der „Trialog" wurde also zeitweise zum „Quadrolog"... Die Begriffe hinken hinterher! In der interreligiösen Arbeit der IIA geht es wohl letztlich nicht darum, dass eine bestimmte Anzahl von Religionen miteinander ins Gespräch kommen, vielmehr sind es die unterschiedlichen Menschen, die sich hier begegnen: Einzelne Angehörige verschiedener Religionen: Religiöse Menschen und weniger religiöse Menschen. Diese Vielfalt an Unterschiedlichkeit hat mich in der IIA sehr beeindruckt und mich ermutigt, gerade in der Verschiedenheit den Reichtum zu sehen. In den acht Monaten in Jerusalem, in der Arbeit bei der IIA habe ich gemerkt, wie stark interreligiöser Dialog von seinem Umfeld, in diesem Fall von seinem politischen Kontext, abhängig ist. Ich denke, es kommt darauf an, einen Trialog zu führen, der krisenbeständig ist. Das gelingt mal besser und mal schlechter – in Israel/Palästina und anderswo. Nach der Zeit bei der IIA ist mir wichtig, im Dialog zu lernen, mit den Unterschieden zwischen uns umzugehen und nicht auf Gemeinsamkeiten zu beharren! Ein persönliches Ergebnis, über das man ins Gespräch kommen könnte....

    Judith Haar         Kropp, August 2001
     

    Zum folgenden Bericht von Judith Haar vgl. Heft 3/4 2001 von Religionen in Israel mit den Interview, die Judith veranstaltet hat

    DER TRIALOG IN DER KRISE. 
    Stimmen aus Israel/Palästina

    Ein Blick in die Geschichte des „Heiligen Landes" zeigt: Interreligiöser Dialog ist immer auch von seinem politischen Umfeld beeinflusst. In Friedenszeiten herrscht mehr Offenheit „dem Anderen" gegenüber - als jetzt gerade in Israel! Die AlAqsa-Intifada bestimmt seit Oktober letzten Jahres das Leben der Menschen dieser Region und eben auch das interreligiöse Gespräch. Religion wird nicht im luftleeren Raum gelebt, schon gar nicht im Heiligen Lande! Sowohl das Judentum als auch der Islam kennen in besonderer Weise eine enge Verquickung von Religion mit Kultur und Politik. So kann man behaupten, dass mit der politischen Krise auch eine Krise des Trialoges (des Gespräches der drei monotheistischen Religionen) einhergeht. Es wird offenbar, wo der Trialog nicht krisenbeständig ist. Die politischen Ereignisse haben viel Unsicherheit und Ratlosigkeit aufgeworfen. Diana Kattan schildert als christliche Palästinenserin die emotionale Zerbissenheit, die damit verbunden ist: „Niemand ist heute optimistisch, v.a. wegen des Gefühls, selbst nicht gerade ein Vorbild der Kirche zu sein, oder ein großer Friedensstifter zu sein. Aus Rücksicht auf diejenigen, die Opfer dieser Auseinandersetzungen wurden und werden, die leiden um Christi willen, die verwundet oder umgebracht wurden, können wir nicht lauthals um Frieden schreien. Ihr Leid will ernstgenommen werden – ja und gleichzeitig sind die Leute eben doch sehr pazifistisch!" Diese entscheidende Frage stellt sich oft unterschwellig: Inwieweit ist die politische Realität im Gespräch der Religionen zu berücksichtigen? Soll man jetzt gerade reden, wo es doch die Politiker schon nicht tun? Oder geht es vielmehr darum, das Erschrecken und die Sprachlosigkeit auf beiden Seiten ernstzunehmen und selbst stumm zu sein? Für Muchamad Chourani, der als Moslem beruflich für die Ausbildung islamischer Religionslehrer zuständig ist, beantwortet die Frage in folgender Weise: „Ich denke, jetzt ist Begegnung und Dialog auf jeden Fall wichtig. Was die Politiker tun – oder vielmehr versuchen – ist der sofortige Frieden. Dabei ist der Dialog zwischen uns entscheidender, da er eine Perspektive für alle Leute sein kann. Man muss dem Volke nahe sein und am Boden arbeiten. Dass die Menschen selbst spüren, dass es Frieden gibt, da nützen große Worte eines Ministerpräsidenten nichts!" Jetzt durch die politische Krise zeigen sich die wirklichen Probleme des Trialoges, wie er meint: „Seit der Epoche der Kreuzritter findet man das Trauma bei den Moslems, dem Anderen zu begegnen. Dasselbe Trauma verhindert heute, dass sich die Leute genügend öffnen dem Anderen gegenüber und ihn gleichberechtigt sehen – als Partner. Dies ist eine Sache, für die hart gearbeitet werden muss, auf beiden Seiten!" Diana Kattan spricht sich ebenfalls für die notwendige Gleichberechtigung aller Beteiligten aus: „Der politische Konflikt bewirkt bei den Christen das Gefühl, dass sie überhaupt nicht hierher gehören, obwohl er oder sie weiß, dass sie im Heiligen Lande wohnt und dass hier alles passierte, an das er oder sie glaubt. Und zum Konflikt gehört auch zu wissen, dass niemand niemanden in seiner Mitte ertragen will. Und wir – das ist wichtig: Wir sind mittendrin!" Hier kommt wieder die starke Verzahnung von Religion und Politik zum Ausdruck. „Ich denke, der Konflikt ist gerade darin begründet, dass es in Israel keine klare Trennung zwischen Staat und Religion gibt." So schätzt Rami Eden, der sich selbst als säkularer Jude versteht, die Situation ein. Ob der interreligiöse Dialog irgendeinen Beitrag zum erhofften Frieden leisten kann? Er antwortet: „Nein, ich glaube nicht, dass das interreligiöse Gespräch da viel helfen kann. Es muss ein politisches Abkommen erreicht werden, um Frieden zu schaffen. Aber im Rahmen der Vorbereitung und Begleitung eines solchen Abkommens ist es wirklich wichtig, gemeinsame Projekte zu veranstalten, in denen es Begegnung und Gespräch miteinander geben kann." Die Erfahrung des Trialogs in der Krise fordert die Beteiligten – und vielleicht nicht nur die in Israel - heraus, neu über die Ziele des interreligiösen Gespräches nachzudenken. Die politischen Ereignisse prüfen den Dialog der Religionen auf Herz und Nieren mit dem Ergebnis, dass es um mehr als ein „Klönschnack" in friedlichen Zeiten gehen muss. Interreligiöse Begegnung ist keine leichte Arbeit, weil es immer um den ganzen Menschen jeweils in seinem eigenen Kontext geht. Und gleichzeitig ist vielen Menschen in Israel, diese Begegnung gerade ein Anliegen. Warum? „Ich glaube daran, dass es möglich ist, eine Zukunft zu bauen, die besser ist für uns alle!" So antwortet Muchamad Chourani. „Und jemand muss handeln. Ich bin kein Politiker. Ich bin ein Pädagoge und ein gläubiger Mensch. Ich mache kleine Schritte, um diese Zukunft zu verbessern für mich, für Dich, für meine Kinder, für die Kinder des Anderen, für uns alle. Damit wir am Ende zusammen versuchen, den Willen Gottes zu übersetzen, wie man im Judentum sagt: Wir sind alle zum Bilde Gottes geschaffen worden, Gott gleich. Dies ist die wirkliche Übersetzung des Gotteswillen, zu handeln und unterschiedlichen Menschen die Gelegenheit zu geben, zusammenzusein. Die Unterschiedlichkeit der Menschen ist in den Augen der Moslems auch eine Verpflichtung. Wenn ich z.B. den Vers im Koran lese: Gott schuf die Menschen verschieden. Warum? Damit sie zusammenkommen. Damit diese Unterschiedlichkeit Quelle des Reichtums wird, Quelle von mehr Verständnis, von Gespräch. Wir müssen unterschiedlich sein, um Gottes Wille zu übersetzen in die Sprache des Handelns. Dies ist mein Glaube, daher kann ich in der Unterschiedenheit mehr über den Anderen lernen. So tue ich die Pflicht des Islams, wie ich sie auf der Grundlage des Korans verstehe. Es geht nicht darum, dem Anderen etwas Gutes zu tun, indem ich mit ihm rede, sondern ich tue mir etwas Gutes, mir als Moslem, der glaubt, dass dies der Wille Gottes ist!"

