Doktoranden im Bereich Vergleichende Kultur- und Gesellschaftsgeschichte




Susan Baumgartl:
Geschichtspolitische Deutungen und soziales Gedächtnis - die Erinnerung an den Herbst 1989 in Leipzig

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Universität Leipzig)

Abstract

Im Hinblick auf die in Kürze anstehenden Jubiläen - 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland, 20 Jahre Friedliche Revolution und 20 Jahre deutsche Einheit - finden zahlreiche geschichtspolitische Aktivitäten statt, die darauf gerichtet sind, öffentliche Geschichtsbilder und kollektive Deutungsprozesse nachhaltig zu prägen. Leipzig ist neben Berlin eine der Hauptbühnen für die Inszenierung der historischen Jahrestage 2009 und 2010. Die Untersuchung widmet sich dem geschichtspolitischen Handeln lokaler Akteure, den von ihnen gesetzten Themenschwerpunkten und historischen Deutungsmustern in Bezug auf die DDR und die Ereignisse 1989/90. Dabei wird gefragt, ob und wie die Akteure versuchen, ihre Interpretationen an gesellschaftliche Dispositionen rückzubinden und wie der Anspruch auf kollektive Geltung der angebotenen Geschichtsdeutungen begründet wird. In einem zweiten Schritt wird die Verständigung über und die Erinnerung an DDR-Vergangenheit im Alltag in den Blick genommen. Anhand von Gruppengesprächen soll nachvollzogen werden, welche Interpretationen auf privater Ebene relevant sind und worauf sich Leipziger Bürger beziehen, wenn es um die Ereignisse von 1989/90 geht.

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Susanne Blandau:
Die textile Inszenierung der Geschlechterverhältnisse. Die Frauenhose im deutsch-deutschen Vergleich (1949-1975)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Universität Leipzig)

Abstract

Die Dissertation untersucht die Rolle textiler Konsumgüter bei der Inszenierung der Geschlechterverhältnisse in der Nachkriegszeit an der Schnittstelle von Konsumgeschichte, Geschlechtergeschichte und deutsch-deutscher Verflechtungsgeschichte. Indem der Etablierungsprozess der Hose als Teil der weiblichen Garderobe zwischen 1949 und 1975 in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ebenso rekonstruiert wird wie der damit einhergehende Wandel der mit der Hose verknüpften Sinn- und Vorstellungsgehalte, ist es möglich die Mechanismen und Veränderungen der textilen Inszenierung der Geschlechterverhältnisse zu erfassen und erklären.
Die Arbeit setzt mit einer inhaltsanalytischen Untersuchung west- und ostdeutscher Frauenzeitschriften an. Deren Befunde werden im Weiteren durch die Analyse von zeitgenössischen Umfragedaten, Archivmaterial aus dem Bereich der Bekleidungsindustrie, Ratgeberliteratur sowie allgemeinen und milieuspezifischen Publikumszeitschriften ergänzt und auf ihre Richtigkeit geprüft. Nach Abschluss der Quellenanalyse werden die Untersuchungsergebnisse vergleichend und verflechtungsgeschichtlich zueinander in Bezug gesetzt, um die Ursachen der sich abzeichnenden Gemeinsamkeiten beziehungsweise Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden deutschen Staaten zu verstehen und erklären.

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Eckhard Braun:
Die gestaltete Freiheit. Rechtsprinzipien der öffentlichen Kulturpflege in Theorie und Praxis

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

In der kulturpolitischen und in der juristischen Diskussion wird ein kultureller Gestaltungsauftrag des Staates auf Bundes- Landes- und auf kommunaler Ebene im Bereich der Leistungsverwaltung bejaht. Allerdings geschieht dies mit unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen und rechtstheoretischen Begründungen. Alle theoretischen Ansätze setzen sich mit den Wertvorstellung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland auseinander und benennen eine Reihe von Verfassungsgrundsätzen und -prinzipien, die es bei der Umsetzung des staatlichen Kulturgestaltungsauftrages zu beachten gilt. Diese Grundsätze, es handelt sich insbesondere um staatliche Neutralität, Subsidiarität und Pluralität sowie um das allgemeine Demokratieprinzip, sind weder in der Verfassung noch in den Gesetzen ausdrücklich normiert; sie werden aus der Rechtsgeschichte und der Verfassungstradition in unterschiedlicher Weise begründet; ihre Verbindlichkeit ist umstritten. In der praktischen Kulturpolitik dienen sie allerdings als Steuerungselemente und Organisationsprinzipien und scheinen sich in wechselseitiger Ergänzung in die von der heutigen Gesellschaft allgemein akzeptierten demokratischen Handlungsformen einzufügen.

