Fisch-Geschichten eines Tierarztes aus Machern in Sachsen
Die rosarote Karausche
"Wie kommt ein rosaroter Fisch aus dem Gartenbiotop des Doktorhauses in der
Macherner Lindenallee in den Schwemmteich des Schloßparks und noch so weit rüber
?" könnte man abgewandelt in Anlehnung an ein anderes "kompliziertes biologisches
Ereignis" neugierig fragen. Es war am Freitag, dem 27. Februar d. J., als morgens gegen
9.00 Uhr Fritz Werner mit zufriedenem Gesicht am Ostufer des Schwemmteiches stand.
Denn schon beim ersten Netzzug des Abfischtrupps sah er seine rosarote Karausche im
Schleppnetz zappeln. Diese hatte er im Oktober vorigen Jahres dem Schwemmteich zur
Überwinterung anvertraut, wohl auch etwas in der Hoffnung auf ein biologisches Wunder,
was eintreten könnte. So meint er verschmitzt. Und er bezieht sich dabei gedanklich auf
die Paarungsmöglichkeit seiner Karausche mit den im Schwemmteich vorhandenen
Karpfen. Biologisch sind beide durchaus paarungsverwandt, da beide Arten zur Familie
der Karpfenfische gehören. Übrigens auch der Goldfisch, der bekanntlich von den
Chinesen und Japanern vor mehr als zweihundert Jahren aus einer goldgelben Abart der
Karausche, der sogenannten Goldkarausche, gezüchtet wurde. Der rosarote Fisch von
Fritz Werner ist vielleicht eine neue Karauschenabart oder nur ein verwilderter Goldfisch.
Nach der Rückführung aus dem Schwemmteich schwimmt er nun wieder in seinem
Heimatbiotop, und es ist abzuwarten, wie sich das so mit dem Wunder entwickeln wird.
Das späte Abfischen
Das späte Abfischen am 27. Februar 1998 war eine Maßnahme zur Gewährleistung der
nachfolgenden Aufmast bei den Spiegelkarpfen, die vor 15 Monaten als K1-Stufe
(einjährige Satzfische, etwa 50 g schwer) in den Schwemmteich eingebracht worden
waren. Das "spät" bezieht sich dabei auf den Jahreszeitpunkt. Wenn es der
Teichwirtschaft Machern/Sachsen arbeitsmäßig möglich gewesen wäre, dann hätte sie
dieses Abfischen bereits einige Monate früher, im Oktober/ November, stattfinden lassen.
So wurden jetzt erst die Fische als K2-Stufe (zweijährige Satzkarpfen, etwa 500 g schwer)
mit dem Netz gefangen, entsprechend aussortiert, in luftdurchperlten Wasserbehältern
zum Kohlenbergteich bei Brandis gebracht und dort ausgesetzt. In ihrem dritten
Lebensjahr sollen sie mindestens das Verkaufsgewicht von 1,5 Kilo erreichen. Da sich die
Kaufgewohnheiten für Weihnachten und Silvester auf Zweikilo-Karpfen geändert haben,
ist oft noch ein weiteres Aufmastjahr notwendig.
Wie die Bilder zeigen, werden zum Abfischen zusätzlich zum Stammpersonal der
Teichwirtschaft immer eine Vielzahl weiterer kräftiger Männer benötigt, von denen bei den
einzelnen Vorgängen des Abfischens eine gut eingespielte Teamarbeit verlangt wird. Es
sind Freunde, Angler, Rentner und andere Interessierte aus Machern und Umgebung, die
immer wieder gern mit zupacken.
Das späte Abfischen war verbunden mit einem einwöchigen Ablassen des
Schwemmteiches. Dies führte dazu, daß das neue Schwanenpaar durch die immer kleiner
werdende Teichfläche verunsichert wurde und ihr neues Paarungs- und Brutrevier, den
Schwemmteich, erst einmal verließ. Es kam wieder.Aber eine erfolgreiche Schwanenaufzucht wie 1997 dürfte
in diesem Jahr auf dem Schwemmteich kaum möglich werden, zumal das Vollaufen des
Teiches durch die damals in Angriff genommenen Uferbefestigungsarbeiten noch weiter
hinausgezögert wurde.
