East USA-Impressionen eines Tierarztes aus East Germany
Tierisches und Exotisches und Kunst erleben
East USA im allgemeinen
Im Rahmen einer Lehr- und Informationsreise des Vereins zur Förderung der Land- und Forstarbeiter e. V. Kassel besuchte unsere Reisegruppe vom 26.
August bis 7. September 1991 verschiedene landwirtschaftliche Betriebe und Tierkliniken im Osten
der USA. Das inhaltsreiche Reiseprogramm umfaßte eine Putenfarm,
eine Bisonfarm und 4 kleine Familienbetriebe der Amish People im New York State (18
Mill. Einwohner, ohne die von New York City), weiterhin eine kleinere Milchfarm,
eine besondere Rast in Wooster und eine
Soja- und Maisfarm im Ohio State (10,8 Mill. Einwohner), eine Kleintierklinik, ein
Weingut und eine Pferdeklinik in Virginia (5.8 Mill. Einwohner) sowie
eine Rinder- und Schweinefarm und eine größere Milchfarm
in Pennsylvania (11,9 Mill.Einwohner) und die größte Kleintierklinik der Welt in New York City.
Darüber hinaus bekamen wir nachhaltige Eindrücke von den Menschen und Sehenswürdigkeiten dieser Gegenden sowie von denen in West-Virginia
(1.9 Mill. Einwohner), in Maryland (4,5 Mill. Einwohner) und in New Jersey (7,7 Mill. Einwohner) sowie in den Städten
Washington (680 000 Einwohner), Philadelphia (2 Mill. Einwohner) und New York
City (12 Mill. Einwohner) und bei einem Abstecher nach Kanada in Toronto (611 000 Mill. Einwohner) und an den Niagarafällen.
.
Die amerikanischen Menschen auf dem Land und in den Städten der besuchten Regionen sind im allgemeinen
aufgeschlossen, immer sehr freundlich und gastfreundschaftlich, mitteilsam und bescheiden, aber stolz auf das Erreichte. Landschaftlich bestehen vielerorts große Ähnlichkeiten
zu unserem Thüringen. Auf dieser Reise durch den Osten der USA war eigentlich alles sehr normal. Nichts tat sich als außergewöhnlich "sensationell amerikanisch" hervor,
abgesehen natürlich von besonderen Gegebenheiten in den Großstädten und dem vielerorts gehißten Star-and-Stripp-Banner.
Die Impressionen auf dem 3800 km langen Reiseweg per Autobus "Blue Bird" waren von einer beeindruckenden Vielfalt, faszinierend schön und immer lehrreich und sind
es wert, unter der eingeschränkten Zielstellung des Unterthemas auch noch nach den nun schon verflossenen 5 Jahren dem World Wide Web mit seinen phantastischen
Möglichkeiten anzuvertrauen, eingeschlossen 45 Bilder, davon 40 eigene Aufnahmen.
(Grün von A wie Anfang bis E wie Ende)
1. Bei vielen Truthühnern
Im Norden von New York State in Cicero bei Syracus kann man preiswert im Farmerrestaurant beste Truthahnfleischgerichte
verspeisen. Es gibt dort vielerlei Spezialitäten vom gesundheitsfördernden wohlschmeckenden Fleisch des aus einer amerikanischen
Wildform gezüchteten zahmen Truthuhnes. Alles stammt aus der farmeigenen Produktion
der einige Kilometer entfernt liegenden Plainville Turkey Farm Inc. Sie ist aus einem landwirtschaftlichen
Familienbetrieb hervorgegangen, der sich seit 1952 voll auf Puten spezialisiert hat. Robert Bitz ist ihr Besitzer
und Präsident. Sein Sohn Mark ist Vizepräsident und Generalmanager der Farm Inc.
Die Farm produziert und vermarktet jährlich mehr als 400 000 Puten.
Sie umfaßt 320 ha Ackerland, 30 Stallgebäude,
ein Futtermittelwerk und einen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb mit Räucheranlage. Mehr als 60
Leute sind beschäftigt. Außer dem genannten Restaurant wird direkt bei der Farm noch ein Verkaufsladen mit Imbiß
für die verschiedensten Putenfleischspezialitäten betrieben.