Die Untersuchung wird aus dem Blickwinkel der Kulturwissenschaft in einem ersten Teil den Stand der Diskussion in der rechtswissenschaftlichen Lehre und in der Rechtssprechung darstellen und jene Bereiche herausarbeiten, die sich dem allgemeinen Verständnis in der Praxis der Kulturverwaltung und dem allgemeinen Sprachgebrauch möglicherweise nicht oder nicht unmittelbar erschließen. In einem zweiten Teil geht es darum, in einer empirischen Untersuchung durch Befragungen von kulturpolitischen Praktikern zu prüfen, wie die in der juristischen Terminologie verwendeten Begriffe in verstanden und tatsächlich umgesetzt werden. Zuletzt wird der Versuch gewagt, aus dem theoretischen Material und den Informationen aus der Praxis eine Schnittmenge an verwendbaren Handlungsrichtlinien zu gewinnen, die sowohl einer verfassungsrechtlichen Überprüfung standhalten, als auch für die Verwaltungspraxis im Umgang mit Kunst und Künstlern angemessen sind.

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Anne Dietrich:
Südfrüchte, Rohrzucker und Kaffee aus Übersee - Der Importhandel der DDR mit den Entwicklungsländern Kuba und Äthiopien zwischen Konsumversprechen und ideologischem Anspruch

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Ziel dieses Dissertationsprojekts soll es sein, den Einfuhrhandel der DDR mit den Entwicklungsländern Kuba und Äthiopien in einem Kontext globaler Vernetzung und im Rahmen der Warenpolitik der DDR darzustellen. Dabei werden exemplarisch die drei Warengruppen Südfrüchte, Zucker und Kaffee ausgewählt, da diese innerhalb der DDR-Gesellschaft einen besonders hohen Stellenwert innehatten. Rohrzucker respektive Kaffee stellten außerdem die wichtigsten Exportgüter der Entwicklungsländer Kuba und Äthiopien dar und waren auch für die Volkswirtschaft der DDR besonders in Zeiten akuter Versorgungsengpässe von entscheidender Relevanz.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Annahme, dass die politische Führung der DDR zwei wesentliche Motive verfolgte, welche letztendlich die Aufnahme und Beibehaltung von Handelsbeziehungen zu ausgewählten Entwicklungsländern begründeten: Konsumversprechen nach innen und Anerkennungspolitik nach außen.
Das Hauptaugenmerk des Dissertationsprojekts liegt auf dem Import von Südfrüchten und Rohrzucker aus Kuba und von Kaffee aus Äthiopien im Zeitraum von 1959 bis 1982. Zusätzlich zu den Fallstudien über Kuba und Äthiopien sollen weitere Beispiele des Genussmittelimports Bestandteil der Untersuchung sein. Exemplarisch soll in diesem Kontext die Förderung des Kaffeeanbaus in Vietnam durch die DDR Anfang der 1980er Jahre thematisiert werden.

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Nina Johanna Haltern:
Kulturförderung als Kulturregionförderung - Kooperatives Verhalten und Know How-Transfer in Netzwerken von Kulturakteuren und Unternehmen (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Privatwirtschaftliche Kulturförderung findet bis dato vorrangig in Form unterschiedlichster Spielarten des Kultursponsorings und zunehmend auch im Rahmen von sog. Public Private Partnerships statt. Dabei fokussieren Unternehmen in der Regel auf einzelne („Leuchtturm“-) Institutionen, bestimmte Projekte, Festivals o.ä. Ziel der Arbeit ist es, in Begleitung eines erst kürzlich initiierten Kulturnetzwerk-Projekts des BMW Werk Leipzig auszuloten, wie Unternehmen im Sinne einer Kulturregionförderung dazu beitragen können, eine intensivere Vernetzung ortsansässiger Kulturakteure (etablierte Betriebe, freie Szene und Soziokultur) voranzutreiben. Dem zugrunde liegt die These, dass Kulturanbieter im Bereich der gezielten Entwicklung von Partnerschaften zur synergetischen Ressourcennutzung von Unternehmen lernen können, da hier v.a. während der vergangenen zwanzig Jahre verschiedene Modelle wie die Clusterbildung, die Konstitution regionaler Netzwerke und Projekte des interorganisationalen Lernens mit dem Prinzip „Kooperation und/trotz Konkurrenz“ erprobt wurden. Mit einer Erhebung zum Kooperationsverhalten von Kulturbetrieben und -akteuren wird zunächst eine Bestandsaufnahme erstellt, bevor unter Rückgriff auf die einschlägigen Ansätze aus den Wirtschaftswissenschaften und der Organisationssoziologie sowie deren Übertragung auf den Kulturbereich untersucht wird, wie Unternehmen mit ihren spezifischen Techniken und Erfahrungen einen nachhaltigen Beitrag zur Sicherung und Entwicklung eines breiten regionalen Kulturangebots leisten können.

