Erfahrungsbericht : Istanbul - Pia
Yeditepe University | 2008/09
Visum
Für die Einreise in die Türkei ist zunächst kein Reisepass oder Visum nötig. Man kann mit dem Personalausweis einreisen und erhält noch am Flughafen ein Touristenvisa das 90 Tage lang gültig ist. Bleibt man länger, muss man vor Ablauf des Visums das Land verlassen, z.B. via Griechenland, und erhält dann bei der erneuten Einreise wieder ein Touristenvisa für die nächsten 90 Tage. Wem das zu nervig ist, bringt seinen Reisepass mit und besorgt sich vor Ort ein Visum für den Zeitraum, den man in der Türkei sein möchte. Die Yeditepe University ist da sehr hilfreich, sie organisiert Fahrten für die Erasmusstudenten zu den örtlichen Behörden und hilft bei den Anträgen. Von anderen Erasmusstudenten hatte ich gehört, dass sie sich vor ihrer Abreise schon ein Studentenvisum beim türkischen Konsulat geholt haben. Allerdings war das auch nicht ausreichend lang gültig und der Weg zum Amt blieb ihnen nicht erspart.
Wohnen
In Istanbul ist es nicht ganz so leicht eine Wohnung zu finden, da WGs eher unüblich sind; die türkischen Studenten wohnen meistens noch bei ihren Eltern oder auf dem Campus. Ich empfehle, je nach dem wann man ankommt, erst einmal ein Hostelzimmer zu nehmen und von da aus zu suchen, oder zunächst im Wohnheim auf dem Campus unterzukommen. Allerdings muss man sich für das Zimmer im Wohnheim schon im Voraus von Deutschland aus bewerben und gleichzeitig für das komplette Semester bezahlen (ca. 1.200 Euro). Bei früherem Auszug wird einem aber das restliche Geld zurück gezahlt. Ich habe von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und nachdem ich ein paar nette Leute kennen gelernt habe, sind wir auf Wohnungssuche gegangen. Ein türkisches Wohnheim unterscheidet sich doch sehr von dem, was wir in Deutschland kennen. Zum Einem teilt man sich ein Zimmer, entweder mit einem anderen Erasmusstudenten oder einem türkischen. Das Badezimmer ist mit im Zimmer, allerdings gibt es keine Küche oder sonstige Kochgelegenheiten, das heißt, man muss immer außerhalb essen gehen, was auf Dauer ganz schön ins Geld gehen kann. Lebensmittel in der Türkei sind in der Regel zwar sehr günstig, vor allem frisches Gemüse, Obst und Fisch, jedoch ist das Kantinenessen, welches die Universität anbietet, verhältnismäßig teuer und nicht unbedingt schmackhaft. Hinzu kommt, dass man keinerlei Besuch auf seinem Zimmer von Leuten, die nicht im Wohnheim wohnen, empfangen darf, männlichen Besuch schon gar nicht. Auch gibt es Ausgehzeiten, an die man sich mehr oder weniger halten muss. Zwar wurden diese bei meinem Aufenthalt gelockert, jedoch fand ich es schon störend, mich jedes Mal, wenn ich zurück kam, erstmal bei einem Pförtner anzumelden. Des Weiteren liegt die Yeditepe Üniversity auf der asiatischen Seite - ziemlich weit weg vom Schuss. Von der Uni braucht man eine knappe Stunde bis man in Kadiköy ist, von wo man auf die europäische Seite fahren kann: Noch ein weiterer Grund nicht im Wohnheim zu wohnen. Allerdings muss man wissen, ob man sich den Stress für die eigenen vier Wände antun will, wenn man nur fünf Monate bleibt.
Wenn man sich doch für eine eigene Wohnung entscheiden sollte, empfehle ich wärmstens den Stadtteil Kadiköy, dort gibt es viele Bars, man ist schnell auf der europäischen Seite, diverse Fährstationen, ein großer einmal in der Woche stattfindender Freiluftbazar und vieles mehr. Zimmer kosten ungefähr 120Euro bis 250 Euro, je nach Größe und Stadtteil.
Die einzige Webseite, auf der man nach WG Zimmern suchen kann, ist craigslist/istanbul.com. Ansonsten einfach bei der Uni anfragen, oft bieten Erasmusstudenten aus dem vorigen Semester ihr Zimmer an.
