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600 Jahre Kunst der Universität Leipzig
Ständige Ausstellung im Rektoratsgebäude
Ritterstrasse 26
04109 Leipzig
ganzjährig geöffnet
jeden Montag 11 bis 15 Uhr
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Die Kunstsammlung der Universität
Der Kunstbesitz der Universität Leipzig
umfasst Werke europäischer Malerei, Skulptur, Graphik
sowie Kunsthandwerk des 14. bis 20. Jahrhunderts, die facettenreich
die wechselvolle, fast sechshundertjährige Geschichte
der zweitältesten Hochschule Deutschlands widerspiegeln.
Die weniger planvoll aufgebaute als vielmehr historisch gewachsene
Sammlung ist als Gesamtzusammenhang bedeutsam und umfasst
zugleich bedeutende Einzelstücke. Die Ausstellung im
Erdgeschoss des Rektoratsgebäudes verbindet einen Rundgang
durch die Geschichte der Alma mater mit einem Querschnitt
durch die Sammlung.
Die
Frühzeit
der Universität
Reformation
und Barock
Die Landesuniversität
Kunst der Gegenwart
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Die Frühzeit
der Universität
Historisch geht die Universität Leipzig auf die Universität
Prag zurück: Nachdem deutsche Professoren, Magister
und Studenten aufgrund politischer Benachteiligung von dort
in Richtung Sachsen ausgezogen waren, gründeten sie
in Leipzig 1409 mit päpstlicher Erlaubnis und landesherrlicher
Förderung eine neue Hochschule. Friedrich IV. der Streitbare
und Wilhelm II. schenkten Immobilien und gewährten das
Recht auf Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit. Den
Sonderstatus der Universität verkörpern u. a. die
Insignien, darunter das Zepterpaar von 1476 [3] und das kleine
Rektorsiegel von 1592. Nach dem Vorbild Prags gliederte sich
auch die neue Universität in vier Fakultäten und
vier Nationen. Von letzteren künden vier Wappenschilde
des 17. Jahrhunderts aus der „Nationenstube“ (Aula).
Viele Aspekte der Universitätsgeschichte sind heute
nur mehr in ihrer Kunstsammlung erfahrbar. Von den ursprünglichen
Universitätsgebäuden bleibt keine Spur: Die Grundstücke
wurden immer wieder neu überbaut. Die ältesten
Kollegiengebäude befanden sich zwischen Schlossgasse
und Petersstraße, wo der Rat der Stadt bereits vor
der offiziellen Gründung den Magistern ein Gebäude
zur Verfügung gestellt hatte. Später zum „Kleinen
Fürstenkolleg“ erweitert, beherbergte es ab 1508
die juristische Fakultät („Petrinum“, ab
1881 „Juridicum“). In dem Gebäudekomplex
zwischen östlicher Stadtmauer (heute Goethestraße)
und der Ritterstraße entstand als Sitz der Artistenfakultät
das „Große Fürstenkolleg“ mit Studentenwohnungen
(Bursen) und einem großen, auch als Aula („Nationenstube“)
genutzten, beheizbaren Hörsaal (Vaporarium), ferner
das „Neue Kolleg“ bzw. „Rote Kolleg“.
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Reformation
und Barock
Die Reformation 1539 bescherte der Universität eine
räumliche Erweiterung: Im Jahre 1543 schenkte Kurfürst
Moritz das säkularisierte Dominikanerkloster St. Paul
südlich der Grimmaischen Straße – heute
der Bereich zwischen der Grimmaischen Straße, Universitätsstraße,
Augustusplatz und Moritzbastei. Von der reichen Ausstattung
des Klosters zeugen wertvolle mittelalterliche Bildwerke,
wie die Holzskulptur des lehrenden Thomas von Aquin [7] und
eine beidseitig bemalte Altartafel, beide um 1400. Der Hochaltar
der Paulinerkirche aus dem späten 15. Jh. findet als
Leihgabe der Universität in der Thomaskirche Aufstellung.
Von der engen Verbindung der Universität zur Reformation
künden zahlreiche Luther- und Melanchton-Bildnisse,
protestantische Lehrbilder wie Christus und die Kindlein
aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. [4], und großformatige
Gemälde-Epitaphien, wie jenes für Johann Goritz
von 1553.
Für die aufstrebende Universität stellte einerseits
der Erwerb der bedeutenden Klosterbibliothek eine entscheidende
Verbesserung des Lehrbetriebs dar. Andererseits bot das Kloster
Platz für neue Auditorien, Refektorien und Dormitorien.
Die zum Kloster gehörige, 1240 geweihte Paulinerkirche
wurde nach ihrer Umgestaltung in eine protestantische Predigtkirche
1545 feierlich als Universitätskirche in Besitz genommen.