Die Teichwirtschaft
Die Teichwirtschaft Machern/Sachsen ist eine GbR, deren Inhaber der Fischereiingenieur
Dietmar Schlosser und der Diplomfischwirt Siegfried Schuchardt sind. Der Betrieb
enstand 1991 aus Teilen des VEB Binnenfischerei Wermsdorf und bewirtschaftet
gegenwärtig 200 ha Teichflächen. Davon sind 70 ha Eigentum, wie zum Beispiel die
Lübschützer Teiche außer dem Iristeich. Die anderen sind Pachtflächen, wie zum Beispiel
der Schwemm- und der Mühlteich in Machern. Die insgesamt zu bewirtschaftenden 40
Teiche liegen verstreut im Muldentalkreis, im Landkreis Delitzsch/Eilenburg und im
Landkreis Leipzig. Dafür stehen den Inhabern zwei Angestellte und ein Lehrling zur
Verfügung sowie zusätzlich Saisonarbeitskräfte. Hauptaufgabe ist die Produktion und
der Verkauf von heimischen Frischfisch, vorrangig von Spiegelkarpfen, etwa 100 Tonnen sind
es im Jahr. Aber auch Rotfedern, Bleie, Barsche, Hechte und Zander, manchmal auch
Welse sind dabei. Weiterhin erfordert die Pflege und Bewirtschaftung der Gewässer die
strikte Beachtung der ökologischen Vorschriften für die Trinkwasserschutzgebiete und die
Einhaltung der Fischartenvielfalt in den Gewässern. Die Teichwirtschaft nimmt von sich
aus auch Rücksicht auf kommunale Interessen, wie am Sahlweidenteich, dem Badeteich
im Lübschützer Naherholungsgebiet der Gemeinde Machern, wo sie Fischfütterungen
unterläßt, und zwar auf Kosten von Ertragseinbußen, aber sehr zu Gunsten einer guten
Wasserqualität .
Der hochgehaltene Kabeljau
Einmal in der Woche, am Dienstag, kommt auf seiner Klingeltour durch das Muldental Knut
Müller mit dem Fischwagen auch nach Machern und bietet jeweils eine Viertelstunde lang
auf dem Neumarkt und und etwas später an der Einfahrt zum Wohngebiet Schloßblick
seine leckeren Früchte der Teiche, Seen, Flüsse und Meere feil. Er gehört zum
Fischhandel der Katrin Meiner aus Brandis, die mit einem zweiten Wagen ebenfalls
unterwegs ist. Beide erfreuen Fischliebhaber mit den unterschiedlichsten Arten von
Frischfisch, Räucherfisch und Fischfeinkost. Die grünen Heringe aus der Nordsee sind
immer etwas größer als die aus der Ostsee, weshalb man bei letzteren doch einen mehr
kaufen sollte, um seinem Verzehrswunschgewicht zu entsprechen. Frisch geräucherte
Karpfen aus der eigenen Räucherei sind Leckerbissen von Knut Müller. Bis Ostern werden
allgemein hin Karpfen verkauft. Danach ist erstmal eine Weile Schluß, um ab
September/Oktober das Karpfengeschäft wieder zu eröffnen. Aber auch der im Bild von
Knut Müller hochgehaltene Kabeljau ist nicht zu verachten. Dieser Seefisch kommt direkt
aus Bremerhaven.
Die Teichwirtschaft Machern besitzt in der Mühlenstraße ein Fischgeschäft. Die meiste Zeit
des Jahres ist es allerdings geschlossen, da es sich hier nur von Oktober bis Dezember
kostengünstig betreiben läßt und dann auch nur freitags. So ist es für einen großen Teil
der Macherner Einwohner von großen Wert, wenn die Fisch-Klingeltour mit Knut Müller zu
festen Terminen Machern regelmäßig und fast ganzjährig ansteuert.
Seit 1997 bietet das Restaurant im Schloß Machern seinen Gästen leckere Fischgerichte
auch mit dem Kick der Selbstauswahl des Lebendfisches aus dem im Schloßhof
stehenden Fischbecken. Darin schwimmen Forellen, Aale und auch mal Afrikanische
Welse.
Petri Heil!
Die meisten Angler von Machern, Gerichshain und Püchau, etwa 25 Petri Jünger, gehören
dem DAV-Sportfischerverein 1960 Bennewitz e.V. an, der seit 1993 unter diesem Namen
wirkt. Ihr emsiger Vereinsvorsitzender ist Gerd Kaiser aus Schmölen. Die Vereinsmitglieder
sind die Glücklichen. Denn haben sie den Fischereischein der Sächsischen
Fischereibehörde in der Tasche, dann können sie ihren geliebten Angelsport in den
Vereinsgewässern auch ohne Angelschein ausüben. "Lehrgänge zur Erlangung der
Sachkunde für den Fischereischein" werden in Sachsen von den beiden
großen Anglerverbänden durchgeführt, vom VDSF (Verband der deutschen Sportfischer)
und vom DAV (Deutscher Anglerverband). Nach 30 Lehrgangsstunden ist eine Prüfung
abzulegen. In diesem Jahr wurde in Sachsen bereits 4000 mal der
Fischereischein ausgegeben, der die Voraussetzung für den notwendigen
Erwerb eines Angelscheines darstellt, um in fremden Gewässern straffrei zu angeln. Zum
Beispiel erhält man im Lübschützer Naherholungsgebiet beim Campingplatzleiter
einen Angelschein. 15 DM für einen Tag oder 50 DM für eine Woche ermöglichen dann, in dortigen Teichen der Teichwirtschaft
Machern "die Jagd nach Fisch für den Mittagstisch" oder auch nur "das Dösen und
Meditieren vor der im Wasser schwimmenden Pose".
Alle Bilder mit Unterschriften
Machern, 15.04.1998/ Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updated: 14.06.1998