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Die Fakultät im Überblick Drucken

Fakultät


Die Juristenfakultät der Universität Leipzig hat im Laufe ihrer 600-jährigen Geschichte Höhen und Tiefen durchlebt. Nachdem sie in der DDR - seit der Universitätsreform von 1968 - nur noch den Status einer "Sektion Rechtswissenschaft" besaß, wurde sie nach der Wiedervereinigung im Jahre 1993 als Fakultät wiedererrichtet. Ihr gehören zur Zeit 18 W3 - Professuren, darunter eine Stiftungsprofessur, und zwei W2 - Professuren; eine der beiden letzteren wird gemeinsam vom Freistaat Sachsen und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, Leipzig getragen. An der Juristenfakultät studieren gegenwärtig (WiSe 2010/2011) ca. 2.200 Studenten. Nach den Vorstellungen der Sächsischen Staatsregierung soll die staatliche Juristenausbildung im Freistaat Sachsen in Leipzig konzentriert werden. Die damit verbundene Aufgabe einer grundständigen Juristischen Fakultät an der Technischen Universität Dresden wird von der Juristenfakultät zutiefst bedauert.

Die Juristenfakultät befindet sich in Leipzig an einem "Ort des Rechts", an dem seit dem Mittelalter traditionell hohe und höchste Spruchkörper und Gerichte ansässig sind. Von 1879 bis 1945 war Leipzig Sitz des Reichsgerichts; seit 2002 befindet sich in dessen ehrwürdigem Gebäude das Bundesverwaltungsgericht. In Leipzig residiert weiterhin der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs; hier ist auch der Verfassungsgerichtshof für den Freistaat Sachsen angesiedelt. Amts- und Landgericht, Finanz- und Verwaltungsgericht sowie Arbeits- und Sozialgericht ergänzen die Palette der ortsansässigen Gerichte. Zu ihnen allen wie auch zur Rechtsanwalts- und Notarschaft sowie zu den Behörden der Stadt und des Freistaates unterhält die Juristenfakultät engste Beziehungen, die sich in zahlreichen Lehraufträgen zum Ausdruck bringen.

Ausbildung


Die Juristenausbildung ist in Deutschland weitgehend durch Gesetz und Verordnung geregelt. Sie richtet sich in Leipzig nach dem Deutschen Richtergesetz (DRiG), nach dem Sächsischen Juristenausbildungsgesetz (SächsJAG) und der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Juristen des Freistaates Sachsen (SächsJAPO). In der in Deutschland traditionell zweistufigen Ausbildung zum "Volljuristen" fällt der Juristenfakultät der universitäre Teil zu; ihm schließt sich die staatliche Referendarausbildung an. Das Studium der Rechtswissenschaft ist grundlegend neu gestaltet worden. Es setzt sich nunmehr aus einem Pflichtstudium und einem Schwerpunktbereichsstudium zusammen. Gegenstand des Pflichtstudiums sind die drei Hauptfächer des Rechts - Bürgerliches Recht, Straf- und Öffentliches Recht - sowie die Grundlagen des Rechts und sog. Schlüsselqualifikationen. Das Schwerpunktbereichsstudium bezieht sich auf einen der von der Fakultät angebotenen und vom Studierenden gewählten Schwerpunktbereiche. Das Studium wird insgesamt mit der Ersten Juristischen Staatsprüfung abgeschlossen, die sich ihrerseits aus einer staatlichen Pflichtfachprüfung und aus einer universitären Schwerpunktbereichsprüfung zusammensetzt.

Die Juristenausbildung zielt auf den "Einheitsjuristen" ab, der alle Hauptfächer des Rechts beherrscht und darum grundsätzlich in allen juristischen Berufen einsatzfähig ist. Über diese Regelausbildung hinaus bietet die Juristenfakultät Aufbaustudiengänge zum Master of Law an. Der europarechtlichen Spezialisierung dienen die Aufbaustudiengänge "Recht der europäischen Integration" und "Europäischer Privatrechtsverkehr", mit denen Studierende den Master of Law erwerben können.

Nähere Einzelheiten unter: "Studiengänge".