Ein Visiter-Center sorgt gleich daneben für großartige Publicity. So erfährt man von "Professor Plainville" alles Wissenswerte
über die Farm unter dem Motto "What turkey should be!", indem sich dieser "Professor"
mit einem Zeigestock zu Bildschirminformationen auf einem Podest hin und her bewegt:
"Truthennen nehmen wöchentlich ca. 450 g zu und werden im Alter von 14 bis 18 Wochen
mit einem Lebendgewicht von 3 bis 8 kg geschlachtet. Truthähne dagegen setzen wöchentlich
ca. 600 bis 700 g an und werden im Alter von 16 bis 18 Wochen mit einem Lebendgewicht von 10 bis13 kg
verwertet."
Nun, große Putenfarmen gibt es auch in Deutschland. Doch sind die Bedingungen für solche Promotion-
und Vermarktungskonstellationen wie in Plainville kaum vorhanden.
2. Bei kräftigen Bisons
Bisonfleisch (Buffalo) ist eigentlich das originale Fleisch Amerikas. Es besitzt einen niedrigeren
Cholesterolgehalt als Fisch und Hühnerfleisch und 25% mehr
Eiweiß und auch mehr Vitamine und Mineralstoffe, jedoch weniger Fett als Rindfleisch (Beef).
Von den amerikanischen Bisonkühen ist bekannt , daß sie bis
zu 42 Jahren alt werden und 38 Kälber zur Welt bringen können. Gegenwärtig ist mit den Tausenden
Bisons, die sich auf amerikanischen Ranchs frei bewegen, die Existenz dieser Tiere wieder gesichert.
Etwa 60 Millionen gab es zur Zeit von Columbus, einige Hundert nur noch um 1900. Jetzt aber leben wieder mehr
als 30 000 dieser Tiere in den USA.
Glenn Bayer und seine Frau bewirtschaften die B&B Buffalo Ranch in Ellicottville(NY).
Auf 240 ha Land halten sie eine 300 köpfige Bisonherde. Sie hatten sich vorher intensiv mit den Besonderheiten
der Aufzucht und der Haltung und selbstverständlich auch mit den Problemen der touristischen Vermarktung der Attraktivität dieser Tiere
beschäftigt.
"A view of the herd will give you feelings of amazement and wonder. Bayer's new gift shop
of buffalo related souvenirs such as T-shirts and some equisite Indian jewelry. Don't forget to take some buffalo meat home and give it
a try. It's delicios!"
Die beiden Bayers haben alles gut im Griff. Nur der Verkauf der schlachtreifen Bisons überfordert jedesmal aufs neue
die beiden Eheleute, die sonst alles allein bewältigen. Es ist dies die körperlich schwerste
und auch gefahrvollste Arbeit auf der Ranch. An diesen Tagen benötigen sie unbedingt die Hilfe von 8 bis 10 Freunden am Zwangsgatter.
Als sehr stabiles "Einfangkarussell" hilft es ihnen beim Verladen der Tiere auf den Schlachtviehtransporter .
Vor dem "Karussell" erzählte uns Glenn lachend und augenzwinkernd:
"Nach diesen Tagen sieht es immer so aus, als ob wir alle unsere Freunde verloren hätten."
3. Bei wuchtigen Ackergäulen
Von Ellicottville aus ging die Fahrt im Cattaraugus County in Richtung Gowanda zum Restaurant "Talblick",
wo Eve Quant, unsere vorsorgliche Reiseverantwortliche von USA-Seite zu Hause war.
Dabei lernten wir in Conewango Valley auch die Arbeit und das Leben der Amish People dieser Region kennen. Sie arbeiten als Farmer,
Schreiner, Stuhl- oder Hutmacher. Und meistens heißen sie Miller und haben große Familien.
Moses E. Miller (76) und Mary Ann Miller betreiben den "Miller's Chair Shop" (Bent-Wood Rockers). Sie haben
11 Kinder und 96 Enkel.
Die Amish sind vor 300 Jahren im Laufe vieler Jahrzehnte aus ihrer Vorheimat des Emmentals und des Elsaß nach Nordamerika
aus gewandert. Sie sind Nachfahren der deutschen und schweizer Wiedertäufer und bilden auch heute noch eine ganz eigenständige
Gesellschaftsgruppe mit strengen Verhaltensgrundsätzen:
Kein Luxus, keine Benutzung von Elektrogeräten, von Motorrädern, von Autos. Sie haben keine unbestrittenen
und regulären Ärzte, keinen staatlich anerkannten Arzt fürs Vieh, da sie eine höhere Ausbildung
oder ein Studium ablehnen. Sie haben als ihr sicherstes Rezept großes Gottvertrauen.Sie nehmen keine weltlichen Ämter an und lehnen
die Kreuzung zwischen Pferd und Esel ab.
