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18.12.2007 / 19:00 Uhr Aufklärung der Aufklärer. Herbert Marcuses Arbeiten über Deutschland im US-amerikanischen Geheimdienst. mit Prof. Dr. Detlev Claussen Ort: Hochschule für Grafik und Buchkunst (Wächterstr. 11), Raum 2.41
07.01.2008 / 19:00 Uhr Herberts Hippopotamus. Marcuse und die Studenten. (Filmvorführung und Diskussion mit Dr. Peter-Erwin Jansen) Ort: Conne Island (Koburgerstr. 3)
08.01.2007 / 19:00 Uhr Heideggers Denken – das schien uns anzugehen. mit Dr. Peter-Erwin Jansen Ort: Hochschule für Grafik und Buchkunst (Wächterstr. 11), Raum 2.41
15.01.2007 / 19:00 Uhr Revolution oder Reform? Marcuse und Popper – eine Konfrontation. (Filmvorführung) Ort: Hochschule für Grafik und Buchkunst (Wächterstr. 11), Raum 2.41
Es gibt wohl kein historisches Ereignis, das die Kritische Theorie nachhaltiger beeinflusst hat als der Nationalsozialismus. Dessen negativen Höhepunkt bildete Auschwitz, die rein ideologisch begründete Vernichtung der europäischen Juden. Nachzeichnen lässt sich diese Erfahrung auf biographischer Ebene, dem durch den deutschen Faschismus erzwungenen Exil, wenngleich es im Vergleich zum tragischen Tod Walter Benjamins im französischen Port Bou noch ein mildes Schicksal darstellte. Zum anderen aber – und hierauf möchte die Veranstaltungsreihe sich konzentrieren – ist der Nationalsozialismus auch der Dreh- und Angelpunkt der Theorieentwicklung von Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse et. al. seit den 30er Jahren, und das auf sehr ambivalente Weise. Er stellte die Kritischen Theoretiker vor nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten, was sich in deren Diskussionen nachvollziehen lässt. Ihnen gemeinsam ist die Intention, am Nationalsozialismus das Neue vom Alten zu unterscheiden, ihn in Beziehung zu setzten zu den grundsätzlichen Modi kapitalistischer Vergesellschaftung und aus all dem die entsprechenden Konsequenzen für eine emanzipatorische Theorie und Praxis zu ziehen. Vor dem Hintergrund jenes Ausnahmezustandes, sollte weder das Progressive, noch das Barbarische des kapitalistischen Normalzustandes aus dem Blick geraten. In ihren Analysen stellten sie sowohl die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Ökonomie, als auch nach der Beziehung von Staat und Individuum. Deutlich wird dieser Problemzusammenhang bspw. in den Diskussionen um Friedrich Pollocks Begriff des Staatskapitalismus. Ähnliches ließe sich auch für die von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer verfasste Dialektik der Aufklärung sagen. Die Wucht der Erfahrung des Nationalsozialismus wird dort inhaltlich sinnfällig: Erst sie hat die Gesellschaftskritik mit Elementen der Zivilisationskritik angereichert. Erst sie hat dem Antisemitismus die entscheidende Scharnierfunktion zwischen einem partikularen Phänomen und einer allgemeinen historischen Bewegung zugewiesen. Es ist für die Theorie keineswegs unerheblich, dass diese Auseinandersetzung im wesentlichen „weit vom Schuss”, wie es in Adornos Minima Moralia heißt, im sicheren Amerika stattgefunden hat. Die USA boten Sicherheit auf biographischer Ebene, auf der theoretischen verkörperten sie den kapitalistischen Normalzustand in seiner fort-geschrittensten Form. In dieser Konstellation leisteten die emigrierten Kritischen Theoretiker in ganz verschiedenen Bereichen ihren persönlichen Beitrag zum war effort der alliierten Kriegsmächte, so auch Herbert Marcuse. Dieser hatte Deutschland bereits vor dem Machtantritt Hitlers verlassen, war in den Jahren 1942 bis 1951 beim US-amerikanischen Geheimdienst tätig (wie auch Leo Löwenthal, Franz L. Neumann und Friedrich Pollock) und befasste sich dort mit den deutschen Zuständen und ihrer Bekämpfung. Seine Feindanalysen gehören thematisch in das Spannungsfeld der in Amerika realisierten Studien zum autoritären Charakter, in deren Schatten sie lange standen. Ihre Neuauflage gibt Anlass, sich den Gehalt und die mögliche Aktualität dieses Dokuments der kritisch theoretischen Faschismusanalyse erneut zu vergegenwärtigen. Der Veranstaltung mit dem Hannoveraner Soziologen Prof. Dr. Detlev Claussen geht es dabei vor allem um das Nachvollziehen der theoretischen Konfrontationen und Überlagerungen, die der Eindruck des Neuen – als das sich der Faschismus präsentierte – vor dem Hintergrund eines marxistisch inspirierten Gedankengebäudes hervorrief. Die Feindanalysen lassen sich dabei als Dokument lesen, in dem die amerikanische