Profil


Das Profil einer Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Forschung und Lehre hängt von der jeweiligen Zusammensetzung ihres Lehrkörpers ab und wandelt sich darum im Laufe der Zeit. Gleichwohl gibt es auch an der Juristenfakultät Konstanten und Kontinuitäten. Sie werden gefördert durch gezielte Berufungen und durch die Bildung von Instituten und Forschungseinrichtungen. Demgemäß lassen sich an der Juristenfakultät mehrere Forschungsschwerpunkte erkennen.

Leipzig hat eine Tradition als Messe-, Handels- und Bankenstadt. Dementsprechend wurde bereits bei der Wiedererrichtung der Fakultät Wert gelegt auf eine wirtschaftsrechtliche Ausrichtung mit banken- und steuerrechtlichen Schwerpunkten. In diesem Zusammenhang spielen auch internationalrechtliche Bezüge eine wesentliche Rolle. Dem internationalen und dem europäischen Recht sowie der Rechtsvergleichung gelten darum verstärkte Aktivitäten der Fakultät in Forschung und Lehre. Die besondere Gewichtung des Umwelt- und Planungsrechts sowie des Bergrechts im Forschungsprofil der Fakultät ist nicht zuletzt den ökologischen Problemen in den sog. neuen Bundesländern geschuldet; ihr kommt neuerdings auch die Anwesenheit des Bundesverwaltungsgerichts entgegen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich des Medienrechts; damit orientiert sich die Fakultät an der wachsenden Bedeutung des Medienstandortes Leipzig. Für Forschung und Lehre gleichermaßen von Bedeutung sind die vielfältigen Kooperationen der Fakultät mit der Rechtsanwaltschaft; sie schlagen sich u. a. nieder in anwaltsrechtlichen, insolvenz- und prozessrechtlichen Tagungen. Als eine von nur wenigen anderen deutschen Rechtsfakultäten bietet die Juristenfakultät auch arztrechtliche Vorlesungen an; hier findet sich zugleich auch ein weiterer Forschungsschwerpunkt. Schließlich ist noch zu erwähnen, dass sich in besonders großer Zahl Hochschullehrer der Fakultät mit den sog. Grundlagenfächern - Rechtsphilosophie und -theorie, Rechtsgeschichte, Allgemeine Staatslehre und Staatskirchenrecht - befassen.

Nähere Einzelheiten unter: "Institute".

Zum Profil der Juristenfakultät zählen neben den schon erwähnten Aufbaustudiengängen auch Kontakte zu ausländischen Rechtsfakultäten, aus denen Möglichkeiten für ein Auslandsstudium sowie - etwa im Hinblick auf die University of Miami, School of Law - regelmäßige gemeinschaftliche Seminarveranstaltungen erwachsen. Engere Beziehungen bestehen auch zu den Rechtsfakultäten in Jena und in Halle. Sie bilden mit der Juristenfakultät einen Studienverbund, in dem wechselseitig der Besuch von Lehrveranstaltungen sowie Studienleistungen anerkannt werden.

Die Juristenfakultät leidet, ähnlich wie einige andere ostdeutsche Fakultäten, immer noch an einer hohen Durchfallquote im Staatsexamen. Sie ist darum bemüht, durch Profilierung in Forschung und Lehre für qualifizierte Studierende attraktiv zu sein und sie dauerhaft an sich zu binden. Ganz im Vordergrund hierbei steht die "Leipziger Examensoffensive (LEO)", die als ein universitäres Internsivrepetitorium aufgezogen und mit einem examensvorbereitenden Klausurenkurs verbunden ist. Die Juristenfakultät erhofft sich hiervon eine wirksame Alternative zu kommerziellen Repetitorien.

Nähere Einzelheiten unter: "Examensvorbereitung".

