Die Lindenaus als adlige Rittergutsbesitzer in Machern (1)
Die ältere und die jüngere Machernsche Linie
Die ältere Machernsche Linie oder die Heinrich-Linie
Die Lindenaus waren 350 Jahre auf Machern. Als ihr Stifter und Urvater
gilt Albrecht von Lindenau, der zusammen mit seinen
Brüdern
Hanns
und Burkart 1453 von Herzog Friedrich von Sachsen mit Machern,
Zeititz,
Polenz, Ammelshain und Lindenau belehnt wird. Durch Vererbung
entwickeln
sich drei Hauptlinien:
I. Heinrich-Linie oder ältere Machernsche
Linie.
Sie
war seit 1465 in 7 Generationen 200 Jahre auf Machern und Zeititz
(stirbt
1665 aus).
Zu ihr gehören:
1. Heinrich von Lindenau
(Sohn v. Albrecht, gest. 1505)
2. Albrecht von Lindenau (Sohn v. 1., gest. 1533)
3. Heinrich
von Lindenau (Sohn
v. 2., 1496-1561) ; Wolff
von Lindenau (Sohn v. 2., Bruder v.3., gest. 1530 oder 1536)
4. Wolff von Lindenau (Sohn v. 2., Stiefbruder v. 3.,
1519-1589)
5. Friedrich von Lindenau (Sohn v. 4., 1563-1634)
6. Wolf Friedrich von Lindenau (Sohn v. 5., 1600-1642)
7. Ernst Joachim von Lindenau (Bruder v. 6., 1607-1665)
Rechts das Denkmal eines Hern von Lindenau in der
Kirche
zu Machern.
Es bezieht sich wahrscheinlich auf Heinrich (gest. 1561): Vor
einem kleinen
Kreuze knieet der Verstorbene in voller Rüstung, Helm und
Handschuhe
auf dem Boden. Je zwei Wappen am rechten und linken Rand.Über
der
Hauptplatte zwei Köpfe auf Consolen, die zwei Putten mit
Sanduhr
und
Todtenkopf tragen. In der Mitte ein Relief mit Gott Vater in den
Wolken, der Weltkugel und der Taube. (Gurlitt, 1898)
Andere Linien: die Stammsitz-Linie und die Polenz-Linie
II. Burkart-Linie. Sie war seit 1450 auf dem Stammsitz in
Lindenau
bei Leipzig , der 1520 an die Stadt Leipzig verkauft wird (stirbt 1637
aus).
III. Hanns-Linie. Sie war seit 1475 auf Polenz und
spaltet
sich um 1600 in:
a) Georg-Ernst-Linie. Sie war mit einem 1. Ast auf
Schmorkau (stirbt
1795 aus) und mit einem 2. Ast auf Windisch-Leuba und Altenburg
vertreten, zu dem
der ehemalige Sächsische Staatsminister und Begründer des
Altenburger
Lindenau-Museums, Baron Bernhard August von Lindenau
(1779-1854) und auch die Polenzer Adligen von Trebra-Lindenau gehören.
Als der Polenzer Rittergutsbesitzer Gottlob Heinrich von
Lindenau
(1754-1830)
in Schneeberg stirbt, wo er Königlich-sächsischer Kammerherr
und Kreis- oberforst- und -oberwildmeister gewesen ist, erbt das
Rittergut
seine einzige Enkelin Felicie von
Petrikowsky-Lindenau. Sie heiratet 1841 den
Oberforstmeister
Johann
Oskar von Trebra. Die Familie darf sich mit königlicher
Erlaubnis ab 1854 von
Trebra-Lindenau
nennen. Ihr Nachkomme Friedrich von Trebra-Lindenau besaß
das Rittergut
Polenz von 1921 bis zur Enteignung im Oktober 1945. Er hatte 5 Kinder
(Joachim, Huberta, Manfred, Reinhild und Hans-Heinrich).
Sein
Sohn
Manfred bewirtschaftete das Gut von Juni bis Oktober 1945.
b) Siegmund-Linie.
Sie war seit 1522 auf Polenz und seit
1533 auf
Ammelshain.
Siegmund besaß den oberen Teil vom Rittergut Polenz. Wegen der
Pest mußte er mit der Familie fliehen und stirbt 1638 in Grimma.
Sein Sohn und Erbe Wolf von Lindenau (geb. 1634) wurde von
seinem
Vetter Georg Ernst, der den unteren Teil besaß, aufgenommen und
erzogen.
Nach dessem Tode erbte er dessen Teil und 1665 nach dem Tode von Ernst
Joachin auch noch die Rittergüter Machern und Zeititz.
Die jüngere Machernsche Linie oder die Wolf-Linie
Sie war seit 1665 in 4 Generationen 137 Jahre auf Machern und geht auf Wolf von Lindenau zurück,
darin
eingeschlossen
der 1764 durch Heinrich Gottlieb von
Lindenau gebildete Grafen-Ast (stirbt 1842 aus). Ein
weiterer Ast
der jetzt noch Lebenden von Lindenaus geht auf Wolff Gottlob zurück,
auf den zwei Jahre älteren Bruder von Heinrich Gottlieb Graf von
Lindenau zu dem Margitt von Reclam-Schlee gehörte (s. u.).
Zur jüngeren Machernschen Linie gehören:
1. Wolf von Lindenau
(Sohn v. Siegmund, 1634-1710)
2. Gottfried Anshelm von Lindenau
(Sohn v. 1., 1693-1749)
3. Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau
(Sohn v. 2., 1723-1789)
4. Carl Heinrich August Graf von Lindenau
(Sohn v. 3., 1755-1842)
Rechts: Ausschnitt aus seiner Wappen-Ahnentafel, die sich in
der Lindenau-Ausstellung im Schloß Machern befindet. Sie reicht
im
männl. Stamm bis Siegmund zurück.
Wolf von Lindenau

