Die vorliegende Arbeit entstand als Dissertation während meines Forschungsstudiums (1989-1993) an der Sektion Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft der Universität Leipzig. Betreut wurde die Dissertation von Prof. Dr. phil. habil. H. Schmidt sowie von Prof. Dr. phil. habil A. Steube.
Die Arbeit, die sich mit der Syntax und Semantik eingebetteter finaler Infinitive des Russischen beschäftigt, ist in vier Kapitel unterteilt.
Kapitel 1. (Diachronische Aspekte russischer infiniter Konstruktionen mit finaler Bedeutung) bringt eine Übersicht über solche Konstruktionen des Kirchenslavischen und Altrussischen, die für die Beschreibung finaler Infinitive in der russischen Sprache der Gegenwart von Interesse sind.
Im 2. Kapitel (Das Feld finaler Infinitiveinbettungen im modernen Russischen) werden zunächst die allgemeinen Charakeristika der Finalrelation herausgearbeitet. Außersprachliche Gegebenheiten korrespondieren mit sprachlichen. Um die Datenmenge einzugrenzen, wird ein Überblick gegeben über die Darstellung finaler Infinitive in den Standardgrammatiken des Russischen. Probleme und Defizite deuten sich an. Das Feld finaler Infinitive des Russischen ist neu abzustecken. Fragen, die eine explizite Beschreibung lösen muß, werden formuliert. Zur Beantwortung einer ersten Frage, ob finale Infinitive des Russischen für Beschreibungszwecke zu subklassifizieren sind, erfolgt ein Vergleich mit der ausführlichsten Untersuchung finaler Infinitive einer anderen Sprache, die sich eines ähnlichen theoretischen Instrumentariums bedient: R.A. Faraci (1974): Aspects of the Grammar of Infinitives and For-Phrases, Unpublished Ph.D. Dissertation, MIT, Cambridge, Massachusetts. Für das Feld finaler Infinitiveinbettungen des Russischen wird eine Zweiteilung vorgeschla gen. Ein Appendix präsentiert nicht zum Kern finaler Infinitive gehörende Konstruktionen und finalen Infinitiven formal ähnliche Einbettungen mit nicht- finaler Bedeutung.
Kapitel 3. (Syntaktische Eigenschaften russischer finaler Infinitiveinbettungen) skizziert zunächst den Rahmen für die syntaktische Beschreibung russischer finaler Infinitive, die auf Chomsky zurückgehende Prinzipien-und-Parameter-Theorie der generativen Transformationsgrammatik. Wichtige Prinzipien der Strukturbildung werden vorgestellt und z.T. mit russischen Beispielen illustriert. Es schließt sich eine Diskussion der Struktur russischer Sätze an, die Themen wie Grundabfolge der Konstituenten, Konfigurationalität, Positionen von Argumenten des Verbs, von Adjunkten und auch die Position der Negation berührt. Danach bewegt sich die Darstellung im Rahmen dreier Analysen. Es wird diskutiert, ob finale Infinitive des Russischen als V(P), CP oder PP zu kategorisieren sind. Syntaktische Argumente (z.B. Annahmen zur Extraktion aus der Einbettung, Repräsentation eines Infinitivsubjektes, Koordinierung, Modifizierbarkeit des Infinitivs) und auch Aspekte der semantischen Interpretation eines infinitivischen finalen Adverbials spielen bei der Bestimmung der syntaktischen Kategorie der Einbettung eine Rolle. Eine nächste Frage betrifft die Strukturposition der Einbettung im Matrixsatz. Zu entscheiden ist, ob der Infinitiv den Charakter eines Komplementes des Matrixverbs oder den eines Adjunktes an eine Kategorie (VP oder IP) des Matrixsatzes hat. Im Zusammenhang mit der Strukturposition von Infinitiven werden finale Einbettungen mit infinitivischen Ergänzungen in der Nominalprojektion verglichen. Sätze, in denen mehrere Infinitive auftreten, erhalten eine Beschreibung.
Das 4. Kapitel (Semantische Repräsentationen russischer Sätze mit finaler Infinitiveinbettung) beschäftigt sich mit der Interpretation von Sätzen. Syntaktische Strukturen korrespondieren mit semantischen. Semantische Strukturen werden auf konzeptuelle abgebildet. Die Überlegungen basieren im wesentlichen auf den Arbeiten von Bierwisch. Dargestellt wird der Aufbau der sprachlich determinierten Bedeutung - der Semantischen Form - für Sätze mit finaler Infinitiveinbettung, die unterschiedliche Kombinationen einleitender Formative aufweisen.
Die Arbeit kann auch denjenigen Gewinn bringen, die ein Interesse an Einzelproblemen haben, da die Kapitel in sich relativ abgeschlossene Einheiten darstellen. Das heißt wiederum nicht, daß sie ohne Zusammenhang nebeneinander stehen. Diesen stellt die Annahme dessen her, daß Sprachgeschichtliches ein Erklärungspotential birgt für Strukturen der Sprache der Gegenwart, daß sich Außersprachliches in Sprachlichem widerspiegelt, daß es Entsprechungsbeziehungen zwischen Repräsentationen grammatischer Information gibt, z.B. zwischen syntaktischen und semantischen Repräsentationen. So werden unterschiedliche Aspekte zu einem Bild finaler Infinitive des Russischen verwoben.
Review article by Martina Lindseth in JSL 4.1, 167-171.
Review article by Gary H. Toops in SEEJ 39.3, 481-483.
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