
Bruno Heroux (Selbstbildnis)
2004 wurde berichtet, dass er diese Wassermühle
als sein Landhaus in idyllischer Natur nutzte. Hier hat er sich
ausgeruht,
hier war er aber auch schöpferisch tätig. Davon zeugen
zumindest
seine beiden Radierungen von der Macherner Wassermühle, die
beide in dem Bericht von 2004 abgebildet sind.
Ludwig Weber, ein guter Kenner von Bruno Hèroux, schreibt
1914 in Reclams Universum (Jahrgang 30, S. 425) über ihn und seine
Poesie, die sich Bruno Hèroux auf so manchem seiner
Blätter
mit der Schönheit der Natur auseinandersetzt: "Die
Mühle
von Machern in Sachsen ist eines jener Blätter, in denen das
innige
Empfinden Hèroux' für malerische stille Winkel in der Natur
einen beredten Ausdruck findet."
Bruno Hèroux wurde am 20. Dezember 1868 in Leipzig als Sohn
eines Holzschnitzers geboren und sollte den Beruf des Vaters ergreifen.
Doch die damals aufkommende Zinkografie machte diesen einst
einträglichen
Beruf fast brotlos. Er sollte deshalb Kaufmann werden, aber sein
Talent,
besonders das zeichnerische, war stärker und führte ihn
dann doch der Kunst zu. Eins fügte sich zum anderen: auf
Holzschneiden
das Zeichnen, dann das Lithografieren und dann die Techniken der
Radiernadel,
der Kaltnadel und des Grabstiches. Hèroux hielt stets auf die
Einheitlichkeit
der Technik. Er wurde ein angesehener Künstler und Professor an
der
Akademie der Künste in Leipzig. 1913 war er der verantwortliche
künstlerische
Leiter des Kunstbandes "Das Völkerschlachtdenkmal
(Weiheschrift
1813 – 1913)" mit den von ihm radierten Bildern der
Leipziger
Oberbürgermeister Dr. Georgie, Dr. Dittrich und Dr. Tröndlin.
Hervorzuheben ist seine Exlibris-Kunst. Einst bei Klinger
gelernt,
brachte er sie zu höchster Vollendung, wie zum Beispiel beim
Buchzeichen
für den bekannten Leipziger Bildhauer Carl Seffner (s.
Bild),
dem Schöpfer der Leipziger Denkmale von Johann Sebastian Bach an
der
Thomaskirche, von Johann Wolfgang Goethe auf dem Naschmarkt und von
Karl
Heine am Klingerweg. Carl Seffner war wie Bruno Hèroux ebenfalls
Mitglied der Leipzigen Leoniden.

Buchzeichen für den Leipziger Bildhauer Carl Seffner
(Strichradierung von Bruno Hèroux)
Ein indirekter Bezugspunkt zu Machern ergibt sich bei
Hèroux
noch aus seiner künstlerischen Mitarbeit an
veterinärmedizinischen
Lehrbüchern, wie am "Atlas der Anatomie des Pferdes" von
Prof. Dr. Schmaltz aus Berlin. Für diesen fertigte er umfangreiche
Bildvorlagen nach Originalpräparaten an. Professor Schmaltz
schreibt
im Vorwort zum 2. Band: "Professor Bruno Hèroux hat zur
anatomischen
Korrektheit den Zeichnungen die prachtvolle, saftige,
künstlerische
Wirkung gefügt, die aus seinen Tafeln hervorleuchtet."
Ob Bruno Hèroux wohl gewußt hat, dass die
beiden Macherner Grafen von Lindenau , denen bis 1802 der
Macherner
Mühlteich und wohl auch die Wassermühle gehörten,
nämlich
der Grafen-Vater Heinrich Gottlieb,
Kurfürstlich-sächsischer
Oberstallmeister in Dresden, und auch der Grafen-Sohn Carl Heinrich
August,
Königlich-preußischer Oberstallmeister in Berlin, nicht nur
für Pferde und Pferdezucht sondern auch für die
tierärztliche
Ausbildung sowohl in Sachsen als auch in Preußen hohe
Verantwortung
trugen und anerkennenswerte Leistungen vollbrachten? Bruno
Hèroux
starb am 14. Februar 1944.