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Wiktoria Lajter:
Transnationalisierung und Verräumlichung des kulturellen Feldes am Beispiel der transnationalen europäischen Kulturprojekte

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Das transnationale europäische Kulturprojekt wird durch die Zusammenarbeit der Organisationen aus mindestens drei verschiedenen europäischen Ländern charakterisiert. Diese Organisationen arbeiten zusammen zu einem kulturellen oder künstlerischen Thema, welches eine gesamteuropäische Gültigkeit und einen Einfluss auf das soziale Bewusstsein hat. Die europäischen Kulturprojekte werden so wohl auf der lokalen als auch internationalen Ebene durchgeführt deswegen entsprächen sie dem Artikel 151 des Vertrags von Amsterdam, wo die kulturelle Einheit Europas in seiner kulturellen Vielfalt gesehen wird. In diesem Vorhaben möchte ich die Einbettung der transnationalen europäischen Kulturprojekte im kulturellen Leben Europas erforschen und darstellen. Meine besonderen Interessen beziehen sich auf die durch die transnationalen Kulturprojekte entstandene Phänomene der Verräumlichung und Transnationalisierung des kulturellen Feldes.
Die Leitfragen lauten:
Wie werden die Verräumlichungs - und Transnationalisierungsmaßnahmen durch die EU-Institutionen, Nationalstaaten und Organisationen programmiert und implementiert?
Welche neue soziokulturelle Ordnung entsteht durch die Zusammenarbeit an den transnationalen Kulturprojekten?
Bei der Antwort auf diese Fragen möchte ich mich auf Beispiele aus ausgewählten europäischen Kulturprojekten stützen.
Die Fragestellung betrifft mehrere Bereiche der Kulturwissenschaften und wird aus verschiedenen Perspektiven studiert: Die Kulturpolitik wird auf der Ebene der Policy
(Programmierung, Planung) und Politics (Implementierung, Interessendurchsetzung) untersucht. Wobei ich mich bei der Untersuchung der Implementierung auf dem Gebiet des Kulturmanagements bewegen werde. Der Ausgangpunkt für Transnationalisierungsstudium und die Erforschung des Aufbaus des Netzwerks (der neuen kulturellen Räume)und des transnationalen Dialogs zwischen den Projektspartnern wird die Kulturgeschichte und Kultursoziologie. Hier steht die Beziehungs- und Kommunikationsperspektive im Vordergrund.

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Heide Lazarus:
Tanz als Beruf

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Das Dissertationsprojekt "Tanz als Beruf" fragt nach Institutionalisierungs- und Professionalisierungsprozessen im Tanz, die zu einer spezifischen künstlerischen Praxis und zur Generierung des modernen Berufsbilds "Bühnentanz" geführt haben. Dabei wird die Zeit der Weimarer Republik in Deutschland im Mittelpunkt stehen. Spezifische Problemfelder werden an Hand von Quellen der Wigman-Schule-Dresden, ihrer "Berufsausbildung in Tanz" bzw. "Berufsausbildung für Tänzer und Lehrer" (1923) / "Professional Training in Dancing" (ca. 1931), verdeutlicht. Eine Analyse von historischen Quellen ist durch dieEinbindung in den historischen Prozess der gesellschaftlichen Trennung von Gewerbe und Kunst und der Etablierung solcherart getrennter Marktbereiche sowie Kunstsparten möglich.