Zur Profilierung im Bereich Lehre zählt fortan das Angebot der Fakultät an Schwerpunktbereichen für das künftige Schwerpunktbereichsstudium. Dessen Gestaltung obliegt in vollem Umfang den Rechtsfakultäten und weist darum bei weitgehender Ähnlichkeit im Grundsätzlichen im Detail erhebliche Unterschiede auf. Die Juristenfakultät orientiert sich mit ihrem Angebot einerseits an einschlägigen juristischen Berufsfeldern und andererseits an den bei ihr vorhandenen besonderen Kompetenzen. Das Schwerpunktbereichsstudium ermöglicht den Studierenden eine Spezialisierung ihrer Ausbildung schon während der Studienzeit, stellt dabei aber das Ziel des Einheitsjuristen nicht in Frage.

Nähere Einzelheiten unter: Schwerpunktbereiche.

Institute


Das wissenschaftliche Profil juristischer Fakultäten zeigt sich traditionell in ihren Instituten. Derartige juristische Institute sind keine den Lehrstühlen und Professuren übergeordnete Organisationseinheiten, sondern werden in der Regel von mehreren Lehrstühlen gebildet, um aus der "Schnittmenge" der beteiligten Fachgebiete und Kompetenzen Synergieeffekte zu erzielen. Institute dienen in besonderem Maße der wissenschaftlichen Forschung auf dem betreffenden Rechtsgebiet, fördern darüber hinaus aber auch die Heranbildung wissenschaftlichen Nachwuchses und geben Impulse für Studium und Lehre. In aller Regel veranstalten sie wissenschaftliche Tagungen; verschiedentlich geben sie auch rechtswissenschaftliche Schriftenreihen heraus.

Die Juristenfakultät weist zur Zeit elf Institute auf. Weitere Informationen zu den jeweiligen Instituten finden Sie hier.

Schwerpunktbereiche


Die Juristenfakultät Leipzig bietet folgende Schwerpunktbereiche (Weitere Informationen zum Curriculum hier.)

Grundlagen des Rechts
Der Schwerpunktbereich "Grundlagen des Rechts" greift das Anliegen der jüngsten staatlichen Juristenausbildungsreform auf, diese Ausbildung nicht zuletzt durch einen Ausbau der Lehre der Grundlagenfächer zu verbessern. Für einen solchen Ausbau sprechen nämlich mehrere Gründe.

Zum einen vermittelt gerade das Studium der Grundlagendisziplinen in ganz besonderer Weise diejenigen methodischen Fähigkeiten, die infolge der ständig weiter anwachsenden Stofffülle notwendig sind, um die juristische Urteilskraft an immer neuen Rechtsmaterien und -problemen zu bewähren; angesichts dieser Stofffülle und häufiger Gesetzesänderungen kann das Ausbildungsziel nicht die zunehmende Anhäufung von Detailwissen sein, sondern der Typus des methodisch versierten und dabei intellektuell vielseitig gebildeten juristischen "Generalisten". Zum anderen benötigt gute rechtliche Praxis aber auch dort grundlegende Theorie, wo es - wie aktuell etwa hinsichtlich der Biotechnologie und neueren Fortpflanzungsmedizin - um die Beurteilung existentieller Probleme der Gesellschaft geht, die deren Selbstverständnis als Rechtsgemeinschaft in erhöhtem Maße auf die Probe stellen und angemessen nur unter Rückgriff auf allgemeine Rechtsprinzipien und mit Verständnis für geschichtlich gewachsene Regelungs- und Beurteilungsalternativen zu lösen sind. Und schließlich erfordern gerade die gegenwärtigen Prozesse der europäischen Einigung und Internationalisierung des Rechts Prinzipiendenken und rechtsgeschichtliche Bildung, wenn beispielsweise die Angleichung unterschiedlicher Rechtsordnungen mit dem Ziel zunehmender Rechtseinheit in Europa mehr sein soll als eine bloß äußerliche, mehr oder weniger zwanghafte Rechtsvereinheitlichung unter Verdrängung unterschiedlicher, historisch gewachsener Rechtskulturen.

Aus diesen Gründen werden im Schwerpunktbereich "Grundlagen des Rechts" die rechtswissenschaftlichen Grundlagenfächer Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte und Kirchenrecht zusammengeführt. Dementsprechend gliedert sich der Schwerpunktbereich in die drei Zweige "Theorie und Soziologie des Rechts", "Rechts- und Verfassungsgeschichte" sowie "Kirchen- und Staatskirchenrecht". Dabei werden die genannten Disziplinen sowohl im Hinblick auf ihre grundlegende Bedeutung für ein rechtlich geordnetes Gemeinwesen behandelt als auch in ihrer Funktion für das Verständnis des positiven Rechts, dessen Auslegung und dogmatische Institute.