    Judith Haar

    Berichte von Susanne Müller
     

    Auszug aus dem 1. Projektbericht, September 2000 

     Stacheldraht, Händlerschreie, Touristenmassen, Straßenchaos, Müllberge, Einheitsjugendkleidung,  Minenstreifen, Arroganz, Ami-Akzent, Flaggen, Staus, Gedränge, Respektlosigkeit, Anmachen, Hitze,  Autogehupe - mit dieser längeren Kurzcharakteristik, welche sich garantiert in keinem Reiseführer  wiederfindet, möchte ich, nun nach einem halben Jahr in Israel (Dienstbeginn war am 1.März 2000),  meinen ersten Projektbericht eröffnen. 
     Doch: Eigentlich erweckt diese Einleitung einen völlig falschen Eindruck von meiner Sicht Israels. Ich bin  diesem Land, und all den Erfahrungen die ich bisher machen durfte, zu Dank verpflichtet. 
     Nachdem, was nun auch schon wieder eine Weile zurückliegt, der große Schritt aus der heimatlichen  Sicherheit und meinem geliebten Leipzig gewagt war, entdecke ich nun mehr und mehr mich selbst, meine  Wurzeln und Werte, klarer als je zuvor. Vor allem die Nähe zu Kunst und Musik, auch zum christlichen  Glauben als Teil meiner Persönlichkeit liegt nun offener vor mir; jetzt, wo ich mit meiner Umgebung auch  die Möglichkeit, ja den Zwang, hatte und habe mein Leben hier neu zu definieren, neue Blickwinkel  kennenzulernen - unter der Voraussetzung mit selbst treu zu bleiben. Längst verlorengeglaubte Werte und  Erfahrungen tauchen auf, hier, wo mein kleines Leben so anders, und doch auch wieder so ähnlich wie zu  Hause verläuft. Ein paar neue Gedanken, andere Ein- und Aussichten, vielleicht mehr Verständnis für  die Zurückgebliebenen paaren sich mit kritischer Selbstsicht (z.B. meine Lücken im Politik- und  Geschichtswissen) und lassen mich aktiv werden, an mir, meinem Leben hier und jetzt wie auch an der  Zukunft, zu arbeiten. Diese Freiheit zeigt mit mehr und mehr auf wer ich bin und läßt mich die Richtung  meines Weges erahnen, in erster Linie entwickelt sich ein klein wenig mehr Vertrautheit mit dem  Unbekannten (v.a. der orientalisch geprägten Kultur, sowie der des uns fernen orthodoxen Judentums), ich  trete aus der Rolle der andächtig Staunenden heraus und entdecke neben all dem Neuen auch  Gemeinsamkeiten zu meinen eigenen Erfahrungen und Normen, bzw. habe die Möglichkeit von dem  "Fremden" zu lernen. 
     Dazu bietet Israel, besonders natürlich Jerusalem, unvergleichliche Voraussetzungen. Dieses Land, in dem  nicht nur so viele Religionen (und Zweige dieser) aufeinanderprallen, sondern ebenso die westlichen  Vorstellungen, die sogenannte Moderne, auf die orientalisch geprägte Lebensweise trifft, erlebe gerade ich  als Deutsche auf eine ganz besondere Art und Weise. 
     Mir streckt sich Israel sehr offen, Deutschland gegenüber, entgegen. Trotz all der Faktoren, welche sich  gegen einen normalisierten Umgang mit dem jüdisch-deutschen Dialog stellen, verwundert mich immer  wieder die Offenheit mit der uns gerade Holocaust-Überlebende von ihren Erfahrungen und denen ihrer  Familie berichten. 
     Um auch den Jugendlichen, welche oft mit einem negativen Deutschlandbild aufwachsen und keinen  Kontakt zu Deutschen haben zu zeigen, daß auch unsere Entwicklung nicht stehengeblieben ist, daß wir  Jugendlichen mit der Geschichte nicht mehr direkt in Verbindung stehen und auch wir nur Menschen sind,  mit Träumen, Wünschen und Problemen wie sie, arbeitet ASF-Israel momentan verstärkt daran, uns  Freiwillige in Schulklassen zu senden um dort von uns und "unserem" Deutschland heute zu erzählen -  und natürlich auch für Fragen und Diskussionen offen zu sein. 
     Dieser Projektbericht ist nun an einem Punkt angelangt, wo ich von einem ganz anderen Start berichten  will, und zwar vom Beginn meiner Dienstzeit, von den Vorbereitungs- und Orientierungsseminaren in  Berlin und Jerusalem und dem sich anschließendem Sprachkurs. Die erste Woche meiner Freiwilligenzeit verbrachte ich, zusammen mit all den anderen ca. 60 Freiwilligen,  welche sich anschließend auf die Länder Belgien, Niederlande, GB, Norwegen, Polen, Tschechei,  Rußland, Weißrußland, Deutschland, Frankreich und natürlich Israel verteilten in Berlin, im  Jagdschloß Glienicke. Dort nahmen uns vor allem die Länder- und Projektarbeitsgruppen die Angst vor  all dem Neuen. 
     Die Projektarbeitsgruppe (PAG), in welche ich mich eingetragen hatte, nannte sich "Psysisch Kranke und  geistig Behinderte", entsprach also genau dem Arbeitsbereich in welchem ich jetzt im Reut Hostel arbeite.  Neben hilfreichen Rollen- und Lockerungsspielen beschäftigten wir uns mit theoretischen Dingen, unsere  Arbeit betreffend, z.B. "Was ist eigentlich Autismus?". Die Tage, welche wir im "Haus der  Wannseekonferenz" verbrachten, standen dann mehr unter dem Thema des Umgangs mit Behinderten zur  NS-Zeit, Zwangssterilisation, Euthanasie. Zum vielseitigen Programm des Vorbereitungsseminares gehörten auch Diskussionen über Ziele und  Programm von ASF, was einen Besuch des Büros in der Auguststraße einschloß. 