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Fruzsina Müller:
Konsum in der sozialistischen und postsozialistischen Gesellschaft: Das Beispiel Ungarn (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Gegenstand des Dissertationsvorhabens ist eine vergleichende Untersuchung der identitätsbildenden Funktion von Konsumprodukten im sozialistischen und postsozialistischen Ungarn. Nach der Revolution von 1956 bildete sich unter Kádár eine stillschweigende Abmachung zwischen Bevölkerung und Macht heraus, die als „negativer Konsens“ in die Literatur Eingang fand und Folgendes implizierte: Die Partei hielt sich aus der Privatsphäre heraus und schuf ökonomische Sicherheit, während sich die Bürger am öffentlichen Leben beteiligten und sich vor Kritik an der Regierung hüteten. In Ungarn der 60er und 70er Jahre entstand demzufolge ein relativer Wohlstand. Natürlich gab es auch hier Mangel und Sehnsucht nach Westprodukten, aber die Konsumenten versuchten diese durch einen Vergleich mit den sozialistischen „Bruderländern“ zu vermindern. Spezifische ungarische Produkte (z. B. „Trapper“ Jeans, „Flöte“ Kaugummi) bauten sich in das nationale Bewusstsein des Volkes ein und ließen das eigene Land in einem günstigeren Licht erscheinen. Nach 1989 wurde der westliche Markt Vergleichsmaßstab. Viele ungarische Produkte verschwanden, doch einige Jahre nach dem Systemwechsel setzte eine gegenläufige Tendenz ein. So protestierte man gegen die Schließung der Keksfabrik in Györ und rief zum Boykott gegen die französische Firma „Danone“ auf, die angeblich die Produktion von den Keksen einstellen wollte. Die Turnschuhmarke „Tisza“ wurde nach mehr als zehnjähriger Pause wiederbelebt und erfreut sich seitdem noch nie zuvor erfahrener großer Beliebtheit unter Jugendlichen. Während ungarische Produkte im Kádárismus den relativen Wohlstand symbolisierten, scheinen sie seit Anfang der 90er Jahre eine distinktive Funktion in der Selbstbehauptung gegenüber den Einheitsprodukten der westlichen Mammutfirmen zu haben. In meiner Arbeit möchte ich die Bedeutungszuweisungen von einzelnen ungarischen Produkten vor und nach der Wende untersuchen. Warum genießen einige Marken aus sozialistischen Zeiten große Beliebtheit (z.B. „Tisza“) und warum werden andere kaum wahrgenommen (z.B. „Trapper“ Jeans)? Vor allem interessiert mich, wie Hersteller, Werbefachleute und Medien die Bedeutung eines Produkts kommunizier(t)en, bzw. wie diese von den Konsumenten interpretiert wurden/werden. Vermutlich wird unter den Motiven des Konsumierens von ungarischen Produkten das nationale Bewusstsein und der Mythos des „kleinen“, „verstümmelten“ Ungarns eine erhebliche Rolle spielen, doch bei der Beliebtheit von ehemaligen sozialistischen Produkten wird auch Nostalgie als Kaufmotiv nicht auszuschließen sein.

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Katja Naumann:
Historiographische Weltordnungen in den USA. Weltgeschichte in Lehre und Forschung am Beispiel der Universitäten Chicago, Columbia und Harvard 1918-1968 (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist
apl. Prof. Dr. Matthias Middell