Das Studienangebot des Schwerpunktbereichs ist dabei zweigübergreifend konzipiert, d. h. dass der Pflichtfachstoff jedes Zweiges auch jeweils Teile des Pflichtfachstoffs jedes der beiden anderen Zweige umfasst. Die im Rahmen der universitären Schwerpunktbereichsprüfung zu schreibende Aufsichtsarbeit (§§ 20, 23 Abs. 1 PrüfO) wird unabhängig davon von jedem Zweig gesondert angeboten, wobei auch der Stoff der Aufsichtsarbeiten eines Zweiges grundsätzlich den Gegenständen der originären Lehrveranstaltungen (Pflichtfach- und Wahlpflichtfachvorlesungen) dieses Zweiges entnommen ist. Die wissenschaftliche Studienarbeit (§§ 20, 22 Abs. 1, 2 PrüfO) kann sowohl auf Teilgebieten des vom Studierenden gewählten als auch eines anderen Zweiges des Schwerpunktbereichs erbracht werden.

Folgende Professoren der Juristenfakultät lehren gegenwärtig im Schwerpunktbereich "Grundlagen des Rechts": Professor Dr. Gero Dolezalek (Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Römisches Recht mit Schwerpunkt Gemeines Recht und kirchliche Rechtsgeschichte), Professor Dr. Christoph Enders (Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Umweltrecht), Professor Dr. Helmut Goerlich (Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, Verfassungsgeschichte und Staatskirchenrecht), Professor Dr. Michael Kahlo (Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie), Professor Dr. Bernd-Rüdiger Kern (Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Rechtsgeschichte und Arztrecht), Professor Dr. Diethelm Klesczewski (Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht und Europäisches Strafrecht). Diese Professoren sind zugleich die Gründungsmitglieder des "Instituts für Grundlagen des Rechts" der Juristenfakultät der Universität Leipzig, dessen Aktivitäten in Forschung und Lehre in die Studienangebote des Schwerpunktbereichs einfließen.

Staats- und Kommunalverwaltung
Im Schwerpunktbereich "Staats- und Kommunalverwaltung" werden Spezialkenntnisse in den praktisch bedeutsamsten Bereichen des Besonderen Verwaltungsrechts erworben. Er ist nicht nur für diejenigen Studierenden von Interesse, die später eine Tätigkeit als Verwaltungsbeamte im Dienste des Bundes, eines Landes oder einer kommunalen Körperschaft bzw. als Richter am Verwaltungsgericht anstreben. Vielmehr vermitteln die Veranstaltungen im Schwerpunktbereich insbesondere auf den Gebieten Öffentliches Wirtschaftsrecht, Umweltrecht und Recht der Öffentlichen Abgaben auch wichtige berufsqualifizierende und bereits anwendungsorientierte Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie später für den Rechtsanwalt (vor allem als Fachanwalt für Verwaltungsrecht) oder Justitiar eines Wirtschaftsunternehmens oder -verbandes unerlässlich sind. Insbesondere ist eine praxisorientierte Befassung mit dem Bau- und Planungsrecht im Zusammenhang mit einer vertieften Betrachtung des Immissionsschutzrechts von großer Bedeutung. Die Angebote zur Rechtsgestaltung im Öffentlichen Recht geben zudem Gelegenheit, sich bereits im Studium mit grundlegender anwaltlicher Arbeitstechnik vertraut zu machen und dabei die gegenüber den anderen Rechtsgebieten zu beachtenden methodischen Besonderheiten im Öffentlichen Recht kennen zu lernen.