Im Kirchenraum fanden feierliche Disputationen und Promotionen
der Fakultäten sowie Bestattungen der Universitätselite
statt. Bis ins späte 18. Jahrhundert diente die Kirche
als Grablege. So entstand ein bedeutendes Ensemble neuzeitlicher
Epitaphien, das auch später als Ort der Erinnerung und
Selbstvergewisserung fungierte, bis die Kirche 1968 sozialistischen
Städtebauplänen weichen musste. Die wertvolle Ausstattung
jedoch konnte weitgehend geborgen werden. Die Ausstellung
zeigt zahlreiche bereits restaurierte Werke, andere harren
noch ihrer Wiederherstellung und sollen 2009 im Neubau ihren
Platz finden.
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Die
Landesuniversität
Ab 1830 wurde die Universität Leipzig in eine moderne
Landesuniversität umgestaltet. Dies ging mit einer regen
Bautätigkeit einher, die durch zahlreiche Stadtansichten
dokumentiert ist. Zwischen 1830 und 1836 entstand nach Entwürfen
A. Geutebrücks ein Hauptgebäude am Augustusplatz
(Augusteum). Die Skulpturenausstattung von E. Rietschel (1801 – 1864),
darunter der Fassadengiebel und ein Reliefzyklus in zwölf
Tafeln für die Aula, ging 1944 verloren, erhalten ist
dagegen das „Schinkelportal“. Auch damals neu
errichtete Institutsgebäude auf dem Areal des Paulinerklosters
und im akademischen Viertel in der südöstlichen
Vorstadt sind durch Lithographien und Stiche nachvollziehbar.
Um 1900 folgte ein erneuter Bauschub. Am Augustusplatz wurde
zwischen 1892 und 1898 nach Entwürfen A. Roßbachs
das Augusteum Geutebrücks gründerzeitlich überformt
[5]: Neben einer neuen Fassade zum Platz hin – die
Ausstellung zeigt zwei alternative Entwurfsmodelle – erhielt
er eine repräsentative Wandelhalle und eine größere
Aula. Auch die neogotische Giebelfassade der Universitätskirche
beruhte auf einem Entwurf Roßbachs.
Aus der Porträtsammlung
des 19. Jhs. sind u. a. das Porträt des Altphilologen
Gottfried Hermann, gemalt 1841 von Vogel von Vogelstein,
oder die Marmorbüste
des Kunsthistorikers Anton Springer von Carl Seffner [8]
ausgestellt. Die reichen Grafikbestände umfassen u.
a. den zeichnerischen Nachlass von W. G. Tilesius von Tillenau
(großformatige Aquarelle
einer Weltreise mit einer russischen Delegation 1803 – 1806),
Handzeichnungen von B. und C. Genelli sowie eine umfangreiche
Sammlung historischer Bilderbögen. Besonders eng war
die Universität mit dem Leipziger Künstler M. Klinger
(1857 – 1920) verbunden, der in der Sammlung mit der
Marmorbüste des Psychologen
W. Wundt vertreten ist. Trotz weitreichender Schäden
im 2. Weltkrieg blieb von der Gebäudeausstattung vieles
erhalten. Die Marmorbüste Springers etwa gehörte
zur Ausstattung des Augusteums.
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Kunst
der Gegenwart
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Hochschule schnell wiedereröffnet,
in der Folge jedoch in eine sozialistische Lehranstalt umgebildet
und 1953 in
„Karl-Marx-Universität Leipzig“ umbenannt.
Entsprechend ist die Kunst des Sozialismus in der Sammlung
zahlreich vertreten. Mit der skandalösen Sprengung der
Universitätskirche St. Pauli und des Augusteums 1968
trat die sozialistische „Neugestaltung“ des Augustusplatzes
in eine neue Phase. Auch die Kunstwerke standen unter ideologischen
Vorzeichen, insbesondere das Fassaderelief Aufbruch sowie
das Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz von Werner Tübke,
beide Teil der Ausstattung des zwischen 1970 und 1978 errichteten
Hauptgebäudes. Ab den 1970er Jahren ließ die Universität
einzelne Professoren portraitieren, darunter Altmagnifizenz
G. Mayer durch H. Wagner [9]. Vom Rat des Bezirkes Leipzig
erhielt die Universität Gemälde als Dauerleihgaben.
Nach der Wende übernahm die Universität die Kunstsammlung
der Sporthochschule (DHfK), darunter der Weitspringer von
Willi Sitte. Neben Künstlernachlässen, u. a. von
H. E. Strüning und R. Oelzner, konnten Werke der Leipziger
Schule, wie von W. Mattheuer, W. Tübke, B. Heisig oder
auch von Heinz Zander [10] erworben werden. Einen Sammlungsschwerpunkt
bildet ferner Leipziger Druckgrafik.
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