Erfahrung, d.h. das Leben in der „bürgerlichen Gesellschaft par excellence“, der Eindruck des Nationalsozialismus als negativer Fixpunkt des Saeculums, sowie die Studien der Kritischen Theorie über kapitalistisch vergesellschaftete Individuen in eine neue, wenngleich ambivalente Konstellation übergehen. Was Marcuse im Zusammenhang dieser Studien als „neue deutsche Mentalität“ charakterisierte und deren historische Spuren, sowie ihr Fortleben er aufzeigen wollte, hatte seinen Ort nicht nur in der Politik oder der Arbeiterschaft. Vielmehr war dem Faschismus eine geistige Bewegung in der Philosophie und Staatstheorie vorausgegangen bzw. hatte ihn begleitet. Der Bruch mit seinem früheren Lehrer Martin Heidegger, der sich zwar schon mit Marcuses Rezeption der 1932 erschienenen Pariser Manuskripte von Karl Marx andeutete, wurde im Zuge der Einsicht in diese Vorgeschichte unausweichlich. Das Verhältnis Marcuses zu Martin Heidegger bietet dabei nicht nur biographischen Zündstoff, sondern auch theorieimmanentes Konfliktpotential. Inwieweit Elemente des Autors von Sein und Zeit bei Marcuse vorhanden sind, wird der Gegenstand der Veranstaltung mit dem Herausgeber der Nachgelassenen Schriften Herbert Marcuses und Leo Löwenthals, Dr. Peter-Erwin Jansen, sein. Dabei wird gesondert, in Form eines Filmabends mit Diskussion, auf Marcuses „amerikanische Erfahrung“ einzugehen sein. Sie, sowie Marcuses plötzliche durchschlagende Wirkung innerhalb der amerikanischen Studentenbewegung sind Thema des Dokumentarfilms Herberts Hippopotamus. Wie nachhaltig, aber auch wie unterschiedlich die Erinnerung an den Nationalsozialismus im Wirken der Kritischen Theoretiker weiterlebte, wird am Verhältnis zur Studentenbewegung, welches sich im Falle Marcuses deutlich von dem Horkheimers oder Adornos unterschied, offensichtlich. Die Polemik von Jürgen Habermas, der die studentische Opposition des „Linksfaschismus“ bezichtigte, bildet hier sozusagen die eine Seite des Spektrums, Herbert Marcuses Haltung möglicherweise die andere. Schließlich wird mit dem Schwenk zum „Positivismusstreit“ der 60er Jahre noch einmal ein anderer Aspekt des hier umrissenen Verhältnisses angesprochen. Die kapitalistische Vergesellschaftung und ihre – in der Wahrnehmung Adornos und Marcuses – Radikalisierung im Nationalsozialismus wirft auch einen Schatten auf das Verhältnis von Wissenschaft und Philosophie. Gerade dieses hatte der Positivismus im Anschluss an die Diskussionen des Kritischen Rationalismus des Wiener Kreises grundlegend anders bestimmt. Das Ausgehen von den Tatsachen, das Stillhalten vor dem Faktischen, die Beschränkung von Theorie auf bloße Methode, bei dem ein emanzipatorisches Telos oder jeglicher normative Anspruch außen vor blieb, stand für Adorno und für Marcuse in struktureller Analogie und affirmativer Beziehung zu den Tendenzen, die für das Versinken der Welt „in einer neuen Barbarei“ verantwortlich waren. Die „Ideologie der Sachlichkeit“, wie sie Hannah Arendt am Gegenstand des Antisemitismus herausgestellt hat und auf die Moderne ausweitete, war der Kritischen Theorie ein Element deutscher Ideologie. Der Gegenstand des Positivmusstreits war somit nicht bloß eine Frage der Methode. Zumindest aus Sicht der Kritischen Theoretiker ging es ums Ganze, d.h. um die Möglichkeit von kritischer Wissenschaft überhaupt. Darüber gibt, in eindrucksvoller Weise, eine Fernsehproduktion des Bayrischen Rundfunks von 1971 Aufschluss, die Interviews mit Karl. R. Popper und Herbert Marcuse dokumentiert. Mit der Veranstaltungsreihe ist kein bloßes akademisches Interesse verbunden, obgleich das lebendighalten einer Tradition, die im modernen Wissenschaftsbetrieb zu verschwinden droht, keine gering zu schätzende Intention ist. Movens des Arbeitskreises Kritische Theorie stellt vor allem das anhaltende Interesse an emanzipatorischer Theorie und Praxis dar. Vor dem Hintergrund einer veränderten Weltlage nach dem Zusammenbruch des real-existierenden Sozialismus 1989 einerseits, sowie aktueller politischer Probleme anderseits, dem Erstarken autoritär-religiöser Bewegungen, wie dem Islamismus, der anhaltenden Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Normalbetriebs, kann dieses Interesse allerdings nicht in bloßer Reaktivierung und Übernahme bestehen. Vielmehr befragt die historische Urteilskraft die Gegenstände unserer Diskussion nach ihrem genetischen Zusammenhang auf der einen und ihrem Aktualisierungspotential auf der anderen Seite.