In der Landwirtschaft verrichten für sie nicht Traktoren sondern Pferde die notwendigen Arbeiten: wuchtige Ackergäule werden
auf dem Feld vor Pflügen und Eggen und leichte Pferde für die schnelle Fortbewegung vor dem Buggy eingesetzt.
4. Bei fleißigen Kühen
In Seville (0hio) besuchten wir die idyllisch gelegene Jerry-Newcomer-Dairy-Farm, ein seit 100 Jahren im Familienbesitz der
Newcomers befindlicher Milchviehbetrieb. Er wird von 2 Personen, von Vater Jerry und Sohn Bob, und zusätzlich von einer Saisonkraft
bewirtschaftet. Sie halten auf der 40 ha eigenen und der 40 ha gepachteten Nutzfläche 110 Rinder, darunter 55 Holstein-Kühe mit der "fleißigen"
Milchleistung von 9 000 kg/Jahr mit 3,7% Fett und 3,2% Eiweiß. Die Kühe werden in Offenställen, die Kälber in Freilandboxen gehalten und gesund
aufgezogen. Das Melken erfolgt in einem 2x3 Fischgrätenmelkstand mit Vormelken, Prädipping und Abtrocknen der Zitzen , Ansetzen
der Melkzeuge mit großer Zentrale und Postdipping der Zitzen nach Melkzeugabnahme. Es treten selten Mastitiden auf. Jeden Monat erscheint der Tierarzt zur Trächtigkeitskontrolle der besamten Kühe
und zur Visite der Kälber. Bob erledigt die künstliche Besamung der Kühe.
5. Bei rastendem "Blue Bird"
Bei einer Rast in Wooster am roten Restaurant "Bob Evans" fotografierte ich unseren nun ebenfalls "rastenden" 5-Sterne-Autobus
"Blue Bird", der uns in der Hand von Bruce sicher über die 3800 km der 7 von uns durchquerten Bundesstaaten
gebracht hat. Jeden Morgen empfing er uns freundlich mit "Have a nice day!" auf der Anzeigetafel über
der Frontscheibe.
Von dieser Rast aus versuchte ich, telefonisch meinen Kollegen-Freund K. Larry Smith zu erreichen. Er ist in Wooster
beim "Ohio Agricultural Research and Development Center" als Professor am "Department of Dairy Science" tätig.
Leider war er gerade im Ausland und so nicht erreichbar. Aus diesem Grund wäre dies hier gar nicht alles erwähnenswert.
Doch 4 Jahre später, also 1995, wurde Larry zum neuen Vorsitzenden der Mastitis-Expertengruppe (Group A2)
der Internationalen Gesellschaft für Milchwissenschaft (IDF) gewählt. Eine hohe Anerkennnung
seiner wissenschaftlichen Erfolge. Das Bild zeigt uns beide (Larry links) während einer Pause auf dem
Internationalen Mastitiskongreß 1990 in Gent (Belgien).
6. Bei Hund-besitzenden Corn-Produzenten
Nach kurzem Aufenthalt in Columbus, der Hauptstadt von Ohio, und abendlichem Besuch der dortigen Gaststätte Deibels
in German Village zum "Sing-a-long" mit gemeinschaftlichen Singen und Tanzen
kamen wir am nächsten Vormittag nach Millersport, nicht weit von Columbus entfernt. Dort wurden wir mit amerikanischem
Corn- und Sojaanbau vertraut gemacht. Die 650 ha große Soja- und Maisfarm bewirtschaftet David Miller mit seinem Bruder Jim,
die sich auf dem Bild zusammen mit ihren Söhnen gelassen amerikanisch geben. 10 km entfernt in Pleassantville
wohnt Jim, der von dort aus zusammen mit Bruder David und Vater Max noch die 3M-Enterprise Inc., eine Meliorationsfirma, mit schwerer Technik betreibt.
