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"Milch macht müde Leute munter". Gegenwärtig werden in
Sachsen etwa 250 000 Kühe gehalten. 5 Millionen sind es in Deutschland und 1,3 Milliarden Rinder
auf der ganzen Welt, darunter die 190 Millionen "heiligen Kühe" in Indien.In einem Bericht über die bisher sehr erfolgreich laufende und gelaufene Ausstellung bringt Rüdiger Dillo (Die Zeit Nr.25/97) neben dem rundum Positiven sein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß der Ausstellung das lebende Exponat in Form einer braven sächsischen Schwarzbunten fehlt, am besten mit zwei Kälbchen, draußen auf der großen Wiesenfläche vorm Museum zum Fühlen des weichen Felles und des warmen Euters. Dem einem fehlte eben dies, dem anderen fehlte noch das, wie zum Beispiel ein Exkurs zur "Die Kuh in der Kunst" als kulturgeschichtliche Abrundung der Ausstellung. Inspiriert durch die Dresdener Ausstellung soll dieser Exkurs nachfolgend als zweite Kuh-Geschichte mit den durch gebotene Kürze notwendigen Einschränkungen versucht werden.Das zweite Bild und und das Endbild davon waren auf der Ausstellung als reale Exponate vorhanden gewesen.
Die Ausstellung wird künftig weiter existieren, und zwar als Wanderausstellung. So zeigt sie der Sächsische Landeskontrollverband e.V. vom 10. bis 27.3.1998 in Lichtenwalde im Freistaat Sachsen .


In seiner tierärztlichen Dissertationsschrift "LA VACHE SACRE: MYTHES ET REALITES"
veröffentlichte der Franzose Desoutter-Lefevre (Paris-Alfort) 1980 das Bild "Heilige Kuh mit
Blütenkranz" zusammmen mit dem Ausspruch von Gandhi "Die Kuh ist ein Poem des
Mitgefühls". Gandhi lehrte die Hindus einst, die Kühe für Güte und Sanftmut zu verehren. Sie
werden in Indien fast nur zur Milchgewinnung und als Zugtiere gebraucht. "Man mag um die
Zukunft Indiens bangen. Aber nichts ist so entwaffnend wie der Anblick einer Kuh mit einer
Krähe auf dem Rücken, wie sie mitten auf einer großstädtischen Kreuzung im tosenden
Feierabendverkehr symbolträchtig dasteht, ein unverwundbarer unerschütterlicher Felsen im
Fluß vergänglicher Zeit". (Luise Crome)
Eine fast zärtliche Kuhdarstellung schuf F.E. Adam 1754 mit der Skulpturengruppe "Jupiter
mit der in eine Kuh verwandelten Jo" an der Großen Fontäne im Potsdamer Park von
Schloß Sanssouci. Es versinnbildlicht die mythologische Geschichte von dem in die schöne
Jo, Tochter des Königs Argos, verliebten Jupiter, der sie zum Schutz vor seiner eifersüchtigen
Frau in eine weiße Kuh verwandelte. Juno, argwöhnisch geworden, ließ Jo durch eine Bremse
stechen. Das trieb die Kuh Jo in den Wahnsinn und voller Unruhe in die Welt. So kam sie
über die nach ihr benannte Furt (Kuhfurt = Bosporus) nach Asien und Ägypten.
Rückverwandelt, gebar Jo dann dem Zeus noch einen Sohn. Aus dieser Geschichte wird der
wissenschaftliche Begriff für die Brunst abgeleitet: Östrus. Denn lateinisch heißt Bremse
"oestrus". Sie führte zu der "mythologischen Unruhe und Raserei".
Auf dem Bild "Die Melkerin" von Paulus Potter (1625 - 1654) sieht man eine Kuh gelassen-
konzentriert beim Melken in ländlich-schalkhafter Szene: die Melkerin bespritz neckend ihren
sich nähernden "Galan" mit einen Strahl Milch. Das Gemälde hängt im Staatlichen Museum
Schwerin.
Franz Mark (1880 -1916) malte 1911 "Die gelbe Kuh", wie sie in den Bergen seiner
bayrischen Heimat umherspringt. Sie ist eine seiner zahlreichen expressionistischen
Tierdarstellungen und befindet sich im New Yorker S.R. Guggenheim Museum.
"Die fliegendeKuh" über einer Großstadt bei Mondschein und Sternenlicht und die
Aufschrift "a cow a moon a big city - New York" auf dem kunstvollen T-Shirt des Autors
beim Stammtisch vermögen so richtig die Tierliebe der New Yorker nachzuvollziehen: "Wo
sehen sie schon mal Kühe? Bestimmt nur nachts im Traum. Dann aber bitte fliegend." 
Wie kam es wohl im sächsischen Machern zu solchen mythologisch-romantisch-sentimentalen Namensgebungen
für die gräflichen Kühe?. Carl Graf von Lindenau, Besitzer des Macherner Rittergutes bis 1802, war von 1786
bis 1808 bei den preußischen Königen in Potsdam und Berlin erst als Reisestallmeister, dann als
Vice-Oberstallmeister und ab 1788 als Oberstallmeister tätig. Hier machte er auch die ihn geistig
stark beeinflußende Bekanntschaft mit dem Park von Sanssouci und dessen vielen, von großen
Meistern geschaffenen antikisch-mythologischen Skulpturen. Das Musenrondell mit den ehemals
acht, nach einer Entwurfszeichnung Knobelsdorffs von Christian Friedrich Glume 1752 geschaffenen
Musen hatten ihn wahrscheinlich besonders berührt und zu den Namensgebungen für seine Macherner
Rittergutskühe inspiriert.
In einer "Bildparade" können die 1995 vorhanden gewesenen sieben Musenskulpturen betrachtet werden
(Clio fehlte und Urania war fürs Musenrondell nicht konzipiert worden).
Diese Namensgebungen waren wohl mehr der Ausdruck einer zutiefst sentimental-romantischen Empfindsamkeit der damaligen Zeit, wie sie gleichfalls im Macherner Schloß- und Parkbereich auf die verschiedenste Art und Weise verwirklicht wurde. Damals wie heute hatten und haben Macherner Kühe aber als vorrangige Aufgabe, wie anderenorts die Kühe auch, möglichst viel Milch zu bilden.
Das bäuerlich-gutsherrschaftliche Dorf Machern in Sachsen besaß um 1800 etwa 110 Kühe.
1950 waren es 120 Kühe bei 18 Alt- und 18 Neubauern. Die Entwicklung in der
Landwirtschaft der DDR führte danach zur Konzentrierung der landwirtschaftlichen
Betriebe, Nutzflächen und Viehbestände, so daß es in Machern selbst 1980 keine
Kühe mehr gab, wie auch heute. Aber der jetzige Betrieb, die Machern Landwirtschaft GmbH & Co.
KG hält als Großraumeinrichtung auf 5000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche
der Großgemeinden Machern, Brandis, Beucha und Bennewitz mit Stammsitz in
Grubnitz immer noch 800 Kühe in den Ställen von Püchau und Bach. Sie haben eine
durchschnittliche Jahresmilchleistung von 6000 kg pro Kuh, gegenüber von 3700 kg
der 2200 Kühe vor 10 Jahren im damaligen Vorläuferbetrieb, in der Landwirtschaftlichen
Kooperation Wurzen-West mit 6000 Hektar.
Das Abschlußbild zeigt die Kuh Nr. 39936 , eine der besten Kühe im Stall Püchau,
mit 7800 kg Jahresmilchleistung.