Während des Referendariats und auch nach dem Assessorexamen verbleibt in der Regel sehr wenig Zeit für eine Einarbeitung in Spezialgebiete des Öffentlichen Rechts. Deshalb ist es empfehlenswert, sich möglichst schon im Studium das spezifische methodische "Rüstzeug" anzueignen. Auf diese Weise werden die Studierenden auch zu einer zielgerichteteren Auswahl geeigneter Ausbildungsstellen und Ausbilder (insbesondere in der Anwaltsstation und in der Wahlstation des Referendariats) befähigt und können so ihre Berufschancen angesichts der schwieriger werdenden Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern.

In allen Fragestellungen des Schwerpunktbereichs wird sich als erheblicher "Standortvorteil" die Nähe zum Bundesverwaltungsgericht mit seinem Sitz in Leipzig erweisen. Bereits jetzt kooperieren die Lehrstühle der Fachrichtung Öffentliches Recht vielfach mit Richtern des Bundesverwaltungsgerichts.

Hinweise zum Ablauf des Schwerpunktbereichsstudiums und zu den Prüfungsanforderungen der Schwerpunktbereichsprüfung enthält die Website des Lehrstuhls von Professor Dr. Christoph Enders (http://www.uni-leipzig.de/~oeru/).

Internationaler und Europäischer Rechtsverkehr
Der Schwerpunkt umfasst zwei Bereiche internationaler und europäischer Rechtsanwendung, die, mit wechselseitigen Bezügen vor allem im Europarecht, zwei verschiedenen Berufsbildern zugeordnet sind. Auf einer Seite steht die Befassung mit den Institutionen des Europa- und Völkerrechts, den internationalen Organisationen und den Menschenrechten, die vorwiegend die berufliche Tätigkeit bei der EU, im diplomatischen Dienst und bei Internationalen Organisationen bestimmt. Auf der anderen Seite steht die Behandlung privat- und wirtschaftsrechtlicher Sachverhalte, die durch Staatsangehörigkeit oder Aufenthalt von Beteiligten oder Belegenheit von Sachen und Vertragsverhältnissen innergemeinschaftlichen oder internationalen Bezug aufweisen. Mit deren Bewältigung in Rechtsgestaltung und Zivilprozess sind in stetig wachsendem Maß Richter, Rechtsanwälte und Unternehmensjuristen befasst.

Diesen beiden Feldern entsprechend umfasst der Schwerpunkt zwei Bereiche (Zweige) von Pflichtfächern (je 8 SWS), aus denen der Studierende den Pflichtfachstoff eines Zweiges wählt, der den Prüfungsstoff der Schwerpunktklausur vermittelt:

Der Pflichtfachkatalog "Europarecht, Völkerrecht, Menschenrechte" umfasst Veranstaltungen zu den EU-Grundrechten, der EMRK, zur Vertiefung im Europarecht, zum Völkerrecht und zu den internationalen Organisationen.

Der Pflichtfachkatalog im "Internationalen und Europäischen Privatrechtsverkehr" vermittelt Kenntnisse im Internationalen Privatrecht, dem Europäischen und Internationalen Zivilprozessrecht sowie dem UN-Einheitskaufrecht (CISG).

Die Wahlpflichtfächer erlauben nach Wahl der Studierenden eine weitere Vertiefung in dem von ihnen gewählten Bereich; hier bietet sich in Vertiefung des "Internationalen und Europäischen Privatrechtsverkehrs" beispielsweise eine international-wirtschaftsrechtliche Ausrichtung oder eine Vertiefung im internationalen Erb- und Familienrecht an, die jeweils auch mit einer rechtsvergleichenden Befassung mit ausländischen Rechtsordnungen verbunden werden können. Es bietet sich aber auch eine die beiden Bereiche übergreifende Auswahl von Wahlpflichtfächern an, die es z.B. erlaubt, an den Pflichtfachkatalog "Europarecht, Völkerrecht, Menschenrechte" Veranstaltungen zu den vielfach europarechtlich geregelten Materien des (Internationalen) Privatrechts anzuschließen.

Zu beiden Zweigen des Schwerpunktbereichs bietet die Juristenfakultät die Möglichkeit einer postgraduierten Qualifizierung durch zwei Aufbaustudiengänge an, die an die beiden Pflichtfachkataloge anschließen und den Erwerb des Master of European Law (LL.M. Eur) vorsehen. Über diese Aufbaustudiengänge können auch Auslandsstudien, welche die Fakultät im Rahmen des EU-Programms SOKRATES anbietet, bereits gewinnbringend in grundständige Studium integriert werden.