Abstract

Allgemeine Geschichte bzw. Weltgeschichte wurde und wird in den USA hauptsächlich als eine Geschichte der bzw. von Zivilisation(en) gelehrt und geschrieben. In dieser Gestalt hat sie im Laufe des 20. Jahrhunderts einen bemerkenswerten Zuspruch gefunden. Entgegen den nunmehr einsetzenden Vergewisserungen über ihre Traditionen in den USA selbst, ebenso wie gegenüber einem deutschen Bestaunen des scheinbar mühelosen Aufstiegs, ist diese Geschichte jedoch m. E. länger und komplexer, resultiert wesentlich aus den geopolitischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen einer aufsteigenden Weltmacht und ist das Ergebnis spezifischer institutioneller Strukturen des amerikanischen Hochschulsystems. In meinem Dissertationsprojekt wende ich mich dieser Geschichte der institutionellen und inhaltlichen Formierung von Weltgeschichte in den USA zu. Die Untersuchung zielt dabei auf zwei engere Forschungsfelder und eine allgemeine Fragestellung: Im Rahmen der methodischen Debatten innerhalb der Welt- und Globalgeschichtsforschung geht es mir um einen Beitrag zu der bislang wenig empirisch geführten Diskussion um die Grenzen und Probleme einer Konzeptualisierung von Weltgeschichte als Geschichte von Zivilisationen, mithin um die Konsequenzen eines auf kulturelle Zusammenhänge gerichteten globalgeschichtlichen Blickwinkels. Damit zusammenhängend möchte ich die Verwobenheit von Weltgeschichtsschreibung mit geopolitischen Interessenlagen aufzeigen und verdeutlichen, dass diese Geschichtsperspektive – auch wenn sie den Anspruch erhebt, zu einen interkulturellen Verständnis beizutragen –von der außenpolitischen Positionierung des Landes beeinflusst bleibt, in dem sie verfasst wird. Für die historiographiegeschichtliche Forschungen gehe ich der Standortabhängigkeit von Institutionalisierungsprozessen sowohl auf nationaler als auch lokaler Ebene nach. Über den engeren Gegenstand hinaus reicht die Arbeit, indem sie für einen Ausschnitt kultureller Deutungsangebote – akademische historiographische Weltordnungen – zeigt, wie darin verschiedene Territorialisierungsmuster aufeinander treffen. Die Auseinandersetzung um Weltgeschichte als akademisches Wissensfeld wird demnach als ein Spiegel für das Ineinandergreifen und Ringen unterschiedlicher Raumbezüge verstanden, der die Verarbeitung von Nationalisierungs-, Internationalisierungs- und Globalisierungsprozessen erkennen lässt. Leitend ist für meine Untersuchung die Frage danach, in welcher inhaltlichen Gestalt, innerhalb welcher institutioneller Strukturen und aufgrund welcher (geo-)politischen Rahmenbedingungen sich Zivilisationsgeschichte als eine Variante der Weltgeschichtsschreibung in der universitärer Lehre und Forschung in den USA von 1918 bis 1968 konstituieren konnte? Zur Beantwortung untersuche ich drei Universitäten: die University of Chicago (UoC), die Harvard University, Cambridge (HU) und die Columbia University, New York (CU). Dieser zunächst sehr enge Zugriff über drei Fallbeispiele wird erweitert, indem die Förderung seitens philanthropischer Stiftungen (‚Ford Foundation’, ‚Rockefeller Foundation’, ‚Carnegie Corporation’ und ‚Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching’) nachgezeichnet wird. Zudem werden die Entwicklungen am College ebenso wie den ‚History Departments’ in einen breiteren Zusammenhang gestellt, indem Debatten, richtungweisende Entscheidungen sowie Empfehlungen der American Historical Association (AHA), des American Council on Education (ACE), des American Council of Learned Societies (ACLS), des Social Science Research Council (SSRC) sowie punktuell des ‚Department of Education’ herausgearbeitet werden.

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Tim Neumann:
Die Geschichte des deutschen Boxsportverbandes der DDR

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Nach dem 2. Weltkrieg erlangte der Sport als Standortbestimmung eines Staates in der Welt und im Zuge des Kalten Krieges große Bedeutung. Insbesondere der Leistungssport wurde die Herausforderung des 20. Jahrhunderts in der politischen Kultur. Im geteilten Deutschland diente er beiden Staaten als Mittel der politischen Selbstbestimmung. Internationale Wettkämpfe verknüpften sportliche und politische Ziele. Das Veranschaulichen der Strukturen des Boxsportverbandes der DDR (DBV) mit besonderem Augenmerk auf seine Protagonisten, seiner Geschichte, seines nationalen und internationalen Wirkens als Teil des Leistungssports in der ehemaligen DDR soll nicht nur entmystifizieren, sondern Geschichte, die noch lebendig ist, in ihren Protagonisten aufzeigen. Beachtung muss aber auch die Einflussnahme der politischen Führung der DDR sowie die Instrumentalisierung auf den Sport und damit auch auf den Boxsport finden. Die Anerkennung des Boxsportverbandes der DDR 1952 durch den Weltverband AIBA war ein gewichtiger Baustein auf dem Weg zur internationalen Anerkennung des jungen DDR-Staates. Boxen in der DDR erfreute sich, wie überhaupt alle olympischen Zweikampfsportarten (gleichermaßen Ringen, Judo und Fechten), aufgrund seiner Attraktivität, seiner Medaillenrelevanz und der Stellung in der Nationenwertung von Beginn an der besonderen Aufmerksamkeit. Sie verband die Trainingspraxis gleichermaßen mit der sportwissenschaftlichen Lehre und Forschung. Dabei folgte das Trainingssystem in den Zweikampfsportarten im Allgemeinen den Prinzipien des Leistungssports in der DDR.