     Doch damit war es dann auch schon zu Ende, denn am 8.März um 12:30 Uhr erwartete uns am Flughafen  Berlin-Tegel endlich das Flugzeug Richtung Tel Aviv. Nach Empfang mit Obstsaft und Keksen am  Flughafen ging es in den "Sherut" genannten Sammeltaxis in unsere Länderzentrale, das "Beit Ben  Jehuda-Haus Pax" im Jerusalemer Stadtteil Talpioth. Dort erwarteten uns Freiwillige welche schon seit -  Jahr hier arbeiteten, ein üppiges Buffet und der unbeschreiblich faszinierende Blick von der "HaasPromenade" über das nächtliche Jerusalem. Doch zu diesem schönen Anblick gesellte sich der Gedanke  an das "Zriff" (dt.: Baracke) hinter dem Haus Pax, in welchem wir, die wir uns noch so fremd waren, nun  die nächsten 1 3/4 Monate verbringen sollten. Das nun folgende Orientierungsseminar stellte sich als eine vielseitige und lehrreiche Mischung aus Vortr ägen und Eindrücken zur aktuellen politischen Situation, Shoa-Erlebnissberichte, neuem Wissen über  das Judentum, Einführung in die Projektarbeit, ersten Jerusalem- und Israeleindrücken heraus. Vor allem  ersterer Unterpunkt war stark ausgeprägt, warf durch all die unterschiedlichen Sichtweisen aber auch  zahlreiche Fragen auf. Wir hörten Vorträge von Dr. Jörg Bremer (Korrespondent der FAZ), besuchten die  (palästinensische) Familie von Margaret Kirreh, erfuhren über die israelische Friedensbewegung und die  Situation der Palästinenser in den Autonomiegebieten (in der "Abrahamsherberge" in Beit Jalla). Speziell  zur Jerusalemfrage ("Heilige Stadt der Juden, Christen und Moslems") sprach Dr. Michael Krupp. Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß dieses gehalt- und wertvolle Seminar mir sehr half einen ersten  Eindruck von Land, Politik und Religion zu bekommen, und mich mit neuem Wissen, abseits der  Lehrbücher, versorgt hat. 
     Direkt an das Orientierungsseminar schloß sich der einmonatige Sprachkurs an (ab 22. März). Unsere  lebendige Lehrerin "Ruthi" schaffte es mit ihren (zionistischen) Liedern, Abraham-und-Sarah-Dialogen,  pantomimischen Darstellungsversuchen, morgendlichen "Boker tov" (Guten Morgen) und "Jofi!" (Schö n!)-Rufen die ersten Hürden zu nehmen. So gut wie halt in vier Wochen möglich lehrte sie uns sowohl  Lesen wie auch buntgemischte Vokabeln für alle Lebenslagen. Das dies nicht wirklich ausreicht stellte ich dann auf Arbeit ziemlich schnell fest, gerade mit psysisch  Kranken spielt die Sprache doch schon eine extrem wichtige Rolle und kann sich nicht nur auf  Themenbereiche wie Essen, Kleidung, Körperteile und Farben beschränken, deshalb besuche ich jetzt seit  Mitte Juli einen weiterführenden Ulpan ("Hebrew Summer Ulpan" am Hebrew Union College) um  grammatische Probleme zu beseitigen und natürlich meinen Wortschatz zu erweitern. 
     Zurück zur chronologischen Reihenfolge: Nach Ruthis Sprachkurs und dem unumgänglichen  Abschlußfest zogen Katharina (ebenfalls aus Leipzig!) und ich in unsere WG in Kiriat HaYovel (Stadtteil  im Südwesten Jerusalems), die wir mit Robert aus der älteren Gruppe teilen. 
     Doch nun endlich zum Eigentlichen meines Berichtes, den Projekten an sich. Meine Arbeitszeit teilt sich  auf in 30 Wochenstunden "Reut Hostel" (Wohnheim für psysisch Kranke) und 10 Wochenstunden "Israel  Interfaith Association" (jüdisch-christlich-moslemisches Verständigungsprojekt). 
     Das Reut Hostel, im westlichen Stadtteil Kiriat Menachem, wurde 1997 gegründet und beherbergt heute  14 Bewohner. Es bietet eine Langzeitunterkunft für psysisch kranke Menschen, welche vorher in großen  psychiatrischen Anstalten untergebracht waren. 
     Das Reut Hostel soll die Heimstätte der Bewohner sein und bleiben, das heißt sie treffen Entscheidungen  weitgehend allein und sind für den Erhalt des Hostels verantwortlich (z.B. kochen, Menüplanung, putzen,  einkaufen). Schon bei meinem ersten Projektbesuch, damals während des Orientierungsseminares, fiel mir  die warme, familiäre Atmosphäre auf, die hier herrscht. Das Reut Hostel untersteht einer Dachorganisation, der "Israel Fellowship for Community Mental Health"  (diese wiederum ist dem "Richmond Fellowship International" angegliedert), welche neben "meinem"  Hostel auch noch ein zweites Haus ("Reutenu") in Jerusalem, ein Langzeitheim für ältere Bewohner,  verschiedene Rehabilitations-, Arbeits- und Fortbildungsprogramme und betreute Wohnungen unterhält. Zum Personal gehört eine Chefin, zwei Sozialarbeiter (und Ratgeber), eine Hausmutter sowie fünf  Freiwillige. 
     Ich selber nehme unter den Freiwilligen eine Sonderrolle ein, was zum einen an der Sprache, zum anderen  an dem wenigen Gehalt und der Urlaubsregelung liegt. Außerdem bin ich mir immer noch nicht klar,  welche Anforderungen und Erwartungen eigentlich an mich gestellt und in mich gesetzt werden, was die  Mitarbeiter denken, wenn ich mal wieder nur stumm danebensitze und zugucke, auch jetzt, nachdem  meine Einarbeitungszeit längst vorbei ist. Vor allem bei Dalia bin ich mir oft unsicher, ob ich ihren hohen  Ansprüchen entsprechen handle - manchmal lobt sie mich allzu überschwenglich und bürdet mir alle mö gliche Arbeit auf, dann wieder habe ich das Gefühl von ihr ignoriert und nicht ernst genommen zu  werden. 
     Dennoch lassen sich meine Aufgabenbereiche recht gut definieren: Diese liegen hauptsächlich in der  Freizeitgestaltung und -begleitung der Bewohner. Körperpflege betreiben sie alleine, nur einige müssen  gelegentlich darauf hingewiesen werden. Ich bin ebenfalls anwesend um den Bewohnern unter die Arme zu  greifen wenn Hilfe nötig ist. Das betrifft z.B. Zimmerreinigungen, Bett beziehen, Wäsche aufhängen,  aber auch Begleitung in die Stadt zum Arzt, Einkaufen, etc. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß ich die Arbeit im Reut Hostel genieße und meine Anwesenheit  als sinnvoll empfinde. Die Bewohnerschaft läßt mich durch ihr Vertrauen und Interesse spüren, daß sie  froh sind mich hier zu haben, die neugierigen Blicke, Gespräche und Fragen die mich begleiten möchte  ich nicht mehr missen. Ich empfinde es auch als sinnvolles Projekt für ASF, nicht nur aufgrund des Gedankens an den Umgang  mit psysisch Kranken zur NS-Zeit, sondern ebenso weil sich mit den Bewohnern und Mitarbeitern des ö fteren Gespräche über die Geschichte und das Deutschland heute entspinnen, nicht zuletzt weil einige  Bewohner oder deren Familien, herkunftsbedingt, eigene Erfahrungen "beisteuern" und beide Seiten lernen  können aufgeschlossener miteinander und der Situation, daß ich hier als Deutsche in Israel arbeite,  umzugehen. 