Bank- und Kapitalmarktrecht
Im Schwerpunktbereich "Bank- und Kapitalmarktrecht" stehen das Recht der Bankgeschäfte und die für den Kapitalmarkt geltenden Vorschriften im Mittelpunkt.

Das Recht der Bankgeschäfte umfaßt den Zahlungsverkehr, das Aktiv- und Passivgeschäft der Kreditinstitute sowie weitere Bankdienstleistungen, jeweils auch in ihrem internationalem Bezug. Neben der zivilrechtlichen Seite ist auch das einschlägige Aufsichtsrecht einbezogen. Auf beiden Feldern wird die Rechtslage und vor allem die Entwicklung durch europarechtliche Vorgaben bestimmt, die demgemäß einen wichtigen Platz einnehmen.

Das Kapitalmarktrecht erfaßt insbesondere das Recht der Börsen, das Recht des Wertpapierhandels und bezieht auch einschlägige Teile des Rechts der Kapitalgesellschaften ein. Auch hier spielen die europarechtlichen Vorgaben eine erhebliche Rolle, und zwar sowohl im Bereich des Zivilrechts als auch des Aufsichtsrechts. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Pflichten der Finanzdienstleister (Information, Beratung und korrekte Durchführung), insbesondere bei Finanztermingeschäften.

Über das herkömmliche Wertpapierrecht hinaus werden neuere Entwicklungen bei der Unternehmensfinanzierung und der Verbriefung von Forderungen einbezogen (zB ABS-Transaktionen). Entsprechendes gilt für Aktienanleihen, Optionsscheine und andere moderne Wertpapierarten.

Wahlweise werden ergänzend Lehrveranstaltungen zu den wirtschaftlich relevanten Teilen des Zivilrechts sowie auch den einschlägigen Teilen des Steuerrechts angeboten.

Der Schwerpunktbereich ist nicht nur mit der beruflichen Perspektive des Bankjuristen verbunden, sondern auch für Unternehmensjuristen mit dem Schwerpunkt Finanzierung konzipiert. Nicht zuletzt wird künftigen Anwälten mit wirtschaftsrechtlichem Schwerpunkt das Rüstzeug für ein wichtiges Feld anwaltlicher Tätigkeit mitgegeben.

Kriminalwissenschaften
Der Schwerpunktbereich "Kriminalwissenschaften" bietet eine Vertiefung in allen Berufsfeldern der Strafrechtspflege.

Kriminalität stellt eine besondere Herausforderung für den sozialen Rechtsstaat dar, zumal unter Bedingungen zunehmender Globalisierung. Die Kenntnis allein des Strafgesetzbuches reicht mittlerweile nicht mehr aus, um als Staatsanwalt, Verteidiger, Richter, Jurist im Strafvollzug oder an anderer Stelle in der Strafrechtspflege verantwortungsvoll zu wirken. Einesteils ist eine Vielzahl von Delikten mittlerweile nur noch in Nebengesetzen erfasst. Anderenteils bedarf es des geschulten Einblicks in die Entstehungsgründe von Verbrechen und in die Wirkungsweise von Rechtsfolgen, um angemessen auf Kriminalität reagieren zu können. Schließlich ist die forensische Praxis in besonderem Maße durch ein Strafprozessrecht geformt, das in immer größerem Umfang durch internationale Zusammenarbeit geprägt ist.

Der Schwerpunkt Kriminalwissenschaften fasst alle diese Gebiete unter dem Gesichtspunkt einer "Gesamten Strafrechtswissenschaft" zusammen.

Dabei ist er nicht in Zweige untergliedert, sondern integrativ konzipiert. Dementsprechend folgt sein Studienangebot unmittelbar der in Studien- und Prüfungsordnung (§ 27 Abs. 1 Stud O, §§ 20 Abs. 1, 22 PrüfO) getroffenen Unterscheidung von Pflichtfächern, Wahlpflichtfächern sowie Seminaren und Übungen.