Über das "Sportsystem DDR" wurden bereits etliche wichtige Arbeiten vorgelegt. Jedoch sind Untersuchungen mehrheitlich zu den Sportverbänden des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR ein Desiderat der neueren Forschung. Als Quellen dienen u. a. Archivalien der Bundesarchive, Schriften des DBV, DTSB und DHfK ebenso wie Interviews mit ehemaligen Funktionären und Spitzensportlern des DBV.

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Sabine Röhrig-Mahhou:
Sozialistische Ehrenhaine in Ostdeutschland 1971 - 1990. Gedenken und Propaganda

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Das Dissertationsprojekt hat einen Vergleich von Sozialistischen Ehrenhainen im ehemaligen DDR-Staatsgebiet zum Inhalt. In der Ära Honecker sind in allen DDR-Bezirken neue Ehrenhaine entstanden bzw. bestehende Anlagen umgestaltet worden, von denen heute viele höchst strittig sind. Diese Ehrenhaine zeigen wie wenige andere Denkmalskomplexe die Geschichtspropaganda der SED. Sie erfüllten memorative Funktionen, indem sie als Gedenkstätte für antifaschistische Widerstandskämpfer und "verdiente" Sozialisten dienten. Sie hatten aber auch propagandistische Wirkung, da mit dem Gedenken an die oben genannten Personenkreise ein Zweck verbunden war, der sich auch in der Gestaltung und Nutzung der Anlagen ausdrückte.

Die sozialistischen Ehrenhaine werden aus unterschiedlichen Perspektiven erschlossen, um sich ein Urteil über ihre Funktion und Bedeutung zwischen Gedenken und Propaganda erlauben zu können, im scheinbaren Widerspruch zwischen "Areal der Toten und Appellplatz der Lebenden" (Hubertus Adam, Von der Last der Monumente, S. 86). Ein wesentlicher Aspekt, der sich durch die gesamte Arbeit ziehen wird, ist die zeitliche Dimension - die späten Ausführungen der zu untersuchenden Ehrenhaine, oftmals erst in den 1980er Jahren. Die SED legitimierte sich mit dem beginnenden Niedergang der DDR nochmals aus der Geschichte, um sich als einzig legitime Führungspartei zu präsentieren. Das zu vermittelnde Geschichtsbewusstsein und die Funktion der Ehrenhaine bei der Vermittlung dieses Geschichtsbewusstseins, d.h. bei der Organisation von Erinnerungsdiskursen zur Legitimation und Integration, bilden somit den zentralen Untersuchungsgegenstand. Hierzu werden verschiedene Aspekte um die Ehrenhaine beleuchtet, Denkmäler als politische Symbole im DDR-Staatssystem, die Einordnung der Ehrenhaine in dieses System, ihre Ikonographie, ihre Nutzung, die Auftraggeber, der Aspekt der Heroisierung mittels der Ehrenhaine sowie die Rezeption zu DDR-Zeiten und im vereinigten Deutschland.