     Mein zweites Projekt nennt sich "Israel Interfaith Association (IIA)", Anfang der 50er Jahre gegründet als  "Israel Interfaith Committee" "Interfaith" läßt sich grob mit "religionsübergreifend" übersetzen, es geht hier um die Beziehungen  zwischen verschiedenen Religionen, Konfessionen und Denominationen. Das bedeutet auch: Beziehungen  zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen, Kulturen und Völkern. 
     Als Gründungsmitglieder seien an dieser Stelle nur Martin Buber, Zalman Shazar und Hugo Bergmann  genannt, als weitere Mitglieder, welche die IIA weitreichend geprägt haben, möchte ich Prof. Zwi  Werblowski (als Präsident der Organisation), Prof. Zeev Falk (Präsident) und Josef Immanuel  (Generalsekretär) erwähnen. In den 70er Jahren änderte sich der Name in "Israel Interfaith Association", weil die Organisation längst  kein Komitee mehr war, sondern eine weitverzweigte Mitgliederorganisation mit verschiedenen  Zweiggruppen im ganzen Land. Im Gegensatz zur Anfangszeit, wo die Arbeit sich hauptsächlich auf den  Empfang religiöser Gruppen aus dem Ausland und erste Kontakte zu inländischen Gruppen beschränkte,  liegt heute der Schwerpunkt auf der Arbeit mit verschiedenen Religionsgruppen im Land selber. Rings um  die 70er Jahre übernahm die IIA auch Funktionen, die dem Staat wichtig waren (z.B. seit 1973 Seminare  mit afrikanischem Klerus, ebensolche mit Spanien, mit dem damals keine diplomatischen Beziehungen  bestanden). 
     Die IIA ist politisch nicht festgelegt, ihr gehören Menschen aller politischen Schattierungen an, es besteht  jedoch Einigkeit darüber, daß der Frieden eines der höchsten Ideale der Religionen ist. Seminare,  Arbeitsgemeinschaften, Exkursionen und Vorträge, die dieses Thema zum Inhalt haben, nahmen immer  einen sehr wichtigen Teil der Arbeit der Israel Interfaith Association ein. 
     Heute bemüht sich die IIA vor allem um die jüdisch-arabische (moslemisch und christlich) Annäherung  und arbeitet zu diesem Zweck mit führenden palästinensischen interreligiösen Gesellschaften (wie  beispielsweise "El Liqa" und "Peace Center for the Study of Islam and Dialogue") zusammen. Gemeinsam  mit diesen, und auch in Zusammenarbeit mit anderen Sponsoren wie etwa der "Konrad Adenauer  Stiftung", werden in unregelmäßigen Abständen Seminare und Treffen angeboten (Themen z.B.:  "Islamisches Jerusalem", "Judaismus und Hinduismus"). Damit spricht IIA alle am interreligiösen Austausch interessierten Gruppen an, die Mitgliederzahl beträgt  momentan etwas mehr als 1000, welche an die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens glauben  und die Religion nicht als Störfaktor, sondern als verbindendes Element ansehen. 
     Ich selber, mit dem Hintergrund einer westlich aufgewachsenen protestantischen Christin, dazu in der  Sonderrolle einer Deutschen im (jüdischen) Israel, verbringe die meiste Interfaith-Arbeitszeit, gemeinsam  mit der Sekretärin Hanna, einer orthodox aufgewachsenen Jüdin, welche darin aber keinen Widerspruch  zum interreligiösen Dialog sieht und rege Kontakte zu Angehörigen "fremder" Religionen pflegt, im Büro  in der King David Straße. Meine Aufgaben im Büro, welches mir Hanna vertrauensvoll auch während ihrer Abwesenheit überläßt,  bestehen hauptsächlich aus Anfertigung von Kopien, Versenden von Informationen oder Mitgliedskarten  mit zugehörigen Quittungen, Beantworten von telefonischen und schriftlichen Anfragen, Gänge zur Bank  und Post, gelegentlich auch zu israelischen ämtern sowie das Fax-Versenden und Telefonaten mit Hotels,  Zeitungen, vortraghaltenden Menschen oder Seminarteilnehmern. Dies klingt vielleicht nicht gerade  spannend, erscheint mir jedoch als nötige Arbeit, die ich den anderen abnehme und damit die IIA ein  Stück mittrage und weiterbringe. 
     Mein zweiter Arbeitsbereich ist die Beschäftigung im IIA-Archiv. Dieses, an der Grenze zwischen  Jerusalem und Bethlehem gelegen, beinhaltet (beinahe) sämtlichen Briefverkehr, Einladungen,  Vortragsnotizen u.a. Korrespondenz sowie Veröffentlichungen aus der Geschichte von Interfaith. Meine  Aufgabe besteht hier darin, in die nur grob geordneten Ordner ein System zu bringen und eine  Inhaltsangabe im Computer zu speichern, um das Archiv zur öffentlichen Benutzung "klar Schiff" zu  machen. Diesen Bereich erledige ich weitgehend im Alleingang, meist zu Hause, wohin ich die Ordner  mitnehmen darf. Dazu ist allerdings zu sagen, daß ich bisher kaum Zeit für diese Aufgabe erübrigen  konnte, weil es mit den anderen Bereichen genügend zu tun gab. 
     Doch das ändert sich wahrscheinlich demnächst, denn die dritte große Aufgabe, welche an mich gestellt  war, ist nun weitgehend abgeschlossen. Diese bestand darin, für den Geschäftsführer und Direktor des  Sekretariates, Yehuda Stolov (ebenfalls ein jüdischer Mitarbeiter), eine e-mail-Liste aus sämtlichen  vorhandenen Adresslisten zu erarbeiten und auf Diskette zu speichern. Eine Arbeit, welche oft nä chtelange Computersitzungen beinhaltetet. Yehuda hat nun die Möglichkeit, Informationen über IIA  schneller (und billiger) zu versenden als dies vorher auf dem Postweg geschah. Nebenbei bemerkt arbeitet  er auch gerade an einer Info-Seite im Internet, welche demnächst fertiggestellt werden wird, die Adresse  ist: www.israel-interfaith.org.il Den letzten meiner Arbeitsbereiche erledige ich nach Anleitung von Dr. Michael Krupp: die "Religionen in  Israel" (Texte übersetzen, Korrektur lesen, versenden, redaktionelle Mitarbeit) Im September, genauer gesagt am Wochenende 22./23.9.2000, findet in Bethlehem ein Seminar zum  Thema "Prophetie im Judentum, Christentum und Islam" statt. Dieses, das erste interreligiöse Seminar  nach der Sommerpause, wird auch das erste sein an welchem ich persönlich teilnehme. Weitere hervorstechende "Aktionen" waren der Besuch (gleich zu Beginn meiner Arbeitszeit) bei der  Konrad-Adenauer-Stiftung und ein Infostand an der Universität auf dem Scopus-Berg auf der Suche nach  Volontären für den Foundraising-Bereich. 
     Insgesamt läßt sich sagen, daß ich, die ich mich mit den Zielen und Vorstellungen der "Israel Interfaith  Association" weitgehend definiere, sehr gerne am Versuch deren Verwirklichung mitarbeite und mich  (auch mit meinen eigenen Interessen) dort willkommen fühle. Unter anderem durch die Möglichkeit,  meine Arbeitszeiten und Aufgabengebiete selbst zu wählen, ermöglicht mir IIA eine Menge neuer  Erfahrungen und Einblicke in die Vielfältigkeit des (interreligiösen) Bereiches der Verständigung. 