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Dynamisiert durch einen v.a. technisch bedingten Erkenntnisfortschritt über die Funktionsweise neuronaler Systeme entstanden in den letzten Jahren eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Diskussionen. Paradigmatisch hierfür steht wohl der sogenannte Neurodeterminismus (vertreten z.B durch Wolf Singer oder Gerhardt Roth), der am konsequentesten (bloß metaphysische) Kategorien wie Entscheidungsfreiheit und freier Wille von Individuen im Orkus der Vorgeschichte neuro-biologischer Erkenntnisse entsorgen zu können glaubt. Stilblüte und konsequente Fortschreibung dieser Diskussion sind die aktuellsten (wieder sehr populären) Behauptungen qua neurologischer Verhaltensdeterminierung vorherbestimmter Ver-bre-herexistenzen. Andere Debattenstränge (Neuropsychoanalyse, Neurophilosophie usw.) versuchen unter Bewußtsein der kategoriellen Schwierigkeiten eine Vermittlung von philosophischer Terminologie und phänomenologischer Erkenntnis auf der einen Seite und neurobiologischen Erkenntnissen auf der anderen Seite. Dies ist selbstverständlich kein reibungsloser begrifflicher Harmonisierungs-prozess und stößt allenthalben auf die Sperrigkeit von Kategorien wie ich „Ich“ oder „Bewußtsein“, die sich durch ihre neurophysiologische Korrelate, wie exakt auch immer bestimmt, nicht begründen lassen. Das Bewußtsein lässt sich auch nicht einfach als logische Unmöglichkeit eliminieren, weil das Bewusstsein mit Descartes gesprochen die letzte logische Gewissheit darstellt und dem Denken strukturell inhärentes Prinzip ist. Insbesondere in der klinischen Psychologie aber erlangten neurophysiologische Erklärungsansätze, die begriffliche Unterscheidungen wie „Ich“ oder „Bewusstsein“, längst hinter sich gelassen haben, für einst orginär psychologisch gehaltene Phänomene den Status praktischer Anwendungs-maßstäbe, indem sie die Therapeutik einzelner Störungsbilder in Richtung neurochemischer Intervention transformierten. Man sollte also weder der Hypostasie neuro-biologischer und –physiologischer Erkenntnisse auf den Leim gehen, noch diese als Possenspiel empiristischer, begriffsloser positiver Wissenschaft zu ignorieren können glauben wie manche Kritiker dies tun.
Wir würden gerne im Rahmen eines regelmäßigen Lesekreises noch genauer abzusteckende Fragen aus diesem Themendunstkreis diskutieren. Wie genau wäre noch mit allen anderen hinzustoßenden Interessierten zu diskutieren. Sinnvoll wäre sicher, da Debattenbeiträge, Forschungsveröffentlich-ungen und Literatur zu diesen Themen mittlerweile nahezu unüberschaubaren Umfang erreicht haben, sich zunächst mit einigen wichtigsten Autoren zu beschäftigen, sie entweder gemeinsam zu lesen oder in einer Art Kolloqium sich diese gegenseitig vorzustellen. Dies schließt explizit die wichtigsten Fortschritte der Hirnforschung selbst ein. Die Häufigkeit von Treffen und deren konkreter Rahmen sind ebenfalls abhängig von den Vorstellungen aller Interessierten. Bei Interesse meldet Euch bitte unter der folgenden Emailadresse:
carsten.wonneberger@medizin.uni-leipzig.de
Es wäre gut, wenn Ihr gleichzeitig Euren persönlichen Hintergrund (besondere Themen-schwerpunkte, Interessengebiete, Vorkenntnisse und Vorerfahrung) kurz darstellen könntet.
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