Vor seinem Haus sieht man seinen Sohn mit dem Sippenliebling, einem Münsterländer, und seine Frau, modisch in Shorts gekleidet.
7. Bei hölzernem Kleintierhospital
Nach einer herrlichen Vormittagsfahrt durch Virginia, erst von Roanoke auf der Straße Nr.87, dann entlang dem berühmten
Blue Ridge Parkway vom "Indian Gap" bis zum "Rockfish Gap" und schließlich weiter am Ostrand des Shanandoah National Parks,
wurden wir in Syria in der "Graves' Mountain Lodge" herzlich begrüßt . Zum Mittag gab es köstliche
Sachen vom "Home made cooking" . Der Zugriff bei der Selbstbedienung folgte streng dem vorgegebenen Prinzip
"Take what you want, but eat what you take".
In Syria , das im Madison County liegt, gibt
es eine bekannte Kleintierklinik, die der
gebirgigen Landschaft angepaßt, ganz aus Holz gefertigt wurde. Sie wird von 2 Tierärztinnen
betrieben und ist bestens eingerichtet, so mit einem großen Empfangs- und Aufnahmeraum, in dem auch
Diätfutter und Tierkosmetika verkauft werden. Weiterhin ist sie ausgestattet mit einem Hunde- und einem Katzenbehandlungsraum, mit
Operations-, Röntgen- und Tierbaderaum sowie mit vielen Boxen für die Aufnahme kranker und Pensionstiere.
Veronica Wahond, die Tierarzthelferin der Klinik, schickte mir später eine ganze Serie schöner
Bilder von dieser Klinik nach Deutschland. Ihr sei auf diesem Internet-Weg noch einmal herzlichst gedankt.
8. Bei exotischer Draht-Kuh
In Leon (VA) begrüßte uns vor dem Weingut "Prinz Michel Vineyard" etwas ganz Exotisches: eine vor einen Karren
gespannte Draht-Kuh.
Daneben wehten 5 Flaggen im Wind: BRD, USA, Frankreich, Virginia und Weingut.
Alle Bundesstaaten der USA haben neben ihrer "Staatsflagge" auch eine "Staatsblume", einen "Staatsvogel"
und einen "Staatshund", darüber hinaus eine "Staatsnummmer"und einen "Beinamen". Virginia betreffend,
sind das der "Hartriegel", der "Kardinal", der "Foxhund", die "10" und "The Old Dominion" ("Das alte Herrschaftsgebiet").
Die französischen Besitzer von "Prinz Michel" sind dabei, den Amerikanern hier den
"richtigen" Weinanbau und die "richtige" Weinherstellung "zu lehren". Wir erhielten einen umfassenden Einblick in die Arbeit dieser modernen
Kelterei, die unter besten klimatischen Bedingungen ausgezeichnet mundende Weinsorten herstellt. Davon konnten wir uns bei
der lustigen Weinverkostung überzeugen.
9. Bei paradiesischer Pferdeklinik
Die Klinik besteht unter dem Namen "Marion duPont Scott Equine Medical Center" in Leesburg (VA)
seit 1984. Bei unserem Besuch strahlte der Backsteinbau des Hauptgebäudes mit seinen 12 Büroräumen imposant in der Abendsonne.
In dieser Klinik sind 7 Tierärzte-Spezialisten und 5 Tierärzte in postgradualer Weiterbildung
mit weiteren 70 Leuten tätig. Die Klinik kann 5 Patienten in Boxen für intensivtherapeutische
Behandlungen, 2 Stuten in Abfohlboxen, 2 Patienten in Isolierboxen und weitere 20 Pferde in gewöhnlichen Patientenboxen
aufnehmen und hat im Jahr durchschnittlich 2 000 Patienten, 70% mit inneren und 30% mit Knochenerkrankungen. Sie fungiert als der nördliche Campus des Virginia-Maryland Regional College
of Veterinary Medicine und kann alles in allem als paradiesisch bezeichnet werden, was wohl auch die junge
Veterinärtechnikerin mit ihrem Paradise-T-Shirt im Einverständnis mit ihrer
Kollegin demonstrieren möchte.
10. Bei niedlichen Schweinchen
Wir sind nach Pennsylvania ins Franklin County gekommen und besuchten im Umland von Chambersburg die
Schweine- und Rinderfarm von Jere und Carol Wingert. Sie haben 140 Zuchtkühe einer Drei-Rassen-Kreuzung aus Angus, Simmentaler und Saler.