    Vor Abschluß meines ersten Projektberichtes möchte ich noch auf einige spezielle Aspekte der ASF-Israel  zu sprechen kommen. Zuerst wäre da natürlich unser Länderbeauftragter Martin ("Tinus") Lempp, seit Anfang des Jahres 1999  in dieser Position. Er, 45 Jahre alt, lebt mit seiner Frau Gabi nun für vier Jahre (bis 2002) hier in Israel,  hat seine 3 Kinder in Deutschland zurückgelassen (Schwäbische Alb). Beide waren schon vor 25 Jahren  Israelfreiwillige, in Kfar Schwedi (geistig Behinderte). Nach seiner Freiwilligenzeit arbeitete Tinus fast 20  Jahre als Sozialpädagoge in Deutschland, nun kommen ihm diese Erfahrungen bei der Betreuung von uns  Freiwilligen sowie der Organisation von Seminaren, der Neufindung und Aufrechterhaltung von Projekten  und Wohnungen - bis auf einige Schwierigkeiten, welche nun jedoch überwunden sein dürften und auf die  ich hier nicht weiter eingehen will, gelingt ihm das auch. Die zweite Person, die für uns verantwortlich ist (v.a. für den finanziellen Bereich), ist Ingrid Selba. 
     Ein weiteres Thema ist die Besonderheit der Arbeitstreffen in Israel. Bedingt durch die territorial geringe  Ausdehnung des Landes ist es möglich, relevante Fragen die Arbeit, Wohnsituation oder andere Probleme  betreffend auf diesen direkt anzusprechen und zu diskutieren, statt sich über den Umweg  "Freiwilligensprecher" (wie in allen anderen Ländern) um eine Lösung zu bemühen. Bisher fand wä hrend meiner Dienstzeit erst ein solches Arbeitstreffen statt (6.4.2000, gemeinsam mit dem damals sich  gerade in Israel befindenden ASF-Geschäftsführer C. Staffa); das zweite am 5.7. wurde im Einvernehmen  mit uns Freiwilligen abgesagt, das nächste Arbeitstreffen soll am 28.9. stattfinden. 
     Vom 30.6. bis zum 7.7.2000 fand unser erstes Länderseminar (nach den Orientierungstagen) statt. Diese,  unter dem Thema "Nationalismus und Staat" nur grob charakterisierbare, nach einigen  Vorbereitungsschwierigkeiten und Vortragserarbeitungsstreß doch recht erfolgreich verlaufene, vielseitige  und lehrreiche Woche beinhaltete verschiedenste Vorträge und Diskussionen zu den folgenden Themen:  Nationalbewegungen, Definitionen von Staat und Nation, verschiedenste Staatsformen des Nahen Ostens,  Totalitarismus- und Faschismustheorien, Geschichtsrevisionismus  und "Frau und Staat". Zum Abschluß des Seminars besuchten wir das Zionistische Zentralarchiv in Jerusalem und waren  begeistert, erstaunt, fasziniert von all den Dokumenten aus der Anfangszeit des Staates. 
     Für die Zukunft, außer der weiteren Prägung meiner Eindrücke von Land und Gesellschaft, besseren  Sprachkenntnissen und Persönlichkeitsbildung, erhoffe ich mir im Hinblick auf die Projekte bei Interfaith  eine verstärkte Teilnahme an Seminaren und der Jugendgruppe, im Reut Hostel mehr Akzeptanz und verst ärkte Einbringung durch die Mitarbeiter und in das allgemeine Hostelleben. 
     Ich wünsche euch allen einen schönen Spätsommer (und Herbst), in der Hoffnung ihr hattet Freude am  ausführlichen Bericht meines Lebens hier, ich verbleibe mit freundlichen Grüßen, 

      Auszug aus dem 2. Projektbericht, Februar 2001 

     Am Anfang: 

     Noch zur Tür gewendet, Fuß über Kopf lesen lernen mit den Fingern in die Farben der Orte auf der Wegekarte tauchen. 
     Erst viel später wird deine Sprache meine Sprache. ...im Übersetzen... an fremder Küste gelandet ein hastiger Querläufer, bis zum Ende meines Jahres.