Geschichtliches von den Leoniden
1908: Die Vereinigung der Stalaktiten, die in Leipzig 15 Jahre
lang Freunde der Kunst und Wissenschaft verband, löst sich infolge
eingestellter Uneinigkeiten auf, nach dem einige Mitglieder ausgetreten
waren, um die Gründung eines neuen Bundes mit ähnlichen
Leuten
und Zielen ins Auge zu fassen. Es waren dies Georg Bötticher
(Vater
von Joachim Ringelnatz), Arthur von Oettingen und Edwin Bormann. Auf
ihre
Veranlassung bildete sich ein Siebenmännerausschuss, der sich an
gleichgesinnte
Männer wenden sollte, um mit diesen einen neuen Mittelpunkt
schlichter
Geselligkeit und geistiger Interessen in Leipzig zu schaffen, was sie
auch
erfolgreich taten. 1909: Auf Einladung des Ausschusses fand am
3.
März die konstituierenden Sitzung der neuen Vereinigung statt.
Dabei
waren Männer aus der Gelehrten- und Künstlerwelt und
Freunde
der Kunst und Wissenschaft. Danach hatten sie jeweils Mittwoch abends
in
Leipziger Lokalen ihre Zusammenkünfte. Bei dem Streit um die
Namensgebung für die Vereinigung siegte am 24. März
einstimmig
der Name Leoniden.
Der Vorschlag kam von A. von Oettingen und bezieht sich auf die
Sternschnuppenschwärme, die aus dem Sternbild des Löwen so
zahlreich
im November am Himmelsgewölbe sich zeigen. Künftig wurde im
November
auch immer das Jahresfest der Leoniden gefeiert, zu dem die
Künstler
unter den Leoniden, wie auch B. Hèroux, humorvolle Speisekarten
und anderes beisteuerten. In einem Gedicht heißt es zu
ihrem
Namen Leoniden: "An dem Name ist , dass ihr`s wisst, dass er den
Philistern, Spießern und Geschwistern all und ewig
unverständlich
ist." 1919: Die Leoniden enthüllen im
November
eine von Carl Seffner gefertigte Gedenktafel an der Naschmarktwand des
Leipziger Alten Rathauses mit den Portraits von Georg Bötticher
und
Edwin Bormann, deren Namen und Lebenszeiten sowie der Inschrift: DEM
ANDENKEN
ZWEIER LEIPZIGER DICHTER, DIE IN HEITEREM WORT UND VERTRAUTEM KLANG
IHRER
HEIMATLIEBE EIN KÖSTLICH DENKMAL SETZTEN WIDMEN DIESE SCHLICHTE
TAFEL
IN SCHWERER ZEIT DIE LEONIDEN (s. u.).

Diese Tafel am Alten Rathaus von Leipzig kündet heute
noch von den Leoniden.
1929-1935: Im "Erinnerungsbuch der Leoniden" sind
ihre
lyrischen Erzeugnisse zum großen Teil gesammelt. Bilder von
künstlerischem
Wert stifteten Seffner, Hèroux und Wustmann. Von Eyermann stammt
die Leonidenplakette und von Silber eine treffliche Leonidenhymne. Die
Feste der Leoniden waren immer zahlreich von den Mitgliedern besucht,
dagegen
die Mittwochabende oft nur schwach, "obwohl sie stattfinden sollten,
damit
sich die Mitglieder genau kennenlernten und sie durch geistige Anregung
die Unterhaltung über das Niveau des Alltagsgeschwätzes
erhöben".
Am 2. Oktober 1932 verstarb der Altmeister Carl Seffner. Ihm zu Ehren
erhielt das
mittwochs immer von den Leoniden genutzte Zimmer im Künstlerhaus
(im
2. Weltkrieg zerstört) den Namen Seffnerstube. 1935: Es
erschien
der von E. Mogk, Universitätsprofessor a.D., erstellte Bericht "25
Jahre Leoniden", auf dem diese hier gemachten geschichtlichen
Darlegungen
über die Leipziger Leoniden basieren. Am Ende des Berichtes
befindet
sich eine Mitgliederliste, die 35 Namen mit Beruf und Adresse
enthält.