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Dipl.-Soz. Uta Karstein
geb. 1974 in Pritzwalk studierte Soziologie an der FU Berlin 2003-2006 Mitarbeiterin im DFG-Projekt: Generationenwandel als religiöser und weltanschaulicher Wandel. Das Beispiel Ostdeutschland. unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr, Universität Leipzig April 2006 bis März 2010 Stipendiatin der Evangelischen Studienstiftung e.V. Villigst Dissertationsvorhaben: Weltsichten, Alltagsmoral und soziale Praxis. Zum Wandel des religiös-weltanschaulichen Feldes in Ostdeutschland. Ein Beitrag zur Rezeption Pierre Bourdieus in der Religionssoziologie April 2010 bis März 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Seit November 2010 Mitarbeiterin im Institut für Kunstgeschichte im Projekt: "Sakralbauten in der Moderne. Gemeindlicher Kirchenbau in der Zeit beschleunigter Urbanisierung als 'eigensinniger' Prozess (ca. 1880-1930)" Forschungsschwerpunkte: Religionssoziologie, Kultursoziologie, Transformationsforschung, Biografie- und Sozialisationsforschung, weitere Interessen: Geschichte und Theorie der Soziokultur Publikationen
Weltsichten, Alltagsmoral und soziale Praxis.
Zum Wandel des religiös-weltanschaulichen Feldes in Ostdeutschland.
Ein Beitrag zur Rezeption Pierre Bourdieus in der Religionssoziologie
In meinem Dissertationsvorhaben wird es darum gehen, am Beispiel des ostdeutschen Säkularisierungsprozesses Weltsichten als Ausdruck und Ergebnis von gesellschaftlichen Deutungskämpfen zu thematisieren. In diesem Zusammenhang ist vor allem zu fragen, auf welche Weise tradierte religiöse Muster der Welt- und Selbstdeutung durch nicht-religiöse Weltsichten abgelöst und substituiert wurden. Jenseits der Postulierung von Säkularisierung als einer zwangsläufigen, gradlinigen Entwicklung oder dem Insistieren auf Religion als einer anthropologischen Notwendigkeit versteht sich die Arbeit damit als konkreter empirischer Beitrag zur Debatte über den religiösen und weltanschaulichen Wandel in einer Region Deutschlands. Das Hauptaugenmerk der Analyse liegt auf der subjektiven Dimension dieses Prozesses. Zu erklären ist, wie sich die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche in den Weltsichten von Individuen widerspiegeln – im Falle Ostdeutschlands ist das vor allem auch die Frage, wie der staatlich forcierte Säkularisierungsprozess subjektiv Plausibilität gewinnen konnte. Erst in der Beantwortung dieser Frage wird m.E. die heute festzustellende Nachhaltigkeit dieses Säkularisierungsprozesses erklärbar. Ich gehe davon aus, dass es bei der Rezeption gesellschaftlich institutionalisierter Weltsichten religiöser wie nicht-religiöser Art durch die Individuen zu vielfältigen – jedoch nicht beliebigen - Variationen kommt. Diese unterscheiden sich je nach gesellschaftlicher Ausgangslage, dem spezifischen Sozialisationskontext und dem biografischen Erfahrungshintergrund der Individuen. Durch die empirische Analyse soll das typologische Spektrum der für Ostdeutschland charakteristischen Weltsichten erfasst und dargestellt werden. Dabei kommt das Feldkonzept Pierre Bourdieus zur Anwendung, da dieses Konzept nicht nur erlaubt, die jeweiligen Weltsichten in ihrer Bezogenheit aufeinander zu thematisieren, sondern auch in ihrer Bedingtheit durch die sich wandelnden sozialen und politischen Verhältnisse. Der konflikthafte Charakter des religiös-weltanschaulichen Wandels und seine Auswirkungen auf das gesellschaftliche Machtgefüge stehen dabei im Vordergrund. Neben den für Ostdeutschland typischen Weltsichten soll auch thematisiert werden, wie sich diese jeweiligen Muster der Welt- und Selbstdeutung in der Organisation der Alltagswelt ihrer jeweiligen Träger widerspiegeln. Auf diese Weise kommen sie als Grundlage für Strategien der Vergemeinschaftung und Abgrenzung ebenso in den Blick wie in ihrem Verhältnis zu den jeweiligen moralischen Leitlinien der alltäglichen Lebensführung. Damit versteht sich die Arbeit als ein Beitrag im Kontext der Transformationsforschung, die die Frage nach dem Verhältnis von Stabilität und Wandel Ostdeutschlands aus einer religionssoziologischen Perspektive zu erhellen versucht. Als Datenmaterial dienen familienbiografische Interviews mit Vertretern dreier Generationen, die im Rahmen des DFG-Projektes „Generationenwandel als religiöser und weltanschaulicher Wandel. Das Beispiel Ostdeutschlands“ erhobenen wurden. Durch die Interpretation qualitativer Familieninterviews soll rekonstruktiv herausgearbeitet und dargestellt werden, in welchem Verhältnis Kontinuität und Wandel von religiös-weltanschaulichen Orientierungen und Praxismustern in den interviewten Familien über die (familialen) Generationen hinweg stehen und wie sich das Verhältnis vor dem Hintergrund zweier massiver gesellschaftlicher Umbrüche und der dazwischen liegenden Zeit gestaltet. |