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Juliane Scholz:
Sozial- und Kulturgeschichte des Drehbuchautors in den USA und Deutschland (1920-1970) (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Das Dissertationsprojekt behandelt die Sozial- und Kulturgeschichte von Drehbuchautoren in den USA und Deutschland von 1920 bis 1970 im Rahmen der Kommerzialisierung des Films und der Konzentration der Filmindustrie. Es untersucht den Zusammenhang zwischen der Organisation und Institutionalisierung des Films einerseits, den Anforderungen an das Screenwriting und den sozialen, beruflichen, kulturellen und rechtlichen Bedingungen der Tätigkeit und Lage des Drehbuchautors ("Szenarist") andererseits. Gefragt wird, warum und wie sich eine anfänglich heterogene Gruppe von Drehbuchautoren oder "Szenaristen", die sich aus Journalisten, Dramatikern, Romanciers und Amateuren rekrutierte, langfristig zu einer profilierten Berufs- und Statusgruppe angestellter und freiberuflicher Kreativkräfte entwickelte.
Der zu untersuchenden Prozess der Verberuflichung und Professionalisierung beginnt damit, dass im frühen 20. Jahrhundert, aufgrund der Arbeitsteilung und Standardisierung der Arbeit im Film, traditionelle Berufs- und Autorenbilder, die auf künstlerische Autonomie und Kreativität verweisen, zunächst abgewertet werden. Vor diesem Hintergrund lautet die Leitfrage der Arbeit, wie sich der Drehbuchautor zwischen den 1920er und 1960er Jahren schrittweise zu einem neuartigen Kultur- und Autorberuf mit spezifischen professionellen und rechtlichen Merkmalen entwickelt. Im Hinblick darauf konzentriert sich die Forschungsarbeit auf ausgewählte, soziale, kulturelle, rechtliche, organisatorische und institutionelle Programme, Projekte und Strategien. Insbesondere werden Organisationen der Drehbuchautoren (wie die 1921 gegründete Screen Writers Guild und der 1919 geschaffene Verband deutscher Filmautoren) und spezielle institutionelle Regelungen für Beruf, Tätigkeit, Einkommen und Status analysiert. Unter dem Gesichtspunkt der Professionalisierung interessieren Programme und Strategien, die zur Anhebung des Status und Verrechtlichung und zur Autonomisierung der Profession führen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, warum und wie Drehbuchautoren Funktionen, Positionen, Rollen und Beziehungen durch spezifische - komplementäre oder alternative - Strategien im Arbeits-, Berufs-, Vertrags-, Verband- und Kulturrecht stärken wollen (Verrechtlichung); und wie sie urheberrechtsbezogene Strategien verwenden, um Nutzungs- und Verwertungsrechte eigentumsförmig oder urheberrechtlich zu institutionalisieren (Propertisierung bzw. Propertization). Insbesondere der historische Vergleich beider Filmländer zeigt, wie auf Grundlage zunächst ähnlicher ökonomischer, sozialer und kultureller Kontexte die Professionalisierung für den Fall der USA als erfolgreiches Projekt mit einem starken gewerkschaftsähnlichen Berufsverband durchgeführt werden konnte, währenddessen in Deutschland die Interessenvertretung der Drehbuchautoren bis heute schwach ausgeprägt ist und sich die Berufsgruppe rechtlich wie sozial in einer schlechteren Position als ihre US-Kollegen befindet. Der komparatistische Blick auf die Professionalisierung des Drehbuchautors wird zudem durch Fragen der Geschlechterforschung und der Migration von Drehbuchautoren im Rahmen der Exilforschung erweitert.

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Valerio Verrea:
Fair Trade - the non-profit challenge to the free market. An analysis of non-profit organizations and for-profit companies competing on the Fair Trade market in Germany and Italy.

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

This doctoral project aims to analyze the strategic activity of non-profit organizations and for-profit companies competing on the Fair Trade market in the last two decades.
The Fair Trade practice was grown from small and scattered initiatives in the late ´50s and had a fast consumption increase since the middle of the '90s. This growth pushed the small non-profit organizations, on which Fair Trade was based, to become more structured market actors. This kind of non-profit organizations are usually called Alternative Trade Organizations (ATOs) and they attempt to develop alternatives to the market production and distribution rules.
Over recent decades consumption of Fair Trade products stimulated the interest of leading for-profit producers and distributors, who insert themselves into the "fair trade" niche, mainly through the use of labels able to catch "ethically oriented" consumers. These for-profit companies (FPCs) compete for market shares with the ATOs which still aim to develop an alternative trade system, keeping an independent distribution chain and insisting on more general social and universal aims. ATOs see their market shares and development possibilities dwindle, as for-profit traders move in and affect the structuring process of an alternative global market.
This dissertation will focus on the relationship between ATOs and FPCs in two countries - Germany and Italy - taking a closer look at the organizational preconditions of their competition, competitive strategies and their consequences. Of interest are the legal and organizational aspects and the cultural and social attitudes which influence the processes behind their respective choice of strategies and consequently their success on the market.
The aim of this research project is to understand how third sector organizations, such as the ATOs, sustain themselves relying (a) on 'style' as an identity-marker for members of specific social groups interested in acquiring individual and group identities, and (b) on their social "embeddedness" in specific networks and social milieus. These networks may constitute an alternative to marketing methods on which regular for-profit companies rely in order to secure clients and market shares.
This research aims at offering new perspective on how business activities may be tackled by non-profit organizations thanks to the evolution of consumers' choice and civil movements in the western countries.