Er
lebte
von 22.4.1634 bis 3.7.1710 und war im Sachsenlande eine hochangesehene
Persönlichkeit und zu verschiedenen Zeiten Kammerjunker,
Ober-Küchenmeister
und Ober-Land-Fischmeister in churfürstlichen Diensten sowie
Amtshauptmann
von Leipzig, Wurzen und Mutschen, vorrangig aber Besitzer der
Rittergüter
Machern, Zeititz, Polenz (bis ?), Gotha, Lassen und Eulenfeld.
Nach seinen ersten beiden Ehen mit den Frauen von Pistoris und von
Kottwitz heiratete er schicksalsbedingt noch weitere 3 mal: Martha von
Beichling (1666), Katarina von Starrschedel (1678) und Eva Maria von
Warnsdorf
(1682). Aus den Ehen gingen 18 Kinder hervor. Das alles steht
geschrieben
im Macherner Kirchenbuch oder geht aus der Inschrift auf dem aus
dunkelviolettem
und weißem Marmor gefertigten Epitaph hervor, der ihm zum
Gedenken
in der Macherner Kirche aufgestellt ist. Dieses ansehnliche Grabmal
erhält
seine Schönheit durch vier Figurengruppierungen: oben links "Die
Klugheit
mit Buch und Schlange" und oben rechts "Die Gerechtigkeit" (Waage und
Schwert
fehlen heute) und an der Seite links "Die Mutter mit Kindern" und an
der
Seite rechts "Der Glaube mit Kelch und Kreuz, auf die Weltkugel
tretend".
Oben in der Mitte befand sich ein in Öl auf Kupfer gemaltes
Porträt
von Wolf von Lindenau, das 1978 entwendet wurde. Die Inschrift des
Grabmals
ist umrahmt von 10 Wappen aus Marmor.
Gottfried Anshelm von Lindenau
Er lebte von 8.10.1693 bis 10.4.1749. Nach dem Tode seines Vaters Wolf
von Lindenau wurde er Besitzer und Patrionatsherr auf Machern. 1719
heiratete
er Christiane Elisabeth von Ziegler und Kliphausen, die Tochter von
Carl
Gottlob von Ziegler und Kliphausen aus dem Hause Cunewalde. Sie lebte
vom
1.2.1700 bis zum 26.4.1774. Ihr Vater war Sächsischer
Generalleutnant
und Kommandant der Festung Königsstein, wo er um 1700 florierte.
Er
lebte von 1650 bis 1715 und war der Vetter von Heinrich Anshelm von
Ziegler
und Kliphausen. Aus der Ehe von Gottfried Anshelm von Lindenau mit der
Generalstochter gingen 16 Kinder hervor. Das Ehepaar ließ 1733
vom
Leipziger Glockengießer Johann Christoph Hiering eine große
und eine kleine Glocke für ihren Macherner Schloßturm
gießen.
40 Jahre lang fehlte in unserer Zeit durch Abriss die Schlossturmhaube
mit den Glocken. Seit der Restaurierung im Jahre 1988 hängen die
Glocken
jedoch wieder am alten Platz und schlagen mit Hilfe des erneuerten
Uhrwerks
die Voll- und Viertelstunden. Sie sollten als ein bleibendes Denkmal
für
die beiden Lindenaus betrachtet werden. Und das auch besonders durch
die
Inschrift an der großen Glocke, in der Frau von Lindenau zwar
nicht
richtig als Christiane sondern als Christina benannt ist. Die Inschrift
lautet:
ICH GOTTFRIED ANSHELM VON
LINDENAU
UND ICH CHRISTINA ELISABETH VON LINDENAU
GEBORENE VON ZIEGLER UND KLIPPHAUSSEN
LIESSEN DIESE ZWE GLOCKEN VOR UNS UND
ZEHEN LEBENDIGE KINDER VERFERTIGEN LASEN
GOS MICH HIERING IN LEIPZIG 28 MAY ANNO 1733
Zu ihren Kindern gehören (laut Kirchenbuch Machern):
Ernst Gottfried (*1720), Wolff Gottlob (*1721), Gottfried Anshelm
(1722-1724),
Heinrich Gottlieb (3. 7. 1723
bis 11. 10 1789), Christina Elisabeth (1725-1796), Eva Maria
(*1726),
Sophia Tugendreich (*1728), Gottfried Anshelm (*1729), Friedrich
Gotthard
(*1730), Adolph Traugott (*1731), Carl Lebrecht (*1733), Ferdinand
Rudolph
(1734-1766) mit Charlotta Christina (1734-1735), Gustaph Adolph
(1736-1754),
Louise Elisabeth Charlotte (1741-1748) mit Johann Adolph (*1741).
Heinrich Gottlieb von Lindenau
wurde 1764 in den Reichsgrafenstand erhoben. Mit
ihm
begann der Grafen-Ast der Lindenaus zu existieren. Sein Sohn Carl
Heinrich August Graf von Lindenau (1755-1842), der Inscribenius
(Erbgraf), ist der
Schöpfer
des berühmten Macherner Schloßparks. Seine Ehe blieb
kinderlos, sodass mit ihm der
Grafen-Ast
der Lindenaus und die jüngere Machernsche Line der
Lindenaus 1842
austarb.
Er hatte den Lindenauischen Machernbesitz 1802 verkauft und lebte
danach zusammen mit seiner
Frau
in Preußen nach einander auf seinen Gütern Glienicke,
Büssow und Bahrensdorf.
Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau und Carl Heinrich August Graf
von Lindenau