Pro Jahr mästen sie über 100 "home-raised" Bullen und Färsen. Die Abkalbezeit reicht von Februar bis Mai. In den Wintermonaten weiden die Kühe
auf den Maisstoppelfeldern, in den Sommermonaten wird eine 3-Wochen-Umtriebsweide genutzt. Die Farm bewirtschaftet 200 ha eigenes und 200 ha Pachtland.
Die 180 Tiere umfassende Sauenherde besteht aus Tieren einer Drei-Rassen-Kreuzung aus Yorkshire, Hampshire und Duroc.
Das Abferkeln erfolgt in neugebauten halbseitig offenen Stallboxen. Immer mehrere Sauen führen ihre munteren Ferkel
gemeinsam in solchen Boxen.
11. Bei einladender Plaste-Kuh
An der Edenville Road von Chambersburg begrüßte uns vor der Hamilton Heights Milchfarm von Clifford L. Hawbaker
auf einem Podest unter dem Farmschild eine Plaste-Kuh mit Blumen.
Die Farm bewirtschaftet zur Futterversorgung der Rinderherde mit 300 Kühen und 185 Jungrindern 120 ha Land.
Die Kühe haben eine Jahresleistung von 9 000 kg Milch, 320 kg Fett und 295 kg Eiweiß. Die Kühe werden in einer neuen Offenstallanlage
mit 4 Ställen und neuer Wasser-recyclierender Fließentmistung einschließlich Separierung, Soforttrocknung und Feldausbringung oder Kompostierung der Kotfeststoffe gehalten.
Zum Melken müssen die Kühe "hangaufwärts" etwa 200 m zum Melkhaus zurücklegen, wo sie jeweils um 4.00, 12.00 und 20.00 Uhr
in einem 3x6-Fischgrätenmelkstand gemolken werden, der mit Melkzeug-Abnahmevorrichtungen ausgerüstet ist.
12. Bei weltgrößter Kleintierklinik
Während einer dreistündigen Schiffsrundfahrt um Manhattan sahen wir vom East-River aus
in Höhe der "East 62nd Street" das imposante weiß leuchtende 8-stöckige Gebäude des
"The Animal Medical Center", der größten Kleintierklinik
der Welt. Erst später folgte dann der Besuch in dieser berühmten Einrichtung, die wegen
ihrer vielen speziellen Behandlungsmöglichkeiten und wegen ihrer Größe liebevoll als "Mayo-Klinik für Tiere"
bezeichnet wird. Das fast immer gefüllte Wartezimmer hat "Bahnhofsatmosphäre", wie es einmal H. Hagenlocher
im "Praktischen Tierarzt" (10/1988) benannte und zusätzlich mit dem Cartoon im Artikel "A day on the floor of (pets) general hospital" von D. Black
schon in "Womans Day" (13/1984) treffend charakterisiert wurde.
Die Klinik wurde 1962 eröffnet und trägt vom Vorläufer her auch noch den Namen "Ellin Prince Speyer Hospital". Sie wird von Dr. William J. Kay geleitet, der 1991 für seine Aktivitäten zur Förderung und
Festigung des "Mensch-Tier-Bundes" mit dem "Bustad Award" ausgezeichnet worden war und in der polnischen "Medycyna Weterynaryjna" (5/1996) seinen neuesten Bericht über diese Tierklinik veröffentlicht hat.
An der Klinik sind 300 Leute beschäftigt, darunter 90 Tierärzte, davon 25 in einer weiterbildenden "graduating intern class".
Rund um die Uhr tragen sie in mehr als 15 Spezialdisziplinen Sorge für tieräztliche
Beratungen, Behandlungen und Nothilfeleistungen.
Zur Klinik gehört das "Alfred Caspari Veterinary Research Institute", in dem
intensiv moderne Grundlagen- und angewandte Forschungen betrieben werden.
13. Im tierliebenden Washington
Washington besuchten wir am "Labor Day". Einerseits war es günstig wegen der relativen Verkehrsruhe,
andererseits entfiel wegen verschlossener Türen der vorgesehene Besuch in Beltsville im "Agrarwissenschaftlichen Forschungszentrum
des US Department of Agriculture" mit den dort geplanten Gesprächen über Tiergesundheitsforschungen der Zunkunft.
