Carl Heinrich August Graf von Lindenau aus Machern
anlässlich seines 250. Geburtstages auch in Neustadt an der Dosse
geehrt
Am 13. Mai 2005 fand aus oben genanntem Anlass in der Kleinen Reithalle
des Brandenburgischen Haupt- und Landgestütes Neustadt/Dosse eine
festliche Veranstaltung statt. Auf ihr wurde das Leben und Wirken des aus
dem sächsischen Machern stammenden Grafen gewürdigt, der
vom 21. 2. 1755 bis 11. 8. 1842 lebte. Im Auftrage des preußischen
Königs Friedrich Wilhelm II. gründete er 1788 bzw. 1789 die beiden
Gestüte, deren bauliche Seite in den Händen von E.
W. Glasewald lag, dem Bauinspektor seines Obermarstallamtes.
Als Königlich-preußischer Oberstallmeister trug Graf von Lindenau
bis 1808 die Leitungsverantwortung für alle preußischen Gestüte
und wurde durch seine erfolgreiche reformierende Tätigkeit zum Begründer
des preußischen Gestütswesens und der Landespferdezucht. Das
Neustädter Landgestüt trug lange Zeit seinen Namen
als "Landgestüt Lindenau" oder auch "Hof Lindenau" und war Hengstdepot.
Das Hauptgestüt hieß "Friedrich-Wilhelm-Gestüt" und hielt
die edlen Hauptbeschäler und Zuchtstuten mit ihren Fohlen.
Auf der Veranstaltung folgten nach der Begrüßung durch den
stellvertretenden Vorsitzenden des Rates der Stiftung Brandenburgisches
Haupt- und Landgestüt (BHL) Ralf Lankamp die Vorträge
von Prof. Dr. Heinz Mielke, Machern, über "Leben und
Wirken des Grafen von Lindenau", von Dr. Jürgen Müller,
Landstallmeister und Geschäftsführer der Stiftung BHL, über
"Graf Lindenau als Königlich-preußischer Oberstallmeister" und
von Martina Reimann, Bauverantwortliche der Stiftung BHL, über
"die Pflege des Erbes von Graf Carl von Lindenau" (s. Lindenau-Ehrung
in Machern).

Landstallmeister Dr. Jürgen Müller präsentierte auf der
schattigen Mittelallee des Innenhofes vom Hauptgestüt
nach den Vorträgen erst mehre Zuchthengste, darunter auch einen Kaltblüter
(Bild u.) und danach Mutterstuten der Warmblutrasse "Brandenburger"
mit ihren 14 Tage alten Fohlen (Bild o.). Man sieht hinter ihm das Landstallmeisterhaus
und links im Bild Heinz Hoppe, der der Direktor des Hauptgestütes
seit 1965 und nach der Zusammenlegung mit dem 1 km entfernten Landgestüt
Chef beider Gestüte als Landstallmeister von 1991 bis 1996 war.
"Nathan", ein Pachthengst aus dem Rheinland, der die Wünsche der
Kaltblutzüchter in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bedient.

Das Hauptgebäude des Landgestütes,
in dem zur Zeit die Geschäftsführung und Büros der Stiftung
Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse untergebracht
sind (Bild o.). Rechts und links neben dem Hauptgebäude befinden
sich die Hengstställe und gegenüber Wirtschaftsgebäude,
Reitbahn und großes Tor. Zusammen bilden sie einen Vierseitenhof
mit Innenpaddosks und der lebensgroßen Bronzestatue (Bild u.) vom
berühmten Hengst "Kolibri" (1979-2004) . Auch das Hauptgestüt
ist
so ein Vierseitenhof. Es wird angenommen, dass diese Bauform dem Sächsischen
Hauptgestüt in Graditz entlehnt wurde. Pöppelmann hat es
1722 erbaut. Graf Heinrich Gottfried von Lindenau, der Vater des Jubiläumsgrafen,
war von 1759 bis 1763 dort leitender Stallmeister und hatte danach
als Kurfürstlich-sächsischer Oberstallmeister die Oberleitung
inne. Nicht nur der Grafen-Sohn wird somit Graditz gut gekannt haben, sondern
auch sein Bauinspektor E. W. Glasewald, da dieser schon 1784 für den
Grafen-Vater Wirtschaftsgebäude auf dessen Rittergut in Machern gebaut
hat.
Die wichtigste Aufgabe der Neustädter Gestüte ist auch heute,
wo gegenwärtig 370 Pferde betreut werden, die Haltung der Hengste,
verbunden mit deren Besamungs- und Deckeinsätzen. Zusammen mit "Nathan",
dem Pachthengst (s. o.), werden noch weitere 22 wertvolle Warmblut- und
Vollbluthengste auf den beiden Besamungsstationen in Neustadt/Dosse und
Krumke/Altmark in der Zeit von Januar bis August, bei Bedarf täglich,
abgesamt. Vom Neustädter Landgestüt waren in diesem Jahr von
Februar bis Juli weitere 56 Hengste auf 16 Deckstationen in Brandenburg
und Sachsen-Anhalt im Deckeinsatz zum Wohle der Pferdezüchter. Nach
der Decksaison kehrten diese Hengste ins Landgestüt zurück und
wurden auf die 4 Neustädter Hengstparaden vorbereitet, die im September
stattfinden (4., 10., 18., 24.).
Die vom Berliner Bildhauer A. A. Hoferick geschaffene Bronzestatue
"Kolibri" wurde
am 30. 9. 2001 aufgestellt und ehrt den erfolgreichsten Sportpferdevererber
der neuen Bundesländer.
Bereits 1999 wurde Carl Graf von Lindenau eine große ehrenvolle
Anerkennung zuteil, als dem neu erbauten Reit- und Veranstaltungszentrum
Neustadt/Dosse der Name Graf-von-Lindenau-Halle"
verliehen
wurde.
Machern, 06. 09. 2005/Prof.
Dr. Heinz Mielke