Universität
Die Yeditepe University bemüht sich sehr um ihre Erasmusstudenten und man wird bestens umsorgt und betreut. Der Erasmuskoordinator Terry Smith organisiert sogar einwöchige Trips quer durch die Türkei, an denen man unbedingt teilnehmen sollte. Ansonsten waren auch die Verantwortlichen vom Departement Journalist sehr hilfreich. Von Deutschland aus kann man sich schon im Voraus das Kursangebot anschauen und sich informieren, was es so gibt. Allerdings sind nicht immer alle Kurse auf Englisch, auch wenn es so dort steht. In der Uni werdet ihr beraten und man hilft euch bei der Einschreibung, die etwas komplizierter ist, da alles auf Türkisch läuft.
Der Unterricht ist viel stärker an der Praxis ausgerichtet als in Leipzig. Vorlesungen mit bis zu 100 Studenten gibt es nicht. Vielmehr sitzt man mit höchstens 30 in Kursen zusammen und erarbeitet teilweise eigene Projekten. Sehr zu empfehlen sind Kurse von Dr. Ayse Binay oder auch Dr. Yusuf Devran.
Ich habe Kurse in den Bereichen Public Relations, Communication und Advertisement belegt. Das Angebot ist sehr vielfältig. Mit den erworbenen Englischkenntnissen aus Deutschland ist man bestens vorbeireitet.
Türkische Sprache
Ich empfehle jedem, vorab einen Türkischanfängerkurs in Deutschland zu belegen. Das Sprachenzentrum der Universität Leipzig bietet einen solchen an und man kann ihn als eine Schlüsselqualifikation anrechnen lassen. Nur so hat man eine Chance, die türkische Sprache zu erlernen, denn es sprechen nicht alle englisch und manchmal ist man echt aufgeschmissen. Die Uni bietet auch dort Türkischkurse an speziell für Erasmus und internationale Studenten.
Für den Turkish for Beginners Kurs gibt es 6 ECTS Punkte.
Handy / Akbill
Man sollte sich unbedingt eine türkische Simkarte kaufen, diese kostet auch nicht viel. Jedoch muss man darauf achten, sein deutsches Handy registrieren zu lassen und zwar bei großen offiziellen Shops z. B. von Turkcell, Avea oder Vodafone. Ich rate zu Turkcell, da es dort einen speziellen Studententarif gibt. Sein Handy kann man dann nach Lust und Laune immer wieder aufladen; Guthaben gibt es schon für umgerechnet 5 Euro. Verträge lohnen sich nicht.
Wenn das deutsche Handy nicht ordnungsgemäß registriert wird, wird die Simkarte automatisch nach einem Monat gesperrt und man kann nicht mehr telefonieren. Also registrieren lassen oder direkt ein gebrauchtes türkisches Handy kaufen, so spart man sich jede Menge Ärger.
Außerdem rate ich jedem, sich ein Akbill zu besorgen. Das ist eine Fahrkarte ähnlich wie die Oyster Card in London die man nach Belieben aufladen kann und damit sämtliche Busse, Fähren und Trams nutzen kann. Die Universität hilft auch hierbei und bietet das Akbill an.
Leben
Istanbul ist eine gigantisch große Stadt. Mehr als 15 Millionen Menschen leben dort und somit ist immer und überall was los. Die Stadt quillt über vor Sehenswürdigkeiten oder sehenswerte Sachen. Besorgt euch am besten einen guten Reiseführer und los geht’s. Das Nachtleben spielt sich zum größten Teil auf der europäischen Seite ab vor allem in dem Stadtteil Beyoğlu. Um zu wissen was gerade so los ist, empfehle ich euch die englische Ausgabe des Time Out Magazins. Dort findet ihr Tipps zum Ausgehen, Tanzen, Essen, Theater, Konzerte und andere kulturelle Sachen.
Fazit
Ich kann jedem nur raten, nach Istanbul zu fahren. Es ist eine einmalige Chance, die Türkei und diese unglaublich tolle und aufregende Stadt selber kennen zu lernen. Man kann auch viele besonders in Deutschland weit verbreiteten Vorurteile widerlegen und am Ende werdet ihr Istanbul mit all seinen verrückten Widersprüchen lieben.
Çok şaka!