Die Vorlesungen zu den Pflichtfächern (obligatorisches Studienangebot), die grundsätzlich alle 2 Semester angeboten werden, bieten neben einer Vertiefung zum Besonderen Teil des Strafgesetzbuches und zum Strafverfahrensrecht zudem Einblicke in die Rechtsfolgen der Tat und in die Grundlagen der Kriminologie. Die Vorlesungen zu den Wahlpflichtfächern (fakultatives Studienangebot), die zum Teil in Zusammenarbeit mit Praktikern und mit Kollegen anderer Fakultäten und Hochschulen veranstaltet werden, haben besonders die Gebiete Nebenstrafrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht, Transnationales Strafrecht, Strafverteidigung, Revisionsrecht, Strafvollzugsrecht, Jugendstrafrecht, Kriminologie, Rechtsmedizin und Kriminalistik zum Gegenstand; sie finden in der Regel alle 2 - 4 Semester statt und bilden zusammen mit den Pflichtfachvorlesungen die strafrechtlichen Forschungs- und Lehrschwerpunkte der Fakultät und damit deren strafrechtliches Profil ab. Seminare (gelegentlich auch Übungen) werden zu wechselnden Themen angeboten; die nachstehend im "Curriculum" des Schwerpunktbereichs aufgeführten Seminarthemen, die das strafrechtliche Seminarangebot der letzten 5 Semester wiedergeben, dienen der Orientierung darüber, welche Probleme und Fragestellungen typischerweise zum Gegenstand kriminalwissenschaftlicher Seminare an der Juristenfakultät gemacht werden.

Um den universitären Teil des Examens abzulegen, muss neben einer vierstündigen Aufsichtsarbeit im Schwerpunktbereich eine wissenschaftliche Studienarbeit angefertigt werden, deren Regelform ein Referat im Rahmen eines Seminars des Schwerpunktbereichs (Prüfungsseminar) ist. Das Thema der wissenschaftlichen Studienarbeit muss im wesentlichen einem anderen Teilgebiet entstammen als der Stoff der Klausur. Die Zulassung zum Examen setzt die erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar des Schwerpunktbereichs "Kriminalwissenschaften", eines anderen Schwerpunktbereichs oder auch zu einem Rechtsgebiet des Pflichtstudiums voraus (Zulassungsseminar).

Folgende Professoren der Juristenfakultät lehren gegenwärtig im Schwerpunktbereich "Kriminalwissenschaften": Professor Dr. Michael Kahlo (Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie), Professor Dr. Diethelm Klesczewski (Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht und Europäisches Strafrecht), Professor Dr. Heribert Schumann, M.C.L. (Lehrstuhl für Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Jugendschutzrecht) sowie PD Dr. Hendrik Schneider (als Vertreter des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie und Strafvollzugsrecht, vormals Professor Dr. Manfred Seebode). Außerdem ist die Einbeziehung von Richterinnen und Richtern des in Leipzig ansässigen 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofs und von Fachleuten des Sächsischen Landeskriminalamtes in die Lehre vorgesehen.

Information, Telekommunikation und Medien
Der Schwerpunkt Information, Telekommunikation und Medien erfüllt das unerlässliche Bedürfnis in einer demokratischen Informationsgesellschaft nach kompetenten Juristen in den einschlägigen Rechtsgebieten, die sich der Chancen und Risiken gleichermaßen bewusst und die in der Lage sind, die vielfältigen Konflikte zwischen Informationsinteressen und Persönlichkeitsschutz, zwischen technischem Fortschritt und rechtlichen Ordnungen, zwischen demokratischem Auftrag und wirtschaftlichen Zwängen zu erfassen. Neben den Funktionen der Medien für die demokratische Willensbildung haben sich wesentliche Veränderungen der menschlichen Kommunikation in vielen Gebieten ergeben. Sie - auch im internationalen Kontext - rechtlich zu erfassen und zu umhegen ist eine fortgesetzte Aufgabe und Herausforderung - gerade weil sich Information und Kommunikation dem Zugriff der nationalen Rechtsordnung entziehen. Auch dafür bedarf es der Ausbildung des entsprechenden Sachverstandes rechtlicher Art. Zudem bietet sich damit zugleich ein neues Arbeitsgebiet an, auf dem junge Juristen ein interessantes berufliches Tätigkeitsfeld finden können. Am Medienstandort Leipzig schien es daher geradezu unerlässlich, diesen Schwerpunkt anzubieten.