Die historischen Sehenswürdigkeiten und die beeindruckenden Kunst- und Kulturschätze Washingtons zogen uns
stark in ihren Bann. Hier nur eine themengebundene Auswahl davon:
Eine Sonderausstellung im Ost-Gebäude der Nationalen Kunstgalerie zeigte Arbeiten von Robert Rauschenbach,
so auch sein "Upton Pig Pox", das auf exotische Weise
eine Art Rückkopplung zu den "niedlichen Schweinen von Chambersburg" herstellte.
Nicht weit davon entfernt stand die mächtige "Steinbockfamilie", das "Capricorne" von Max Ernst.
Einen anderen Abguß hatte ich bereits 1990 im "Centre Pompidou" in Paris bewundert
und dort auch erfahren, daß der Erstling als Eisenbetonplastik im Künstlerstädtchen Sedona in Arizona vor den roten Felsen
zu sehen ist, wo Max Ernst eine Zeitlang lebte und arbeitete.
Weiterhin begeisterten und beeindruckten:
"die Reiterin zwischen den Bäumen" oder, richtig benannt, die "Blankovollmacht" von Renč Malgrite (im Hauptgebäude der Nationalen Kunstgalerie),
der "Reiter" von Marino Marini (im Skulpturengarten vor dem Hirshhorn Museum),
der "Rossebändiger" (am Gebäude der Federal Trade Commission).
14. Im tierliebenden Philadelphia
In Philadelphia führt der "Benjamin Franklin Parkway" vorbei am Washington Monument (1897 von Rudolph Siemering geschaffen)
zum großen Kunstmuseum, an dessen Treppenaufgang zwei in Deutschland gut bekannte Skulpturengruppen postiert sind. Es handelt sich um
die "Amazone" von August Kiss und um den "Löwenkämpfer" von Albert Wolff.
Beide Skulpturen stehen in Erstausführung vor dem Nationalmuseum im Berliner Lustgarten.
Als etwas Tierliebend-Nostalgisches sind die
Ein- und Zweispänner-Droschken anzusehen, die durch das neugestaltete historisch-alte Philadelphia kutschieren,
so auf der "Chestnut Street" vorbei an der "Independence Hall" und der "Liberty Bell".
15. Im tierliebenden New York
Zentraler Halte- und Sammelpunkt für die "1 PS New Yorker Fiaker" mit schwarzem Zylinder ist in New York die "Central Park South" beim Hotel " Plaza",
wo sie in die "Fifth Avenue" einmündet und wo dann die 300 PS Cadillac Stretch Limousines parken.
Auf der Madison Avenue reitet eine Polizeistreife im Rash-Hour-Verkehr. Vielleicht gelingt ihnen auch eine Verkehrsberuhigung.
Ruhiger und beschaulicher geht es aber im Zoo-Museum im Central Park zu, wo sich im Vordergrund
eine Frosch-Skulptur positioniert hat.
1995 brachten mir Tochter und Schwiegersohn von einem New York Trip ein typisch amerikanisches und
dazu noch ein tierisch-exotisches T-Shirt als Geschenk mit.
Ich finde, daß es die Tierliebe der New Yorker so richtiggehend zu charakterisieren vermag.
Wo sehen sie schon mal Kühe? Bestimmt nur nachts im Traum. Dann aber bitte auch fliegend!
Das Bild von mir "mit dieser über die große Stadt bei Mondenschein fliegenden Kuh" wurde
bei einer unserer Stammtisch-Zusammmenkünfte im
Leipziger Ratskeller aufgenommen.
16. Im tierliebenden Toronto (beim Abstecher nach Kanada)
Die East USA-Impressionen werden mit zwei Bildern aus Toronto von der Abstecherfahrt nach Kanada beendet. Plaste-Wildgänse "durchziehen" scheinbar mühelos
die überdimensionale Glashalle des Eaton-Kaufhauses, in der sie ein besonderes tierliebendes Flair verbreiten.
In der City Hall beeindruckte das Posterbild "Komm und spreche zu den Tieren!".
Es ist eine Verhaltensaufforderung an natur- bzw. tierliebende Menschen, besonders aber an Kinder und Jugendliche.
Machern, 26.8.1996 / Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updatet: 06. 05. 2003