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Die Geschichte der Kustodie
der Universität Leipzig

Die Kunstsammlung der Universität Leipzig ist ein historisch gewachsener Besitz, dessen erworbene Objekte erst nachträglich als Sammlung definiert wurden. Zwar hat die Universität bereits seit ihrer Gründung 1409 „Kunst“ in Auftrag gegeben, erworben oder geschenkt bekommen, jedoch erfolgte eine „Kunstverwaltung“ mit der dazugehörigen Organisation erst zu Beginn der 1970er Jahre. Zum kostbarsten Besitz der Universität gehören die Dokumente und Insignien, welche die Gesamtuniversität betrafen und unmittelbar mit dem Rektorenamt verbunden waren. Daneben besaßen aber auch die Kollegien, Nationen und Fakultäten wertvollen Eigenbesitz wie Statuten, fiskalische Bücher, wissenschaftliche Literatur und die Korporation repräsentierende Gegenstände, die als Teil der Gebäudeausstattung offenbar den Kustoden unterstanden. Das erste systematisch angelegte Verzeichnis über den universitären Kunstbesitz, das Inscriptorium der Stadt Leipzig, welches 1675 erstmals gedruckt wurde, verfasste der Theologe Salomon Stepner. Dieses enthält jedoch nur Kunstwerke, die selbst Inschriften tragen oder durch einen Beitext kenntlich gemacht sind. Ab 1913 setzte dann Prof. Felix Becker die Inventarisierung fort und verfasste das erste Kunstinventar der Gesamtuniversität.
 

 

Nach Aufhebung der Nationenstruktur 1830 war nun der akademische Senat für den universitätseigenen Kunstbesitz verantwortlich. Dieser ließ 1899 eine Arbeitsgruppe mit dem offiziellen Titel „Kommission zur Aufsicht über die Kunstschätze der Universität“ einrichten, die ein Inventar des Kunstbesitzes der Universität erstellen sowie nach Feststellung des Erhaltungszustandes der Kunstwerke geeignete Restaurierungs- und Schutzmaßnahmen prüfen sollte. Durch die dritte Hochschulreform der DDR 1968 wurde die Universität umgeformt, Fakultäten und Institute aufgelöst, Bibliotheken und Kunstbesitz zerstreut. Außerdem vernichteten die Sprengung der Universitätskirche und der Abriss des Augusteums im selben Jahr ebenfalls zahlreiche Kunstwerke. Als ersten „Kustos der Kunstsammlungen“ setzte der Rektor 1971 Rainer Behrends ein, dessen Tätigkeiten u.a. die wissenschaftliche Bearbeitung, Inventarisierung und Konservierung des Kunstbesitzes sowie die Ausstattung der Universitätsneubauten am Augustusplatz mit Kunstgegenständen beinhalteten.
 

Die Kunstwerke aus der Universitätskirche befanden sich zunächst in den Lagerräumen im Dimitroffmuseum, 1982/83 kam es zur Umlagerung in ein Kirchendepot. Um 1980/81 konnten die Magazin-, Sammlungs-, Büro- und Verwaltungsräume im Kroch-Haus bezogen werden. Kunstausstellungen der Kustodie fanden ab 1974 zunächst im Foyer des Universitäts-Hochhauses statt. Seit 1979 wurde dann für zeitgenössische Kunst die „Galerie im Hörsaalbau“ und seit 1983 das Ausstellungszentrum Kroch-Haus, das inhaltlich eher auf historische und universitätsgeschichtliche Ausstellungen ausgerichtet war, genutzt. Ab der Mitte und vor allem zum Ende der 1990er Jahre gab es auch in der Galerie im Hörsaalbau stärker auf die Universitätsgeschichte ausgerichtete Ausstellungen. Umgekehrt wurden in diesen Jahren im Kroch-Haus bekannte zeitgenössische Künstler ausgestellt. Zudem wurden in beiden Einrichtungen Ausstellungen gezeigt, die Bestände der Kunstsammlung öffentlich machten. Bis zur Schließung 2007 fanden in beiden Einrichtungen insgesamt rund 100 Ausstellungen statt. Außerdem wurde in der Goethestraße 3-5 ein Ort für die ständige Präsentation des historischen Kunstbesitzes gefunden. Ab 1995 wurden im Kellergeschoss des Rektoratsgebäudes in der Ritterstraße 26 neue Magazinräume geschaffen sowie im Erdgeschoss eine ständige Ausstellung der Kustodie, die „Studiensammlung“, eingerichtet, die 1997 eröffnet wurde.
 
 Am 2. April 2002 übernahm Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen die Kustodieleitung. Neben der Weiterführung der Ausstellungstätigkeit legte er seinen Arbeitsschwerpunkt unmittelbar auf die Restaurierung der Kunstwerke aus der ehemaligen Universitätskirche.

 

 

 

 
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