Rechtsberatung, Rechtsgestaltung, Rechtsdurchsetzung
Die Juristenausbildung erfolgt traditionell aus dem Blickwinkel der richterlichen Tätigkeit. Der Schwerpunktbereich "Rechtsprechung - Rechtsgestaltung -Rechtsdurchsetzung" dient der wissenschaftlichen Vertiefung des Zivilrechts einschließlich des Prozess- und Vollstreckungsrechts unter der Perspektive des handlungsbezogenen Umgangs mit der Rechtsordnung, wie sie etwa von einem Rechtsanwalt zugrunde gelegt wird. Die Fragen der anwaltlichen Vertragsgestaltung und Prozessführung bis hin zur Zwangsvollstreckung bilden einen wesentlichen Bestandteil der Schwerpunktausbildung.

  • Pflichtfächer sind die Veranstaltungen
  • Rechtliche Gestaltung
  • Zivilprozessrecht
  • Zwangsvollstreckungsrecht.
  • In den Wahlpflichtfächern werden angeboten
  • Veranstaltungen zur Praxis der Vertragsgestaltung, insbesondere im Familien-, Erb-, Gesellschafts- und Immobilienrecht
  • Insolvenzrecht und Sanierung;
  • Anwaltsrecht (Berufsrecht, Haftungsrecht, Praxis des Anwaltsberufs) und
  • Schiedsverfahren/Schlichtung/Mediation.
Daneben bietet der Schwerpunkt praktische Übungen zur Strategie in Prozess und Zwangsvollstreckung und zu Moot-Courts an.

Die Seminare beziehen sich auf Fragen der Vertragsgestaltung und der Rechtsdurchsetzung bzw. Rechtsverteidigung.

Der Schwerpunkt soll Studenten schon sehr früh auf den Anwaltsberuf vorbereiten. Die Teilnahme an dem Projekt "Anwalt Studieren!" ergänzt das Angebot. Der Schwerpunktbereich wird unterstützt vom Institut für Anwaltsrecht der Juristenfakultät.

Unternehmen, Arbeit, Steuern
Der wirtschaftsrechtlich orientierte Schwerpunktbereich soll interessierten Studenten die Möglichkeit bieten, vertiefte Kenntnisse in den Gebieten Unternehmen, Arbeit und Steuern zu erlangen und Einblicke in diese zugleich spannende und vielschichtige Materie zu gewinnen, die auch nach dem Studium vielfältige Berufschancen eröffnen. Der weitgesteckte Rahmen dieses Schwerpunkts soll nicht abschrecken, sondern als Chance verstanden werden, eigene Interessenschwerpunkte zu setzen und diesen tiefgründig nachzugehen. Erwartet wird von dem einzelnen Studenten nicht die umfassende Kenntnis aller Themenkomplexe. Vielmehr sollen Unterschwerpunkte (Zweige) im Unternehmensrecht, Arbeitsrecht sowie Steuerrecht gebildet werden. Im Rahmen der Studienordnung können je nach Interesse und Wissensdrang die verschiedenen Zweige ausgewählt, aber auch miteinander verknüpft werden. Die Vielgestaltigkeit des Schwerpunktes eröffnet also zusätzliche Spielräume, deren Nutzung jedem Studenten weitgehend selbst überlassen bleibt.

Nach der eigenen Vorgehensweise bei der Gewichtung der einzelnen Themenkreise bestimmt sich auch die Prüfungsleistung im Schwerpunktbereich. Die Auswahl der Seminare erfolgt durch die Studierenden, und auch hinsichtlich der Abschlussklausur besteht eine Wahlmöglichkeit, ob die Klausur vorwiegend im Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht oder Steuerrecht angesiedelt sein soll.

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