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Julia Weber:
Zeitgeschichte im Fernsehen. Der institutionell gestützte Diskurs zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die Erinnerungspraxis im Unterhaltungsmedium Fernsehen (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Die institutionell gestützte Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ist geprägt von konkurrierenden wissenschaftlichen und geschichtspolitischen Deutungsmustern, von kultur- und parteipolitischen Zielsetzungen, vom biografischen Hintergrund der Akteure und der Grundsatzfrage, ob die jeweiligen Interpretations- und Darstellungsansätze den politischen Bildungsidealen der bundesrepublikanischen Demokratie entsprechen. Im Gegensatz dazu wird die Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen Themen wie der DDR-Vergangenheit in dem populären Massenmedium Fernsehen vor allem von marktwirtschaftlichen Mechanismen bestimmt, die sich stärker an dem Unterhaltungswert der Medienerzeugnisse und dem Erreichen der Zielgruppen als an fachtheoretischen Debatten orientieren.
Die Herausbildung von kollektiven Geschichtsbildern wird maßgeblich von der populären Erinnerungskultur im Massenmedium Fernsehen beeinflusst, was jedoch in der zeitgeschichtlichen Forschung und den geschichtspolitischen Debatten (und Maßnahmen) kaum Berücksichtigung findet.
Das Forschungsvorhaben untersucht die Darstellung der DDR-Vergangenheit im fiktionalen Fernsehfilm und fragt nach historischen Deutungsmustern, die in diesem Medium vermittelt werden. Anhand einer medienwissenschaftlichen Diskursanalyse von Fernsehspielen zur DDR-Vergangenheit, die im "Erinnerungsjahr" 2009 - 20 Jahre nach Mauerfall und friedlicher Revolution - im deutschen Fernsehen erstausgestrahlt wurden, wird exemplarisch der Erinnerungsdiskurs im Gedächtnismedium Fernsehen untersucht.
Darauf aufbauend widmet sich das Forschungsvorhaben einer vergleichenden Gegenüberstellung des televisuellen Erinnerungsdiskurses mit dem institutionell gestützten Aufarbeitungsdiskurs in Bezug auf die DDR-Vergangenheit.


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Matthias Wießner:
Das Urheberrecht der DDR im Feld einer sozialistischen Kulturpolitik (Arbeitstitel)

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

Abstract

Technologische Fortschritte auf dem Gebiet der Reproduktionstechniken von Urheberleistungen lösten in der Mitte des 20. Jahrhunderts einen urheberrechtlichen Kodifikationsschub aus. Ende der 1940er Jahre erschien es in beiden deutschen Staaten notwendig die Reformbemühungen der 1930er Jahre wieder aufzunehmen und bis zur einer Neuformulierung des Urheberrechts fortzuführen. In der DDR galt es zudem, das nach 1945 weiterhin geltende "bürgerliche" Urheberrecht von 1901 bzw. 1907, im Rahmen einer sozialistischen Rechtspolitik, zu erneuern. Die Arbeit verfolgt die Geschichte der Reform des Urheberrechts in der DDR und untersucht darüber hinaus inwieweit das Urheberrecht als Instrument einer sozialistischen Kulturpolitik diente. Insofern geht die Arbeit über den Zeitpunkt der Gesetzesverabschiedung 1965 hinaus. Das Urheberrecht der DDR wird als Teil der sozialistischen Kulturpolitik und Literaturpolitik verstanden und untersucht. Dabei interessiert auch inwieweit die DDR in das internationale System des Urheberrechts eingebunden war und die Internationalität des Rechtsgebietes die Gestaltung des Gesetzes in der DDR beeinflusste.

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Andreas Zimmer:
Die Intelligenzpolitik im Kulturbund der DDR – Funktionen und Arbeitsweisen der Klubs der Intelligenz im Kulturbund der DDR in Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig

Betreuer der Arbeit

Prof. Dr. Hannes Siegrist

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