     Mit diesem Kafka-Zitat möchte ich meinen zweiten Projektbericht aus Israel, von ASF mit dem roten  Faden "Wo bin ich?" überschrieben, eröffnen. Die vorliegenden Seiten umfassen in etwa die Zeit von  September 2000 bis Februar 2001 - in welcher mich, nachdem ich glücklich das Datum der Halbzeit und  die damit verbundene Frage, ob das "Glas nun halbvoll oder halbleer sei", überwunden habe, völlig andere  Gedankenbereiche bewegten als in den ersten Monaten. Wurde ich meinen Ansprüchen und Erwartungen, denen von ASF und meiner Projekte, gerecht? Welche  Ziele verbinde ich mit meinem Freiwilligendienst, welche davon konnte ich bereits verwirklichen, welche  mußte ich aufgeben, was will ich in der verbliebenen Zeit noch erreichen? 
     Am 8. März, genau ein Jahr nach uns, werden nun "die Neuen" Israels Boden betreten. Zehn Freiwillige,  die sicherlich viele Erwartungen mitbringen, sich gut vorbereitet haben. Einiges davon wird sich erfüllen,  noch mehr übertroffen werden, anderes muß man wohl schon bald "begraben" - genauso wie bei uns  "Langzeit-Volontären". Blicke ich auf die Zeit vor einem Jahr zurück, so muß ich teilweise etwas schmunzeln. Welche  Vorstellungen hatte ich im Kopf, welche Pläne geschmiedet! Und dann wurde alles genau so und doch  ganz anders... Meine Vorbereitungen bedürfen ständiger Nachbereitung - und das verlangt immer wieder ein hohes  Maß an Offenheit und Kompromißbereitschaft. Ebenfalls ein Lernprozeß! 
     Im Reut Hostel kehrte nach dem Sommertrip nach Rhodos (3.9.-7.9.) lange keine Ruhe ein, gerade weil ich  nicht daran teilnehmen konnte, überfielen mich die Bewohner geradezu mit Erzählungen, Fotos und  mitgebrachten Gegenständen. Doch auch dieses Dauerthema legte sich irgendwann zur Ruhe, schließlich gab es genügend andere  Ereignisse, im Rückblick "Highlights" genannt, über die zu erzählen lohnt. 
     Da wäre zum Beispiel die gründliche Renovierung des Hostels an sich zu nennen, welche von malern,  über neue Türen und Fenster, bis zur Neuanlegung des Gartens reichte. Im Dezember begleiteten uns zwei (russische) Ernährungsberater, Victor und Giola, welche einiges im Di ät- und Gesundheitsbewußtsein unserer Bewohner bewegen konnten. 
     Weiterer Alltagsablenker war der Ausflug in den "Zapari-Vogelpark" bei Tel Aviv am 19. Oktober, wo wir  eine Vogelshow miterleben konnten, und sehr zur Freude der (erstaunlich mutigen und unerschrockenen)  "diarim" (Bewohner) selbst Papageien, Schlangen und allerlei anderes Getier halten und z.T. füttern  durften. 
     Im Dezember, am 27.12., fand eine große Chanukka-Party, gemeinsam mit dem Partnerhostel "Reutenu",  statt. Neben dem Buffet und den "Sufganiot" ("Berliner", Pfannkuchen, Krapfen oder wie auch immer  genannt) boten wir ein volles Programm: Gruppenspiele und -wettbewerbe, Vortragen von Gedichten und  Liedern, Musikanten u.v.m. 
     Überhaupt versuchen wir momentan die Kontakte zu anderen Hosteln auszubauen und                  überregionale"  Gruppen und Veranstaltungen aufzubauen - Computerkurse, Musikschulen, Wanderausflüge u.ä. werden  (zum Teil) von "unseren" Bewohnern begeistert genutzt, auch um sich neben dem Hostel Freundschaften  aufzubauen oder zu vertiefen. 
     Für uns Mitarbeiter gab es ebenfalls eine änderung in dieser Richtung: Die sonntäglichen  Mitarbeitertreffen wurden um  einmal monatliche Zusammenkunft mit dem "staff" des "Reutenu" erweitert,  eine gute Möglichkeit, um auf breiterer Ebene Informationen auszutauschen und Probleme zu erörtern.  Außerdem lernt man auf diese Weise auch die Arbeitsweisen und Zielsetzungen der anderen kennen,  wodurch mir sehr deutlich wurde, daß unser Hostel, und all unsere Versuche zur Integration der Patienten,  in Israel noch eine wahre Seltenheit und eines der fortschrittlichsten und positivsten Alternativen darstellt -  diese "Erkenntnis" wird sicherlich bei dem erneuten Besuch in der geschlossen psychiatrischen Anstalt in  Kfar Shaul, welchen wir für unser nächstes gemeinsames Treffen geplant haben, erneut bestätigt werden. Auch für mich selbst hat sich der Arbeitsalltag im Reut Hostel etwas gewandelt. Neben der Tatsache, daß  ich nun relativ oft völlig allein arbeite, spüre ich auch an anderen Stellen, wie mir mehr Vertrauen  entgegengebracht wird - ich bin nicht mehr die fremde, neue Volontärin aus Deutschland! Besonders anspruchsvoll ist meine Aufgabe eine Art "Leiterin" für Noam und Sergio zu sein. Was bei  Sergio recht einfach ist - er erwartet nicht viel mehr von mir als ihm freundlich gegenüberzutreten, auf  seine Fragen und Wünsche einzugehen und ihm etwas Deutsch beizubringen, weggehen würde er nur  wenn ich irgendwo einen rumänischen Kinofilm ausfindig machen würde... 
     Noam ist da schon schwieriger, neben alltäglichen Schwierigkeiten wie Wäsche waschen, Zimmer aufrä umen und an Körperpflege und Kleidungswechsel zu erinnern, stürmte er mit tausend Vorschlägen zur  Freizeitbeschäftigung auf mich ein. So besuchte ich in letzter Zeit mit ihm die Bezalel-Kunstschule und  die "Dada und Surrealismus"-Ausstellung im Israelmuseum, eine Reise nach Massada und ans Mittelmeer  stehen demnächst an! 
     Noam, und natürlich auch viele andere Bewohner, sind genauso erfreut wie ich, daß ich im Oktober  endlich meine lange geplante Kunstgruppe ins Leben rufen konnte. So sitzen wir nun einmal in der  Woche, meist Sonntags, für 1/2 bis 1 Stunde, zusammen, basteln, malen, zeichnen zu den verschiedensten  Aufgabenstellungen und Ideen. Teilweise beschäftigen wir uns mit einer aktuellen Begebenheit, z.B.  einem Ausflug, der Tagespolitik, der Jahreszeit oder ähnlichem, ich erzähle eine Geschichte (1.Versuch:  "Kalif Storch" von Wilhelm Hauff in hebräisch), wir gestalten zu Musik oder lassen uns anderweitig  anregen. immer fortschrittlicheren Ergebnissen geführt hat. Die Gruppe dient v.a. dazu, die enorme  Phantasie und Freude am Gestalten ausleben zu können. 
     Als abschließende Worte bezüglich des Reut Hostels möchte ich einen Wortwechsel im Hostel  wiedergeben, über den sich wohl etwas nachzugrübeln lohnt... Schulamit erzählte vom Besuch ihres Vaters in der Tschechei. Plötzlich stockte sie mitten im Satz, weil  ihr der Name der Stadt, in welcher ihr Vater sich aufgehalten hatte, entfallen war. Sie grübelte: "Wie  heißt denn nur dieser Ort?" - Orit (Sozialarbeiterin!) wollte ihr zu Hilfe kommen, und meinte:  "Auschwitz!". Darauf Schulamit: "Nein, nein, diese große Stadt!". Orit: "Vielleicht Buchenwald - oder  was gibts denn da noch?" Letztendlich fand Schula die Auflösung selbst wieder, sie hatte Prag gemeint... -  erklärende Worte nötig? 