Über beide wird berichtet in:
"Machern
- die Wiege der beiden Lindenau-Grafen"
und bei:
Heinrich Graf von Lindenau,
Churfürstlich-Sächs.
Oberstallmeister (links), und bei:
Carl Graf von Lindenau,
Königlich-Preuß.
Oberstallmeister
Die letzten Ruhestätten der beiden Lindenau-Grafen

in
Machern
in Lieberose
Die Gebeine von Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau
(1723-1789)
in der hochadligen Kirchengruft zu Machern (linkes Bild,1996) und die
Grabstätte
von Carl Heinrich August Graf von Lindenau (1755-1842) auf dem
Städtischen Friedhof von Lieberose (rechtes Bild, 1996). Das
rechte gusseiserne
Kreuz
gehört seinem Gedenken , die anderen 3 seiner Frau, Christine
Henriette
geb. von Arnim (1762-1833), und ihrem befreundeten Ehepaar in
Lieberose,
Friedrich Ferdinand Bernhard Achaz Graf von der Schulenburg (gest.
1847)
und Auguste Sophie Rosamunde geb. aus dem Winkel (gest.1838).
Restaurierte
Grabstätte derer von Lindenau und derer von der Schulenburg in
Lieberose,
eingeweiht am 5. Juni 2008

Lindenau-Nachfahrin Margitt von Reclam-Schlee (*6. 5. 1931, + 28. 6.
2008) bei der Einweihung
der restaurierten Grabstelle,
deren Initiator und Aktivator sie in den vergangenen 3
Jahren gewesen war. Rechts die Erinnerungstafel.
(Am 25. 7. 2008 wurde die Urne mit ihrer Asche auf dieser
Grabstelle ihrer Vorfahren im stillen Gedenken beigesetzt.)
(4 Fotos: Ulrike
Lutz, Neustadt/Dosse)

Die Vorderseiten der beiden Lindenau-Kreuze. Auf dem
rechten steht:
Dem Andenken
des Herrn Carl Heinrich August Grafen
von Lindenau
Königl Preuß General
Lieutenants und Oberstallmeisters
Johanniter - und vieler hoher Orden
Ritters
gewidmet
Die Rückseiten der beiden
Lindenau-Kreuze. Auf dem linken Kreuz steht:
Geboren zu Machern bei Leipzig den 21.
Februar 1755
Vollendet zu Bahrensdorf bei Beeskow
den 11. August 1842
Machern, 30. 12. 2000/von Prof.
Dr. Heinz Mielke mit Zuarbeit von Kathrin Franz
Geändert: 04. 06. 2008