    Von Interfaith gibt es eine Kündigung zu berichten: Hanna, unsere langjährige, und mit vollem Herzen  im interreliösen Dialog verankerte, Sekretärin, hat ihren Posten verlassen. Ihre Aufgaben liegen  nun in der Hand von uns Volontären - und dieser Satz deutet damit auch auf unsere "Vermehrung" hin.  Neben mir arbeiten nun Judith Haar und David Schnell bei uns. 
     Kurz vor Ausbruch der "AlAqsa-Intifada" konnten wir ein, damals recht erfolgversprechendes, Seminar  in Bethlehem erleben. Vom 22.-23. September fand dieses, in Zusammenarbeit mit dem "Al Liqa Center",  einer Dialoggruppe von Christen und Juden, zum Thema der Versöhnung in den drei Religionen statt.  Etwa 90 Teilnehmer aus ganz Israel und der Westbank versammelten sich im Shepherd-Hotel und  lauschten dem orthodoxen Rabbiner Mordechai Gafni, dem griechisch-katholischen Erzbischof Lutfi  Laham und dem moslemischen Rechtsanwalt Ali Rafi, welche jeweils aus ihrer Perspektive in das Thema  einführten. Auch kleinere Arbeitsgruppen zum Thema, ein jüdisches Freitagsgebet sowie ein christliches  und moslemisches Gebet, trugen dazu bei, die Forderung "deinen Gott in meinem Gott zu sehen" in Ansä tzen anzupacken. 
     Als allererste Aktivität nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten wurde am 24./25.11. ein Seminar in Haifa  abgehalten. Aufgrund der aktuellen Politik stand es unter dem Motto "Jetzt ist es an der Zeit für Juden,  Christen und Moslems miteinander zu reden", was etwa 120 Vertreter der drei Religionen  zusammenkommen ließ um über die Rolle der Religion im gegenwärtigen Konflikt zu sprechen.  Gesponsert wurde das ganze von der Konrad Adenauer Stiftung in Israel, was viele deutsche Teilnehmer  mit sich brachte. 
     Es wurde mehrmals die Wichtigkeit einer solchen Konferenz betont, gerade jetzt, nachdem die Politiker  schon nicht mehr miteinander sprechen. Als Hauptredner seien an dieser Stelle der Oberrabbiner von  Ramat Gan, Jitzhak Bardea ("Der Messias kommt nicht mit Gewehren"), Scheikh Uda Muhammed Sharif,  Albert Lincoln (Bahai-Religion) und Paulus Marcuzo (Bischof von Nazareth, "Christen spielen im  derzeitigen Konflikt eher eine Zuschauerrolle, der Papst ist aber an der Lösung mit ganzem Herzen  beteiligt") genannt. 
     Die Atmosphäre auf der Konferenz war nicht immer leicht, was besonders bei den aufeinanderprallenden  Standpunkten in den einzelnen Arbeitsgruppen zum Ausdruck kam. So war es für eine Teilnehmerin aus  Beit Jalla, welches seit Monaten im Kreuzfeuer mit dem jüdischen Nachbarn Gilo liegt, schwer zu hören,  wenn ihr rechts eingestellte Israelis, welche die Siedlerseite vertraten, sagten, man könne mit dem  Einmarsch von Panzern für Ruhe in Beit Jalla sorgen... 
     Meine eigenen Aufgaben bei IIA drehten sich weiterhin um reguläre Büroarbeit; in letzter Zeit jedoch  auch mehr und mehr um die Mitarbeit an der "Religionen in Israel"-Zeitschrift, wo ich an den Heften 3/400 (Thema: Papstbesuch) und am ersten Heft im Jahre 2001 (Thema: Tempelberg, AlAqusa) jeweils durch  verschiedene Texteübersetzungen mithalf, Korrektur las und an der sonstigen Konzeption beteiligt sein  konnte. Dies wird sich nun auch im Heft 2-01, welches ich gemeinsam mit David zum Thema einer  vergangenen Nazareth-Konferenz (Millenium) erarbeite, fortsetzen. 
     Ein neuer Aufgabenbereich schien sich zu bieten, als Hanna im September Judith und mir recht unerwartet  sagte: "Ja, nun baut mal eine neue Jugendgruppe auf!" Geplant war das erste Treffen für Ende Oktober,  wurde dann allerdings aus aktualpolitischen Gründen in den Dezember verschoben - mit dem "Erfolg" von  4 gekommenen "Außerinterfaithlern"... Momentan steckt v.a. Judith in persönlichen kleineren  Begegnungen und Gesprächen, in der Hoffnung bis zum nächsten Termin ein paar mehr Interessenten  heranzuziehen! 
     Womit ich denn nun auch "endlich" beim Dauerthema Nr. 1, der sogenannten "AlAqsa-Intifada"  angelangt bin... Ich möchte hier nicht näher auf die politischen Hintergründe und letzten Ereignisse eingehen, ich denke  dies hat jeder wenigstens grob in den deutschen Medien verfolgen können. 
     Abgesehen von der psychischen Belastung, welche die täglichen Nachrichten, der spürbare Haß und die  verhärteten Meinungen auf beiden Seiten nach sich ziehen (das Schlimmste ist halt doch die  Aussichtslosigkeit der ganzen Situation, egal ob in hohen politischen Lagen oder im "gemeinen Volk" -  lange genährt und nun zum Ausbruch gekommen), sehe ich keine Gefahr für mich selbst. Ich bin im  Alltag zwar eingeschränkt, es gibt verschiedenste Orte die man meiden sollte (auch innerhalb Jerusalems),  so nach dem Motto "Darf ich denn heute in die Altstadt?" oder "Kann das Konzert in Bethlehem  stattfinden?", in meinem täglichen Umfeld kann ich mich dennoch sicher bewegen. 
     Was natürlich nicht hindert, sich so seine Gedanken zu machen... Ignorieren läßt sich der Konflikt  jedenfalls nicht - auch wenn man sich nicht wie ^=Elias" (Robert) plötzlich direkt unter Steinwerferfronten  wiederfindet. Soldaten in Reih und Glied an jeder Straßenecke, Bombendrohungen, gesperrter Zugang  zum Tempelberg und Felsendom (kurz vorher noch dort gewesen), Streiks in arabischen Geschäften  (billigste Einkaufsmöglichkeit...), Straßensperrungen fallen sofort ins Auge. In das wunderschöne  Jericho, nach Nablus und Ramallah sollte man besser nicht fahren - Orte wo ich mich vorher, ohne  darüber nachzudenken, öfter mal aufhielt. Und die Helicopter und Schußgeräusche aus Richtung Gilo,  aus dem Wohnzimmerfenster zu hören... 
     Dazu kommt die ständige Stimmungsschwankung zwischen Verunsicherung (der Salon im Hostel füllt  sich sichtbar während der Nachrichten, im Bus halten in diesen Minuten alle den Atem an...), Aggressivit ät, Gleichgültigkeit und Angst (z.B. trauen sich meine Mitarbeiter nicht mehr in die Innenstadt oder  Linienbusse, weshalb sämtliche damit verbundene Aufgaben an mich abfallen). Unter diesen Reaktionen  ist wahrscheinlich die bisweilen für uns Mitteleuropäer unverständliche Gleichgültigkeit hervorzuheben,  ein Phänomen das nicht nur mir aufgefallen ist. Nur eine Minderheit der Israelis regiert mit Empörung  auf politisch getroffene Fehlentscheidungen, die Mehrheit scheint irgendwie resigniert zu sein. Eine  einleuchtende Erklärung dafür konnte ich nicht finden, es ist unfaßbar, daß Gespräche über die bedrä ngenden Probleme des Landes fast immer einem Naturgesetz zu unterliegen scheinen, wonach mit  unerschütterlicher Gelassenheit und lebendigem Schicksalsglauben der Refrain dieser Gespräche  angestimmt wird: "Jihije tov - Es wird (alles) gut werden." Diese und ähnlich lautende Formulierungen  sind im Iwrith längst idiomatisiert worden... 
     Als in Israel lebender Ausländer und Zaungast schwebt man ja bekanntlich zwischen den Fronten, sitzt  irgendwo zwischen den Stühlen, und ist beim israelisch-palästinensischem Konfliktgeschehen gut  beraten, aus seinem Glaskasten schützender Privilegien keine Anklagen herauszuschleudern! "Jerusalem...so unermeßlich die Schönheit dieser Stadt...so unermeßlich ihr Leid: Umworben und umkä mpft, zerstört und wieder aufgebaut, geliebt und verraten, verunreinigt und geheiligt" - wie es Präsens  Manfred Kock sehr treffend auszudrücken vermochte! 
     Als Besonderheit der Aktion Sühnezeichen ist die Möglichkeit zu nennen, einen Studienmonat  einzulegen. Das bedeutet, daß wir einen Monat nicht regulär zur Arbeit gehen, sondern zu einem  selbstgewählten Thema (in Verbindung zum Holocaust) arbeiten können. Ich nahm diese Möglichkeit  wahr und arbeitet im Januar zum Thema "Mißbrauchte Kindergeneration - Kindheit und Jugend in Dritten  Reich" - die schriftliche Ausarbeitung steht noch aus. 
     Begonnen habe ich diesen Bericht mit einem Gedicht, möchte auch so enden, diesmal von dem Autor  Shalom Ben-Chorin mit dem Titel "Traumgeographie" überschrieben: 

     Daß die Fremde heimisch mir geworden 
     Weist des Traumes lächelnd-leise Spur: 
     Zwischen neuen und verlorenen Orten 
     Spann der Traum nun seine Silberschnur. 

    Immer ging ich in den letzten Jahren 
     Nur durch meiner Kindheit Straßennetz, 
     Fern den Tagessorgen und Gefahren 
     Heimgekehrt durch heimisches Gesetz. 

     Aber jetzt umfängt die Stadt der Träume 
     Meiner Träume, Nacht um Nacht 
     Ungeheure traumverbundne Räume, 
     Die ich schlafend mir in Eins gedacht. 

     Sprachen fließen seltsam bunt zusammen, 
     Fremde Völker, Länder trennt kein Meer. 
     Schnaderhüpfl und Makamen 
     Sag und sing ich durcheinander her. 

     Meiner Träume Internationale 
     Hat die Grenzen aus der Welt gefegt: 
     Überglobus wird mir meine schmale 
     Bettstatt, kaum hab ich mich hingelegt. 

     Aus dem blühenden Jerusalem, so direkt zwischen "Tubeshvat" (dem Geburtstag der Bäume) und Purim,  grüßt Euch alle herzlich Eure Susanne! 

     Susanne Müller 
     Rch. Uruguay 27 c (gimel) 
     96701 Jerusalem 
     Tel.: 00972-02-6435799 
     (Tel. und Fax im Hostel: 00972-02-66426310) 
     e-mail: tabs.2000@gmx.de 

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